Sollzinsen verstehen und berechnen

Sollzinsen verstehen und berechnen
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Autor: Mag. Peter Hrubec
Kategorie: Zinsen
Datum: 30.03.2021

Wenn Sie sich Geld ausleihen, dann werden Sie im Zusammenhang mit den dafür anfallenden Kosten auch mit dem Begriff Sollzinsen konfrontiert. Diese sind in der Regel der Hauptkostenfaktor eines Kredits. Die Höhe der Sollzinsen ist dabei unter anderem von der Art des Kredites, dem Marktzinsniveau sowie Ihrer Bonität abhängig. Dieser Beitrag erläutert Ihnen unterschiedliche Sollzinsen und deren Berechnung.

Sollzinsen: Das Wichtigste im Überblick

  • Sollzinsen müssen Sie für das Ausleihen von Geld bezahlen.
  • Die Sollzinsen werden in Prozent auf die ausgeliehene (Rest-)Kreditsumme berechnet. Bei ratierlichen Abstattungskrediten in Form von Pauschalratenkrediten sinkt mit zunehmender Tilgung während der Laufzeit der Zinsaufwand (bei vereinbarten Fixzinsen, bei variablen Zinsen besteht die Gefahr von Zinsanstiegen).
  • Die Höhe der Sollzinsen ist vom Marktzinsniveau, Ihrer persönlichen Bonität, den eingebrachten Sicherheiten sowie der Länge der Kreditlaufzeit und Fixzinsbindung abhängig.
  • Sie können fixe Zinsen oder variable Zinsen vereinbaren. Fixe Zinsen bieten mehr Sicherheit, da der Sollzinssatz dann für den vereinbarten Zeitraum gleich bleibt. Variabel verzinste Krediten hingegen sind in aller Regel günstiger.

Was sind Sollzinsen?

Sollzinsen setzen sich aus den Wörtern „Soll“ und „Zinsen“ zusammen. „Soll“ und „Haben“ sind Begriffe aus der Buchhaltung und stehen für Schulden und Besitz (Eigentum). Legen Sie beispielsweise Geld auf das Bankkonto, bekommen Sie dafür Einlagenzinsen, die auch als Habenzinsen bezeichnet werden.

Was bedeutet nun der Begriff „Sollzins“? Sollzins ist das Gegenteil von Habenzins und wird auch Nominalzins genannt. Er wird Ihnen für die Aufnahme von Krediten oder die Ausnützung eines Kontorahmens (eingeräumte Kontoüberziehungsmöglichkeit) verrechnet.

Die Höhe hängt von den Leitzinsen der Notenbank (Euroraum: Europäische Zentralbank, EZB) ab, die sich wiederum an der aktuellen Wirtschaftssituation orientiert. Innerhalb des Angebots der verschiedenen Bankkredite variieren die Zinsen je nach Laufzeit, Besicherung und Bonität der Kunden.


Sollzinsen berechnen – einfach erklärt

Der angegebene Sollzinssatz sind Prozent pro Jahr und berechnet sich von der aktuell jeweils geschuldeten Kreditsumme, die sich durch die regelmäßige Rückzahlung in Form einer meist monatlichen Rate kontinuierlich verringert.

Bei einem Sollzinssatz von 1 % p. a. und einem Kreditbetrag von 300.000 Euro können Sie wie folgt rechnen: 300.000 Euro x 0,01 = 3.000 Euro.

Beispiel: Zinsen bei monatlicher Rückzahlung

Pauschalratendarlehen mit Fixzinsbindung und Volltilger (am Ende der Laufzeit komplett zurückbezahlt).

Kreditbetrag: 100.000 Euro

Laufzeit: 20 Jahre

Zins: 1,5 % p.a.

Monatsrate: 482,55 Euro

Die monatlichen Ratenzahlungen sind die gesamte Laufzeit über gleich (fixer Zins) und betragen auf das Jahr hochgerechnet 5.790,54 Euro. Davon entfallen im ersten Jahr 4.320,17 Euro auf Tilgung und 1.470,38 Euro auf Zinsen. Der Schuldenstand am Jahresende beträgt 95.679,83 Euro. Bis zum Beginn des 15. Jahres sinkt er Schuldenstand auf 33.205,86 Euro und die Tilgung im 15. Jahr erhöht sich auf 5.328,99 Euro, der nur noch 461,55 Euro an Zinsen gegenüberstehen.

Fazit: Mit fortlaufender Rückzahlung steigt der Tilgungsanteil, während der Zinsanteil an der Rate abnimmt.

In unserem Beitrag Zinsen berechnen finden Sie weitere Erläuterungen zur Berechnungssystematik sowie einen Zinsrechner, um Ihre persönliche Kalkulation durchzuführen.

Exkurs: Unterschied Antizipative und dekursive Verzinsung

Im Falle antizipativer Verzinsung werden die Sollzinsen bereits zu Beginn der Verzinsungsperiode für diese berechnet. In der Praxis fällt diese Art der Verzinsung für einen Wechseldiskont an. Bei dekursiver Verzinsung werden die Sollzinsen am Ende der Verzinsungsperiode fällig. Dies ist bei allen herkömmlichen Bankkrediten üblich.


Sollzinsen beim Girokonto

Was sind die Sollzinsen auf dem Girokonto? Auf diesem Konto können Sie sowohl ein Guthaben haben, was meistens so sein sollte, als auch in Notsituationen im Minus stehen und einen von der Bank eingeräumten Kontorahmen ausnutzen. Während Kontoguthaben in Niedrigzinsphasen, wenn überhaupt, nur minimal mit Habenzinsen verzinst werden, ist bei Ausnutzen des Kontorahmens das Gegenteil der Fall:

Sie nützen bei Geldknappheit den mit der Bank vereinbarten Disporahmen. Sicherheiten geben Sie der Bank hierfür keine. Dafür bezahlen Sie relativ hohe Zinsen (oftmals sogar über 8 % p. a.), die Ihnen die Bank als Sollzinsen auf dem Konto in Rechnung stellt.

Hält Ihre persönliche Geldknappheit über einen längeren Zeitraum an und Sie kommen mit dem Rahmen nicht mehr aus, dann überziehen Sie den eingeräumten Rahmen. Dies kann besonders teuer werden. Banken verrechnen Ihnen hierfür Überzugszinsen bzw. Überziehungsprovisionen, Zinsen die noch höher sind als innerhalb des eingeräumten Rahmens. Diese können bei einzelnen Instituten dann schon bei 15 % oder einem noch höheren Zinssatz p. a. liegen.

Bei einer dauerhaften Überziehung des Girokontos können Sie die Zinszahlungen senken, indem Sie einen Privatkredit aufnehmen und den teuren Dispositionskredit damit ablösen. Sollten Sie zudem eine Immobilie finanziert haben, kann eine Umschuldung sinnvoll sein, in welcher Sie die regelmäßige Überziehung mitablösen.    


Sollzins bei der Baufinanzierung

Die Sollzinsen bei der Wohnbaufinanzierung sind die niedrigsten unter den Zinsen für die verschiedenen Kreditarten. Dies vor dem Hintergrund, dass Sie dem finanzierenden Institut eine werthaltige Immobilie als Sicherheit stellen. Sie können Ihren Wohnbaukredit variabel oder fix verzinst abschließen. Diese beiden Arten machen mitunter größere Unterschiede aus. Zudem gibt es Unterschiede in der Angabe Sollzins oder effektiver Jahreszins.

Sollzins und effektiver Jahreszins:  Was ist der Unterschied?

Sollzins und Effektivzins haben eines gemeinsam. Sie sind ein Maßstab für den Vergleich einer bestimmten Art der Zinskosten. Der Sollzins ist der reine Zins, während der Effektivzins ein rechnerisches Konstrukt ist, bei welchem zu dem Sollzins noch diverse Kreditnebenkosten hinzugerechnet werden.

Als einmalig anfallende Nebenkosten sind dies Bearbeitungsgebühren, Schätzungskosten, Grundbucheintragungsgebühren plus Nebengebührensicherstellung. Während der Laufzeit fallen gegebenenfalls noch Kontoführungsgebühren und eventuell Prämien für Lebensversicherungen im Zusammenhang mit dem Kredit an.

Wie der Effektivzins im Detail berechnet wird, können Sie in unserem Beitrag Effektivzinsen berechnen und vergleichen nachvollziehen.

Gebundener Sollzins vs. variabler Sollzins

Der gebundene Sollzins ist ein Fixzins auf einen vereinbarten Zeitraum. Üblich sind Fixzinsbindungen auf 10, 15 oder 20 Jahre. Aber manche Banken und Bausparkassen bieten sogar 25 und 30 Jahre an. Hingegen der variable Zins orientiert sich an einem Refinanzierungszinssatz für die Banken. Dies ist ein sogenannter Geldmarktzins, meist der 3-Monats-Euribor. Auf diesen schlägt die Bank noch ihre Marge und Risikokosten auf.  

Bei variabel verzinsten Krediten passt die Bank ihren Zins regelmäßig an die Höhe des Referenzzinssatzes an. Das kann je nach Marktsituation für Sie dann steigende oder fallende Kreditzinsen bedeuten.

Fixzinsbindung
VorteileNachteile
Kalkulierbare Kreditrate über die Laufzeit der Fixzinsbindung: Dies ist besonders auch bei Anlegerwohnungen wegen der steuerlichen Tragfähigkeitskalkulation von Bedeutung.Gegenüber variabel verzinsten Krediten in der Regel etwas höherer Zinssatz.
Kann bei langer Laufzeit sogar dazu führen, dass die Bank den Fixzins als Kalkulationszins der Haushaltsrechnung rechnet. Schwierig darstellbare Finanzierungen können damit dann unter Umständen doch noch finanziert werden.Eventuell Pönale bei vorzeitiger Rückzahlung von über 10.000 Euro innerhalb eines Kalenderjahres.
Variabel verzinste Kredite
VorteileNachteile
In der Regel anfänglich niedrigerer Zinssatz als beim Kredit mit Fixzins.Risiko der Zinserhöhung während der Laufzeit.
Spätere Umstellung auf einen Fixzinssatz oder Kauf eines Zinscap immer noch möglich.Kann bei zu starkem Zinsanstieg beispielsweise dazu führen, dass Anlegerwohnungen steuerlich nicht mehr tragfähig sind, was mit hohen Rückzahlungen ans Finanzamt verbunden wäre.
Flexiblere Tilgungsmöglichkeiten. 

Wenn Sie sich jetzt die Frage stellen, ob ein Fixzins oder variabler Zinssatz für Sie die bessere Variante ist, finden Sie eine Entscheidungshilfe in unserem Beitrag Fixzinsen oder variable Zinsen.

 


Aktueller Sollzins in der Baufinanzierung

Die Höhe des aktuellen Sollzinses variiert je nach Eigenmittel, Einkommen, Laufzeit, Sicherheiten  und Kreditinstitut. Hinzu kommt noch die Abhängigkeit vom Marktzinsniveau.

Der aktuell gebundene Sollzins (Fixzins) schwankt im Einklang mit den langfristigen Marktzinsen stärker als der variable Sollzins. Aktuell gibt es beispielsweise im 15 Jahres-Fixzinsbindungsspektrum folgende Zinsbandbreite (per 30. März 2021): 1,000 bis 1,625 %*; Indessen sind variable Zinsen in einer Bandbreite von absolut gerechnet (Referenzzins plus Marge) bei 0,3 bis 1,0 %* zu finden.

* reine Indikation. Abhängigkeit von vielen individuellen Faktoren

Sollzinsen sparen beim Wohnkredit

Wie können Sie konkret bei den Kreditzinsen sparen? Dazu müssen Sie einige wichtige Faktoren, von der geplanten zu kaufenden Immobilie, über verfügbares Einkommen und Eigenmittel bis hin zu ihrem bisherigen Zahlungsverhalten (keine Negativ-Einträge in Bonitätsdatenbanken) berücksichtigen.

Ihr Ziel beim Zinsen sparen sollte ein möglichst guter Sollzinssatz sein. Doch wie definieren Sie dieses? Ein guter Sollzinssatz ist im günstigsten Viertel aller Kreditangebote angesiedelt, was allerdings meist nur Wohnbau-Finanz-Experten beurteilen können, die über einen entsprechenden Marktüberblick verfügen. Dennoch gibt es ein paar allgemeine Punkte, die Ihnen bereits helfen können bei Krediten generell Geld zu sparen:

So können Sie beim Wohnkredit Sollzinsen sparen:

  • Kontrollieren Sie immer jährlich (in der Regel kostenlos) Ihre Einträge beim KSV und diversen Bonitätsdatenbanken und lassen Sie dort Fehler sofort berichtigen.
  • Finanzieren Sie mit ausreichend Eigenmittel (30 bis 50 % des Kaufpreises) und ihre Zinskonditionen sind deutlich niedriger.
  • Während der Laufzeit: Sondertilgungen von bis zu 10.000 Euro pro Jahr reduzieren Ihre insgesamt zu bezahlenden Zinsen.

Wenden Sie sich noch heute an die Wohnbau-Finanz-Experten der Infina und der Kreditvergleich gibt Ihnen mehr Sicherheit.


Kleines Glossar: Zinsarten im Überblick

Hier finden Sie Definitionen häufiger Zinsbegriffe im Überblick:

Sollzins: Dieser Zins ist für Schulden zu bezahlen.

Nominalzins: Sollzins als reiner Zins ohne Nebenkosten.

Effektivzins: Sollzins zuzüglich der über die Kreditlaufzeit hinzugerechneten Nebenkosten.

Habenzins: Zinsen für Ihre Spareinlagen bzw. Kontoguthaben

Überzugszinsen/ Überziehungszinsen: Zinsen für das Überziehen des Kontorahmens.

Fixe Zinsen: Sollzinssatz bleibt während einer vereinbarten  Laufzeit unverändert.

Variable Zinsen: Zinsen werden von der Bank oder Bausparkasse regelmäßig an einen sich ändernden Referenzzinssatz angepasst.


Sollzinsen: die laufenden Kosten eines Kredits

Sollzinsen fallen überall dort an, wo Sie für das Ausleihen von Geld einen Preis (den Zins) bezahlen müssen. Deren Höhe variiert je nach Kreditart. Die Überziehung eines Kontorahmens ist am teuersten, während mit Immobilien besicherte Wohnbaukredite die niedrigsten Sollzinsen aufweisen. Sollzinsen können fix, also die gesamte vereinbarte Fixzinslaufzeit gleich, oder auch variabel sein. Beide haben Vor- und Nachteile und müssen entsprechend der persönlichen Neigung in Bezug auf Risikobereitschaft und Sicherheit gut überlegt sein.

Bildquellen:  Tiko Aramyan/ Shutterstock.com, wavebreakmedia/ Shutterstock.com, Zenzen/ Shutterstock.com
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Über den Autor: Mag. Peter Hrubec
Position: Prokurist

Die Neugier für neue Themen, die die Finanzdienstleistung bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Bei AXA Equity & Law war ich für die Markterschließung in Österreich sowie die Einführung der betrieblichen Vorsorge zuständig. Im Anschluss daran beschäftigte ich mich als geschäftsführender Gesellschafter von Nova Portfolio Management mit innovativen Vermögensanlage-Konzepten. Seit dem Jahr 2009 bin ich als Prokurist bei Infina schwerpunktmäßig in den Bereichen Product Consulting, sowie der Vertriebs- und Bankenbetreuung verantwortlich. Darüber hinaus liegt mein Fokus auf rechtlichen Fragestellungen, die den österreichischen Kreditmarkt in Österreich betreffen sowie der Analyse von Markt- und Zinsentwicklungen.

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