Fixzinsen oder variable Zinsen: Optionen beim Kredit

Fixzinsen oder variable Zinsen
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Autor: Mag. Harald Draxl
Kategorie: Zinsen
Datum: 14.07.2021

Möchte man einen Kredit aufnehmen, steht man irgendwann vor der Frage: Welches Zinsmodell ist das richtige? Sie können zwischen Fixzinsen und variablen Zinsen wählen. Fixe Zinsen bleiben über eine gewisse Kreditlaufzeit gleich, während sich variable Zinsen laufend ändern. Experten erwarten zwar in den nächsten 5 Jahren keine extremen Zinserhöhungen, aber dies lässt sich nicht genau prognostizieren – variable Zinsen von bis zu 6 % oder mehr sind daher bei einem längerfristigen Kredit nicht garantiert auszuschließen. Welches Modell ist also am besten z. B. für meinen Wohnkredit? Unser Beitrag bietet Ihnen eine Entscheidungshilfe.

Der Unterschied zwischen fixen und variablen Zinsen

Einen Kredit nimmt man nicht leichtfertig auf, daher ist es das richtige Zinsmodell von großer Bedeutung. Beide Modelle haben ihre Vor- und Nachteile, deshalb wir uns nun die Unterschiede im Detail an. Menschen, denen Sicherheit ein wichtiges Kriterium ist, sollten in jedem Fall eine Fixzinsbindung wählen. Variable Zinsen eignen sich für jene, die eher risikofreudig sind und von den aktuell günstigen Zinsen profitieren möchten.

Fixe Zinsen bieten den Vorteil von optimaler Planbarkeit. Man kann die Monatsrate und folglich auch sein Haushaltsbudget für einen langen Zeitraum kalkulieren. Außerdem sind weniger Vermögenswerte nötig, da bei Krediten mit Fixzinsbindung sowieso selten kostenfreie Sondertilgungen möglich sind. Banken verlangen hier meist ein Pönale (=Gebühr) von 1 %.

Variable Zinsen sind günstiger als fixe Zinsen, das spricht für einen variablen Kredit. Der Grund für die günstigen Zinsen ist das aktuell niedrige Zinsniveau. Eine variable Verzinsung sollte man aber nur wählen, wenn genügend freie Vermögensteile (mind. 1/3 der aufgenommenen Kreditsumme) zur Verfügung stehen, um damit mehrere Sondertilgungen tätigen zu können. Außerdem sollte man mit Sollzinssätzen von 6 % oder mehr in Zukunft rechnen, eine positive Einkommensentwicklung oder weitere monatliche frei verfügbare Mittel sind daher Voraussetzung für variable Zinsen.


Fixe und variable Zinsen: die Entwicklung der letzten Jahre (2018, 2019, 2020)

Österreichische Kreditnehmer profitieren seit geraumer Zeit von dem niedrigen Zinsniveau, das war aber nicht immer so. Noch Anfang 2017 war das durchschnittliche Zinsniveau zehnjähriger Fixzinsbindungen um 0,95 Prozentpunkt höher als heute (Stand 01.07.2021). Variabel verzinste Kredite waren in etwa um 0,4 – 0,5 Prozentpunkte höher als heute. So wie die Sollzinsen gesunken sind, können sie beispielsweise infolge höherer Inflationserwartungen wieder steigen. Die Zinsen bleiben also nicht dauerhaft so niedrig wie heute, sie werden auch wieder steigen. Aber wie sah die Entwicklung in den letzten drei Jahren aus? Bevor Sie sich folgende Grafik genauer ansehen, sollten Sie wissen, dass die Basis für variable Zinsen der 3-Monats-Euribor (oder 12-Monats-Euribor bei Bausparkassen) ist. Für fixe Zinsen wird der Swap-Satz als Referenzzinssatz verwendet.

Man sieht also, dass die variablen Zinsen in den letzten 3 Jahren nur langsam gesunken sind. Ganz anders als der Swap-Satz, welcher extreme Schwankungen zeigt. Erhöht sich der 3-Monats-Euribor, so kann man davon ausgehen, dass sich auch der Swap-Satz erhöht. Deshalb sollte man das aktuelle Zeitfenster der niedrigen Sollzinsen für eine Finanzierung mit Fixzinsbindung nutzen, denn dieses Kreditmodell ist derzeit sehr günstig.

3-Monats-EuriborSwap-Satz 15 Jahre
31.12.2018- 0,32 Prozent31.12.2018+ 1,20 Prozent
31.12.2019- 0,38 Prozent31.12.2019+ 0,17 Prozent
31.12.2020- 0,55 Prozent31.12.2020- 0,08 Prozent

Fixzinsen oder variabel – Vor- und Nachteile: Was ist 2021 besser bei Krediten?

Auch in 2021 besteht die Sondersituation am Markt weiter. Mit Ausnahme Chinas schlitterten im Jahr 2020 alle bedeutenden Volkswirtschaften in die Rezession. Das ist auf die zahlreichen Maßnahmen zur Seucheneindämmung wie beispielsweise Einschränkungen des Flugverkehrs und Schließung von Geschäften, Gaststätten und Hotels zurückführen.

Die Staaten haben bereits weltweit zweistellige Billionen-Euro-Beträge zur Bekämpfung der Corona-Krise budgetiert. Zur Finanzierung dieser Maßnahmen müssen sie zunehmend mehr Anleihen emittieren, was den Kapitalmarkt zeitweise belastet. Doch weitaus stärker wirkt die Tatsache explodierender Inflationsraten und damit einhergehend steigender Inflationserwartungen in den USA. Von Jänner bis Mai 2021 stieg die Inflationsrate dort von 1,4 auf 5,0 %. Der Euroraum mit einer weitaus höheren Arbeitslosenquote von 8 % (USA 5,8 %) kommt mit einer Inflationsrate von 2 % noch relativ gut davon, weshalb laut einer Umfrage der EZB im Juni 2021 Experten erst im Mai 2024 mit einer ersten Leitzinsanhebung rechnen. In den USA gehen die geldpolitischen Entscheidungsträger des Offenmarktausschusses bereits 2022 von ersten Leitzinsanhebungen aus. Auch die von den Fed-Fund-Futures eingepreisten Zinserhöhungswahrscheinlichkeiten sind zuletzt gestiegen.

Die konkrete Geldpolitik hängt aber davon ab, ob die Inflation in Österreich infolge von Basiseffekten beim Ölpreis und einigen Rohstoffen sowie temporären Lieferengpässen bei bestimmten Produkten nur vorübergehend anstieg oder ob dies ein längerfristiger Trend ist. Wohin die Konjunktur- und Preistrends und somit auch Sollzinsen am langen und kurzen Ende gehen, wird sich mit den Wirtschaftsdaten der kommenden Monate zeigen.

Doch davon alleine sollten sich Kreditnehmer bei Ihrer Entscheidung für die passende Fixzinsbindung nicht leiten lassen. Unabhängig von zukünftigen Zinsszenarien liegen noch generelle Vorteile fixer Zinsen auf der Hand: Zum einen können Sie durch die Fixierung der Sollzinsen Ihre monatlichen Raten genau kalkulieren und zum anderen wissen Sie genau, wie hoch Ihr Kreditsaldo nach Ablauf der Fixzinsperiode ist. Somit können Sie sich auf die Zeit nach der Fixzinsperiode vorbereiten, indem Sie zum Beispiel Vorkehrungen durch etwaige Sondertilgungen treffen. Aber eine Fixzinsbindung bringt auch Nachteile. Sie müssen höhere Sollzinsen zahlen und können nicht abschätzen, wie hoch Ihre Zinsen nach Ablauf der Fixzinsvereinbarung sind. Außerdem sind bei den meisten Banken keine Sondertilgungen kostenfrei und sofort möglich.

Sie müssen sich also entscheiden, was Ihnen wichtiger ist: Sicherheit, die kostet oder günstigere Zinsen, die ein gewisses Risiko mit sich bringen. Im aktuellen Umfeld werden allerdings die Zinsdifferenzen zwischen fix und variabel verzinsten Immobilienkrediten immer kleiner. Eine vorsichtige Entscheidung ist naheliegend. Aber letztendlich ist es Ihre Entscheidung und diese hängt neben Ihrer persönlichen Risikoneigung, auch noch von Bonität, freien Vermögenswerten sowie der Kreditsumme und Kreditlaufzeit ab. Welches Modell also das richtige für Sie ist, kann Ihnen schlussendlich nur ein Experte sagen.

Eine Entscheidungshilfe gibt der Kreditrechner von Infina. Er zeigt Ihnen anhand konkreter Beispiele in genauen Zahlen die Kostenunterschiede bei variabler und fixer Verzinsung.

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Über den Autor: Mag. Harald Draxl
Position: Geschäftsführer

Meine Kreditkompetenz habe ich 1995 durch die Leitung des Gewerbekunden-Centers bei der Creditanstalt AG und seit 1997 als Baufinanzierungs-Spezialist bei der CA Baufinanzierungs-Beratung GmbH aufgebaut. Im Jahr 2002 wurde ich Gesellschafter bei der Infina und ab November 2004 in die Geschäftsführung berufen. Meine Zuständigkeit ist seither die Leitung unseres Vertriebes und der Banken-Kooperationen. Ich beschäftige mich tagtäglich mit den Entwicklungen am österreichischen Kreditmarkt, um unsere gesamte Vertriebsorganisation stets über die besten Produkte und aktuellen Zinssätze für die Kundenberatungen auf dem Laufenden zu halten.

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