Refinanzierung: Definition und Wissenswertes

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Autor: Mag. Peter Hrubec
Kategorie: Zinsen
Datum: 28.10.2021

Wollen Sie wissen, was wesentlichen Einfluss auf die Höhe Ihres Zinssatzes hat, welchen Sie für Ihren Kredit bekommen: Es ist die Refinanzierung der Banken. Auch die Bank muss an anderer Stelle das Geld beschaffen, welches sie Ihnen als Kredit gewährt. Die Bank vergibt elektronisches Geld, welches sie dann wieder anderweitig „auftreibt“. Dieser Beitrag gibt Ihnen einen umfassenden Überblick, wie die Refinanzierung von Bankkrediten erfolgt.

Refinanzierung: Das Wichtigste im Überblick

  • Refinanzierung kann als Ablöse bestehender Kredite auf Kundenebene, aber auch Kapitalbeschaffung der Banken zur Finanzierung des Aktivgeschäfts verstanden werden.
  • Kredite ermöglichen eine Geldschöpfung (Schaffung zusätzliches Geld im Wirtschaftskreislauf) und sind beim kreditgebenden Institute nach Überweisung des Betrags auf das Girokonto des Kunden sowohl Forderung, als auch Verbindlichkeit in der Bankbilanz.
  • Vergebene Kredite von Banken und Bausparkassen in Österreich werden im Wesentlichen über die Europäische Zentralbank (EZB), den Interbankenmarkt, Girokonten, Spareinlagen, Anleihen, Kreditportfolioverkäufe und aus Eigenmitteln der Bank refinanziert.
  • Die Marktzinsen und das Sparerverhalten sind Refinanzierungsrisikofaktoren für Banken.

Definition: Was bedeutet Refinanzierung?

Der Sprachgebrauch für den Begriff Refinanzierung ist nicht einheitlich. Refinanzierung bedeutet einerseits für Banken die Aufnahme von Geldern, um Kredite zu vergeben, wobei der Begriff andererseits manchmal auch im Zusammenhang mit einer Umschuldung steht. In letzterem Fall wäre Refinanzierung ein Synonym für „Kreditablösung“. Ansonsten geht es um die Kapitalbeschaffung für Banken zur Finanzierung des Aktivgeschäfts (=Kreditgeschäft).


Refinanzierung als Umschuldung

Mit Refinanzierung kann auch die Ablöse einer bestehenden Immobilienfinanzierung oder auslaufenden Fixzinsvereinbarung durch eine neue bezeichnet werden – und somit wie „Umschuldung“ verwendet werden. Es ist deshalb der Kontext des Begriffes immer zu hinterfragen.

Sie wollen mehr zum Thema Umschuldung wissen, dann informieren Sie sich in unserem Ratgeber, wie Sie Kosten einsparen oder ein laufendes Immobiliendarlehen an eine möglicherweise veränderte Lebenssituation anpassen können.


Wie funktioniert die Refinanzierung von Banken?

Banken haben im Vergleich zu den vergebenen Krediten nur ein sehr niedriges bilanzielles Eigenkapital. Daher benötigen Sie Zugang zu multiplen Geldquellen:

Wenn Banken oder Bausparkassen in Österreich einen variabel verzinsten Kredit vergeben, können sie sich am Interbankenmarkt zum aktuellen Referenzzins (meist 3-Monats-Euribor plus einen minimalen Aufschlag) refinanzieren. Allerdings herrschen derzeit Negativzinsen und somit ist dieser Markt aktuell nicht aktiv.

Als Geldquellen wichtiger sind für sie derzeit Giroeinlagen, Spareinlagen, Pfandbriefe und Anleihen sowie Swap-Linien bei Fixzinskrediten. Auch eine Refinanzierung über die Europäische Zentralbank (EZB) ist möglich. Diese verleiht Geld gegen notenbankfähige Sicherheiten (Anleihen mit guter Bonität) meist für einen Zeitraum von einer Woche. Zudem gibt es krisenbedingte Sondertranchen für angeschlagene Banken mit längeren Laufzeiten. Der dafür verrechnete Hauptrefinanzierungssatz liegt derzeit bei null (Stand: 21.10.2021).

Wichtig ist für Banken ist, dass Sie langfristige Finanzierungen möglichst langfristig refinanzieren und bei kurzfristigen ebenso auf eine laufzeitkongruente Refinanzierung (keine zu kurzen, sondern gleiche oder sogar längere Laufzeiten) achten.


Auswirkung der Refinanzierung auf Privatkunden

Die gesamten Refinanzierungskosten für Banken hängen von drei wesentlichen Faktoren ab: Den aktuellen Marktzinsen, der Bonität der Bank (je besser, umso niedriger der Zinssatz für die Refinanzierung) und dem Vertrauen der Banken untereinander.

Während der Finanzkrise waren beispielsweise die Refinanzierungskosten relativ hoch, da nach der Lehman-Pleite am 15.09.2008 die Banken das Vertrauen zueinander verloren hatten.

Je höher die Refinanzierungskosten für Banken werden, desto höher sind auch die Zinsen, welche Sie für neue Kredite bezahlen. Denn Banken geben höhere Refinanzierungskosten bei Bedarf an Neukunden weiter. Wichtiger Einflussparameter ist dabei der EZB-Leitzins.


Quellen der Refinanzierung

Die Refinanzierungsquellen können die Aktivseite und die Passivseite der Bilanz der Bank betreffen. Generell spricht man bei der Passiva von Mittelherkunft und bei der Aktiva von Mittelverwendung. Doch beide Seiten können als Refinanzierungsquellen für die Vergabe von Krediten an Kunden verwendet werden:

Aktivische Quellen der Refinanzierung
 

Art der Refinanzierung

Erläuterung

Hauptrefinanzierungsgeschäft

Sicherheiten in Form bestehender Wertpapiere werden durch die Bank an die EZB verpfändet.

Spitzenrefinanzierungsfazilität

Angebot der Zentralbank zur kurzfristigen Abdeckung von Liquiditätsengpässen in der Bank.

Selektiver Verkauf von Krediten aus dem Kreditportfolio der Bank.

Umwandlung von Forderungen gegen Liquidität, mit welcher weitere Kredite vergeben werden können.

Passivische Quellen der Refinanzierung
 

Art der Refinanzierung

Erläuterung

Sicht-, Termin- u. Spareinlagen von Kunden

Wichtige Refinanzierungsquelle, welche durch attraktive Zinssatzgestaltung und Werbung gesteuert wird.

Schuldverschreibungen

Bank emittiert eigene Bankanleihen.

Eigenfinanzierung (Erhöhung der Eigenkapitalkomponenten)

Erhöhung des Aktienkapital, Ausgabe von Genussrechte und einbehaltene Gewinne.

Interbanken-Geldmarkt

Refinanzierung zu Geldmarktsätzen bei anderen Banken.


Kosten und Risiken der Refinanzierungsarten

Banken und Bausparkassen nutzen zur Refinanzierung parallel mehrere Quellen, um nicht von einer einzigen Finanzierungsquelle abhängig zu sein. Denn jede Finanzierungsquelle hat entsprechende Kosten und Risiken:

Sicht-, Termin- u. Spareinlagen zur Refinanzierung:

Derzeit können Banken bei größeren Einlagen von Firmenkunden sogar Negativzinsen auf Konten verlangen. Bei einem normalen Girokonto bekommen Kunden faktisch null Zinsen und auf dem Sparbuch oder Online-Festgeldkonto sind bereits 0,30 % p.a. eine kleine  „Sensation“.

Das Nullzinsniveau bei den Leitzinsen der Notenbanken und teils Negativrenditen bei Staatsanleihen ermöglichen dies. Während der Corona-Krise sind die Sparquote und somit Cash-Reserven in der Bevölkerung weiter gestiegen.

Das Risiko für Banken liegt in allgemein steigenden Marktzinsen und einer damit verbundenen sinkenden Sparneigung. Ist letzteres der Fall, muss bei Sparkonten mit besseren Zinskonditionen nachgeholfen werden.

Schuldverschreibungen als Refinanzierungsinstrument:

Vor allem langfristige Zinsen unterliegen starken Schwankungen. Ein ungünstiger Emissionstermin bedeutet höhere Kosten. Doch bei guter Bonität sind die Aufschläge der Bankanleihenzinsen auf jene laufzeitkongruenter Staatsanleihen nur minimal.

Eigenfinanzierung als Refinanzierung:

Das Finanzierungspotential hängt von Börsenstimmung, jüngster Entwicklung des Aktienkurses und aktueller Marktkapitalisierung oder den Eigentümern des Instituts ab. Bei börsennotierten Banken bedeuten hohe Börsenkurse hohe Emissionserlöse und umgekehrt. Die „Kosten“ des Eigenkapitals sind die Administration im Zusammenhang mit der Börsennotiz und die Dividendenausschüttungen.

Refinanzierung über die Notenbank:

Die Zuteilungsmenge und Höhe der Leitzinsen hängt von der jeweiligen Geldpolitik der EZB ab, welche sich im Einklang mit makroökonomischen Entwicklungen verändern kann. Aktuell liegt der Hauptrefinanzierungssatz der EZB bei 0 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,25 % (Stand: 21.10.2021).


Refinanzierung von Immobilien: Refinanzierungsquellen für Baukredite

Immobilienkredite haben in der Regel eine Kreditlaufzeit von 15 bis 35 Jahre und können mit Fixzinsen oder variablen Zinsen ausgestaltet sein. Im Fall variabler Verzinsung beispielsweise auf Basis des 3-Monats-Euribors, können sich Banken am Interbanken-Geldmarkt zu diesem Zins refinanzieren. Aktuell ist dies in der Praxis aufgrund der Negativzinsen nicht attraktiv.

Somit spielen Guthaben auf Girokonten, Spareinlagen, Schuldverschreibungen sowie Refinanzierungen durch die EZB die Hauptrolle.

Hypothekenbanken können sich zudem über die Emission von Pfandbriefen eine „Refinanzierung von Immobilien“ durchführen.

Beispiel: Refinanzierung eines Immobilienkredits mit 20 Jahren Laufzeit:

Bis zu einem LTV (Beleihungsgrad bzw. loan-to-value, Kredit zu Belehnwert) von 60 % können Pfandrechte in einen Deckungsstock gegeben werden, welcher zur Besicherung von Pfandbrief-Emissionen dient. Beispielsweise kann eine 20-jährige Hypothekarfinanzierung, welche den Qualitätskriterien für Pfandbriefe entspricht, durch Emission eines mit z.B. 0,5 % p.a. verzinsten Papiers refinanziert werden. Die Bank stellt für den Kredit des Kunden beispielsweise einen Zinssatz von 1,25 % p.a..


Wie refinanziert sich die EZB?

Die EZB ist die „Ursprungsquelle des Geldes“ und in der Lage, faktisch aus dem Nichts Geld zu erschaffen. Stark vereinfacht läuft dies wie folgt ab: Werden beispielsweise 10 Mrd. EUR für einen Anleihenkauf benötigt, gibt ein Mitarbeiter der Zentralbank die Summe in den Computer ein und per Mausklick erhalten die Partnerbanken der EZB (für den Verkauf der Anleihen die betreffenden Summen) in diesem Fall insgesamt 10 Mrd. EUR auf ihren Konten gutgeschrieben. Somit wären 10 Mrd. EUR zusätzlich im Umlauf, welche wiederum für Kredite an die Realwirtschaft eingesetzt werden könnten.


Refinanzierung: Kapitalbeschaffung der Kreditinstitute

Banken haben zahlreiche Möglichkeiten der Refinanzierung. Das Spektrum reicht von der EZB, Sicht- Termin- und Spareinlagen, Schuldverschreibungen, Eigenmittel, Pfandbriefen bis hin zum Interbankengeldmarkt. Dabei hängen die Refinanzierungskosten der Banken von Marktzinsen, eigener Bonität und dem Vertrauen der Banken zueinander ab. Ein wichtiger Einflussfaktor der Refinanzierung ist und bleibt dabei aber die Geldpolitik der Notenbanken.

Bildquellen: Zivica Kerkez/Shutterstock.com, goodluz/ Shutterstock.com, G-Stock Studio/ Shutterstock.com, 360degreeAerial/ Shutterstock.com
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Über den Autor: Mag. Peter Hrubec
Position: Prokurist

Die Neugier für neue Themen, die die Finanzdienstleistung bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Bei AXA Equity & Law war ich für die Markterschließung in Österreich sowie die Einführung der betrieblichen Vorsorge zuständig. Im Anschluss daran beschäftigte ich mich als geschäftsführender Gesellschafter von Nova Portfolio Management mit innovativen Vermögensanlage-Konzepten. Seit dem Jahr 2009 bin ich als Prokurist bei Infina schwerpunktmäßig in den Bereichen Product Consulting, sowie der Vertriebs- und Bankenbetreuung verantwortlich. Darüber hinaus liegt mein Fokus auf rechtlichen Fragestellungen, die den österreichischen Kreditmarkt in Österreich betreffen sowie der Analyse von Markt- und Zinsentwicklungen.

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