Privatkredit: Möglichkeiten, Zinsen und Bonitätsprüfung in Österreich

Datum: 27.02.2020 | Autor: Redaktion

Privatkredit

Möbel, Ausbildung oder Reise: Mit einem Privatkredit lassen sich Träume verwirklichen und finanzielle Engpässe überbrücken. Aber was ist darunter genau zu verstehen? Welche Möglichkeiten gibt es, um an einen solchen Kredit zu kommen? Welche Laufzeit, Zinsen und Höhe kann man erwarten? Diese und weitere Fragen beantworten wir im folgenden Beitrag!


Was ist ein Privatkredit?

Der Begriff „Privatkredit“ ist ein wenig verwirrend, weil er im Prinzip für zwei verschiedene Kredit-Arten steht:

  1. Kredit von Banken an Privatpersonen: Er dient meistens zur Finanzierung von größeren Konsumausgaben (z. B. Auto, Einrichtung, Elektronik) und wird deshalb auch als Konsumentenkredit oder Ratenkredit bezeichnet. Die Bonitätsanforderungen sind hier vergleichsweise hoch.

  2. Privatkredit von Privatpersonen: Hier verleihen nicht Banken das Geld, sondern private Personen – zum Beispiel Verwandte oder Bekannte. Mittlerweile werden solche Kredite sogar manchmal über Online-Plattformen vergeben („Peer-to-Peer-Kredit“). Die Bonitätsanforderungen können niedriger sein als bei Banken, dafür sind die Zinsen dann in der Regel entsprechend höher.

Das heißt: Ein Privatkredit kann an Privatpersonen gehen oder von Privatpersonen ausgegeben werden. Wer eine Anschaffung finanzieren möchte, kann sich also entweder an die Bank wenden, Bekannte anfragen oder über eine Online-Plattform suchen. Welche Variante sinnvoller ist, hängt von der eigenen Bonität und den gewünschten Konditionen ab.


Privatkredit in Österreich: Das Wichtigste im Überblick
  • Mit dem Wort „Privatkredit“ können zwei Dinge gemeint sein: Entweder Banken geben einen Kredit an Privatpersonen (Konsumentenkredit) oder ein Privater tritt als Kreditgeber auf (echter Privatkredit).
  • Ein Konsumentenkredit dient zur Finanzierung von Konsumgütern auf Raten. Häufig wird er zur Umschuldung genutzt.
  • Zinsen, Laufzeit und Raten hängen ab von den Bedürfnissen des Kreditnehmers und von seiner Bonität.
  • Kredite von Privaten (echte Privatkredite) können eine Alternative sein, wenn die Bank zum Beispiel einen Kredit wegen geringer Bonität ablehnt.
  • Bei der direkten Kreditvergabe zwischen Bekannten oder Freunden entfallen die Bearbeitungsgebühren der Bank – aber es gibt zugleich weniger gesetzliche Schutzvorgaben für den Kreditnehmer.
  • Vergibt man als Privatperson einen Kredit, müssen die Zinsen versteuert werden. Außerdem ist zu beachten, dass die private Kreditvergabe schon ab geringen Beträgen schnell als gewerbliche Tätigkeit gelten kann.
  • Einige Online-Plattformen vermitteln Kredite zwischen Privatpersonen und bieten auch Chancen für Anleger (P2P-Kredite = Peer-to-Peer-Kredite).
  • Bei der Wahl des passenden Kredits hilft ein Kreditvergleichsrechner.

Der „Privatkredit“ von der Bank bzw. Konsumentenkredit

Sehr häufig meint man mit einem „Privatkredit“ einfach einen Bankkredit für eine Privatperson. Korrekterweise heißt ein solcher Kredit jedoch Konsumentenkredit oder Ratenkredit.

Der Kreditnehmer leiht sich eine Kreditsumme (meist im Rahmen von ca. 1.000 bis 50.000 Euro) bei klassischen Banken oder einem anderen Kreditinstitut, um ein bestimmtes Konsumgut zu kaufen. Anschließend zahlt er die Summe plus Zinsen in Raten zurück.

In vielen Fällen sind diese Kredite nicht besichert – das heißt, dass der Kreditgeber keine materiellen Sicherheiten erhält, die ihm bei Kreditausfall zustehen. Allein schon aus diesem Grund werden bei einem Konsumentenkredit keine allzu hohen Kreditsummen ausgegeben.

Wofür wird ein Konsumentenkredit genutzt?

Mit einem Konsumentenkredit können verschiedene private Vorhaben finanziert werden, beispielsweise:

  • ein Auto
  • Reisen
  • Unterhaltungselektronik
  • Wohnungseinrichtung
  • Ausbildungskosten
  • medizinische Behandlungen
  • Umschuldung anderer Kredite (zum Beispiel von Kontokorrentkrediten)
  • Mitfinanzierung von Immobilien (Eigenmittelvorfinanzierung)
  •  

Was braucht man, um einen Privatkredit bei der Bank zu bekommen?

Da die Bank bei einem Privatkredit in der Regel keine Sicherheiten erhält, wird der Antrag auf einen solchen Kredit sorgfältig geprüft. Möchten Sie einen Konsumentenkredit aufnehmen, müssen Sie deshalb eine Reihe von Voraussetzungen erfüllen – in der Regel zumindest die folgenden:

  • Volljährigkeit
  • österreichisches Bankkonto
  • gute Bonität
  • Wohnsitz in Österreich

Wie hoch die Anforderungen an die Bonität sind, variiert dabei von Bank zu Bank. Beispielsweise vergeben manche Banken ein privates Darlehen nur an Personen mit regelmäßigem Gehalt aus unselbstständiger Tätigkeit.

Damit der Kredit zustande kommt, muss der Kunde eine Reihe von Unterlagen vorlegen – zumeist einen Lichtbildausweis und einen aktuellen Einkommensnachweis.

Tipp: Die erforderlichen Unterlagen möglichst vollständig parat halten. So wird der Antrag auf Ihren Kredit schneller bearbeitet.

Bonitätsprüfung für den Privatkredit

Was sieht sich die Bank bei der Bonitätsprüfung nun an? Grundsätzlich hat jede Bank ein wenig unterschiedliche Kriterien. Im Regelfall fließen folgende Punkte in die Bonität ein:

  • monatliches Nettoeinkommen: Einkommen nach Steuer (ohne Überstunden, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld)
  • Haushaltsrechnung: Dem Einkommen werden laufende Ausgaben gegenübergestellt. Aus dem Überschuss ergibt sich der Betrag, der für die Rückzahlung zur Verfügung steht. Dabei muss aber auch ein finanzieller Puffer für unvorhergesehene Ereignisse eingeplant werden.
  • Art der Beschäftigung: Selbstständige werden von Banken in der Regel mit geringerer Bonität eingestuft, weil deren Einkommen stärker schwankt. Eine unbefristete Anstellung ist am besten für die Bonität
  • bestehende Schulden und Rückzahlungsverpflichtungen
  • Rücklagen und Vermögen
  • Familienstand, Kinder, Unterhaltsverpflichtungen
  • Wohnsituation: Ort, Wohnart (Eigentum oder Miete?)
  • zusätzliche Sicherheiten: zum Beispiel Lebensversicherung, Bürgschaft, Kreditrestschuldversicherung, Versicherung gegen Berufsunfähigkeit
  • Daten aus einer Bonitätsdatenbank: zum Beispiel dem Kreditschutzverband (KSV), CRIF oder Bisnode

Achtung: Banken sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Bonität zu prüfen und werden im Regelfall eine KSV-Auskunft einzuholen. Bei „Krediten ohne KSV“ sollten Sie deshalb sehr kritisch sein. Dort tummeln sich viele unseriöse Anbieter, die bereits im Voraus hohe Gebühren verlangen.

Zinsen, Rückzahlungsrate, Laufzeit: Die Konditionen bei einem Privatkredit

Wer einen Privatkredit abschließen will, sollte die Konditionen von verschiedenen Anbietern vergleichen. Die wichtigsten Faktoren sind dabei die Laufzeit des Kredits, die Zinsen, die Rückzahlungsraten und etwaige Sonderzahlungen.

Die Laufzeit orientiert sich beim Privatkredit meistens am Konsumgegenstand, der gekauft wird. Je länger die Lebensdauer des erworbenen Guts, desto länger ist die Kreditlaufzeit. Ein Kredit, mit dem ein Auto gekauft wurde, hat dann beispielsweise eine Laufzeit von rund 5 Jahren.

Die Zinsen ergeben sich unter anderem aus der Bonität – wer eine höhere Bonität hat, kann in der Regel niedrigere Zinsen aushandeln. Zu unterscheiden ist dabei der Nominalzins (oder Sollzins) und der Effektivzins. In den Effektivzins fließen zusätzlich sämtliche Nebenkosten ein, beispielsweise Bearbeitungsgebühren oder eine Kontoführungsgebühr. Daher sollte für einen Vergleich immer der Effektivzinssatz berücksichtigt werden. Je nach Bonität ist für den Konsumentenkredit mit einem Effektivzins von ca. 3-10 % (Stand: Februar 2020) zu rechnen.

Die Rückzahlungsrate ist abhängig von der Laufzeit, den Zinsen und der Kreditsumme. Meist zahlt man eine monatliche, gleichbleibende Rate, die sich aus Tilgungsbeitrag und Zinsen zusammensetzt. Bevor man einen Konsumentenkredit aufnimmt, sollte man prüfen, welche monatliche Rate man sich überhaupt leisten kann. Dabei hilft eine Aufstellung aller monatlichen Einkünfte und Ausgaben. Ein ausreichendes Polster für unvorhergesehene Ausgaben und Einkommensverluste sollte unbedingt miteinkalkuliert werden.

Nicht zu vergessen sind außerdem noch sonstige Rahmenbedingungen, z. B.:

  • Wie steht es mit der vorzeitigen Rückzahlung (Sondertilgungen)?
  • Kann man den Vertrag nachträglich ändern?
  • Wenn ja, welche Gebühren fallen dabei an?
  • Was passiert, wenn man mit der Ratenzahlung in Verzug gerät?
  • Verlangt die Bank eine Kreditrestschuldversicherung und wenn ja, wie teuer ist diese?

Tipp: Fragen Sie nach Bankspesen für Vertragsänderungen (Änderung der Raten, Sicherheitenwechsel, …). Auch die Höhe der Mahngebühren ist eine interessante Information.

Privatkredit von Privatpersonen oder „Kredit von Privat“ in Österreich

Im Gegensatz zum Konsumentenkredit (von der Bank ausgegeben) handelt es sich beim „echten Privatkredit“ um ein Darlehen von privaten Kreditgebern. Ein solcher Kredit wird manchmal als „Kredit von Privat“ bezeichnet. Grundsätzlich können solche privaten Darlehen von Bekannten, Freunden und Verwandten vergeben werden – aber auch ein Angebot von Online-Plattformen wird in den nächsten Jahren zunehmend entstehen.

Privatkredit zwischen Verwandten und Freunden

Als Alternative zum Bankdarlehen gibt es die Option, sich von Personen aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis Geld zu leihen. Ein klassisches Beispiel sind Großeltern, die das Geld für die Ausbildung der Enkelkinder vorstrecken. Wenn das persönliche Vertrauen stimmt, dann kommt man hierbei ohne eine Bonitätsprüfung aus.

Weitere Vorteile sind: schnelle und unkomplizierte Abwicklung sowie keine Bearbeitungsgebühren der Bank. Meist sind die Zinsen erheblich niedriger als bei der Bank, weil der Kreditgeber den Betroffenen in erster Linie einen Gefallen tun will. Ein weiterer Pluspunkt: Ein laufender Konsumentenkredit bei der Bank verringert die Bonität für weitere Vorhaben. Der Kredit von Privatpersonen wird hingegen nicht berücksichtigt.

Allerdings birgt ein solches „Gefälligkeitsdarlehen“ durchaus einige Risiken: Erstens steht dabei bis zu einem gewissen Grad die persönliche Beziehung auf dem Spiel. Gerade wenn es um größere Geldsummen geht, entstehen leicht ernsthafte Streitigkeiten, an denen eine Freundschaft zerbrechen kann. Zweitens ist man als Kreditnehmer nicht so umfassend geschützt wie bei einem Bankkredit. Denn für die Bank gelten bestimmte Verbraucherschutzvorschriften, an die sich Private nicht halten müssen.

Aus diesem Grund sollte man sich selbst bei einem Kredit unter Freunden professionell beraten lassen. Ein schriftlicher Kreditvertrag, in dem die wichtigsten Punkte geregelt sind, ist unbedingt empfehlenswert.

Nicht zu vergessen ist außerdem das Thema Steuern: Der Kreditgeber muss für die Zinserträge Kapitelertragssteuern zahlen. Für zinslose oder sehr niedrig verzinste Darlehen kann gegebenenfalls eine Schenkungssteuer anfallen.

Privatkredit
Kredit von Privat an Privat: Online-Plattformen

Immer mehr im Kommen sind Online-Marktplätze, die zwischen privaten Kreditgebern und -nehmern vermitteln (sogenannte „Peer-to-Peer-Kredite“). Wer Geld braucht, kann hier nach Privatpersonen suchen, die es bereitstellen. Für Anleger ergeben sich wiederum Investitionsmöglichkeiten. Häufig kommt der Kredit durch viele Kreditgeber zusammen, die kleine Beträge beisteuern. Deshalb nennt sich das Phänomen manchmal auch „Crowdlending“.

Große Plattformen in Deutschand sind etwa Auxmoney, Smava oder Giromatch. In Österreich war bis vor Kurzem Lendico aktiv, jedoch vergibt diese Plattform aktuell keine Kredite mehr an österreichische Kreditnehmer.

Ein Vorteil der P2P-Kredite ist, dass man sogar mit schlechterer Bonität eine Chance hat. Allerdings wollen Anleger für das höhere Risiko entschädigt werden – das heißt, dass die Zinsen dementsprechend höher sind.

Privatkredit in Österreich ohne KSV

Selbstständige und Freiberufler haben nicht selten Schwierigkeiten, einen Ratenkredit von der Bank zu erhalten. Ihre Bonität wird als niedrig eingestuft, da ihr Einkommen nicht fix voraussehbar ist. Wer von der Bank wegen zu geringer Bonität abgelehnt wird, sucht deshalb oft nach einem Privatkredit ohne KSV-Prüfung.

Folgende Möglichkeiten bestehen:

  • Privatkredit aus dem persönlichen Bekanntenkreis
  • Privatkredit über Online-Plattformen (Stand: Februar 2020 in Österreich nicht möglich)
  • Minikredit: Kleine Summen im Bereich von 500-1500 Euro lassen sich häufig ohne KSV-Prüfung leihen.
  • Schweizer Kredit: Ausländische Banken vergeben manchmal Kredite, ohne den KSV zu kontaktieren. Jedoch wird in diesen Fällen trotzdem die Bonität sorgfältig geprüft. Wer kein regelmäßiges Einkommen hat, wird sich auch hier schwertun. Zudem sind die Zinsen in der Regel deutlich höher als bei einem österreichischen Bankkredit.

Allgemein gesprochen wird kein seriöses österreichisches Kreditinstitut einen nennenswerten Kredit ausgeben, ohne den KSV zu befragen. Angebote, die mit „schnellem Kredit ohne KSV“ werben, sind in der Regel nicht vertrauenswürdig. Hier sollte man sehr skeptisch sein und im Zweifelsfall die Arbeiterkammer kontaktieren und sich beraten lassen.

Tipp: Bei größeren finanziellen Problemen führt ein Privatkredit ohne KSV nur noch weiter in die Schuldenfalle. In diesen Fällen ist es ratsam, eine kostenlose Schuldnerberatung aufzusuchen.


Privatkredit: Konditionen genau prüfen und Angebote vergleichen

Ein Privatkredit kann hilfreich sein, um größere Anschaffungen zu finanzieren. Dabei sollten Sie die Konditionen aber immer genau unter die Lupe nehmen. Vergleichen Sie verschiedene Angebote in Bezug auf den Effektivzinssatz und fragen Sie nach etwaigen Sonderzahlungen – etwa bei Vertragsänderungen.

Wer Glück hat, erhält einen günstigen Privatkredit von Verwandten oder Bekannten: Hier sollten Sie jedoch ebenfalls die Bedingungen sorgfältig klären und einen schriftlichen Vertrag aufsetzen. Von allzu gut klingenden Privatkrediten ohne KSV ist eher abzuraten, da es sich in der Regel nicht um seriöse Angebote handelt.

Brauchen Sie Unterstützung? Infina vergleicht und findet für Sie den besten Wohnkredit bei der richtigen Bank – unabhängig, transparent und flexibel. Mehr dazu