Fixzinsen oder variable Zinsen: Optionen beim Kredit

Fixzinsen oder variable Zinsen
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Autor: Mag. Harald Draxl
Kategorie: Zinsen
Datum: 02.02.2023

Wenn Sie einen Wohnbaukredit suchen, stehen Sie vor der Frage: Welches Zinsmodell ist das Richtige für mich? Sie können zwischen Fixzinsen und variablen Zinsen wählen. Fixe Zinsen bleiben über eine gewisse im Vorfeld festgelegte Kreditlaufzeit gleich, während sich variable Zinsen in der Regel mehrfach ändern. Die Inflationsbekämpfung erfordert auch im Euroraum höhere Leitzinsen. Die Zinssätze drehten bereits nachhaltig nach oben. Blickt man 20 bis 30 Jahre zurück in die Vergangenheit, dann sind selbst variable Zinsen von bis zu 6 % oder mehr bei einem längerfristigen Kredit nicht auszuschließen. Welches Zinsmodell ist also am besten, z. B. für meine persönliche Situation und meinen Wohnkredit? Unser Beitrag bietet Ihnen hierzu eine Entscheidungshilfe.

Der Unterschied zwischen fixen und variablen Zinsen

Einen Wohnkredit nimmt man nicht leichtfertig auf, daher ist es das richtige Zinsmodell von großer Bedeutung. Beide Modelle haben ihre Vor- und Nachteile, deshalb wir uns nun die Unterschiede im Detail an. Menschen, denen Sicherheit ein wichtiges Kriterium ist, sollten in jedem Fall eine Fixzinsbindung wählen. Variable Zinsen eignen sich für jene, die eher risikofreudig sind und von den aktuell noch moderaten Zinsen profitieren möchten.

Fixe Zinsen bieten den Vorteil von optimaler Planbarkeit. Sie können die monatliche Kreditrate und folglich auch Ihr Haushaltsbudget für einen langen Zeitraum fix kalkulieren. Damit sind auch weniger Vermögenswerte als bei einem Kredit mit variablem Zinssatz nötig. Bei einem Kredit mit Fixzinsbindung sind zudem ohne vertragliche Vereinbarung selten kostenfreie Sondertilgungen von mehr als 10.000 Euro im Kalenderjahr möglich. Banken und Bausparkassen in Österreich verlangen für übersteigende Beträge meist ein Pönale (=Gebühr) von 1 %.

Variable Zinsen sind aktuell günstiger als fixe Zinsen, das spricht für einen variablen Kredit. Der Grund dafür ist eine bis 15 Jahre ansteigende Zinskurve bzw. Markterwartungen, dass langfristig die Zinsen weiter steigen werden. Eine variable Verzinsung sollte man nur wählen, wenn genügend freie Vermögensteile (mindestens 1/3 der aufgenommenen Kreditsumme) zur Verfügung stehen, um damit bei Bedarfs mehrere Sondertilgungen tätigen zu können. Zudem sollte man mit Sollzinssätzen von 6 % oder mehr in Zukunft rechnen, eine positive Einkommensentwicklung oder weitere monatliche frei verfügbare Mittel ist daher Voraussetzung für variable Zinsen.


Fixe und variable Zinsen: die Entwicklung der letzten Jahre (2020, 2021, 2022)

Österreichische Kreditnehmer profitierten lange Zeit von dem niedrigen Zinsniveau. Der EUR-Swap-Satz 15 Jahre stieg dann aber von Ende 2021 bis 31. Dezember 2022 von 0,49 auf 3,14 % und befindet sich damit wieder auf einem ganz anderen Niveau. Wenige Monate haben die Welt verändert. Die Inflationsrate stieg im Euroraum von 5,9 % im Februar auf 9,2 % im Dezember 2022, während die Jahresdurchschnitte 2019, 2020 und 2021 bei jeweils 1,2; 0,3 bzw. 2,6 % lagen. Weltweit sind infolge von Covid-19-Abriegelungsmaßnahmen sowie dem Krieg in der Ukraine Lieferketten unterbrochen und die Versorgung mit Erdgas ist mit einigen Fragezeichen versehen. Vor allem die Energie- und Düngemittelpreise, aber auch diverse Agrargüter haben sich deutlich verteuert. Notenbanken müssen zur Inflationsbekämpfung Geld verknappen und durch Zinsanhebungen verteuern. Die Niedrigzinsphase ist durch den kriegsbedingten Inflationsschub beendet worden.

Bevor Sie sich folgende Grafik genauer ansehen, sollten Sie wissen, dass die Basis für variable Zinsen der 3-Monats-Euribor (oder 12-Monats-Euribor bei Bausparkassen in Österreich) ist. Für fixe Zinsen wird der Swap-Satz als Referenzzinssatz verwendet.

Man sieht, dass die variablen Zinsen in den letzten 3 Jahren nur langsam gesunken und jetzt wieder erheblich angestiegen sind. Der 3-Monats-Euribor verteuerte sich von Jahresanfang bis 31. Dezember 2022 von -0,57 auf +2,13 % - ein Anstieg um 270 Basispunkte.

3-Monats-EuriborSwap-Satz 15 Jahre
31.12.2020- 0,55 Prozent31.12.2020- 0,08 Prozent
31.12.2021- 0,57 Prozent31.12.2021+ 0,48 Prozent
31.12.2022+2,13 Prozent31.12.2022+ 3,14 Prozent

Wie hat sich das Verhältnis Fixe vs. Variable Zinsbindung in den letzten 4 Quartalen entwickelt?

Wie unterstützt mich dies in der Entscheidungsfindung als Kreditkunde?

 

 

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Fixzinsen oder variabel – Vor- und Nachteile: Was ist 2023 besser bei Krediten?

Seit dem 2. Quartal 2021 bahnt sich immer mehr die Inflation den Weg zum Verbraucher, Notenbanker sprechen Klartext und handeln auch entsprechend. Die expansive Geldpolitik ist mit folgenden Rahmenbedingungen nun Geschichte:

Von Januar 2021 bis Dezember 2022 stieg die Inflationsrate in den USA von 1,4 auf 6,5 % (Juni 2022 mit 9,1 % höchster Wert seit November 1981). Der Euroraum mit einer weitaus höheren Arbeitslosenquote von 6,6 % im Dezember 2022 (USA: 3,3 %) leidet unter einer enorm hohen Inflation von 9,2 % im Dezember 2022. Das letzte Asset-Ankaufprogramm der EZB endete mit 1. Juli 2022 und für die Sitzungen in 2022 und 2023 stellte der EZB-Rat mehrere Leitzinsanhebungen in Aussicht. Am 27. Juli 2022 erhöhte die EZB erstmals seit vielen Jahren wieder den Leitzins, und zwar von 0 % auf 0,5 %. Aufgrund gleichbleibend hoher Inflationsperspektiven hat die EZB im September und Oktober 2022 zwei weitere kräftige Zinsschritte um jeweils 0,75 % bei den Leitzinsen beschlossen. Die letzten beiden Erhöhungen folgten dann im Dezember 2022 sowie Februar 2023 um jeweils weitere 0,5 %.

Die konkrete Geldpolitik hängt aber auch davon ab, ob mit dem Kriegsverlauf in der Ukraine Gefahren von Erdgasversorgungsengpässen schlagend werden oder nicht. Gleichzeitig kühlt die Konjunktur ab. Das könnte der Inflation in Österreich entgegenwirken und im Falle einer Rezession wieder zu einer Änderung der Geldpolitik (Zinsanhebungspause oder gar erneute Zinssenkungen) führen. Hingegen im Falle zunehmender Lohn-Preis-Spiralen sind noch eine Reihe kräftiger Leitzinsanhebungen denkbar.

Doch davon alleine sollten sich Kreditnehmer bei Ihrer Entscheidung für die passende Fixzinsbindung nicht leiten lassen. Unabhängig von zukünftigen Zinsszenarien liegen noch generelle Vorteile fixer Zinsen auf der Hand: Zum einen können Sie durch die Fixierung der Sollzinsen Ihre monatlichen Kreditraten genau kalkulieren und zum anderen wissen Sie genau, wie hoch Ihr Kreditsaldo nach Ablauf der Fixzinsperiode ist. Somit können Sie sich auf die Zeit nach der Fixzinsperiode vorbereiten, indem Sie zum Beispiel Vorkehrungen durch etwaige Sondertilgungen treffen. Aber eine Fixzinsbindung bringt auch Nachteile. Sie müssen höhere Sollzinsen zahlen und können nicht abschätzen, wie hoch Ihre Zinsen nach Ablauf der Fixzinsvereinbarung sind. Außerdem sind bei den meisten Banken keine Sondertilgungen kostenfrei und sofort möglich.

Sie müssen sich also entscheiden, was Ihnen wichtiger ist: Sicherheit, die kostet oder günstigere Zinsen, die ein gewisses Risiko mit sich bringen. Im aktuellen Umfeld werden die Zinsdifferenzen zwischen fix und variabel verzinsten Immobilienkrediten wieder größer. Wer risikofreudig ist und von zumindest einer Zinsanhebungspause mit der nächsten Rezession bzw. einer längeren Periode niedrigen BIP-Wachstums ausgeht, kann variabel verzinste Kredite durchaus riskieren, sofern gewisse Reserven vorhanden sind. Aber letztendlich ist es Ihre Entscheidung und diese hängt neben Ihrer persönlichen Risikoneigung, auch noch von Bonität, freien Vermögenswerten sowie der Kreditsumme und Kreditlaufzeit ab. Welches Modell also, das richtige für Sie ist, kann Ihnen schlussendlich nur ein Experte sagen.

Eine Entscheidungshilfe gibt der Kreditrechner von Infina. Er zeigt Ihnen anhand konkreter Beispiele in genauen Zahlen die Kostenunterschiede bei variabler und fixer Verzinsung.

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Über den Autor: Mag. Harald Draxl
Position: Geschäftsführer

Meine Kreditkompetenz habe ich 1995 durch die Leitung des Gewerbekunden-Centers bei der Creditanstalt AG und seit 1997 als Baufinanzierungs-Spezialist bei der CA Baufinanzierungs-Beratung GmbH aufgebaut. Im Jahr 2002 wurde ich Gesellschafter bei der Infina und ab November 2004 in die Geschäftsführung berufen. Meine Zuständigkeit ist seither die Leitung unseres Vertriebes und der Banken-Kooperationen. Ich beschäftige mich tagtäglich mit den Entwicklungen am österreichischen Kredit- und Immobilienmarkt, um unsere gesamte Vertriebsorganisation stets über die besten Produkte und aktuellen Zinssätze für die Kundenberatungen auf dem Laufenden zu halten.

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