Immobilienpreise in Europa: Vergleich und Entwicklung

Peter_Hrubec_Profilbild
Autor: Mag. Peter Hrubec
Kategorie: Immobilie
Datum: 10.08.2021

Das Wohnen in den Städten wird immer mehr zum Luxus. So ist es für Normalverdiener in Wien, Salzburg, Innsbruck und diversen Tourismus-Regionen in Österreich ohne entsprechenden Vermögenshintergrund kaum mehr möglich, sich eine 2-Zimmer-Wohnung zu leisten. Doch wie teuer ist Wohnen eigentlich im Ausland hierzu im Vergleich und wohin gehen die Immobilienpreise in Europa? Antworten auf diese Fragen und wo Sie noch besonders günstig in Europa Immobilien kaufen oder mieten können finden Sie in diesem Beitrag.


Immobilienpreise in Europa im Vergleich: Wo ist Wohnen am teuersten?

Eine Antwort auf diese Frage gibt Ihnen der Deloitte Property Index 2021. Zum zehnten Mal in Folge untersuchte nämlich das Beratungsunternehmen Deloitte die Immobilienpreise in Europa. Das Unternehmen zieht dazu Daten aus 24 Ländern (davon 23 aus Europa, ohne Luxemburg und extern Israel) inklusive 62 Städten heran. Die Quadratmeterpreise neuer Wohnungen bewegen sich zwischen unter 1.000 Euro in Bulgarien sowie Bosnien-Herzegowina und durchschnittlich 4.457 Euro in Österreich, das erstmals seit Bestehen der Auswertung eine Spitzenposition hier einnimmt.

21 der 24 Länder verzeichneten 2020 Preisanstiege, drei hingegen aus unterschiedlichen Gründen einen Preisrückgang. Generell begünstigen jedoch die aktuellen geldpolitischen Rahmenbedingungen, sprich niedrige Zinsen und eine unveränderte Bereitschaft der Banken zur Vergabe von Immobilienkrediten den derzeit vorherrschenden Immobilienboom.


Immobilienpreise im Ländervergleich

Die Wohnimmobilienpreise bewegten sich 2020 im europäischen Vergleich in einer Bandbreite von 578 bis 4.457 EUR/m2 und geben damit eine Indikation, wo Sie im Jahr 2021 Immobilien zu welchen Preisen in Europa erwerben können. Folgende Faktoren beeinflussen dabei die Preise:

Einkommen und Kaufkraft: Es ist ein entsprechender Einfluss des Lohnniveaus auf die örtlichen Immobilienpreise erkennbar. Hochlohnländer wie Norwegen, Österreich, Frankreich aber auch Deutschland (durchschnittlich 4.100 EUR/m2) haben tendenziell wesentlich höhere Wohnimmobilienpreise als Billiglohnländer wie Bulgarien (578 EUR/m2), Serbien, Bosnien und Herzegowina, Polen (1.581 EUR/m2) und Lettland (1.749EUR/m2).

Einkommen ist eine wesentliche Komponente der Kaufkraft. Die andere sind die Lebenshaltungskosten. Je höher letztere im Vergleich zum Einkommen ist, desto weniger Geld kann für Immobilienkäufe angespart werden. Aus diesem Grund sind Wohnimmobilien in Portugal im europäischen Vergleich so günstig, ähnliches gilt auch für Irland und die Slowakei (1.941 EUR/m2).

Tourismus und Auslandsnachfrage nach Immobilien:  Mit zunehmendem Tourismus wächst die Nachfrage  nach Freizeitwohnsitzen. Dies trieb in Österreich im Salzkammergut und auch in der Region Kitzbühel die Hauspreise teils in exorbitante Höhen. Ähnliches gilt auch für am Meer stehende Fincas in Spanien. Trotz einer strukturellen Arbeitslosigkeit jenseits der 20 % werden manche 100m2-Häuser in Spanien für mehrere Millionen Euro gehandelt.

Zuwanderung und Entwicklungsaktivität:  Mit der Zuwanderung wächst der Bedarf an Bauflächen, Baugrundstücken und in Folge steigen die Wohnimmobilienpreise. Ein Indikator dafür ist die Anzahl an fertiggestellten Erstbezugs-Unterkünfte pro 1.000 Einwohner. Hier liegt beispielsweise Polen an erster Stelle, gefolgt von Frankreich und Belgien. Polen dominiert mit 5,79 fertiggestellten Unterkünften. Hingegen auf weniger als zwei fertiggestellte Wohneinheiten pro 1.000 Einwohnern kommen Bosnien/ Herzegowina (0,74), Lettland u. Spanien (je 1,63) sowie Portugal (1,68). Diese Länder leiden mangels Arbeitsmöglichkeiten teilweise unter einer Abwanderung qualifizierter Einwohner.

Die Kombination dieser Faktoren sowie regionaler Gegebenheiten wie zum Beispiel verbaute Seegrundstücke in Kärnten oder Mangel an Bauflächen aufgrund der Tallage (z.B. in Innsbruck der Fall), bestimmen letztendlich die Preise.

Top 5 der teuersten Länder in Europa plus Israel:
1.)Österreich: 4.457 EUR/m2
2.)Frankreich: 4.421 EUR/m2
3.)Deutschland: 4.100 EUR/m2
4.)Großbritannien: 4.058 EUR/m2
5.)Israel: 4.052 EUR/m2

 

Top 5 der günstigsten Länder in Europa:
1.)Bulgarien: 578 EUR/m2
2.)Bosnien und Herzegowina: 881 EUR/m2
3.)Portugal: 1.260 EUR/m2
4.)Rumänien: 1.332 EUR/m2
5.)Serbien: 1.414 EUR/m2

Quelle: Deloitte

Die teuersten Städte Europas

Vor allem in einer langen Historie gewachsene Metropolen mit vielen touristischen Besuchern und Niederlassungen von Konzernzentralen, Finanzinstitutionen sowie innovativen Firmen sind im internationalen Vergleich teuer. 

Immobilienpreise europäischer Hauptstädte/  Metropolen (EUR/m2):
1.)Paris: 12.917
2.)Tel Aviv: 10.322
3.)München: 8.700
4.)London (Innenstadt): 7.916
5.)Frankfurt: 7.700
Österreichische Städte im Vergleich dazu:
1.)Wien: 5.248
2.)Linz: 4.010
3.)Graz: 3.712

Quelle: Deloitte

Die anhand der durchschnittlichen Transaktionskosten ermittelten Immobilienpreise sind in Österreich zwar nicht mehr günstig, haben aber vor allem in Graz noch Luft nach oben.


Immobilienpreise in Europa – Entwicklung, Trends und Statistik

Die Entwicklung der Immobilienpreise in Europa erfolgt hier in Form einer Betrachtung des Hauspreisindex von Eurostat (Statistische Amt der Europäischen Union). Dieser misst die Preisentwicklungen aller von Haushalten erworbenen Wohnimmobilien (Wohnungen, Einfamilienhäuser, Reihenhäuser....), sowohl Neu- als auch Altbauten, unabhängig von ihrer endgültigen Verwendung und ihren bisherigen Eigentümern.

Entwicklung der Immobilienpreise im europäischen Durchschnitt

Während der Finanzkrise 2009 und in den Euro-Krisenjahren 2012 und 2013 entwickelten sich die Hauspreise in Europa rückläufig, ehe sie 2014 wieder leicht zu steigen begannen. Von 2016 auf 2019 bewegte sich die jährliche Wohnimmobilienpreissteigerung um knapp über vier Prozent ehe infolge der Unterbrechung von Bauprojekten durch die Corona-Krise und eine zunehmende Flucht der Anleger in „Betongold“ im ersten Quartal 2020 ein beschleunigter Preisauftrieb einsetzte. 

Stieg im vierten Quartal 2019 das Hauspreisniveau im Euroraum und der EU um jeweils 4,5 bzw. 5,0 %, kam es im ersten Quartal 2020 zu einer Beschleunigung des Preisauftriebs auf jeweils 5,2 bzw. 5,7 %. Das war der höchste (jährliche) Anstieg seit dem zweiten Quartal 2007. Und es ging dann noch kräftig weiter. Bis zum ersten Quartal 2021 beschleunigte sich der Preisauftrieb im Euroraum und in der EU auf je 5,8 bzw. 6,1 %. Mit Ausnahme von Zypern stiegen im ersten Quartal 2021 die Wohnimmobilienpreise in allen EU-Ländern, auch in Spanien (+0,9 %) und Italien (+1,7 %).

Wo steigen aktuell die Immobilienpreise?

Besonders starke Preisanstiege gab es laut Eurostat im ersten Quartal 2021 in Luxemburg (+17 %), Dänemark (+15,3 %) und in Litauen (+12,0 %). Ebenfalls kräftige Anstiege verzeichneten die Hauspreise in Tschechien (11,9 %) und in den Niederlanden (+11,3 %). Bezüglich der Städte veröffentlicht Eurostat keine aktuellen Daten. Doch jene von 2020 die Deloitte im Rahmen der genannten Studie erhob, zeigen folgende Entwicklungen:

Städte mit den stärksten Wohnimmobilienpreissteigerungen 2020
Bratislava:13,0 %
Madrid:11,3 %
Brüssel:9.0 %
Porto:8,5 %
Oslo:8,4 %
Riga:7,9 %

Wo sinken aktuell die Immobilienpreise?

Laut Eurostat lag der Preisrückgang in Zypern im dritten Quartal 2020 bei -1,4 % und in Irland bei -0,8 %. Betrachtet man den Städtevergleich von Deloitte ergibt sich folgende Reihung für 2020:

Städte mit sinkenden Immobilienpreisen für 2020
Oslo:-3,1 %
Riga:0,4 %

Wo ergeben sich Investitionsmöglichkeiten?

Investieren sollten Sie in aufstrebende innovative Städte mit qualitativ hochwertigem und kaufkräftigen Zuzug. In diese Kategorie fällt beispielsweise Berlin, das mit einem durchschnittlichen Preis von 6.200 EUR/m2 und einer durchschnittlichen Monatsmiete von 10,10 EUR/m2 noch über Aufholpotenzial verfügt. Aufgrund der boomenden Wirtschaft in Polen und der noch relativ günstigen Preise von ca. 2.233 EUR/m2 ist auch Warschau attraktiv.

Doch Achtung: Wenn Sie im Ausland Immobilien kaufen, bekommen Sie dafür von heimischen Banken häufig keine Kredite, sondern müssen den Kaufpreis vollständig aus Eigenmittel abdecken. Ausnahme wäre eine Firma im betreffenden Ausland, die über entsprechende Bonität verfügt und dann vor Ort auch von den ausländischen Banken finanziert würde. Doch wer hat dies schon zur Verfügung?

Daher: Wenn Sie zum Wohnungskauf einen Kredit benötigen, sollten Sie überlegen sich eventuell doch eher auf Österreich zu fokussieren. Hier gibt es noch günstige Immobilien im Burgenland, Niederösterreich und Kärnten.


Immobilienpreise in Europa: Hauptstädte besonders teuer

Die Immobilienpreise in Europa sind derzeit auf breiter Front im Aufwind und Metropolen wie Paris, München oder Innsbruck sind mittlerweile für Normalverdiener kaum mehr erschwinglich, während die durchschnittlichen Wohnimmobilienpreise in Bulgarien und Bosnien und Herzegowina sogar weit unter 1.000 EUR/m2 liegen.

Der Haken in diesen Ländern: Abwanderungen mangels Arbeitsmöglichkeiten. Das drückt dort auf die Immobilienpreise. Doch stark aufstrebende Metropolen mit Potenzial sind teuer und österreichische Banken geben für Auslandsimmobilien nur eingeschränkt Kredite. Der Trost: Am heimischen Immobilienmarkt gibt es noch genügend Chancen in den Speckgürteln von Ballungszentren oder Provinzstädten, insbesondere in Niederösterreich und Kärnten.

Möchten Sie mehr Informationen zum Thema Immobilienfinanzierung erhalten?

Kontaktieren Sie uns jetzt

Bildquellen: AlexLMX/ Shutterstock.com, Boris Stroujko/ Shutterstock.com, Boyan Georgiev Georgiev/ Shutterstock.com, BradleyvdW/ Shutterstock.com, William Perugini/ Shutterstock.com
Rechtshinweise zu unseren Ratgebern finden Sie in unserer Verbraucherschutzinformation.


Peter_Hrubec_Profilbild
Über den Autor: Mag. Peter Hrubec
Position: Prokurist

Die Neugier für neue Themen, die die Finanzdienstleistung bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Bei AXA Equity & Law war ich für die Markterschließung in Österreich sowie die Einführung der betrieblichen Vorsorge zuständig. Im Anschluss daran beschäftigte ich mich als geschäftsführender Gesellschafter von Nova Portfolio Management mit innovativen Vermögensanlage-Konzepten. Seit dem Jahr 2009 bin ich als Prokurist bei Infina schwerpunktmäßig in den Bereichen Product Consulting, sowie der Vertriebs- und Bankenbetreuung verantwortlich. Darüber hinaus liegt mein Fokus auf rechtlichen Fragestellungen, die den österreichischen Kreditmarkt in Österreich betreffen sowie der Analyse von Markt- und Zinsentwicklungen.

Lesen Sie meine Finanzierungs-Tipps
Kontakt
Nachricht absenden

Die neuesten Artikel finden Sie hier – immer einen Schritt voraus

Inflation: Definition, Folgen und aktuelle Trends in Österreich

In diesem Beitrag lesen Sie, wie Inflation entsteht, wie sie berechnet wird und welche Folgen eine hohe Inflationsrate hat. Zusätzlich widmen wir uns den aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Inflationsrate.

Deflation: Definition, Folgen und aktuelle Situation in der Corona-Krise

In diesem Beitrag erfahren Sie die wichtigsten Fakten zur Deflation: Wie entsteht sie? Welche Folgen hat sie und welche Gegenmaßnahmen gibt es?

Haftrücklass in Österreich: Definition, Zweck und Berechnung

Erfahren Sie mehr über den Haftrücklass in Österreich: ✓ Was ist ein Haftrücklass? ✓ Welchen Zweck erfüllt er und wie wird er angewandt? ✓ Berechnung

Die am häufigsten gelesenen Artikel – Ratgeber für die Immobilienfinanzierung

Umschuldung: Für wen es sich lohnt

Was ist eine Umschuldung von Krediten? Bei einer Umschuldung ersetzen Sie einen laufenden Kredit durch einen oder mehrere andere Kredite.

Fixzinsen: Aktuelles und Vergleich

Ist der Fixzinssatz aktuell günstig? Welche Laufzeit lohnt sich für Sie? Hier finden Sie Antworten! ✓ Aktuelle Fixzinsen ✓ Fixzinssatz bei Krediten ✓ Laufzeit beim Fixzinssatz ✓ Euribor ✓ Fixe vs. variable Zinsen

Zinsen berechnen beim Kredit: Wie viele Zinsen muss ich zahlen?

Die Höhe der Zinsen ist ein wichtiges Kriterium, wenn es darum geht, den besten Kredit auszuwählen. Möchten Sie einen günstigen Wohnkredit erhalten, dann lohnt sich also in jedem Fall ein Zinsvergleich.