Im Euroraum ist seit dem Hoch von 10,6 % im Oktober 2022 ist die Inflationsrate bis August 2024 auf 2,2 % zurückgegangen. Dieser rasche Inflationsrückgang war auf stark rückläufige Energiepreise infolge von fallenden Erdgas- und Erdölpreisen sowie Tarifsenkungen von Stromversorgern zurückzuführen. Aber auch die Preise von Industriegütern ex Energie konnten von den Herstellern nicht mehr so stark erhöht werden, wie diese gerne hätten. Der Hintergrund: Die Privatwirtschaft im Euroraum zeigt ein zweigeteiltes Bild. Während der Industriesektor weiterhin stagniert, erweist sich der Dienstleistungssektor als Stütze der Konjunktur. Nach einem schwachen Wachstum von 0,1 % im zweiten Quartal hat sich die Dynamik im dritten Quartal 2025 leicht belebt und ein BIP-Wachstum von 0,3 % erreicht.
Die EZB verfolgt generell einen datenabhängigen Ansatz. Weitere Zinsschritte hängen von Inflationstrends, Inflationserwartungen und der Wirkung vorangegangener geldpolitischer Maßnahmen ab. Nach jeweils mehreren Leitzinssenkungen in den Jahren 2024 und 2025 kam es im ersten Halbjahr 2026 zu der von Experten befürchteten Abweichung: Die hohen Ausgabenprogramme der EU (800 Mrd. EUR u. a. für Rüstung) und der EU-Mitgliedstaaten für die Infrastruktur haben die Konjunktur und die Inflation wiederbelebt. Als Reaktion auf den jüngsten Teuerungsaufbau beendete die EZB im Juni 2026 ihre monatelange Zinspause und hob die Leitzinsen um 0,25 % an. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt damit aktuell bei 2,40 % (Stand: 22.06.2026).
Die Folge dieser veränderten Erwartungen und der jüngsten Zinswende: Langjährige Fixzinsbindungen waren gegenüber den einstigen Höchstständen zwar günstiger geworden, spüren nun am kurzen Ende jedoch die geldpolitische Straffung. Seit dem Hoch im Oktober 2023 hatte sich bis zum 15. Dezember 2025 der 20-Jahres-Euro-Swapsatz um über 25 Basispunkte auf rund 3,22 % verbilligt (was etwa 87 Basispunkte über dem Stand von Ende 2024 lag) und stabilisiert sich im aktuellen Umfeld auf einem Niveau von 3,22 % (Stand: 22.06.2026). Der 3-Monats-Euribor, wichtiger Referenzzins variabel verzinster Kredite, war indessen gegenüber dem Hoch bei ca. 4 % bis Ende 2025 auf 2,02 % rückläufig, zog im Zuge der jüngsten EZB-Entscheidung nun aber wieder auf 2,40 % an. Entsprechend haben sich auch die Zinscaps angepasst. Die zuvor stark inverse Zinskurve hat sich zwischenzeitlich in eine normale Zinskurve verändert.
Dennoch sind beispielsweise Umschuldungsmöglichkeiten von variabel verzinsten Krediten mit einer aktuellen Verzinsung von ca. 3,40 bis 4,40 % in 10-jährige Fixzinskredite zu ca. 3,75 bis 4,50 % p.a. (nominaler Zinssatz) nach wie vor mit moderatem Aufschlag möglich. Im weiteren Verlauf könnten am langen Ende die Zinsen durch die anhaltenden Ausgabenprogramme weiter ansteigen und neue Fixzinsabschlüsse sowie Umschuldungen verteuern. Hingegen sollten Zinscaps auf 3-Monats-Euribor-Basis im Einklang mit den nun neu justierten Leitzinsen im weiteren Verlauf des Jahres 2026 tendenziell sensibler auf die kommenden Schritte der EZB reagieren.