Verhältnis fix und variabel verzinste Wohnbaukredite

Harald_Draxl_Profilbild Autor: Mag. Harald Draxl
aktualisiert am 07. Juni 2022

Waren noch vor einigen Jahren in Österreich variabel verzinste Wohnbaukredite der Regelfall, so hat sich dies zwischenzeitlich geändert: Mittlerweile schließt die Mehrheit der neuen Wohnbau-Kreditkunden eine Fixzinsbindung ab. Erfahren Sie hier, wie sich das Verhältnis „fix zu variabel“ in den letzten Jahren entwickelt hat und welche Schlussfolgerungen sich für Sie als privaten Kreditkunden ergeben.

Entwicklung fix vs. variabel: Bedeutung für Kreditkunden

Variabel verzinste Kredite sind günstiger als fix verzinste, bringen allerdings das Risiko von Zinssteigerungen mit sich. Je geringer der Zinsabstand zwischen langjährigen Fixzinsbindungen und variabler Verzinsung ist, desto attraktiver werden fixe Zinsen. Der „Preis“ für die Absicherung sinkt dann gewissermaßen. Die Entwicklung des Verhältnisses fix und variabel verzinster Wohnbaukredite ist also eine Art Stimmungsbarometer: Umso höher der Anteil der Fixzinsbindungen, umso mehr Kreditkunden sind der Ansicht, dass sich fixe Zinsen lohnen.

Blick zurück: Anteil an Fixzinsbindungen seit 2013

Der Anteil an Fixzinsbindungen ist im letzten Jahrzehnt enorm gestiegen: Noch in den Jahren 2013 und 2014 waren variabel verzinste Kredite die übliche Finanzierungsvariante und Fixzinsbindungen eher ein „Nischenprodukt“ in Österreich. So waren 2013 nur 18,4 % der neu vergebenen privaten Wohnbaukredite fix verzinst.

Seit 2015 begann sich das Verhältnis allmählich zu drehen. 2020 entschied sich mit 62,4 % die deutliche Mehrheit für eine Fixzinsbindung, während nur mehr 37,6 % die variable Verzinsung wählten.

Zinsabstände wieder gestiegen

In den letzten Jahren sank das allgemeine Zinsniveau: Der Leitzins der EZB liegt seit 2016 konstant auf 0 %. Seit 2015 fielen die Referenzzinssätze für die variable Verzinsung (z. B. EURIBOR) immer tiefer in den Negativbereich, ab 2019 waren auch die langfristigen Zinsen immer wieder negativ – ein Trend, den die lockere Geldpolitik der Notenbanken während der Corona-Krise noch verstärkte.

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Zudem sanken auch die Zinsabstände zwischen variabler Verzinsung und Fixzinsbindungen: Banken und Bausparkassen boten verstärkt eine Reihe langjähriger Fixzinskredite an und deren Konditionen wurden immer günstiger. Beispielsweise war der Zinsabstand zwischen variabler Verzinsung und zehnjährigen Fixzinskrediten 2013 wesentlich höher als im Jahr 2021. Anfang 2022 ist dieser aber wieder deutlich angestiegen.

Mit Fixzins gegen steigende Zinsen absichern

Deutlich wird also, dass sich Kreditnehmer in Österreich in den letzten 10 Jahren zunehmend für die „sichere“ Variante der Wohnbaufinanzierung entschieden haben. Und dies aus gutem Grund: Bei einer Nutzung als Eigenheim bleibt das Risiko der Wertenwicklung Ihrer Immobilie überschaubar, solange diese weiterhin Ihre Wohnbedürfnisse erfüllt. Das Risiko steigender Zinsen ist jedoch nicht zu unterschätzen, gerade bei geringerem Eigenkapitalanteil. Mit einer Fixzinsbindung können Sie sich dagegen absichern.

Aktueller Trend: Verhältnis fix zu variabel in den Jahren 2021 und 2022

Die Zahlen der letzten Quartale zeigen, dass die Beliebtheit von Fixzinsbindungen in 2021 weiter hoch ist. Nach einem leichten Rückgang vom ersten auf das zweite Quartal 2021 erreicht der Anteil der Fixzinsbindungen im dritten Quartal 2021 einen neuen Höchststand (63,3 %). Auch wenn in vierten Quartal der Anteil auf 60,9 % gesunken ist, lag der Anteil in allen Quartalen 2021 konstant bei über 60 %. Die Mehrheit der Kreditnehmer nutzte also das immer noch niedrige Zinsniveau, um sich dieses langfristig mit einer Fixzinsbindung zu sichern.

Zinserhöhungen sind realistisch

Darüber hinaus schulden zum Teil auch bestehende Kreditnehmer ihre variablen Finanzierungen auf langfristige Fixzinsbindungen um. Denn einige rechnen aufgrund der aktuell hohen Inflation mit weiter steigenden Kreditzinsen. Zudem sanken auch die Zinsabstände zwischen variabler Verzinsung und Fixzinsbindungen: Banken und Bausparkassen boten verstärkt eine Reihe langjähriger Fixzinskredite an und deren Konditionen wurden immer günstiger. Beispielsweise war der Zinsabstand zwischen variabler Verzinsung und zehnjährigen Fixzinskrediten 2013 wesentlich höher als im Jahr 2021. Anfang 2022 ist dieser aber wieder deutlich angestiegen.

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Auch die Vertreter der EZB signalisierten zuletzt vermehrt, dass mit einer Zinserhöhung des Leitzinses gerechnet werden muss. Hinzu kommt, dass die Kreditvergabekriterien im Laufe des Jahres 2022 strenger werden. Das bedeutet konkret: Nur wenn Sie sich mit einer Fixzinsbindung mittel- oder langfristig absichern, können Sie Ihre monatliche Belastung sicher kalkulieren.

Prognose: Was ist in puncto Zinsbindung zu erwarten?

Da sich die langfristigen Zinsen, welche für die Fixzinsbindungen relevant sind, im Steigen befinden, haben die Kreditinstitute begonnen, die Konditionen neuer Fixzinskredite zu verteuern. Die Zinssätze sind in Österreich in vielen Fällen bereits mehr als doppelt so hoch wie zu Beginn des Jahres 2022. Vereinzelt bieten Kreditinstitute wieder verstärkt variabel verzinste Kredite aktiv an und haben ihr Angebot an Fixzinskrediten verringert. Im weiteren Verlauf des Jahres 2022 dürfte sich die Balance zwischen fix und variabel auf hohem Fixzinsanteil einpendeln.


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Datenquelle: Österreichische Nationalbank
Bildquellen: Infina Grafik
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