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Anteil variabel verzinster Wohnbaukredite

Harald_Draxl_Profilbild Autor: Mag. Harald Draxl
aktualisiert am 22. Mai 2026

Waren noch vor vielen Jahren in Österreich rein variabel verzinste Wohnbaukredite der Regelfall, hat sich dies in den letzten Jahren geändert: In jüngster Vergangenheit hat sich die Mehrheit der neuen Wohnbau-Kreditkunden nicht mehr für eine rein variable Verzinsung entschieden. Im Jahr 2025 ist der Anteil variabler Zinsbindungen auf dem bisher historisch niedrigsten Niveau in Österreich angekommen. Erfahren Sie hier, wie sich das Verhältnis „fix zu variabel“ in den letzten Jahren und ganz aktuell entwickelt hat und welche Schlussfolgerungen sich für Sie als privaten Kreditkunden ergeben.

Entwicklung fix vs. variabel: Bedeutung für Kreditkunden

Variabel verzinste Kredite sind bei Neuabschlüssen in den meisten Zeiten günstiger als fix verzinste, bringen allerdings das Risiko von Zinssteigerungen mit sich. Je geringer der Zinsabstand zwischen langjährigen Fixzinsbindungen und variabler Verzinsung ist, desto attraktiver werden fixe Zinsen. Der „Preis“ für die Absicherung sinkt dann gewissermaßen. Die Entwicklung des Verhältnisses fix und variabel verzinster Wohnbaukredite ist eine Art Stimmungsbarometer: Je höher der Anteil der Fixzinsbindungen, desto mehr Kreditkunden sind der Ansicht, dass sich fixe Zinsen langfristig lohnen.

Blick zurück: Anteil an Fixzinsbindungen seit 2013

Der Anteil rein variabler Zinsbindungen ist im letzten Jahrzehnt enorm gefallen: Noch in den Jahren 2013 und 2014 waren variabel verzinste Kredite die übliche Finanzierungsvariante und Fixzinsbindungen (oder eine Kombination aus fix und variabler Finanzierung) eher ein „Nischenprodukt“ in Österreich. So waren 2013 noch 81,4 % der neu vergebenen privaten Wohnbaukredite rein variabel verzinst.

Seit 2015 begann sich das Verhältnis allmählich zu drehen. 2024 entschied sich mit 23,0 % eine deutliche kleinere Anzahl von Kunden für eine rein variable Finanzierung, während 77,0 % eine Fixzinsbindung oder eine Mischform der Verzinsung wählten.

Anteil variabler Zinsbindungen
bei privaten Wohnbaufinanzierungen, 2013-2025 (in Prozent)

Infina

Zinsabstände haben sich wieder verringert

In den letzten Jahren sank zunächst das allgemeine Zinsniveau: Der Leitzins der EZB lag von 2016 bis Juli 2022 konstant bei 0 %, ehe dieser am 27. Juli 2022 zunächst auf 0,5 %, mit Wirkung zum 14. September 2022 auf 1,25 % und danach zunächst dann in mehreren Schritten in der Spitze auf 4,50 % erhöht wurde. Seit Sommer 2024 wurde der Leitzins dann wieder in acht Schritten, zuletzt im Verlauf des Jahres 2025 auf ein stabileres Niveau gesenkt. Zwischen 2015 und der ersten Jahreshälfte 2022 fielen die Referenzzinssätze für die variable Verzinsung (z. B. EURIBOR) immer tiefer in den Negativbereich, ab 2019 waren auch die langfristigen Zinsen immer wieder negativ – ein Trend, den die lockere Geldpolitik der Notenbanken während der Corona-Krise noch verstärkte.

Zudem sanken auch die Zinsabstände zwischen variabler Verzinsung und Fixzinsbindungen, solange bis plötzlich eine inverse Zinskurve entstand und langjährige Fixzinsbindungen günstiger wurden als variabel verzinste Kredite. Wirft man einen Blick auf die nominalen Kreditzinsen des Infina Kredit Index, der jeweils die Daten zum Quartalsende zeigt, dann lag erstmals Anfang Juli 2023 der zwanzigjährige Fixzinssatz mit 4,025 % p.a. unter dem durchschnittlichen Kreditzins für variabel verzinste Kredite, der damals bei 4,762 % lag. Dies entsprach einem negativen Zinsabstand bzw. Zinsabschlag von 0,737 Prozentpunkten. Bis Anfang Oktober 2024 weitete sich dieser auf 0,791 Prozentpunkte aus, fiel Anfang April 2025 zunächst auf 0,323 Prozentpunkte zurück und stieg bis Anfang April 2026 wieder auf 0,79 Prozentpunkte.

Mit Fixzins Zinsen absichern

Deutlich wird also, dass sich Kreditnehmer in Österreich in den letzten 10 Jahren zunehmend für die „sichere“ Variante der Wohnbaufinanzierung entschieden haben. Und dies aus gutem Grund: Bei einer Nutzung als Eigenheim bleibt das Risiko der Wertenwicklung Ihrer Immobilie überschaubar, solange diese weiterhin Ihre Wohnbedürfnisse erfüllt. Das Risiko steigender Zinsen ist nicht zu unterschätzen, insbesondere bei geringerem Eigenkapitalanteil. Mit einer Fixzinsbindung können Sie sich dagegen absichern.

Aktueller Trend: Anteil variable Verzinsung in den Jahren 2025 und 2026

Die Zahlen der letzten vier Quartale zeigen, dass Fixzinsbindungen weiterhin deutlich dominieren, der Anteil variabler Finanzierungen zuletzt jedoch leicht gestiegen ist. Im zweiten Quartal 2025 entschieden sich 19,5 % der Kreditnehmer privater Wohnbaufinanzierungen für eine variable Verzinsung, im dritten Quartal 2025 lag der Anteil mit 19,1 % nahezu unverändert. Im vierten Quartal 2025 erhöhte sich der Anteil leicht auf 19,7 %, bevor er im ersten Quartal 2026 auf 21,3 % anstieg. Damit entschieden sich zuletzt 78,7 % der Kreditnehmer für eine Fixzinsbindung oder eine Mischform der Verzinsung.

Kreditnehmer bezahlen derzeit keine oder nur eine geringe Prämie für die Absicherung des Zinsänderungsrisikos. Fixzinsbindungen bleiben damit weiterhin attraktiv, während variable Finanzierungen zuletzt aufgrund des günstigeren Einstiegssatzes wieder etwas an Bedeutung gewonnen haben.

Variable Zinsen dürften weiter fallen

Die Inflation im Euroraum ist wieder im Zielkorridor. 

Anteil variabler Zinsbindungen
bei privaten Wohnbaufinanzierungen, Q2.2025-Q1.2026 (in Prozent)

Infina

Da der Einlagenzins der EZB das erwartete Niveau von rund 2,00 % erreicht hat, notiert der 3-Monats-Euribor aktuell stabil im Bereich von 2 %. Bei einem durchschnittlichen Kreditaufschlag von etwa 1,25 Prozentpunkten ergeben sich variable Kreditzinsen von rund 3,25 %. Grundsätzlich gilt: Eine Fixzinsbindung ermöglicht eine langfristig kalkulierbare Kreditrate, während variable Zinsen stärker auf kurzfristige Marktbewegungen reagieren. Die weitgehend stabile Entwicklung des Anteils variabler Finanzierungen im Jahr 2025 und der leichte Anstieg zu Beginn des Jahres 2026 zeigen, dass Kreditnehmer wieder stärker zwischen Zinssicherheit und einem günstigeren variablen Einstiegssatz abwägen.

Prognose: Was ist in puncto Zinsbindung zu erwarten?

Die langfristigen Zinsen, die für Fixzinsbindungen maßgeblich sind, haben sich nach den deutlichen Anstiegen in den Jahren 2022 und 2023 im Verlauf von 2025 stabilisiert. Aufgrund der Leitzinssenkungen seit Mitte 2024 haben sich die Konditionen neuer Fixzinskredite zuletzt leicht verbessert, liegen nun wieder über dem Niveau variabler Finanzierungen.

Laut EZB entschieden sich im Jahr 2024 rund 80 % der Kreditnehmer bei Neuabschlüssen für eine Fixzins- oder Teilfixzinsbindung, ein historisch hoher Wert seit Einführung des Euro. Diese Tendenz zu langfristiger Zinssicherheit hat sich auch 2025 fortgesetzt, wenn auch mit leicht sinkender Dynamik.

Mit Beginn des Jahres 2026 liegen die Zinssätze für längerfristige Fixzinsbindungen wieder etwas über den variablen Zinssätzen im Neugeschäft, was die Entscheidung zwischen Zinssicherheit und günstigerem Einstiegssatz wieder stärker in den Fokus rückt. Inwieweit sich dieser Zinsabstand künftig vergrößert oder wieder verringert, hängt von der weiteren geldpolitischen Entwicklung der EZB und der Inflationsentwicklung ab.


Ratgeber zum Thema Finanzierung

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Was kostet mein Wohnbaukredit?

Datenquelle: Europäische Zentralbank
Bildquellen: Infina Grafik
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