Kreditversicherungen: Absicherung existenzieller Risiken von privaten Kreditnehmern  in Österreich

Datum: 25.06.2019 | Autor: Redaktion

Kreditversicherung

Jeder Kredit will zurückgezahlt werden – doch was, wenn man aufgrund von Krankheit oder Arbeitslosigkeit zahlungsunfähig ist? Für solche Fälle gibt es Kreditversicherungen. Wann sich der Abschluss lohnt, ob und wie Sie Kreditversicherungen kündigen können und welche Kosten die Versicherungsprämien verursachen, lesen Sie in unserem Ratgeber.


Definition: Was ist eine Kreditversicherung?

Zu Beginn eine kurze Begriffsabgrenzung: Der Begriff „Kreditversicherung“ gilt streng genommen nur im Businessbereich und soll bei Lieferantenkrediten als Sicherheit dienen. Bei einem Kredit, der von einer Privatperson aufgenommen wird, um zum Beispiel den Immobilienkauf zu finanzieren, handelt es sich also vielmehr um eine „Kreditausfallversicherung“, damit der Kredit auch bei Eintritt von Ereignissen wie dem Todesfall oder einer schweren Krankheit zurückgezahlt werden kann.

Was leistet eine Kreditversicherung?

Damit die Versicherung greift, gilt also folgende Voraussetzung: Grund für die Zahlungsunfähigkeit muss entweder unverschuldete Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder der Tod des Kreditnehmers sein.

Wer also schlecht mit dem eigenen Einkommen wirtschaftet und deshalb Probleme mit den Tilgungsraten bekommt, kann sich nicht auf die Kreditausfallversicherung verlassen. Auch bei Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit übernimmt die Versicherung die Rückzahlung nicht ohne weiteres, sondern erst nach mindestens 6 Wochen bzw. dann, wenn kein Einkommen mehr ausgezahlt wird.

Arten von Kreditausfallversicherungen

Die Kreditausfallversicherung kann je nach individueller Situation mehr oder weniger umfangreich ausfallen. Man unterscheidet zwischen drei Arten von Absicherung:

  • Ablebensversicherung
  • Erwerbs- oder Berufsunfähigkeit   
  • Arbeitslosigkeit
  • Oder eine Kombination aus den drei Arten

Die erste Variante ist auch als Risikolebensversicherung bekannt und kann genauso gut unabhängig von einem Kredit abgeschlossen werden. Eine bereits bestehende Risikolebensversicherung wird zum Beispiel von Banken oft als Sicherheit anerkannt.. Andere Banken wiederum setzen bei schlechter Bonität eine Kreditausfallversicherung oft als Pflichtvoraussetzung für die Kreditvergabe fest.


Die Kreditversicherung bei Arbeitslosigkeit

Sei es der Konkurs des Arbeitgebers, Personalabbau im großen Ausmaß oder ein anderer Grund: Unverschuldete Arbeitslosigkeit ist ein Risiko, mit dem jeder Arbeitnehmer lebt. Sollte dieser Fall eintreffen, deckt die Kreditausfallversicherung die Tilgungszahlungen – aber natürlich nur, bis wieder ein sicheres Einkommen vorhanden ist.

Wenn Sie eine solche Versicherung abschließen wollen, sollten Sie ganz genau auf die Bedingungen achten, die der jeweilige Anbieter festlegt. Denn es gibt hier beträchtliche Unterschiede, was den Umfang betrifft: Manche Versicherer übernehmen die Kreditraten nicht länger als 12 Monate und/oder zahlen erst nach einer sogenannten Karenzzeit von 6-12 Monaten.

Fest steht also: Arbeitslosigkeit bedeutet nicht gleich, dass sofort der Versicherungsfall eintritt. Auf die konkreten Vertragsbedingungen kommt es an, zudem muss der Einkommensausfall tatsächlich unvorhergesehen und unverschuldet sein. Das heißt: Bei einer Zeitarbeit ist im Vorfeld klar, dass das Arbeitsverhältnis mit einem gewissen Datum endet. Von unvorhergesehener Arbeitslosigkeit ist dann eindeutig nicht die Rede.


Die Kosten: Kann ich die Kreditversicherung berechnen?

Es überrascht kaum: Günstig ist eine Kreditausfallversicherung – die die oben angeführten Arten und Varianten umfasst - in der Regel nicht. Pauschalkosten lassen sich allerdings nicht festlegen, denn die Höhe der Versicherungsprämie hängt unter anderem stark ab von:

  • Alter und Geschlecht des Versicherungsnehmers
  • Bekannten Erkrankungen
  • Höhe und Laufzeit des Kredits

Je umfassender die Absicherung aber ist, desto höher fallen auch die Versicherungsprämien aus. Ein gründlicher Vergleich verschiedener Versicherungsanbieter lohnt sich also definitiv. Achten Sie dabei auch darauf, dass eine ausreichende Versicherungssumme zur Verfügung steht.

Gut zu wissen ist darüber hinaus, dass Banken nicht verpflichtet sind, die Versicherungskosten in den Effektivzinssatz einzurechnen, wenn es sich um eine freiwillige Zusatzversicherung handelt. Ist die Kreditausfallsversicherung allerdings eine Vertragsbedingung, damit der Kredit überhaupt vergeben wird, muss die Bank von vornherein klar offenlegen, welche Kosten so entstehen.

Einen genauen Kostenpunkt für die Kreditausfallversicherung festzulegen, ist so gut wie unmöglich. Als Faustregel gilt jedoch, dass die Kosten für diese Versicherung insgesamt nicht mehr als 10 Prozent der Gesamtsumme des Kredits ausmachen sollten. Alles, was weit darüber hinausgeht, bedeutet mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass Sie mehr bezahlen als nötig. Aber was, wenn Sie feststellen, dass Sie die Versicherung nicht mehr brauchen?


Kreditversicherung kündigen: Bekomme ich mein Geld zurück?

In vielen Fällen ist es durchaus möglich, die Kreditversicherung zu kündigen. Da wäre vor allem das vertraglich festgesetzte Kündigungsrecht, das dem Versicherungsvertrag zugrunde liegenden Versicherungsbedingungen zu entnehmen ist. Ob es Geld zurückgibt, hängt dann von der individuellen Vertragsgestaltung ab – eine Pauschalaussage kann dazu nicht getroffen werden.

Heißt das also, man kann grundsätzlich und ohne Bedenken immer eine Kreditausfallsversicherung abschließen und im Zweifelsfall einfach aussteigen? Nein, definitiv nicht. Wenn die kreditgebende Bank zum Beispiel auf einer Versicherung besteht, ist eine Kündigung nicht ohne weiteres möglich. Abgesehen davon ist eine Kreditversicherung manchmal erst gar nicht nötig.


Ist eine private Kreditversicherung sinnvoll?

Natürlich kommt es immer auf den Einzelfall an, ob die Kreditversicherung wirklich sinnvoll ist. Eine unnötige Mehrbelastung ist sie aber in der Regel bei:

  • Kleinkrediten bis ca. 20.000 Euro mit niedrigen Monatsraten
  • Ausreichenden Sicherheiten
  • Einer bereits bestehende Versicherung

Vor allem der letzte Punkt ist entscheidend. Denn wenn Sie bereits vor dem Kredit eine Versicherung für den Fall von Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder den Todesfall abgeschlossen haben, wäre die Kreditversicherung eine unnötige Doppelbelastung.

Bei einem hohen Kreditbetrag, wie zum Beispiel einem Hypothekendarlehen, ist eine umfassende Kreditausfallversicherung aber eine sinnvolle Entscheidung. Das gilt besonders dann, wenn der Kreditnehmer Alleinverdiener ist und im Todesfall eine Familie bzw. Angehörige hinterlassen würde, welche für die Kreditrückzahlung aufkommen müssten.

Letztendlich führt bei der Entscheidung für oder gegen eine Kreditversicherung kein Weg daran vorbei, sich ausführlich zu informieren – und dabei auch das Kleingedruckte zu lesen. Lassen Sie sich zusätzlich noch von Experten beraten, die mit objektivem Blick die Vor- und Nachteile der verschiedenen Angebote erkennen können und Ihnen helfen, genau die Kreditbedingungen zu finden, die zu Ihren Bedürfnissen passen. 


Exkurs: Elementarversicherung ist ebenfalls wichtig

Neben den Versicherungen, welche die Personen betreffen, sind Versicherungen für die Immobilie selbst von großer Bedeutung. Die größte Gefahr für eine Immobilie ist deren Beschädigung durch Elementarereignisse. Typische Elementarereignisse sind Feuer, Wasser oder Sturm. Im Schadensfall wird der Wert der Immobilie immer erheblich vermindert. Verfügt man nicht über ausreichende finanzielle Rücklagen, so kann dies zu einer erheblichen Bedrohung der persönlichen Existenz führen.

Zur Absicherung bedient man sich einer Eigenheimversicherung. Diese deckt die wesentlichen Elementarschäden ab und sollte für Häuslbauer auch eine Rohbaudeckung inkludieren. Häufig sind hier auch die Außenanlagen mitversichert. Dazu würden dann auch ein Pool oder eine Photovoltaikanlage zählen. Von der Eigenheimversicherung nicht abgedeckt werden Schäden an der Einrichtung der Immobilie. Derartige Schäden müssen durch eine Hausratsversicherung abgesichert werden. In der Haushaltsversicherung ist auch die generell wichtige private Hausratsversicherung enthalten.

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