Generationenkredit: die Vor- und Nachteile

Autor: Hagen Luckert
Kategorie: Finanzierung
Datum: 11.10.2022

Immobilien sind beständige Werte für Generationen. Doch warum sollen diejenigen, die später einmal eine Liegenschaft erben werden, nicht auch einen Teil der Kosten tragen? Bei diesem Gedanken kommt der Generationenkredit ins Spiel – und auch andere Einsatzmöglichkeiten gibt es für ihn. Gerade, wenn die Altersgrenze bei der Kreditvergabe schon eine relevante Rolle spielt, kann ein Generationenkredit angedacht werden. Doch trotzdem ist diese Kreditform in der Praxis selten. Wir zeigen auf, warum das so ist und welche Alternativen es gibt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Ein Generationenkredit kann für den Immobilienkauf in Österreich, zu einer Auszahlung im Rahmen einer Kredit-Umschuldung bei Scheidung oder auch für Sanierungen genutzt werden.
  • Die Liquidität des Kreditnehmers in fortgeschrittenem Alter wird nur minimal belastet, da er keine Tilgungen leistet, sondern nur die Zinsen bezahlt.
  • Durch die tilgungsfreie Phase ist es nötig, eine hohe Besicherung für diese Kreditform einzubringen.
  • Aber auch andere Kreditformen können eine interessante Alternative darstellen, da Menschen in fortgeschrittenem Alter in Österreich ebenfalls z.B. oft problemlos eine Immobilienfinanzierung bekommen können.

Was ist ein Generationenkredit?

Der Grundgedanke des Generationenkredits ist einfach: Eine Immobilie wird gekauft, von der angenommen wird, dass diese später einmal vererbt werden soll. Die nachfolgende Generation soll daher zu einem späteren Zeitpunkt einen finanziellen Beitrag zum Kauf leisten – auch, damit der ältere Käufer keine hohe, laufende Tilgung bezahlen muss, welche möglicherweise kaum leistbar ist. Der Generationenkredit ist tilgungsfrei, das heißt, Sie als kaufende Personen bezahlen nur die laufenden Zinsen, während die Tilgung des Kredits erst später einsetzt – typischerweise dann, wenn die nächste Generation die Immobilie übernimmt.

Tipp Generationenberatung
Neben dem Thema Generationenkredit gewinnt die Generationenberatung in Summe zunehmend an Bedeutung. Die Statistik der Immobilienpreise zeigt, dass sich die Immobilienpreise für Wohnungen in den letzten 20 Jahren nahezu verdreifacht haben. Für junge Menschen und Familien wird der Erwerb einer Immobilie in Österreich vor dem Hintergrund steigender Zinsen und verschärfter Kreditvergabekriterien (Neues Gesetz: 20 % Eigenmittel für Wohnkredit) zunehmend schwierig. Die Einbindung lastenfreier Immobilien der Eltern als Sicherheit oder ein finanzieller Beitrag kann hier Abhilfe schaffen.


Eigenschaften eines Generationenkredits

Die wichtigste Eigenschaft eines Generationenkredits ist, dass die Tilgung des Kreditbetrags nicht sofort beginnt. Deshalb wird auch ein Erbe als zweiter Kreditnehmer vorgesehen. Er muss sich zu einem späteren Zeitpunkt darum kümmern, dass der offene Kreditbetrag getilgt wird.

Laufzeit

Ein Generationenkredit wird langfristig gewählt – theoretisch kann die Laufzeit sogar 100 Jahre betragen. Während dieser Laufzeit ist der Kredit tilgungsfrei. Es werden also vorerst nur die Zinsen bezahlt, aber keine Rückzahlungen getätigt. Die eigentliche Tilgung erfolgt durch die Erben, zu einem späteren Zeitpunkt der Kreditlaufzeit.

Besicherung

Die Besicherung des Kredits erfolgt durch den Eintrag der Hypothek im Grundbuch. Diese Form der Besicherung unterscheidet sich also nicht von anderen Besicherungen. Bei einem klassischen Immobilienkredit würde ebenfalls eine Hypothek im Grundbuch eingetragen werden.

Höchstbetrag

Diese Sonderform des Kredits ermöglicht die teilweise Finanzierung einer Liegenschaft. Deshalb ist es üblich, dass maximal 30 bis 50% des Verkehrswerts der Immobilie durch den Generationenkredit gedeckt werden können. Selbstverständlich wird eine sogenannte „Höchstbetragshypothek“ im Grundbuch eingetragen. Abseits von dieser Finanzierung ist es möglich, einen weiteren, ergänzenden Kredit aufzunehmen.


Wann ist man zu alt für einen Kredit?

Einen Kredit im Alter aufnehmen ist durchaus möglich, wobei es auf die Art des Kredits, die Laufzeit und die Bonität ankommt. Ein „normaler“ Immobilienkredit wird häufig so vergeben, dass er mit Renteneintritt oder  bevor der Kreditnehmer 80 Jahre alt wird, zurück bezahlt ist. Aber es gibt in der Praxis auch weitergehende Möglichkeiten.


Vor- und Nachteile eines Generationenkredits

Wie alle Kreditformen hat auch der Generationenkredit Vor- und Nachteile. Schließlich handelt es sich um eine spezielle Kreditform, die nicht besonders weit verbreitet ist. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch die Pluspunkte des Generationenkredits sind nicht zu unterschätzen.

Vorteile

Menschen in fortgeschrittenen Alter, die eine Immobilie kaufen möchten und dabei auch schon an die nächste sowie übernächste Generation denken, können einen Generationenkredit nutzen. Doch es gibt auch noch andere Gelegenheiten, um einen Generationenkredit einzusetzen. So ergeben sich folgende Vorteile:

  • Als Generation in fortgeschrittenem Alter bezahlen Sie während der Kreditlaufzeit nur die Zinsen und profitiert somit von einer geringen finanziellen Belastung.
  • Vielfältige Nutzungsmöglichkeit: Der Generationenkredit kann für den Immobilienkauf in Österreich, für die Sanierung, für die Auszahlung bei einer Scheidung oder auch zur Umschuldung eingesetzt werden.

Nachteile

Der Generationenkredit ist eine spezielle Lösung, welche in der breiten Masse bislang noch keine Anwendung findet. Denn diese Form der Finanzierung bringt auch offensichtliche Nachteile mit, beispielsweise:

  • Erben müssen die Tilgung des Kredits einplanen und finanziell bewerkstelligen können.
  • Eine hohe Besicherung ist nötig, da der Kreditbetrag so lange offen bleibt.
  • Der späte Zeitpunkt für die sehr hohen Tilgungen kann zur Belastung für die davon dann betroffenen Personen werden.

Anwendungsbereiche des Generationenkredits in Österreich

Die häufigste Anwendungsmöglichkeit für den Generationenkredit in Österreich ist, wenn eine Immobilie erworben wird, von der auch nachfolgende Generationen profitieren werden. Zudem auch klar ist, dass die Nachkommen über eine gute finanzielle Situation verfügen, um den Kredit später tilgen zu können. Allerdings gibt es auch bei Immobilienkrediten die Möglichkeit, einen Kredit im höheren Alter aufzunehmen. Flexible, individuelle Lösungen in diesem Segment ermöglichen es in vielen Fällen, einen herkömmlichen Immobilienkredit nutzen zu können.


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Wann ist ein Generationenkredit empfehlenswert?

Ob ein Generationenkredit eine sinnvolle Alternative darstellt, hängt von der ganz individuellen Situation des Kreditnehmers und dessen zukünftigen Erben ab.

Praktikabel kann der Generationenkredit z.B. dann sein, wenn:

  • Ältere Person möchte eine Immobilie kaufen, die zukünftig von den Erben genutzt werden soll.
  • Die zukünftigen Erben verfügen über ein hohes Einkommen oder Vermögen, sodass der Generationenkredit einfach tilgbar sein wird.
  • Die zukünftigen Erben werden die Liegenschaft nach dem Ableben sicher veräußern und so den Generationenkredit tilgen.

In diesen Szenarien besteht für die ältere Person immer der Pluspunkt, dass keine laufende Tilgung nötig ist. Weniger geeignet ist ein Generationenkredit hingegen, wenn:

  • Unklare Situation hinsichtlich der Weitergabe der Immobilie.
  • Zukünftiger Erbe will nicht als zweiter Kreditnehmer eingetragen werden.
  • Nur ein geringes Darlehen für eine Sanierung benötigt wird, der durch andere Kreditformen einfacher umsetzbar ist.

Alternativen zum Generationenkredit

Welche Alternative zum Generationenkredit die beste Wahl ist, hängt wiederum von der ganz individuellen Situation aller Betroffenen und dem zu finanzierenden Vorhaben ab.

Grundsätzlich denkbare Möglichkeiten sind:

  • Kauf einer Immobilie: Klassischer Immobilienkredit, sofern dies durch das Endalter und die Laufzeit möglich ist.
  • Finanzierung durch Eigenkapital: Wenn die Immobilie ohnehin vererbt werden soll, ist der künftige Erbe möglicherweise bereit, die Liegenschaft von Beginn an gemeinsam zu erwerben und deshalb auch Eigenkapital einzubringen.
  • Altbausanierung einer Immobilie: Die Sanierung kann durch einen speziellen Sanierungskredit finanziert werden.

Generationenkredit in Österreich: selten genutzte Kreditform

Der Generationenkredit stellt in Österreich eine Sonderform der Finanzierung dar, die nur selten zur Anwendung kommt. Die Einsatzmöglichkeiten des Kredits sind zwar eingeschränkt, aber durchaus interessant. In bestimmten Konstellationen kann der Generationenkredit deshalb eine praktikable Lösung sein. Allerdings sollten Interessierte auch alternative Kreditformen in Erwägung ziehen. Denn auch für Menschen in fortgeschrittenem Alter ist es in Österreich häufig problemlos möglich, eine Finanzierung für den Kauf einer Immobilie zu bekommen.

Bildquellen: M_Agency/ Shutterstock.com, fizkes/ Shutterstock.com, Studio Romantic/ Shutterstock.com
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Über den Autor: Hagen Luckert
Position: Geschäftsführer

Meine gesamte berufliche Laufbahn habe ich im Kreditbereich verbracht. Zunächst im Sparkassen- sowie im Großbankensektor in Deutschland. Nach Leitung der Business-Unit Kreditstrategie- und Organisation in einem großen Beratungsunternehmen war ich als Geschäftsführer einer Kreditfabrik tätig. Im Anschluss daran wurde ich als Vorstand in einem Softwareunternehmen für künstliche Intelligenz im Bankenbereich berufen und habe 2019 in die Geschäftsführung von Infina gewechselt. Die ständige Recherche, strukturierte Aufbereitung sowie verständliche Veröffentlichung von allen Fragestellungen rund um das Kreditgeschäft gehören zu den wesentlichen Schwerpunktsetzungen meiner Funktion.

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