Variable Zinsen

Datum: 14.03.2020 | Autor: Redaktion

Variable Zinsen schwanken, denn sie orientieren sich an der Marktentwicklung der Leitzinsen. Für die Immobilienfinanzierung können variable Zinsen durchaus interessant sein, denn variable Kredite sind aufgrund des aktuell niedrigen Zinsniveaus äußerst günstig. Weitere Details dazu liefert Ihnen unser Ratgeber. 


Definition: Was bedeutet variabler Zinssatz?

Ein variabler Zinssatz richtet sich nach dem aktuellen Leitzinssatz. Steigen bzw. sinken die Leitzinsen, so steigt bzw. sinkt auch der variable Zinssatz. Die Kreditrate passt sich also bei variabler Verzinsung während der gesamten Laufzeit immer wieder dem neuen Zinsniveau an. Als Kreditnehmer bedeutet das für Sie im schlimmsten Fall, dass bei steigenden Zinsen Ihre monatliche Ratenbelastung steigt.

Ein variabler Immobilienkredit ist aufgrund des niedrigen Zinsniveaus aktuell äußerst günstig – das wird sich in den nächsten Jahren aber gewiss ändern. Ein Kredit mit variablen Zinsen sollte also mit Bedacht gewählt werden, denn zukünftige Zinssätze in der Höhe von 4% oder mehr sind nicht unwahrscheinlich.


Variable Zinsen: Euribor und Entstehung

Doch fangen wir einmal mit den Basics an: Wie entstehen variable Zinsen überhaupt?  Es gibt zwei Parameter, die für die Entstehung wichtig sind. Das wäre einerseits der Euribor als Referenzzinssatz und andererseits die Marge, also dem Aufschlag der Bank.

Zinssatz = Referenzzinssatz + Marge

Die gängigen Euribor-Modelle sind der 3-Monats-Euribor und der 12-Monats-Euribor, welcher in Österreich meist von Bausparkassen angeboten. Da die kurzfristigen Euribor-Sätze aktuell negativ sind bzw. unter null liegen, ergeben sich bei einem variablen Kredit sehr günstige Außenzinssätze.  


Der Vergleich (2020): variabler oder fixer Zinssatz?

Es gibt aber nicht nur variable Zinsen, sondern auch eine Fixzinsbindung ist möglich. Diese zwei Modelle unterscheiden sich lediglich darin, dass sich variable Zinsen ständig ändern, während Fixzinsen für eine vereinbarte Laufzeit gleichbleiben. Aber welche Vor- und Nachteile gibt es nun konkret und welches Modell ist für Sie als Kreditnehmer die richtige Wahl?

Kurz gesagt: Wenn Sie mit höheren Zinsbelastungen leben können und bei Zinssteigerungen nicht nervös werden, sollten Sie eine variable Verzinsung in Betracht ziehen. Ebenfalls hilfreich sind eine gute Bonität und zukünftige Sondertilgungen, um das Risiko für zu hohe monatliche Belastungen zu reduzieren. Vergessen Sie aber nicht, dass Zinssätze von bis zu 6 % oder schlimmstenfalls mehr möglich sind, das würde Ihre Monatsrate erheblich erhöhen– ist eine so hohe Rate für Sie nicht finanzierbar, dann wählen Sie lieber eine Fixzinsbindung.

Nichtsdestotrotz bietet ein variabler Zinssatz viele Vorteile. Da wäre zum Beispiel die Höhe des Zinssatzes, welcher wesentlicher niedriger ist als ein fixer Zinssatz. Das führt zu einer geringeren Monatsbelastung. Außerdem sind vorzeitige Tilgungen kostenfrei möglich.

Und für jene, die zwar keine Fixzinsbindung möchten, aber eine variable Verzinsung als zu riskant empfinden, gibt es eine sogenannte Zinsabsicherung in Form eines Zinscaps. Manche Banken, vor allem Bausparkassen, bieten sogenannte Bandbreitenkredite an, bei denen sowohl eine Zinsuntergrenze als auch eine Zinsobergrenze vereinbart wird. Das verhindert das Risiko einer zu hohen Monatsrate. Leider ist dieses Modell nicht bei jedem Kreditinstitut erhältlich.

Was spricht aber nun für einen fixen Zinssatz? Nun, der Nachteil variabler Zinsen sind die möglichen Zinssteigerungen – und genau das ist der große Vorteil bei einem Fixzinssatz, denn hier gibt es für einen vereinbarten Zeitraum keine steigenden Zinsen. Das bringt nicht nur Sicherheit, sondern auch eine bessere Kalkulierbarkeit für monatliche Ausgaben.

Jedoch kostet das, die Zinsen sind bei Fixzinskrediten nämlich höher als bei variablen Krediten. Außerdem sind Sondertilgungen nur selten kostenfrei und jederzeit möglich, meist wird dafür ein Pönale von 1 % verrechnet. Eine umfangreiche Entscheidungshilfe bietet auch unser Ratgeber „Variable oder fixe Zinsen: Optionen beim Kredit“.

Sie haben aktuell eine Finanzierung mit variablem Zinssatz. Jetzt denken Sie darüber nach, den Zinssatz langfristig abzusichern? Mit einem unserer Kreditvergleichsrechner können Sie sich zu den aktuellen Konditionen ein Bild machen. Auch die Laufzeit der Finanzierung und Höhe der monatlichen Rate können Sie bei Bedarf damit anpassen. 


Immobilienfinanzierung mit variablem Zinssatz

Bei der Immobilienfinanzierung kann man zwischen einem Kredit und einem Darlehen wählen. Doch was ist der Unterschied? Ein Kredit ist ein sogenanntes Dauerschuldverhältnis. Dieses entsteht sowohl bereits durch mündliche Vereinbarung als auch schriftlich mit der Unterfertigung eines Kreditvertrages. Die Bank ist Kreditgeber und stellt dem Kreditnehmer Geld für einen bestimmten Zeitraum zu einem bestimmten Zinssatz und sonstigen Kreditbestimmungen zur Verfügung. Der Kreditnehmer verpflichtet sich, den Geldbetrag inklusive der vereinbarten Zinsen wieder zurückzuzahlen.

Ein Darlehen kann theoretisch auch unentgeltlich gewährt werden. Der Darlehensvertrag kommt in der Regel erst dann Zustande, wenn der Vertragsgegenstand, in der Regel als Geld definiert, dem Darlehensnehmer übergeben bzw. überwiesen wurde. Vor der Übergabe bestehen zwischen Darlehensgeber und -nehmer lediglich vorvertragliche Verpflichtungen, die im Darlehensvertrag geregelt sind.

Variabler Zinssatz beim Kredit

Nachdem Kredite auch häufig als kurzfristige Privatkredite ohne hypothekarische Besicherung angeboten und vergeben werden, schließt man diese meist mit einem variablen Zinssatz ab. Durch die kurzen Kreditlaufzeiten bis max. 10 Jahre und durch den dadurch rascheren Tilgungsverlauf ist es nicht üblich, diese sogenannten Privatkredite mittels Fixzinssatz abzuschließen.

Natürlich ist es auch möglich, einen Kredit längerfristig abzuschließen. Dabei spricht man dann meist von einem sogenannten Hypothekarkredit. Diese Kreditform verlangt eine grundbücherliche Sicherstellung des Kredites auf der Liegenschaft des Kunden.

Variabler Zinssatz bei Darlehen

Darlehen sind hingegen meist langfristige Vereinbarungen. Der Begriff Darlehen wird in der Regel von den Bausparkassen verwendet. Aber auch Banken vergeben Darlehen. Wenn Sie einen variablen Zins bei einem Bauspardarlehen abschließen, spricht man vom sogenannten klassischen Bauspardarlehen. In diesem Fall erhalten Sie eine Zinsunter- und eine Zinsobergrenze. Die Zinsobergrenze hat derzeit eine Laufzeit von max. 20 Jahren

Die Rückzahlung bei variablen Zinsen

Die Rückzahlung eines variablen Kredites ist jederzeit möglich, denn Sondertilgungen können in beliebiger Höhe kostenfrei durchgeführt werden. Während einige Banken Sondertilgungen ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist anbieten, gibt es auch Banken, die die Einhaltung der 6-monatigen Kündigungsfrist fordern – dies muss aber explizit vertraglich vereinbart werden.

Ein Kredit mit variablen Zinsen kann unter Umständen die perfekte Wahl für Sie sein. Halten Sie sich lediglich die Nachteile vor Augen und lassen Sie sich nicht zu sehr von den aktuell günstigen Zinsen blenden, denn diese werden voraussichtlich wieder steigen. Egal, ob Sie sich nun für einen Kredit mit kurzer Laufzeit oder für ein längeres Immobiliendarlehen entscheiden – eine Beratung ist wichtig, damit Sie das für Sie optimale Zinsmodell finden und dadurch Ihre Rückzahlung sowie Ihre monatlichen Raten auch wirklich finanzierbar sind.