Fixzinsen oder variable Zinsen: Optionen beim Kredit 

Datum: 23.04.2020 | Autor: Redaktion

Fixzinsen oder variable zinsen

Möchte man einen Kredit aufnehmen, steht man irgendwann vor der Frage: Welches Zinsmodell ist das richtige? Sie können zwischen Fixzinsen und variablen Zinsen wählen. Fixe Zinsen bleiben über eine gewisse Laufzeit gleich, während sich variable Zinsen laufend ändern. Experten erwarten zwar in den nächsten 5 Jahren keine extremen Zinserhöhungen, aber dies lässt sich nicht genau prognostizieren – variable Zinsen von bis zu 6 % oder mehr sind daher bei einem längerfristigen Kredit nicht garantiert auszuschließen. Welches Modell ist also am besten für (Wohnbau-)Kredite? Unser Ratgeber bietet Ihnen eine Entscheidungshilfe.


Der Unterschied zwischen fixen und variablen Zinsen

Einen Kredit nimmt man nicht leichtfertig auf, daher ist es das richtige Zinsmodell von großer Bedeutung. Beide Modelle haben ihre Vor- und Nachteile, deshalb wir uns nun die Unterschiede im Detail an. Menschen, denen Sicherheit ein wichtiges Kriterium ist, sollten in jedem Fall eine Fixzinsbindung wählen. Variable Zinsen eignen sich für jene, die eher risikofreudig sind und von den aktuell günstigen Zinsen profitieren möchten.

Fixe Zinsen bieten den Vorteil von optimaler Planbarkeit. Man kann die Monatsrate und folglich auch sein Haushaltsbudget für einen langen Zeitraum kalkulieren. Außerdem sind weniger Vermögenswerte nötig, da bei Krediten mit Fixzinsbindung sowieso selten kostenfreie Sondertilgungen möglich sind. Banken verlangen hier meist ein Pönale (=Gebühr) von 1 %.

Variable Zinsen sind günstiger als fixe Zinsen, das spricht für einen variablen Kredit. Der Grund für die günstigen Zinsen ist das aktuell niedrige Zinsniveau. Eine variable Verzinsung sollte man aber nur wählen, wenn genügend freie Vermögensteile (mind. 1/3 der aufgenommen Kreditsumme) zur Verfügung stehen, um damit mehrere Sondertilgungen tätigen zu können. Außerdem sollte man mit Zinssätzen von 6 % oder mehr in Zukunft rechnen, eine positive Einkommensentwicklung ist daher Voraussetzung für variable Zinsen.


Fixe und variable Zinsen: die Entwicklung der letzten Jahre (2017, 2018, 2019)

Österreichische Kreditnehmer profitieren seit geraumer Zeit von dem niedrigen Zinsniveau, das war aber nicht immer so. Vor nicht allzu vielen Jahren war das durchschnittliche Zinsniveau um 2,0 - 2,50 % höher als heute. Zinsen bleiben also nicht dauerhaft so niedrig wie heute, sie werden auch wieder steigen.  Aber wie sah die Entwicklung in den letzten drei Jahren aus? Bevor Sie sich folgende Grafik genauer ansehen, sollten Sie wissen, dass die Basis für variable Zinsen der 3-Monats-Euribor (oder 12-Monats-Euribor bei Bausparkassen) ist. Für fixe Zinsen wird der Swap-Satz als Referenzzinssatz verwendet.

Man sieht also, dass sich die variablen Zinsen in den letzten 3 Jahren kaum verändert haben. Ganz anders als der Swap-Satz, welcher extreme Schwankungen zeigt. Erhöht sich der 3-Monats-Euribor, so kann man davon ausgehen, dass sich auch der Swap-Satz erhöht. Deshalb sollte man das aktuelle Zeitfenster der niedrigen Zinsen für einen Kredit mit Fixzinsbindung nutzen, denn dieses Kreditmodell ist derzeit sehr günstig.

3-Monats-Euribor Swap-Satz 15 Jahre
31.12.2017 - 0,30 Prozent 31.12.2017 + 1,30 Prozent
31.12.2018 - 0,32 Prozent 31.12.2018 + 1,20 Prozent
31.12.2019 - 0,38 Prozent 31.12.2019 + 0,17 Prozent

Fixzinsen oder variabel – Vor- und Nachteile: Was ist 2020 besser bei Krediten?

Wir haben gegenüber dem Vorjahr 2020 eine Sondersituation am Markt. Infolge der Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus steht die Wirtschaft still. Es wird viel weniger produziert, Geschäfte und Restaurants sind zu. Die Zahl der Kurzarbeiter und Arbeitslosen ist explosionsartig gestiegen. Notenbanken versuchen in diesem Umfeld die Wirtschaft mit möglichst niedrigen Zinsen und ausreichend Geld zu unterstützen. Grundsäztlich bedeutet dies für Sie vorerst noch günstige Angebote, vor allem bei langjährigen Fixzinsbindungen.

Bei Hypothekarkrediten sind die Risikoaufschläge noch minimal, was sich mit steigenden Ausfallsraten bei laufenden Finanzierungen im Verlauf der Krise ändern kann. Hinzukommt bereits der jüngste Anstieg der Zinsen am langen Ende. Staaten haben sich nämlich zur finanziellen Abfederung der Folgen der globalen „Betriebsschließungsmaßnahmen“ zur Seuchenbekämpfung hoch verschuldet und mittlerweile verlangen dafür Gläubiger von den Staaten höhere Zinsen. Mit den Kreditzinsen für Staaten steigen auch jene für Banken und deren Kunden. Zukünftige Kredite werden voraussichtlich bei Abschluss teurer.

Unabhängig von zukünftigen Zinsszenarien liegen noch generelle Vorteile fixer Zinsen auf der Hand: Zum einen können Sie durch die Fixierung der Zinsen Ihre monatlichen Raten genau kalkulieren und zum anderen wissen Sie genau, wie hoch Ihr Kreditsaldo nach Ablauf der Fixzinsperiode ist. Somit können Sie sich auf die Zeit nach der Fixzinsperiode vorbereiten, indem Sie zum Beispiel Vorkehrungen durch etwaige Sondertilgungen treffen. Aber eine Fixzinsbindung bringt auch Nachteile. Sie müssen höhere Zinsen zahlen und können nicht abschätzen, wie hoch Ihre Zinsen nach Ablauf der Fixzinsvereinbarung sind. Außerdem sind bei den meisten Banken keine Sondertilgungen kostenfrei und sofort möglich.

Sie müssen sich also entscheiden, was Ihnen wichtiger ist: Sicherheit, die kostet oder günstigere Zinsen, die ein gewisses Risiko mit sich bringen. Im aktuellen Umfeld werden allerdings die Zinsdifferenzen zwischen fix und variabel verzinsten Immobilienkrediten immer kleiner. Eine vorsichtige Entscheidung ist naheliegend. Aber letztendlich ist es Ihre Entscheidung und diese hängt neben Ihrer persönlichen Risikoneigung, auch noch von Bonität, freien Vermögenswerten sowie der Kreditsumme und –laufzeit ab. Welches Modell also das richtige für Sie ist, kann Ihnen schlussendlich nur ein Experte sagen.

Eine Entscheidungshilfe gibt Ihnen der Kreditrechner von Infina. Er zeigt Ihnen anhand konkreter Beispiele in genauen Zahlen die Kostenunterschiede bei variabler und fixer Verzinsung.