Zinsabsicherung: Wann ist sie sinnvoll und welche Arten gibt es?

Zinsabsicherung
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Autor: Mag. Peter Hrubec
Kategorie: Zinsen
Datum: 26.03.2021

Haben Sie für die Finanzierung Ihrer Immobilie einen Kredit mit variablen Zinsen aufgenommen, so besteht immer ein Zinsänderungsrisiko. Im Falle von Zinsschwankungen können die Zinsen und somit auch die Rückzahlungsraten steigen. Das kann bei einem größeren Zinsanstieg zu enormen monatlichen Belastungen führen. Auch bei einer bestehenden Finanzierung mit Fixzinsvereinbarung, welche in näherer Zukunft ausläuft, besteht eine Unsicherheit. Diesem Risiko können Sie mit einer Zinsabsicherung entgegenwirken. Was diese genau ist, wann sie sich lohnt und welche verschiedenen Varianten es von ihr gibt, erfahren Sie im folgenden Beitrag!

Zinsänderungsrisiko – was ist das?

Eine Zinsabsicherung hat die Funktion Sie gegen Zinsschwankungen bei Krediten mit variablen Zinsen zu schützen. Hierbei gibt es verschiedene Instrumente, die eine Gemeinsamkeit haben: Dem Kreditnehmer die Sicherheit geben, sich sein Darlehen langfristig leisten und seine damit verbundenen monatlichen Belastungen besser einschätzen zu können.

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Das Wichtigste im Überblick

  • Eine Zinsabsicherung bietet Schutz gegen das Zinsänderungsrisiko bei Krediten mit variablen Zinsen.
  • Eine Absicherung lohnt sich, wenn mit hohen Zinsschwankungen oder steigenden Zinsen gerechnet wird.
  • Das aktuell niedrige Zinsniveau ermöglicht eine langfristige Zinsabsicherung einer Wohnbaufinanzierung zu sehr guten Bedingungen.    
  • Verschiedene Arten: Fixzinsbindung, Zinscap und Zinsfloor, Forward Darlehen, Zinsswap, Bandbreitendarlehen und Zinskorridor. 

Warum brauche ich eine Zinsabsicherung?

Die Auf- und Abwärtsbewegungen der Zinsen stellen ein schwer kalkulierbares Risiko dar. Eine Absicherung gegen unerwartete Zinsentwicklungen ist für Ihre Finanzierung daher entscheidend.

Ein Beispiel:
Sie haben einen Kredit über 200.000 Euro zu einem Zinssatz von aktuell 1,5 % mit einer Laufzeit von 20 Jahren aufgenommen. Angenommen im folgenden Jahr steigt der Zins plötzlich auf 2,5 % an, dann steigt Ihre monatliche Belastung dementsprechend auch. Dies sind dann Zusatzkosten, welche Sie vorher bestimmt nicht eingeplant haben. Sichern Sie sich also nicht gegen das Zinsänderungsrisiko ab, kann das innerhalb der 20 Jahre Kreditlaufzeit unter Umständen sehr teuer werden.

Wann es sich lohnt, die Zinsen abzusichern

Zinsabsicherungen sind mit Kosten verbunden. Wie hoch diese ausfallen hängt von den aktuellen Zinsentwicklungen ab. Wenn Sie und der Markt mit sinkenden oder gleichbleibenden Zinsen rechnen, werden Sie weniger den Drang verspüren, die Zinsen abzusichern. In diesem Marktumfeld ist der Preis hierfür aber auch entsprechend niedrig. Die Absicherung wird hingegen teuer, wenn stark mit Zinserhöhungen gerechnet wird. Spätestens dann sollten Sie aber ernsthaft darüber nachdenken, sich gegen das Zinsänderungsrisiko abzusichern! Darüber hinaus sollten Sie als Kreditnehmer stets abwägen, welches Risiko Sie bereit sind einzugehen und sich von einem Experten die Kosten für die Zinsabsicherung Ihres Kredits ausrechnen lassen.  


Wirtschaftlicher Rückgang wegen Corona-Krise: Was bedeutet das für die Zinsabsicherung?

Die Corona-Krise ist eine Belastungsprobe für die ganze Welt. Um wirtschaftliche Rettungspakete aufsetzen zu können, nehmen die meisten Länder hohe Schulden auf. Um Entlastungen für die Wirtschaft zu ermöglichen, haben die Notenbanken weltweit massiv Geld ins Finanzsystem gepumpt. Da sich jedoch infolge der Durchimpfung der Bevölkerung und eines 3 Billionen Dollar Konjunkturprogramms in den USA ein Aufschwung mit inflationären Tendenzen abzeichnet, stiegen in den ersten Monaten des Jahres 2021 am langen Ende die Zinsen – sowohl in den USA als auch in Europa. In Europa bleiben wegen anhaltender Pandemiebekämpfung (Geschäfte und Lokale geschlossen) konjunkturelle Unsicherheiten. Diese bedeuten auch eine Gefahr steigender Kreditausfälle. Somit zeichnet sich bereits ab, dass die Risikoaufschläge für Kredite höher ausfallen werden. Dies führt dann zu einem höheren Zinssatz für die Kunden. Auch mit einer noch stärkeren Differenzierung der Zinssätze für Kunden, je nach Höhe der eingebrachten Eigenmittel, ist zu rechnen.


Verschiedene Formen der Zinsabsicherung

Es gibt verschiedene Varianten, um sich gegen das Zinsänderungsrisiko abzusichern. Wie sind diese unterschiedlichen Lösungen jeweils aufgebaut und welche Vor- und Nachteile haben diese? Nachfolgend können Sie sich einen ersten Überblick verschaffen, welches Modell für Sie infrage kommen kann, wenn Sie Ihre Zinsen absichern möchten.

Fixzinsbindungen

Die einfachste und gleichzeitig sicherste Variante ist die Vereinbarung eines Fixzinssatzes mit der kreditgebenden Bank. Dabei wird im Kreditvertrag festgehalten, dass sich der Kreditzinssatz in der vereinbarten Periode nicht verändern wird. Die üblichen Fixzinsperioden betragen zwischen 5 und 40 Jahren. In Ausnahmefällen bieten Kreditinstitute auch darüber hinaus gehende Vereinbarungen an.

Fixzinsbindungen sind also eine Möglichkeit für eine festgelegte Laufzeit von variablen auf fixe Zinsen umzusteigen. Werden in naher Zukunft Zinssteigerungen erwartet, kann eine Fixzinsbindung die richtige Wahl zur Absicherung gegen steigende Zinsen sein. Die Höhe des Fixzinses richtet sich dabei nach der Bindungsdauer.

VorteileNachteile
Über die Bindungsdauer können Sie die zu bezahlenden Zinsen und somit die monatlichen Raten genau kalkulieren.Sie müssen von Anfang an einen höheren Zinssatz als bei der variabel verzinsten Variante zahlen.
Sie wissen konkret wie hoch der Restbetrag des Kredits nach der Fixzinsbindungsdauer ist und können sich darauf vorbereiten.Innerhalb von 12 Monaten können Sie nur bis zu 10.000 Euro ohne Pönale im Rahmen von Sondertilgungen tilgen (Vertragsabschluss nach dem 10. Juni 2010).
Hier finden Sie Details zum Thema Vorfälligkeitsentschädigung und Sondertilgungen.

 

Zinsabsicherung durch Caps und Floors

Bei Zinscaps und Zinsfloors werden gegen Zahlung einer Prämie eine Zinsober- bzw. -untergrenze über eine bestimmte Laufzeit garantiert. Für den Kreditnehmer sind Zinscaps interessant, da er eine Ausgleichzahlung erhält, wenn der variable Zins die vereinbarte Zinsobergrenze übersteigt. Zinsfloors sind sinnvoll bei variabel verzinsten Vermögensanlagen. Der Anleger erhält Ausgleichszahlungen, wenn der Zins die vereinbarte Zinsuntergrenze unterschreitet.

Somit funktioniert ein Zinscap wie eine Versicherung gegen steigende Zinsen, und ein Zinsfloor wie eine Versicherung gegen sinkende Zinsen. Bleibt der Marktzinssatz zunächst gleich und wird erst später eine Zinsänderung erwartet, können ein Zinscap bzw. -floor sinnvoll sein.

VorteileNachteile
Kreditnehmer können mit einem Zinscap weiterhin von Zinssenkungen und Anleger können mit einem Zinsfloor weiterhin von steigenden Zinsen profitieren.

Die Kosten für die Prämie für Zinscap und Zinsfloor sind relativ hoch.
Mit Caps und Floors haben Sie die Möglichkeit sich bedarfsgerecht gegen steigende bzw. sinkende Zinsen abzusichern.Bleiben die Zinsen unter (beim Cap) bzw. über (beim Floor) dem abgesicherten Niveau, erhalten Sie während der Laufzeit keine Gegenleistung. Die Prämie haben Sie trotzdem bezahlt.
Die Zinsober- bzw. -untergrenze sowie die Laufzeit der Absicherung kann individuell ausgehandelt werden.Die Prämie wird sofort nach Abschluss des Caps oder Floors fällig.
Bei Über-/Unterschreitung der Zinsober- bzw. -untergrenze erhalten Sie von der Bank Ausgleichszahlungen.Je länger der Absicherungszeitraum und je geringer der Abstand des aktuellen Zinssatzes zum Absicherungszinssatz ist, desto teurer ist ein Zinscap.

 

Forward Darlehen

Diese Darlehensform wird in Österreich selten angeboten und ist primär in Deutschland vertreten, da die Regelungen zur vorzeitigen Ablösung in beiden Ländern deutliche Unterschiede aufweisen. Ein Forward-Darlehen kommt infrage, wenn Sie erneut Fixzinsen für die Anschlussfinanzierung nach der aktuellen Fixzinsbindung reservieren möchten. Für diese Planungssicherheit werden im Gegenzug „Reservierungskosten“ von der Bank verlangt. Werden bald steigende Zinsen erwartet, wäre dies eine mögliche Variante der Zinsabsicherung.

VorteileNachteile
Sie erhalten Planungssicherheit, da die zukünftigen Zinssätze bekannt und kalkulierbar sind.Es gibt hohe Aufschläge bei Reservierungen auf mehr als drei Jahren im Voraus.

Sie ersparen sich die Kosten einer Umschuldung.

Tipp: Ein Wohnbau-Finanz-Experte kann Ihnen jederzeit die beiden Optionen und damit verbundenen Kosten gegenüberstellen. Ihren persönlichen Ansprechpartner finden Sie hier.

In Österreich ist diese Lösung nicht üblich und wird in der Praxis von Banken in der Regel nicht angeboten.

 

Swaps: Zinsabsicherung durch Derivate

Ein Zinsswap ist ein derivates Finanzinstrument. Dabei vereinbaren zwei Vertragspartner (hier: Kreditnehmer und Bank) einen Austausch unterschiedlicher Zinszahlungen während eines fixierten Zeitraums. Bei einem Fixzinsswap werden also variable Zinsen gegen fixe Zinsen getauscht und damit das Zinsänderungsrisiko ausgeschlossen. In der Praxis wird ein Saldierungsverfahren (sogenanntes „Netting“) angewendet. Es werden nicht die kompletten Zinszahlungen getauscht, sondern nur die Differenz zwischen den beiden Zinszahlungen ausgeglichen. Wie bei einem Fixzinskredit sind die zukünftigen Zinszahlungen bekannt und schaffen eine sichere Kalkulationsgrundlage.

VorteileNachteile
Sie haben kein Zinsänderungsrisiko mehr.Als Kreditnehmer sind Sie zwar gegen steigende Zinsen abgesichert gleichzeitig verzichten Sie aber auch auf die Möglichkeit, von fallenden Zinsen zu profitieren.
Sie erhalten Planungssicherheit, da die zukünftigen Zinssätze bekannt und kalkulierbar sind.Bei gleichbleibenden Zinsen sind Sie mit dem Abschluss eines Zinsswaps im Regelfall schlechter gestellt insoweit, als für das Tauschgeschäft Kosten anfallen oder eingepreist sind.
Es entsteht kein Eingriff in bestehende Finanzierungsverträge.Zinsswaps werden weniger in der klassischen Wohnbaufinanzierung eingesetzt, als vielmehr bei größeren Kreditvolumen (oder wenn mehrere Währungen im Tauschgeschäft zu integrieren sind).

 


Spezialfall: Zinssicherung beim Bausparvertrag

Eine weitere Variante der Zinsabsicherung ist das Bandbreitendarlehen. Bausparkassen in Österreich vereinbaren in Ihren Bausparverträgen gerne die feste Zinsobergrenze (Cap) von 6 %. Wenn zusätzlich eine Zinsuntergrenze (Floor) von beispielsweise 1,25 % festgelegt wird, spricht man von einem Zinskorridor. Der Zweck ist hierbei eine Absicherung gegen extreme Szenarien am Zinsmarkt.

Der Zinskorridor bietet also den Vorteil gegen extreme Hochzinsszenarien abgesichert zu sein und in einem gewissen Rahmen an niedrigen Zinsen zu profitieren. Mit einer Zinsuntergrenze kann jedoch nicht grenzenlos an sinkenden Zinsen partizipiert werden.


Zinsabsicherung bei einer Umschuldung

Eine Umschuldung bietet die Chance einen bestehenden Kredit durch einen günstigeren Kredit mit besseren Konditionen zu ersetzen, sodass Sie in Summe weniger zurückzuzahlen haben. Im Zuge dessen sollten Sie überlegen ob und wie Sie sich gegen ein Zinsänderungsrisiko absichern wollen.

In der aktuellen Niedrigzinsphase kann beispielsweise eine Umschuldung auf einen Fixzinskredit sinnvoll sein. Ein Fixzinssatz gibt Ihnen langfristig die Sicherheit, dass die Kreditraten gleichbleiben. Dafür profitieren Sie nicht mehr, wenn die Zinsen nochmals sinken.


Zinsabsicherung: bietet Schutz vor dem Zinsänderungsrisiko

Egal für welches Modell der Zinsabsicherung Sie sich am Ende entscheiden: In jedem Fall treffen Sie eine Entscheidung für mehr Sicherheit und damit auch für ein ruhigeres Gewissen. Mithilfe der vereinbarten Absicherungsvariante können Sie gewiss sein, dass Sie bei unveränderter Einkommenssituation Ihre Kreditzinsen in den nächsten Jahren bezahlen können.

Sie benötigen Hilfe bei der Frage, welche Lösung für Sie die passende ist und ob es sich aktuell lohnt seine Zinsen abzusichern? Gerne berät Sie der INFINA Wohnbau-Finanz-Experte in Ihrer Nähe in einem persönlichen Gespräch!

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Über den Autor: Mag. Peter Hrubec
Position: Prokurist

Die Neugier für neue Themen, die die Finanzdienstleistung bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Bei AXA Equity & Law war ich für die Markterschließung in Österreich sowie die Einführung der betrieblichen Vorsorge zuständig. Im Anschluss daran beschäftigte ich mich als geschäftsführender Gesellschafter von Nova Portfolio Management mit innovativen Vermögensanlage-Konzepten. Seit dem Jahr 2009 bin ich als Prokurist bei Infina schwerpunktmäßig in den Bereichen Product Consulting, sowie der Vertriebs- und Bankenbetreuung verantwortlich. Darüber hinaus liegt mein Fokus auf rechtlichen Fragestellungen, die den österreichischen Kreditmarkt in Österreich betreffen sowie der Analyse von Markt- und Zinsentwicklungen.

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