Entwicklung der Baukosten: in Österreich 2000-2023

Autor: Hagen Luckert
aktualisiert am 20. Dezember 2023

Wenn Sie ein Haus bauen, dann wollen Sie sicherstellen, dass Sie alle Baukosten richtig kalkulieren. Bauprojekte ziehen sich mitunter über Monate hin und das birgt das Risiko steigender Kosten. Ein Blick auf den aktuellen Baukostenindex zeigt die Entwicklung der Baukosten: Wie haben sich Arbeitsstunden und Baumaterialien über die letzten Jahre verteuert? Dies dient als wichtige Orientierungshilfe, um die Summe der Baukosten – und damit die Kreditsumme – von Anfang an richtig zu bestimmen.

Definition: Was ist der Baukostenindex?

Kurz gesagt: Der Baukostenindex spiegelt die Entwicklung der Baukosten in Österreich wider. Was berechnet der Index? Der Baukostenindex berücksichtigt dabei die Entwicklung der Kosten, die den Bauunternehmern bei der Ausführung ihrer Bauleistungen durch Veränderung der Kostengrundlagen entstehen. Die Kostengrundlagen sind Löhne (= Arbeitszeit) und sonstige Kosten (= Materialien/ Baustoffpreise). In diesem Beitrag wird die Indexierung auf das Jahr 1990 vorgenommen.

Entwicklung der Baukosten: Bedeutung für private Kreditkunden

Je stärker die Hausbau-Kosten steigen, einen desto höheren Sicherheitspuffer sollten Sie in der Kalkulation des benötigten Baukredits berücksichtigen. Denn steigende Handwerkerlöhne wirken sich unmittelbar auf die Gesamtkosten Ihres Haus- oder Wohnungsbaus aus.

Gut zu wissen: Wenn Sie schrittweise mit dem Hausbau beginnen, sollten Sie immer zuerst für ausreichend Fertigteile, Ziegel, Schotter, Zement und Bauholz sorgen. Je früher Sie einkaufen, desto besser aus Risikogesichtspunkten, denn angesichts möglicherweise erheblichen Preissteigerungen bzw. Preisschwankungen (wie dies beispielsweise erst 2021 und 2022 war) verringern Sie damit Ihr Kostenrisiko.

Baukostenentwicklung in Österreich: letzte 20 Jahre

Die durchschnittlichen jährlichen Baukosten für den Wohnhaus- und Siedlungsbau sind in der Langfristbetrachtung seit dem Jahr 2002 (+3,3 % pro Jahr) stärker gestiegen als die jährliche Inflation in Österreich (+2,2 % pro Jahr). Treibende Kraft dabei waren viel mehr die Baumaterialpreise und weniger die Lohnkosten (jedenfalls bis 2023). Dies gilt auch ganz besonders für die Jahre bis 2021. Erst 2022 setze dann eine Sondersituation mit exorbitanten Inflationsraten ein.

Altbau statt Neubau?

Die Preise für neue Immobilien in Österreich stiegen aufgrund immer höherer Baukosten bis 2022 weiter bzw. bleiben aktuell noch auf hohem Niveau, auch wenn erste leichte Rückgänge zu verzeichnen sind. Bei höherwertigen Neubauten liegen die Verkaufspreise ab Bauträger mittlerweile quer durch Österreich über 5.000 Euro, in sehr guten Stadtlagen sogar über 10.000 Euro. Alternativ zu einer Neubau-Immobilie kann für Sie daher der Kauf eines Altbaus mit guter Bausubstanz interessant sein, insbesondere unter Berücksichtigung von Förderungen für die Altbausanierung.

Gut zu wissen: Die Einbindung eines Experten zur Beurteilung der Kosten für die Sanierung ist unbedingt anzuraten, da Sie auch in diesem Fall die deutlich gestiegenen Baustoffpreise einplanen müssen.

Dachbodenausbau statt Neubau?

Da sich die Baupreise seit dem Jahr 2000 verdoppelt haben, ist leistbares Wohnen zwischenzeitlich ein Problem. Immer mehr Österreicher suchen daher Alternativen zum Wohnungskauf oder Hausbau, auch um dem Risiko weiter steigender Mieten zu entkommen. Mit einem Zubau, einer Aufstockung des Hauses oder einem Dachbodenausbau ist eine Finanzierung einfacher möglich, da die Kosten für einen Grundstückskauf entfallen.

Zusammenhang von Baustoffpreisen und Baukosten

Allein im Jahr 2022 stiegen die Baustoffpreise, das heißt die Preise für die diversen Baumaterialien, um gewaltige 16,0 % an. Das ist mit ein Grund, weshalb die reinen Baukosten pro Quadratmeter Wohnung mittlerweile zwischen 2.000 Euro und 3.000 Euro liegen.

Aktueller Baupreisindex 2022 und 2023 – monatliche Entwicklung

Der Baupreisindex für den Wohnhaus- und Siedlungsbau stieg im Jahr 2023, nach einem kleineren Rückgang in Q4.2022, weiter und erreichte im Mai 2023 mit 278,3 (Indexierung 1990) wieder einen neuen Höchstwert für Österreich. Speziell die Lohnkosten stiegen von April auf Mai 2023 um 6,9 %. Zwischen Juni und Oktober 2023 führten dann Reduzierungen bei den Baustoffpreisen zu einem leichten Rückgang des Baupreisindexes auf aktuell 274,0 im November 2023. Die genauen Zahlen spiegeln erneut die Bedeutung der Baustoffpreisentwicklung wider:

  • Im Jahr 2022 stiegen die Preise für Baumaterialien gegenüber dem Vorjahr um 16,0 %.
  • Die Lohnkosten für den Bau verteuerten sich nur um 3,0 %.
  • In Durchschnitt stiegen die Baukosten im Gesamtjahr 2022 dann um 10,1 %.
  • In den letzten 12 Monaten ist der Baupreisindex nochmals leicht gestiegen (von 267,6 auf 274,0).
  • Während auf Jahressicht die Baustoffpreise zu einer Reduzierung führten, sind die Lohnkosten im Bau im Mai 2023 sprunghaft angestiegen.
entwicklung baukosten in den letzten 12 monaten

2022 und 2023: Steigerung bei den Lohnkosten

In den vergangenen drei Jahren waren vor allem die Rohstoffpreise für steigende Baukosten verantwortlich. Im bisherigen Verlauf von 2023 waren aber die Lohnkosten die Treiber, während bei den Baustoffpreisen ein leichter Rückgang zu verzeichnen war. Die höheren Lohnkosten sind dabei vor allem eine Folge von Inflation und Fachkräftemangel.

Abgezeichnet hat sich der Trend bereits im Mai 2022. Der damals neue Kollektivvertrag führte zum Anstieg der Lohnkosten um 2,7 % – bereits ein höherer Anstieg als in den Vorjahren (Steigerung im Mai um je 1,6 %). Im Januar 2023 war dann wieder ein leichter Schritt nach oben zu verzeichnen, der deutlich über den Steigerungen der Vorjahre lag. Mit Abschluss der Lohnverhandlungen 2023 kam es dann im Mai dann zum sprunghaften Anstieg der Lohnkosten um ganze 6,9 %.

Und auch 2024 ist wohl eine kräftige Steigerung zu erwarten: Denn die Inflation dürfte bis dahin auf hohem Niveau bleiben und die Löhne in die Höhe treiben.

Ukraine-Krise und Baustoffpreise 2023

Produktions- und Lieferkettenunterbrechungen aufgrund der Corona-und Ukraine-Krise haben in den Jahren 2020 bis 2023 die Kosten für einzelne Baumaterialien zeitweise um über 50 % ansteigen lassen. Aufgrund der starken Handelsbeziehungen in Europa werden die aktuellen Konflikte auch 2023 sowohl die Inflation als auch die Kosten für Baumaterialien auf eher erhöhtem Niveau halten. Auch wenn für 2024 mit wieder etwas sinkenden Baustoffpreisen zu rechnen ist, da viele Neubauvorhaben zurückgestellt werden.

Gut zu wissen: Sichern Sie Ihr Eigenheimbauprojekt daher über Kostenvoranschläge ab bzw. prüfen Sie beim Kauf einer Wohnung von einem Bauträger ganz genau mögliche Preisanpassungsklauseln. In unserem Ratgeber lesen Sie, wie Sie einen seriösen Bauträger finden.

Ausblick Baukosten 2024

Die Lohnkosten am Bau waren bislang wenig gestiegen. Dies hat sich durch entsprechende Erhöhungen mit dem Monat Mai verändert. Außerdem könnten ein akuter Fachkräftemangel und die aktuelle Inflation dazu führen, dass die Lohnforderungen weiter wachsen.

Die Materialpreise werden infolge hoher Energiekosten noch eine Zeit auf erhöhtem Niveau bleiben. Mit den aktuellen anhaltenden hohen Energiepreisen dürften auch Preise für Baumaterialien wie z. B. Zement und Dachziegel sich weiter auf erhöhtem Level halten. Erneut deutliche Baukostensteigerungen sind aber eher unwahrscheinlich.


Prognose: Entwicklung der Baukosten in Österreich

Aufgrund der gestiegenen Erdöl- und Erdgaspreise können Sie für 2024 mit Preisen für Baumaterialien auf erhöhtem Niveau rechnen. Der weiterhin bestehende Inflationsdruck und der vorherrschende Fachkräftemangel dürften zudem zu weiteren hohen Lohnabschlüssen führen.

Das heißt konkret: Die Stundentarife der Handwerker haben begonnen zu steigen, weshalb Sie mit einem Bauprojekt unter Umständen nicht zu lange zögern sollten. Ob und wann sich die Entwicklung der Baupreise wieder umkehrt, lässt sich derzeit nicht prognostizieren. Bis dahin sollten Sie bei Ihren Bauprojekten jedenfalls mögliche Preissteigerungen miteinkalkulieren. Teilweise ist es für den privaten Hausbau oder Umbau seit 2023 aber wieder einfacher, Kostenvoranschläge von Handwerkern zu bekommen. Dies hängt mit den sinkenden Bautätigkeiten von Bauträgern zusammen. Im Jahr 2022 war dies in vielen Fällen sehr schwierig. 


Was kostet mein Wohnbaukredit?

Datenquelle: Statistik Austria
Bildquellen: Infina Grafik
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