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Bonität und Bonitätsprüfung

Datum: 18.05.2019 | Autor: Redaktion

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Wer einen Kredit aufnehmen möchte, kommt um eine zuverlässige Bonitätsprüfung nicht herum. Durch die Prüfung der Bonität möchte der Kreditgeber sichergehen, dass die wirtschaftliche Rückzahlungsfähigkeit besteht. Hier erfahren Sie, welche Auskünfte über Ihr Leben dabei eine Rolle spielen, ob auch ein Kredit ohne Bonitätsprüfung möglich ist und wie Sie die Kreditwürdigkeit verbessern können.


Definition: Was bedeutet Bonität und Bonitätsprüfung?

Je besser die Bonität, desto besser auch die Chancen auf einen Kredit und gute Konditionen, soweit die Kurzfassung. Das ist aber natürlich längst nicht alles, was Sie über Kreditwürdigkeit und Bonitätsprüfungen wissen sollten!

Was ist die Bonität?

Mit Bonität ist die Kreditwürdigkeit gemeint, also die Wahrscheinlichkeit, dass Sie als Kreditnehmer während der gesamten Kreditlaufzeit zahlungsfähig bleiben und den vollen Kreditbetrag rechtzeitig zurückzahlen können. Diese Einschätzung dient dem Kreditgeber als Absicherung, schließlich möchte die Bank sichergehen, ihr Geld inklusive Zinsen auch wieder zurückzubekommen.

Ein schlechtes Ergebnis der Bonitätsprüfung lässt vermuten, dass der Kreditnehmer mit der Rückzahlung früher oder später Probleme bekommen wird. Aber was wird bei einer solchen Bonitätsprüfung konkret bewertet und gibt es eine Möglichkeit, das persönliche Rating positiv zu beeinflussen?

Was ist eine Bonitätsprüfung?

Die Bonität wird nach verschiedenen Kriterien bestimmt und ist ein Vorgang, zu dem die Bank als Kreditgeber gesetzlich verpflichtet ist. Natürlich ist es aber auch in ihrem eigenen Interesse, sich über den finanziellen Hintergrund eines potenziellen Kreditnehmers schlau zu machen. Dabei interessieren das Kreditinstitut vor allem zwei Faktoren:

  • Kreditfähigkeit:  Der Kreditnehmer darf rechtswirksam Kreditverträge abschließen.
  • Kreditwürdigkeit: Der Kreditnehmer bringt seriöse wirtschaftliche und persönliche Verhältnisse mit.

Die Problematik an der Bonitätsprüfung ist, dass es kein universales Wertungssystem gibt. Jede Bank führt eine eigene Prüfung durch und wertet manche Kriterien dabei stärker als andere. Bis zu einem gewissen Grad handelt es sich also um eine durchaus subjektive Angelegenheit.

Damit überhaupt eine Bonitätsprüfung veranlasst wird, werden bereits beim Kreditantrag zunächst folgende Angaben gefordert:

  • Nachweis über einen Wohnsitz in Österreich
  • Einkommensnachweise
  • Ausweisdokument, das die Identität bestätigt
  • Nachweis über ein aktives Girokonto

In der eigentlichen Bonitätsprüfung sieht der Kreditgeber dann ganz genau hin. Wie die Bonität eingestuft wird, hängt zum Beispiel ab von:

  • Familienstand – ledig, verheiratet, kinderlos oder mit Kind/Kindern?
  • Bereits aufgenommene Kredite
  • Aktuelle Schuldensituation
  • Rücklagen bzw. Vermögenswerte
  • Haushaltsrechnung – Einnahmen vs. Ausgaben
  • Art der Anstellung – befristet oder unbefristet? Freiberuflich oder angestellt?
  • Wohnsitz

Der letzte Punkt ist ein Beispiel für die oft kritisierte Subjektivität einer Bonitätsprüfung. Denn wenn eine bestimmte Wohnregionen pauschal beurteilt wird, ist das ein Kriterium, auf das Sie selbst kaum Einfluss nehmen können – und das sich doch empfindlich auf die Kreditwürdigkeit auswirken kann.

Je nachdem, nach welcher Gewichtung die Bank diese Bonitätskriterien betrachtet, ergibt sich am Ende der Prüfung eine Kennzahl bzw. ein Rating. Die Kennzahl wird im Bonitätsranking eingestuft, welches beispielhaft wie folgt aufgebaut sein könnte:

  • 100-199 — sehr geringes Risiko
  • 200-299 — geringes Risiko
  • 300-399 — durchschnittliches Risiko
  • 400-499 — Erhöhtes Risiko 
  • 500-599 — Hohes Risiko
  • 600-699 — Sehr hohes Risiko
  • Ab 700 — Insolvenz

KSV-Auszug und Bonitätsprüfung: Kreditwürdigkeit in Österreich

Die Bonitätsprüfung kann einen großen Einfluss auf die persönliche Zukunftsgestaltung haben. Da verwundert es nicht, dass viele Menschen gerne wissen wollen, wie es denn nun um ihre Bonität bestellt ist.

Kostenlose Bonitätsprüfung: die KSV-Selbstauskunft

Der Kreditschutzverband, gegründet 1870 (KSV1870) ist in Österreich eine wichtige Adresse, wenn es um bonitätsbezogene Auskünfte geht. Das Unternehmen sammelt laufend personenbezogene wirtschaftliche Daten.

Diese erhält der KSV 1870 auch von angeschlossenen Kreditinstituten und gibt sie dann auf Anfrage wiederum an Kreditinstitute weiter. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass die Bank erfährt, ob noch offene oder gar abgelehnte Kreditverhältnisse bestehen.

Laut Datenschutzgrundverordnung haben Sie das Recht, einmal im Jahr kostenlos Ihre Daten einzusehen. Dieses Recht können Sie bei allen relevanten Auskunfteien oder Bonitätsdatenbanken geltend machen. Darunter sind nicht nur der KSV 1870 zu verstehen, sondern zum Beispiel auch Unternehmen wie CRIF oder Bisnode.  

Es ist äußerst empfehlenswert, dieses Angebot wahrzunehmen, denn so werden Sie auf fehlerhafte Daten aufmerksam und können dafür sorgen, dass diese gelöscht werden. Wenn also zum Beispiel ein Kredit, den Sie bereits fertig abbezahlt haben, noch immer gelistet ist, können Sie die Löschung dieses Eintrags beantragen. Es kann allerdings bis zu 8 Wochen dauern, bis der Antrag tatsächlich umgesetzt wird.

Können Privatpersonen in Österreich selbst ihre Bonität berechnen?

Die eigene Bonität aussagekräftig zu berechnen, ist für Privatpersonen leider ein ziemlich schwieriges Unterfangen. Denn Sie können zwar die Daten einsehen, nicht aber die Formeln zur genauen Berechnung. Diese legt jede Bank unterschiedlich fest, und genau deshalb bewertet jedes Kreditinstitut die Bonität einer Person anders.

Ein Ergebnis, das Sie sich selbst ausgerechnet haben, kann also bei einer Bank ganz anders aussehen. Sinnvoll ist es deshalb, regelmäßig die Selbstauskunft zu beantragen und sich darauf zu konzentrieren, die Bonität konstant zu verbessern.


Wie kann man die Bonität verbessern?

Es ist zwar so gut wie unmöglich, die eigene Bonität innerhalb kürzester Zeit aus eigener Kraft zu verbessern. Mit aktiver Vorsorge können Sie aber durchaus dafür sorgen, dass Ihre Kreditwürdigkeit gut bleibt:

Vermeiden Sie Zahlungsrückstände oder gar Mahnungen. Das beginnt schon bei vermeintlichen Kleinigkeiten wie Handyverträgen.
Vermeiden Sie Ratenzahlungen, wo es möglich ist. Je nachdem, wie streng das prüfende Institut urteilt, kann auch das schon zu schlechten Bewertungen führen.
Zahlen Sie bestehende Schulden verlässlich zurück.
Bieten Sie Sicherheiten an, zum Beispiel in Form einer Hypothek, Lebensversicherung, Erbschaft etc.
Wenn Sie einen Kredit beantragen und in einer Partnerschaft mit zwei gesicherten Einkommen leben, stellen Sie den Antrag am besten gemeinsam.
Wenden Sie sich für die Kreditberatung nur an unabhängige Stellen. Denn dann wird der Kreditvertrag erst dann registriert, wenn Sie den Kreditvertrag unterschrieben haben und der Kredit tatsächlich Realität wird.

Bei all diesen Ratschlägen gilt natürlich: Leichter gesagt als getan. Was also tun, wenn es schon zu spät ist, die Bonität noch deutlich zu verbessern und trotzdem ein Kredit benötigt wird?


Kredit mit schlechter Bonität – geht das?

Wenn eine Bank keinen Kredit gewährt, heißt das nicht, dass auch bei anderen Banken keine Hoffnung mehr besteht. Fragen Sie also im Zweifelsfall zuerst bei unabhängigen Experten an – vielleicht bewerten andere Kreditinstitute Ihre Bonität schon ganz anders oder gewähren zumindest eine kleinere Kreditsumme.

Klein- und Sofortkredite ohne Bonitätsprüfung

Verspricht ein Anbieter in Österreich einen Sofortkredit, der schon fast zu gut wirkt, um wahr zu sein, sollten Sie allerdings skeptisch bleiben. Vorsicht ist zum Beispiel geboten bei:

  • Im Voraus zu zahlenden Bearbeitungsgebühren
  • Kostenpflichtigen Antragsunterlagen
  • Erreichbarkeit nur über kostenpflichtige Hotlines oder teure Hausbesuche
  • Unrealistischen Versprechen zu Kreditzinsen bzw. Konditionen allgemein

Der letzte Faktor ist ein besonders guter Anhaltspunkt. Denn realistisch betrachtet ist ein Sofortkredit leider meist mit deutlich höheren Zinsen verbunden. Alles andere würde für den Kreditgeber wenig Sinn machen.

Fragen Sie am besten bei der Arbeiterkammer nach, wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie einem Angebot trauen können. Dort wird zum Konsumentenschutz eine Liste über unseriöse Anbieter geführt.

Wann ist man nach dem Privatkonkurs wieder kreditfähig?

Der Privatkonkurs ist der letzte Schritt, wenn die Finanznot zu groß wird. An diesem Punkt zu sein bedeutet aber nicht, dass die Kreditfähigkeit nun für immer verspielt ist. Denn der Eintrag einer ausstehenden Tilgung wird nach 7 Jahren gelöscht.

Voraussetzung dafür ist aber, dass in dieser sogenannten Wohlverhaltensphase keine weiteren Zahlungsverpflichtungen eingegangen wurden. Es muss außerdem im Zuge des Privatkonkurses ein Weg bestimmt worden sein, die Restschuld zu tilgen, zum Beispiel über einen Sanierungs- oder Zahlungsplan.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, ist es wichtig, kontinuierlich die eigene Bonität im Blick zu behalten – und kein Risiko einzugehen, was Kredite betrifft. Vor allem, wenn es um große Projekte wie einen Immobilienkredit geht, sollten Sie sich unbedingt ausführlich beraten lassen. Und dann steht dem sorgenfreien Einzug ins Eigenheim nichts mehr im Weg!

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