Anzahl der Baugenehmigungen in Österreich

Harald_Draxl_Profilbild Autor: Mag. Harald Draxl
aktualisiert am 07. Juni 2022

An der Statistik der Baugenehmigungen der vergangenen Jahre lässt sich ablesen, wie sich die Bautätigkeit in Österreich entwickelt hat. Für private Kreditkunden im Bereich Wohnbau sind diese Zahlen besonders interessant, da sich z. B. auch Auswirkungen auf die Immobilienpreise ergeben. Erfahren Sie hier die aktuellen Trends und welche Schlussfolgerungen Sie als privater Kreditkunde daraus ziehen können.

Statistik zur Baugenehmigung: Bedeutung für Kreditkunden

Als privater Kreditnehmer einer Immobilienfinanzierung ist das für Sie von mehrfacher Bedeutung: Die Anzahl hat beispielsweise Einfluss auf die kurzfristigen Immobilienpreise und die Anzahl der Kreditanfragen für Wohnbaukredite. Je stärker die Anzahl der Baugenehmigungen steigt, desto mehr drückt dies auf die Immobilienkaufpreise und umgekehrt. Gleichzeitig bedeutet eine steigende Anzahl von Baugenehmigungen aber einen größeren Finanzierungsbedarf, was tendenziell teurere Bankkonditionen zur Folge haben kann.

Statistik der Baugenehmigungen: Verlauf seit 2010

Von 2010 bis 2020 stieg die Anzahl der genehmigten neuen Wohngebäude in Österreich auf Jahresbasis von 18.828 auf 21.226. In dieser Langfristbetrachtung stieg die Jahresanzahl also um 12,7 %. Bei den genehmigten Wohnungen ist in diesem Zeitraum ein noch stärkerer Anstieg zu verzeichnen: Wurden 2010 noch 52.078 neue Wohnungen genehmigt, so waren es 2020 bereits 77.085 – eine Steigerung um 48,0 % in diesen 10 Jahren.

Kontinuierlicher Trend nach oben

Die Statistik der Baugenehmigungen zeigt im 10-Jahres-Zeitraum also einen deutlichen Trend nach oben. Obwohl die Entwicklung der Immobilienpreise in den letzten Jahren nur eine Richtung kennt, nämlich nach oben, steigt die Anzahl der Baugenehmigungen in Österreich kontinuierlich. Interessant ist hierbei, dass die Immobilienpreise steigen, obwohl die Bautätigkeit zunimmt und laufend neuer Wohnraum geschaffen wird. Festzuhalten bleibt damit, die Nachfrage nach Immobilien ist seit Jahren ungebrochen hoch.

Definition
Daten

Starkes Wachstum bei kleineren Wohnungen

Bei der Analyse von Detaildaten ist zudem auffällig, dass die Baugenehmigungen für jene Wohnungen, die sich in Gebäuden mit drei oder mehr Wohnungen befinden, besonders stark stiegen. Zwischen 2010 und 2020 zeigte sich ein Wachstum von 21.488 auf 42.936, was fast einer Verdoppelung entspricht. Dies ist auf den Trend zu verdichteter Bauweise in Ballungszentren bzw. zu kleineren Wohnungen zurückzuführen. Denn gerade die Nachfrage nach diesen kleinen und mittleren Wohnungen im städtischen Raum, etwa der klassischen Zwei-Zimmer-Anlegerwohnung, war besonders hoch.

2021 und 2022: Statistik der Baugenehmigungen im letzten Jahr

Im letzten Jahr zeigt die Statistik der Baugenehmigungen von neuen Wohngebäuden für die ersten drei Quartale 2021 eine konstant hohe Anzahl. Allerdings gingen diese ab dem 3. Quartal 2021 bereits leicht zurück. Insofern liegen sowohl im dritten als auch vierten Quartal 2021 die Anzahl der bewilligten Baugenehmigungen neuer Wohngebäude unter dem Vorjahresvergleich-Zeitraum.

Während Corona und das damit verbundene Thema Home-Office in der ersten Jahreshälfte 2021 zunächst zum Trend auf vermehrte Bauaktivitäten im Grünen führte, also Immobilien am Stadtrand oder im ländlichen Bereich mit guter Infrastrukturanbindung, überwog im vierten Quartal 2021 dann die Kostenexplosion bei den Rohstoff-Preisen. Geplante Bauvorhaben von Bauträgern und im privaten Hausbau wurden aufgeschoben. Die Anzahl der Wohnungen sank damit parallel im vierten Quartal. Der Trend raus aus der Stadt (und damit wieder kleineren Wohneinheiten) erklärt auch, warum die Anzahl der Wohnungen zum Vorjahresvergleich-Zeitraum deutlich zurückging, während die Anzahl der Baugenehmigungen für neue Wohngebäude leicht anstieg.

Rohstoffpreise könnten Fertigstellung verzögern

Trotz der gestiegenen Anzahl von Baugenehmigungen könnte sich die Fertigstellung von Neubauten in vielen Fällen verzögern. Grund dafür sind gestiegene Rohstoffpreise und Handwerkermangel. Dieser Effekt führt tendenziell zudem eher zu nochmals steigenden Immobilienpreisen.

Definition
Daten

Lage der Immobilie bleibt wichtig

Aktuell lässt sich noch nicht abschätzen, inwiefern diese kurzfristige Entwicklung hin zum Ein- und Zweifamilienhaus im Grünen anhält bzw. in welchem Ausmaß der Trend zur Verstädterung wieder zurückkehrt. Davon hängt dann ab, wie sich die Baugenehmigungen auf den städtischen und ländlichen Raum verteilen. Unabhängig davon, wie stark die Bautätigkeit in Ihrer aktuell präferierten Region ist, sollten Sie auf eine gute Lage der Immobilie achten. Hier gilt: Suchen Sie lieber etwas länger, bis Sie wirklich eine Immobilie in passender Lage finden – denn Sie haben dann ein deutlich geringeres Risiko eines möglicherweise stagnierenden oder sinkenden Immobilienwertes.

Ausblick: Welche Bautätigkeit ist künftig zu erwarten?

Baugründe werden zunehmend rarer und teurer. Daher ist damit zu rechnen, dass sich die zukünftigen Projekte des Wohnbaus mehr in den Speckgürtel verlagern werden. Wegen der steigenden Immobilienpreise sollte der Trend zu kleineren Wohneinheiten mittelfristig weiter anhalten, da diese eher leistbar sind.


Ratgeber zum Thema Finanzierung

Ob Kreditarten, Laufzeit oder Wohnbauförderung: In unseren Ratgebern finden Sie hilfreiche Informationen rund um die Finanzierung einer Immobilie.

Was kostet mein Wohnbaukredit?

Datenquelle: Statistik Austria
Bildquellen: Infina Grafik
Rechtshinweise zu unseren Ratgebern finden Sie in unserer Verbraucherschutzinformation.

Ihr Experte für Finanzierungs-Trends