Inflation: Definition, Folgen und aktuelle Trends in Österreich

Datum: 20.04.2020 | Autor: Redaktion

Inflation

Früher bekam man die Kugel Eis um ein paar Schilling, heute muss man dafür schon fast zwei Euro hinblättern. Der Grund dafür ist die Inflation, also die allgemeine Steigerung der Preise. In diesem Beitrag lesen Sie, wie Inflation entsteht, wie sie berechnet wird und welche Folgen eine hohe Inflationsrate hat. Zusätzlich widmen wir uns den aktuellen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Inflationsrate.


Was ist Inflation: eine einfache Definition

Unter Inflation versteht man eine allgemeine Erhöhung des Preisniveaus: Das bedeutet, dass nicht nur ein einzelnes Produkt teurer wird, sondern alle Waren und Dienstleistungen insgesamt. Im Umkehrschluss ist damit das Geld weniger wert – denn für denselben Geldbetrag bekommt man nun weniger Güter als vorher. Das Gegenteil der Inflation ist die Deflation. Hier sinken die Preise und die Kaufkraft des Geldes nimmt zu.

Ein Beispiel zur Illustration:

Angenommen, Sie besitzen 10 Euro und können für dieses Geld 5 Stück Avocados für je 2 Euro kaufen. Im nächsten Jahr sind die Avocados teurer, sie kosten jetzt 2,50 Euro pro Stück. Für Ihre 10 Euro bekommen Sie also nur mehr 4 Avocados: Das Geld hat an Wert verloren.


Das Wichtigste im Überblick

  • Inflation meint einen generellen Anstieg der Preise von Waren und Dienstleistungen. Man bekommt weniger Güter für das gleiche Geld – das Geld wird weniger wert.
  • Leichte Inflation kurbelt die Wirtschaft an, eine hohe Teuerung hat jedoch sehr negative Folgen.
  • Die Zentralbanken haben deshalb das Ziel, die Inflation im Bereich von etwa 2 % pro Jahr zu halten.
  • Die Preisanstiege können entstehen, wenn die Nachfrage stark steigt, das Angebot knapp wird oder die Menge an Geld zunimmt.
  • Wer Schulden hat, profitiert in der Regel von der Geldentwertung. Personen mit fixem Einkommen (z. B. Angestellte und Pensionisten) verlieren tendenziell an Kaufkraft.
  • Kreditschulden durch die Inflation abzubauen, kann bei Anlegerwohnungen funktionieren. Der Mieter bezahlt nämlich Miete, die jährlich an die Inflation angepasst wird. Wer für sich selbst Eigentum schafft, sollte eher nicht auf die Hilfe der Inflation zählen.
  • Noch ist unklar, ob die Corona-Krise zu steigender Inflation führen wird. Die Situation ist komplex, da viele verschiedene Faktoren mitspielen.

Inflation in Österreich: Entwicklung der Inflationsrate 2010-2019

Um die Inflation zu messen, verwendet man die Inflationsrate. Sie gibt an, um wie viel Prozent die Preise gestiegen sind. Kostet ein Einkauf zum Beispiel in einem Jahr 100 Euro und im nächsten 102 Euro, dann beträgt die Inflationsrate 2 %.

Die Inflation in Österreich schwankte in den letzten Jahren zwischen 0 % und 4 %. Ein Preisanstieg im Bereich von 2 % gilt als normal und ist das Ziel von den meisten Zentralbanken. In der folgenden Tabelle sehen Sie die durchschnittliche Jahresinflation von 2010 bis 2019:

Jahr Jährliche Inflationsrate
2010 1,9 %
2011 3,3 %
2012 2,4 %
2013 2,0 %
2014 1,7 %
2015 0,9 %
2016 0,9 %
2017 2,1 %
2018 2,0 %
2019 1,5 %

Quelle: Statistik Austria


Aktuelle Situation: Kommt jetzt die große Inflation wegen der Corona-Krise?

Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft hart. Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht, die kommende Krise abzufedern, indem sie gigantische Mengen an Geld in das Wirtschaftssystem einschießt. Vielerorts grassiert deshalb die Furcht vor hoher Inflation. Doch wie wahrscheinlich ist es wirklich, dass die Inflationsrate stark ansteigt?

Grundsätzlich ist die Lage komplex, da viele unterschiedliche Faktoren aufeinandertreffen, die jeweils die Preise stark nach oben treiben oder sinken lassen.

Für inflationäre Tendenzen könnte beispielsweise sorgen:

  • die starke Erhöhung der Geldmenge durch Maßnahmen der Zentralbanken (Anleihenkäufe, Zinssenkungen)
  • weniger Waren durch Stillstand der Produktion, aber kein Rückgang der Nachfrage im gleichen Ausmaß, da der Staat die Konsumenten durch massive Hilfszahlungen unterstützt
  • plötzlich gestiegene Nachfrage bei bestimmten Waren, wie unverarbeiteten Lebensmitteln
  • höhere Staatsverschuldung und Versuche, diese später durch vermehrte Ausgabe von Staatsanleihen zu finanzieren – wodurch sich ebenfalls die Geldmenge erhöht

Gleichzeitig gibt es aber Faktoren, die eher zu niedrigeren Preisen (also Deflation) beitragen könnten – wie etwa:

  • Lagerabverkäufe nach dem Shutdown zu billigen Preisen
  • Rückgang der Nachfrage insgesamt wegen Einkommensverlusten und Arbeitslosigkeit
  • geringere Lohnerhöhungen als sonst, weshalb die Produktionskosten von Unternehmen sinken

Zusätzlich spielen weitere entscheidende Einflüsse wie etwa der Ölpreis eine Rolle: Dieser hat sich von Jänner bis März 2020 gedrittelt. Die aktuelle Ölpreis-Situation könnte sich also in generell günstigen Preisen und weniger Inflation zeigen. Andererseits könnte der Ölpreis dann wieder zu einer Teuerung beitragen, wenn er sich von diesem niedrigen Niveau allmählich erholt.

Insgesamt lassen sich also keine verlässlichen Prognosen treffen, wie sich die Preise im Laufe der Corona-Krise entwickeln. Auch die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, meinte auf einer Pressekonferenz am 12. März: „Die Auswirkungen des Coronavirus auf die Inflation sind mit hoher Unsicherheit behaftet.“


Inflation: Ursachen und Folgen

Aber wie kommt es nun – allgemein gesprochen – zu einer Inflation? Dafür kann es mehrere Gründe geben, die wir im Folgenden erläutern. Außerdem besprechen wir, welche (positiven und negativen) Folgen die Teuerung auf die Wirtschaftslage hat und inwiefern Sie persönlich als Sparer, Kreditnehmer oder Konsument davon betroffen sind.

Wie entsteht Inflation?

Es gibt mehrere Faktoren, die zu einer Teuerung führen können. Zum Beispiel, wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot oder die Geldmenge zunimmt. Man unterscheidet deshalb verschiedene Arten der Inflation:

  • die Angebotsinflation: Auf einmal gibt es weniger Waren und Dienstleistungen im Angebot – beispielsweise, weil die Rohstoffpreise gestiegen sind oder es Probleme mit der Produktion gibt. Die wenigen verbliebenen Produkte werden von den Unternehmen dann zu höheren Preisen verkauft.
  • die Nachfrageinflation: Hier wollen die Konsumenten auf einmal mehr Waren und Dienstleistungen kaufen, etwa um sich mit Lebensmitteln für eine Krise einzudecken. Die Unternehmen können die Produktion aber nicht so schnell nach oben fahren und die Nachfrage übersteigt das Angebot. Als Folge steigen die Preise.
  • Geldmengeninflation: Je mehr Geld im Umlauf ist, desto weniger Kaufkraft besitzt ein einzelner Euro. Bei der Geldmengeninflation nimmt die Menge an Geld zu, sodass es insgesamt an Wert verliert – und die Preise steigen. Der Grund liegt häufig in der Geldpolitik von Zentralbanken, die Geld in die Märkte pumpen, um die Wirtschaft anzukurbeln. So bewirkt ein niedriger Leitzins, dass sich Geschäftsbanken mit billigen Krediten versorgen können, und auch durch großangelegte Anleihenkäufe der Zentralbank wächst die Geldmenge.

Meist wirken mehrere Arten zusammen und die Preissteigerung lässt sich nicht auf einen einzelnen auslösenden Faktor zurückführen.

Folgen der Inflation

Die steigende Geldentwertung hat sowohl Folgen für die Wirtschaftslage als Ganzes als auch für individuelle Einzelpersonen. Grundsätzlich gesprochen profitieren Schuldner sowie Besitzer von Sachvermögen. Zu den Verlierern gehört tendenziell die Mittelschicht, insbesondere Arbeitnehmer, Sparer sowie Pensionisten.

  • Allgemeine Wirtschaftslage: Eine leichte Inflation wirkt sich positiv auf das Wirtschaftswachstum aus. Denn die Konsumenten erwarten, dass der Geldwert abnimmt, und geben das Geld somit lieber früher als später aus. Hohe Inflation hat jedoch negative Folgen für die Wirtschaft. Zum Beispiel kann sich die Teuerung immer wieder selbst verstärken und außer Kontrolle geraten. Ganz allgemein gesprochen führt ein starker Preisanstieg zu Unsicherheit in der Bevölkerung und bei Unternehmen und destabilisiert somit die Wirtschaft.

    Das Schreckgespenst der Hyperinflation: Bei einer sogenannten „Hyperinflation“, wo die Preise jeden Monat um mehr als 50 % steigen, steht am Ende sogar oft eine Währungsreform, weil die alte Währung kaum mehr Wert besitzt. Eine solch starke Geldentwertung entsteht meist durch Krieg oder Staatsversagen. In Österreich kam es zum Beispiel von 1919-1924 zu einer Hyperinflation, in der Folge wurde dann die fast wertlose Krone durch den Schilling ersetzt.

  • Gewinner der Inflation: Wer Schulden hat, der profitiert von der Inflation. Schließlich verändert sich die nominale Schuldsumme nicht, aber der reale Wert davon sinkt. Vor allem Staaten, die oft hoch verschuldet sind, können durch Inflation ihre Schulden schneller loswerden. Wer große Vermögen besitzt, dem kann die Preissteigerung ebenfalls wenig anhaben. Denn er kann sein Vermögen meist so anlegen, dass es kaum an Wert verliert – beispielsweise in Sachwerten wie Immobilien.

  • Verlierer der Inflation: All jene, die ein festes Einkommen beziehen, sind die Verlierer der Inflation. Insbesondere betrifft das unselbstständig Beschäftigte, Pensionisten oder Arbeitslose. Der Grund liegt darin, dass Lohn und staatliche Zahlungen gar nicht, zu gering oder nur verzögert an die Inflation angepasst werden. Deshalb können sich diese Gruppen immer weniger Güter kaufen.
    Aber auch Sparer mit einem kleinen Sparvermögen leiden unter der Geldentwertung: Das Geld am Sparbuch oder die private Altersvorsorge ist dann plötzlich weniger wert.

Kurz und knapp: Wie viel Inflation ist gut?

Eine sehr hohe Inflation hat ernste Folgen für die Gesellschaft. Deshalb bemüht sich die Zentralbank in der Regel um stabile Preise und eine geringe Inflation. Allerdings ist eine Deflation (also eine Inflationsrate unter 0) ebenfalls nicht erwünscht, weil sich diese genauso negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirkt. Zentralbanken zielen daher auf eine Inflationsrate im Bereich von 2 % pro Jahr, um einen gewissen Sicherheitsabstand zur Deflation zu wahren, aber trotzdem weitgehend stabile Preise zu gewährleisten.


Welche Auswirkung hat die Inflation auf Wohnkredite?

Generell gesprochen profitieren Kreditnehmer von der Inflation: Der nominale Betrag ihres Kredits bleibt gleich, aber das Geld ist weniger wert. Somit sinkt die reale Schuldensumme. Kredite lassen sich somit leichter zurückzahlen, man kann sie „weginflationieren“. Jedoch gilt das heute nur mehr bedingt.

Das Problem dabei: Löhne und Gehälter hinken der Inflation hinterher. Diese sind in den letzten Jahren nicht im gleichen Maße gestiegen wie die Verbraucherpreise. Wer seinen Wohnkredit durch ein regelmäßiges Einkommen finanziert, kann also in den meisten Fällen nicht auf die Hilfe der Inflation vertrauen.

Ein anderer Fall sind Anlegerwohnungen: Wer in Immobilien investiert und die Kreditraten durch Mieten finanziert, hat bessere Karten. Denn der Mietzins wird jedes Jahr verlässlich an den neuen Verbrauchpreisindex angepasst. Somit steigen die Mieten im Einklang mit der Inflation, die Kreditsumme bleibt jedoch gleich.

Von Vorteil ist es außerdem, die Zinsen durch Fixzinsvereinbarungen abzusichern. Denn mit dem Preisanstieg steigen auch die am Markt vorherrschenden Zinsen. Bei einem Kredit mit variablem Zinssatz fressen somit die höheren Zinsen die Vorteile der Inflation wieder auf. Dem kann man vorbeugen, indem man auf einen Wohnkredit mit langfristigen, fixen Zinsen setzt.


Wie wird die Inflation gemessen?

Wie lässt sich nun messen, ob und wie viel die Preise gestiegen sind? Zu diesem Zweck arbeiten Ökonomen mit einem beispielhaften „Warenkorb“ und dem sogenannten Verbraucherpreisindex:

Durchschnittlicher Warenkorb als Basis

Jede und jeder wird die Inflation ein wenig anders spüren: Schließlich konsumieren wir unterschiedliche Dinge. Die eine fährt viel mit dem Auto und merkt es besonders, wenn der Benzinpreis anzieht; den anderen trifft vor allem die Steigerung der Tabakpreise.

Um die allgemeine Inflation zu messen, erstellt man daher für gewöhnlich einen fiktiven „durchschnittlichen“ Warenkorb von privaten Haushalten. Dieser enthält Lebensmittel, Elektronikartikel, Wohnkosten – kurz: alle Güter und Dienstleistungen, die die Österreicherinnen und Österreicher im Durchschnitt konsumieren. Für diesen Warenkorb wird nun monatlich der Gesamtpreis ermittelt, um daraus die monatliche bzw. jährliche Inflation zu berechnen.

Was ist der Verbraucherpreisindex?

Zum Vergleich der Preise verwendet man den Verbraucherpreisindex (VPI). Häufig hört man zudem von der sogenannten „Indexanpassung“, zum Beispiel von bei Mietzins, Versicherungsbeiträgen oder Gehalt. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Zahlungen an die allgemeine Teuerung angepasst werden. Wenn beispielsweise der VPI um 2 % gestiegen ist, wird auch die Mietvorschreibung um 2 % angehoben.

Neben dem österreichweiten VPI gibt es noch den „harmonisierten Verbraucherpreisindex“ (HVPI). Dieser wird EU-weit auf die gleiche Art und Weise ermittelt. Somit kann man mit dem HVPI die Teuerung der einzelnen EU-Länder vergleichen.

Inflationsrate berechnen: So wird’s gemacht

Hier noch einfaches Beispiel für die Berechnung der Inflation. Angenommen, der Warenkorb kostet am Beginn des Jahres 2018 genau 740 €. Ein Jahr später kostet dieser Warenkorb 751 €.

Dann berechnet man die Inflationsrate folgendermaßen:

(Neuer Preis/Alter Preis) * 100 – 100 = Inflationsrate

(751/740) * 100 – 100 = 1,5 %

Der VPI von 2019 (auf Basis von 2018) wäre dann: 101,5

Alles wird ständig teurer? Die gefühlte Inflation

Auch wenn die tatsächliche Teuerung gar nicht so besonders hoch ist, hat man manchmal den Eindruck, dass die Preise enorm steigen. Das ist dann die „gefühlte Inflation“, die sich manchmal von der tatsächlichen Teuerung stark unterscheidet. Dafür gibt es mehrere Gründe:

Insgesamt hat das zur Folge, dass wir im Alltag die tatsächliche Inflation meist nicht so gut abschätzen können.

  • Manche Waren kaufen wir tagtäglich ein und es fällt uns besonders auf, wenn sie teurer werden (zum Beispiel Milch).
  • Einige Zahlungen (wie etwa Handygebühren) werden zum Großteil über automatischen Kontoeinzug abgewickelt, sodass uns hier Preisveränderungen kaum auffallen
  • Einige Waren tragen sehr stark zur Inflation bei, weil sie einen großen Teil unserer Ausgaben ausmachen (zum Beispiel Wohnkosten). Wenn hier die Preise sinken oder steigen macht das viel mehr aus, als wenn z. B. der Milchpreis steigt.

Leichte Inflation ist kein Grund zur Sorge

Zwar mag es ärgerlich sein, wenn die Lieblingseissorte schon wieder teurer geworden ist. Ein leichter Preisanstieg ist jedoch prinzipiell etwas Gutes. Solange sich dieser im Bereich von 2 % pro Jahr bewegt, ist dies optimal für die Wirtschaftslage. Wünschenswert ist es natürlich, dass Löhne und Gehälter rechtzeitig angepasst werden, sodass die reale Kaufkraft gleichbleibt. Zu hohe Inflation führt hingegen zu Verunsicherung bei Unternehmen und Konsumenten – hier wird die Zentralbank vermutlich schnell eine Bremse einlegenauf die Bremse steigen und den Preisanstieg abmildern.


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