Zinscap: Definition, Chancen und Risiken

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Autor: Mag. Peter Hrubec
Kategorie: Zinsen
Datum: 27.05.2021

In der derzeitigen Niedrigzinsphase dürfte eines klar sein: So günstig wie zurzeit werden die Zinsen nicht ewig bleiben. Langfristige Darlehen mit variablen Zinssätzen sind dabei nicht risikofrei: Steigen die Zinssätze plötzlich stark an, verteuert sich der Kredit beträchtlich. Hier kann ein Zinscap eine gute Möglichkeit einer Zinsabsicherung sein, um ungewollte Mehrkosten zu vermeiden. 

Aber wie genau funktioniert dieses Finanzinstrument? Wann lohnt es sich und was sind hierbei die Chancen und Risiken? Diese und weitere Fragen beantworten wir in diesem Beitrag.

Definition: Was ist ein Zinscap?

Ein Zinscap (auch Zinscap-Optionsschein) funktioniert wie ein Sicherheitsnetz, das vor allzu stark steigenden Zinsen schützt. Der Kreditnehmer wählt eine Zinsobergrenze (auch als Strike bezeichnet) sowie die Laufzeit der Absicherung. Steigt das Zinsniveau während der Laufzeit über diese Grenze, so erhält er am Ende jeder Zinsanpassungsperiode eine Ausgleichszahlung – und zwar genau über die Differenz zwischen der Obergrenze und dem tatsächlichen Zinsniveau.


Das Wichtigste im Überblick

  • Absicherung gegen steigende Zinsen bei Finanzierungen mit variablem Zinssatz
  • Sinnvoll, wenn Zinserhöhungen während der Kreditlaufzeit zu erwarten sind
  • Eher vorgesehen für größere Kredite ab 50.000 Euro
  • Erhalt von Ausgleichszahlungen, wenn ein vereinbarter Höchstzinssatz überschritten wird
  • Anders als bei einem Fixzinskredit kann hierbei von Zinssenkungen weiterhin profitiert werden

Verschiedene Arten von Zinscaps

Die Absicherung gegen steigende Zinsen wird von Banken in unterschiedlichen Variationen angeboten. Je nach Kreditbetrag, Laufzeit und Budget ist faktisch für jede Anforderung ein passendes Produkt vorhanden. Die Zinscaps werden dabei unterschieden in:

EndfälligAbgesicherter Betrag bleibt während der gesamten Laufzeit unverändert.
Tilgend oder teiltilgendDer abgesicherte Betrag reduziert sich bis auf null bzw. einen Restbetrag am Ende der Laufzeit.
Forward StartDie Absicherung des Betrages erfolgt erst ab einem festgelegten Zeitpunkt, der zeitlich später als der Finanzierungsbeginn liegt.

Achtung: Forward Start und Forward Darlehen sind nicht dasselbe. 


Wann ist ein Zinscap sinnvoll?

Es handelt sich hierbei um ein verhältnismäßig teures Produkt, welches sich für kleinere Kreditsummen kaum lohnt. Er ist daher eher für Kreditsummen ab 50.000 Euro vorgesehen und vor allem dann ratsam, wenn während der Kreditlaufzeit Zinserhöhungen wahrscheinlich sind

Prinzipiell lässt sich also sagen: Je stärker die Zinsen steigen, desto wahrscheinlicher wird eine Ausgleichszahlung und genau dann ist ein Zinscap sinnvoll. Zum richtigen Zeitpunkt eingerichtet, können Kreditnehmer sich so gegen turbulente Zeiten auf dem Zinsmarkt wappnen. 

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Zinscap kaufen: Das ist zu beachten

Wie im vorherigen Punkt erläutert sind die Kosten für dieses Finanzinstrument relativ hoch. Beim Kauf ist eine sofort fällige Prämie zu zahlen, die 4-6 % der Kreditsumme betragen kann und spätestens am Laufzeitende verloren geht. Die Höhe dieser Kosten hängt hierbei von folgenden Faktoren ab:

  • der Laufzeit des Vertrages bzw. der Zinsabsicherung
  • dem Kreditvolumen
  • der Zinsobergrenze (Strike), bei der die Absicherung greifen soll
  • dem Zeitpunkt, an welchem die Absicherung einsetzen soll
  • dem Geldmarktsatz (auch Basiswert): üblicherweise EURIBOR (Euro Interbank Bank Offered Rate), welcher die durchschnittlichen Zinssätze bezeichnet, zu denen die meisten europäischen Banken Anleihen gewähren
  • dem Ausübungspreis (in diesem Zusammenhang auch Caprate genannt). Dieser bezeichnet den festgelegten Preis, zu welchem Sie den Geldmarktsatz am Stichtag kaufen können
  • der Länge der Zinsanpassungsperioden (Caplets), meistens sind dies 3, 6 oder 12 Monate bzw. seltener auch 1 Monat

Zum Ende jeder Zinsanpassungsperiode wird der Geldmarktsatz bestimmt. Davon hängt ab, ob der Kreditnehmer eine Zahlung erhält und wie hoch diese ausfällt. Allerdings: Steigen die Zinsen nicht, gibt es auch keine Ausgleichszahlungen. Um unnötige Mehrkosten zu vermeiden sollten Sie zudem Folgendes beachten:

  • Sind die Kosten für die Zinsabsicherung höher als die zu erwartenden Zinssteigerungen? Wie hoch müssen die Zinsen sein, damit von dieser Option wirklich profitiert werden kann?
  • Muss sich die Absicherung über die gesamte Kreditlaufzeit erstrecken oder kann sie nur einen Teil davon umfassen? Denn zum Ende der Kreditlaufzeit sinkt das Zinsrisiko ohnehin, da der Kreditbetrag bereits stark geschrumpft ist.

Zinscap: Beispiel zur Berechnung

Wie kann die Berechnung eines Zinscaps konkret aussehen? Hier ein vereinfachtes Rechenbeispiel:

Es wird ein Immobilienkredit über 200.000 Euro zu 1,5 % Zinsen pro Jahr aufgenommen, die Laufzeit beträgt 20 Jahre. Es soll zudem über 15 Jahre abgesichert werden, dass die Zinsen während der Kreditlaufzeit nicht über 2,5 % steigen

Es wird also ein passender Zinscap mit einem Höchstzinssatz von 2,5 % gekauft. Die Cap-Prämie beträgt beispielsweise 5.000 Euro pro 100.000 Euro Kreditsumme. Das wären in diesem Beispiel insgesamt 10.000 Euro, die sofort nach Abschluss der Absicherung fällig werden.

Solange die Zinsen unter der 2,5 %-Marke bleiben, erfolgt keine Ausgleichszahlung. Steigen die Zinsen aber auf bspw. auf 3,5 %, so wird die Differenz von 3,5 % zu 2,5 % als Ausgleichszahlung am Ende jeder Abrechnungsperiode (meist 3, 6 oder 12 Monate) gutgeschrieben. 

Die Berechnung in diesem Fall wäre: 

(3,5 % - 2,5 %) x 200.000 € = 1 % x 200.000 € = 2.000 € p. a.

Tipp: Lesen Sie hierzu unseren Beitrag Zinsentwicklung und Prognosen.


Vorteile und Nachteile von Zinscaps

Die wichtigsten Punkte zu Bedeutung, Funktion und Berechnung von Zinscaps wurden erläutert. Doch was sind in Summe die Vor- und Nachteile bzw. Chancen und Risiken dieses Finanzinstruments?

Vorteile/ Chancen:Nachteile/ Risiken:
Kreditnehmer können weiterhin von Zinssenkungen profitieren, anders als bei einem Kredit mit Fixzinsen.Die Kosten für die Prämie sind relativ hoch.
Bedarfsgerechte Absicherung gegen steigende Zinsen für neue und bestehende Finanzierungen.Bleiben die Zinsen unter dem abgesicherten Niveau, erhalten Sie während der Laufzeit keine Gegenleistung. Das Geld geht in diesem Fall verloren.
Die Zinsobergrenze kann individuell ausgehandelt werden.Die Prämie wird sofort nach Abschluss von der Bank eingezogen.
Bei Überschreitung der Zinsobergrenze wird die erhöhte Ratenbelastung durch Ausgleichszahlungen von der Bank abgedeckt.Je länger der Kredit läuft und je niedriger der Absicherungszinssatz ist, desto teurer wird die Absicherung.
Die zusätzlichen Kosten für die Sicherheit kann auch nur auf einen Teil der Laufzeit beschränkt werden kann.  Ist der Großteil des Kredits bereits abbezahlt, verursachen Zinserhöhungen nur geringere Kosten und müssen nicht unbedingt abgesichert werden. 
Die höchstmögliche Kreditratenbelastung wird dadurch besser kalkulierbar. 

Zinscap: die Versicherung gegen steigende Zinsen

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass ein Zinscap grundsätzlich wie eine Versicherung gegen steigende Zinsen funktioniert. In der derzeitigen Niedrigzinsphase kann er ein sinnvolles Instrument zur Absicherung von größeren Finanzierungen sein.

Ob die Kosten hierfür aber am Ende der Kreditlaufzeit auch tatsächlich ihr Geld wert waren, kann leider nicht vorausgesagt werden. Daher sollten Sie vor Abschluss dieser Option genau abwägen, ob diese Art von Zinsabsicherung für den eigenen Kredit lohnenswert ist oder Kredit mit einem Fixzinssatz nicht die bessere Alternative ist. 

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Bildquelle: Denphumi/ Shutterstock.com
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Über den Autor: Mag. Peter Hrubec
Position: Prokurist

Die Neugier für neue Themen, die die Finanzdienstleistung bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Bei AXA Equity & Law war ich für die Markterschließung in Österreich sowie die Einführung der betrieblichen Vorsorge zuständig. Im Anschluss daran beschäftigte ich mich als geschäftsführender Gesellschafter von Nova Portfolio Management mit innovativen Vermögensanlage-Konzepten. Seit dem Jahr 2009 bin ich als Prokurist bei Infina schwerpunktmäßig in den Bereichen Product Consulting, sowie der Vertriebs- und Bankenbetreuung verantwortlich. Darüber hinaus liegt mein Fokus auf rechtlichen Fragestellungen, die den österreichischen Kreditmarkt in Österreich betreffen sowie der Analyse von Markt- und Zinsentwicklungen.

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