Leitzins: Definition, Entwicklung und aktueller EZB-Leitzins

Leitzins
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Autor: Mag. Peter Hrubec
Kategorie: Zinsen
Datum: 11.06.2021

„Die Europäische Zentralbank senkt den Leitzins erneut“ – Schlagzeilen dieser Art konnte man in den letzten Jahren häufig lesen. Aber was bedeutet das eigentlich für den Verbraucher und Kreditnehmer? In diesem Beitrag erfahren Sie die wichtigsten Fakten rund um den Leitzins: Was ist darunter eigentlich zu verstehen? Wie hoch sind die wichtigsten Leitzinssätze aktuell? Welche Folgen hat es, wenn diese Zinsen sinken oder steigen?

Was ist der Leitzins: eine kurze Definition

Der Leitzins ist jener Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei einer Zentralbank leihen bzw. es dort anlegen können. Die Zentralbank kann diesen Zinssatz nach eigenem Ermessen bestimmen. Über den Leitzins kann sie zum Beispiel die Wirtschaftslage, die Inflation und den Kurs der Währung beeinflussen. Deshalb ist die Höhe dieses Zinssatzes ein wichtiges geldpolitisches Mittel jeder Zentralbank. In der Eurozone ist die Europäische Zentralbank (EZB) für die Festlegung des Leitzinses zuständig.


Das Wichtigste im Überblick

  • Der Leitzins wird von der Zentralbank festgelegt. Geschäftsbanken können sich zu diesem Zinssatz Geld bei der Zentralbank leihen bzw. es dort anlegen.
  • Der aktuelle Leitzins der EZB liegt bei 0,00 Prozent (Stand 10.06.2021).
  • Experten rechnen in absehbarer Zeit nicht damit, dass der EZB-Leitzins ansteigt.
  • Der Leitzins ist ein wichtiges Instrument für eine Zentralbank: Sie kann damit Einfluss auf die Wirtschaftslage, die Inflation und den Kurs der Währung nehmen.
  • Niedrige Leitzinsen kurbeln tendenziell die Wirtschaft an, höhere Zinsen bremsen sie.
  • Der Leitzins wirkt sich auf andere Zinssätze aus: zum Beispiel den Interbanken-Zinssatz EURIBOR und darüber hinaus auch auf Kreditzinsen und Sparzinsen.
  • Wer einen Wohnkredit aufnehmen oder zurückzahlen will, profitiert von einem niedrigen Leitzinssatz. Für Inhaber von Sparkonten wirkt sich das dagegen negativ aus.

Wie wird der Leitzins festgelegt?

Jede Zentralbank (z. B. die Europäische Zentralbank oder die Fed in den USA) legt den Leitzins eigenmächtig fest, die Entscheidung wird von einem dafür zuständigen Gremium gefällt. Bei der EZB ist das etwa der EZB-Rat. In der Regel verfolgt die Zentralbank mit der Höhe des Leitzinses bestimmte Ziele wie wirtschaftlichen Aufschwung oder stabile Preise. Die Zinsänderungen werden an vorher festgelegten Terminen öffentlich verkündet.

Unter bestimmten Umständen kann es auch zu Zinsänderungen außerhalb der regulären Termine kommen: In 2021 (Stand 10.06.2021) war dies bislang nicht Fall, aber am Beginn der Corona-Krise in den USA: Am 03.03.2020 verkündete die Fed eine außerplanmäßige Senkung des Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte und am 15.03.2020 senkte sie den Leitzins erneut um einen weiteren Prozentpunkt. Damit reagierte sie auf wirtschaftliche Einbußen wegen des grassierenden Corona-Virus und versuchte, die Konjunktur wieder etwas anzukurbeln. Es waren sogenannte „Notfallszinssenkungen“.


Aktuelle Leitzinssätze

Wie hoch ist nun der aktuelle Leitzins der EZB? Seit dem 16. März 2016 befindet sich der EZB-Leitzins bei genau 0,00 %. Damit ist er historisch gesehen auf dem niedrigsten Niveau seit der Euro-Einführung im Jahr 1999. 

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht über aktuelle Leitzinssätze einiger wichtiger Währungsräume:

Name der ZentralbankLeitzinssatz (Stand 10.06.2021)
Europäische Zentralbank (EZB)0,00 %
Federal Reserve (Fed) – USA0,00 bis 0,25 %
Bank of England0,10 %
Bank of Japan-0,10 %
Chinesische Volksbanken3,85 %
Schweizerische Nationalbank-0,75 %
Tipp

 Auf der Website der Österreichischen Nationalbank lässt sich die Entwicklung einiger Leitzinssätze seit 1980 nachverfolgen.


Der Leitzins der EZB

Sehen wir uns den EZB-Leitzins nun etwas genauer an – denn genau genommen gibt es mehrere Leitzinssätze der Europäischen Zentralbank. Welche sind das und wie hat sich der Zinssatz in den letzten Jahren entwickelt?

Arten der EZB-Leitzinsen

Wenn von dem Leitzins der EZB gesprochen wird, dann ist grundsätzlich jener Zinssatz gemeint, zu dem sich Geschäftsbanken Geld von der EZB leihen können. Im Fachjargon heißt dieser Zinssatz auch „Hauptrefinanzierungssatz“. Möchte man genau sein, ist jedoch zwischen drei verschiedenen Leitzinsen zu unterscheiden:

Deutsche BezeichnungEnglische BezeichnungErklärung

aktuell (Stand: 25.03.21)

Einlagesatz oder Einlagenzinsdeposit facilityZinssatz, zu dem Geschäftsbanken ihr Geld bei der EZB anlegen können.-0,50 %
Hauptrefinanzierungszinssatzmain refinancing operationsZinssatz, zu dem sich Geschäftsanken von der EZB Geld leihen können.0,00 %
Spitzenrefinanzierungszinssatzmarginal lending facilityZinssatz, zu dem die Geschäftsbanken kurzfristig („über Nacht“) Geld bei der EZB leihen können.0,25 %

Hier kommt es manchmal zu Verwirrung, wenn von „Negativzinsen“ die Rede ist, aber gleichzeitig angegeben wird, dass der EZB-Leitzins bei null liegt. Des Rätsels Lösung: Es handelt sich gar nicht um die gleichen Zinssätze. Mit den aktuellen „Negativzinsen“ bezieht man sich auf den Einlagesatz; mit dem „EZB-Leitzins“ meint man üblicherweise den Hauptrefinanzierungssatz. Streng genommen handelt es sich jedoch bei beiden um Leitzinsen.

Entwicklung des EZB-Leitzinssatzes

Als Nachwirkung der Wirtschaftskrise 2008 ist der EZB-Leitzins stark gesunken: In den Jahren davor schwankte er zwischen 2 und 5 %, danach ging es rapide bergab. 2009 senkte die EZB den Zins auf 1 % und dann schrittweise immer weiter, bis im Jahr 2016 das Nullzinsniveau erreicht war. Seitdem liegt er unverändert bei 0 %.

EZB-Leitzins: Prognose

Langfristige Prognosen, wie sich der EZB-Leitzins künftig entwickeln wird, sind naturgemäß schwierig. Denn die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank sind abhängig von politischen und wirtschaftlichen Ereignissen, die sich nicht voraussehen lassen. Allerdings bleiben die Notenbanken und insbesondere die EZB so lange unterstützend, bis im Zuge eines konjunkturellen Aufschwungs die Inflationsrate nachhaltig über 2 % steigt. Vor 2023 ist aus heutiger Sicht in Europa eine Leitzinsanhebung eher unwahrscheinlich.

Kommende Zins-Entscheidungen der EZB: Termine

Wenn Sie zeitnah auf Änderungen des Leitzinses reagieren wollen, dann lohnt es sich, die kommenden Veröffentlichungen der EZB im Auge zu behalten. Wer etwa Anlage- oder Kreditentscheidungen trifft, sollte diese möglichst nach diesen Terminen tun.

An folgenden Terminen in 2021 tagt der EZB-Rat, um die weitere Vorgehensweise in puncto Zinsen beschließen:

  • 21.01.2021
  • 11.03.2021
  • 22.04.2021
  • 10.06.2021
  • 22.07.2021
  • 09.09.2021
  • 28.10.2021
  • 16.12.2021

Die aktuellen Termine können Sie auch direkt auf der Website der Europäischen Zentralbank erfahren.


Welche Funktion hat der Leitzins?

Der Leitzinssatz hat erhebliche Auswirkungen: auf Finanzmärkte, die allgemeine Wirtschaftslage, die Preise und einiges mehr. Auch Privatpersonen bekommen die Folgen zu spüren, wenn etwa die Arbeitslosigkeit sinkt oder sie weniger Kreditzinsen zahlen müssen.

Auswirkung auf die Konjunktur

Zum einen beeinflussen die Leitzinsen die Wirtschaft: Niedrige Zinsen bedeuten, dass sich die Banken billiges Geld bei der EZB besorgen können und insgesamt mehr Geld zur Verfügung steht. Dadurch werden Kredite allgemein günstiger – und Unternehmen werden zum Investieren angeregt.

Gleichzeitig lohnt sich Sparen kaum mehr und die Konsumenten geben ihr Geld lieber direkt aus. Auf diese Weise wird die Wirtschaft angekurbelt und die Konjunktur steigt. Bei hohen Zinsen passiert genau das Gegenteil und die Wirtschaftslage wird gebremst.

Nicht zuletzt haben Zentralbank-Zinsen eine wichtige psychologische Signalfunktion: Die Zentralbank signalisiert mit einer Senkung beispielsweise den Finanzmärkten, dass sie bereit ist, der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Allein dies führt oft schon zu steigenden Kursen an der Börse.

Auswirkung auf die Inflation

Der Leitzinssatz hat nicht zuletzt Einfluss darauf, wie sich das allgemeine Preisniveau entwickelt – also auf die Inflation. Denn bei niedrigen Zinsen leihen sich die Banken mehr Geld von der EZB und es ist insgesamt mehr Geld im Umlauf. Dadurch verliert das Geld an Wert und die Preise klettern nach oben – die Inflation nimmt zu.

Wenn die Inflation zu stark ist, kann die Zentralbank deshalb die Zinsen anheben – um die Wirtschaft etwas abzukühlen und die Preise zu stabilisieren. Dies hat aber Auswirkung auf die Exportlage und Währung. Außerdem können sich Folgen für den Wechselkurs ergeben. Ein Beispiel: Bei niedrigen EZB-Zinsen wird der Euro für ausländische Anleger unattraktiver – und der Wert des Euro sinkt. Gleichzeitig sind damit Produkte aus der Eurozone billiger und die Nachfrage nach ihnen steigt: Die Exporte nehmen also tendenziell zu.


Bedeutung des Leitzinses für Wohnkredite

Was bedeutet das alles nun im Zusammenhang mit dem Wohnbau? Nun, der Leitzinssatz wird von den Geschäftsbanken auch an die Verbraucher weitergegeben. Beispielsweise beeinflusst der Leitzins den EURIBOR. Dieser dient wiederum bei variablen Zinsvereinbarungen sehr oft als Referenzzinssatz.

Wer also einen Wohnkredit mit variablen Zinssätzen hat, der profitiert vom niedrigen Leitzinssatz. Denn in der Folge sind die Kreditzinsen günstig. Bei Negativzinsen können diese sogar bis auf 0 % sinken.


Leitzins: wichtiges Steuerungsmittel für Zentralbanken

Der Leitzins legt also die Konditionen fest, zu denen Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank ausleihen und anlegen können. Für die Zentralbanken ist er ein wichtiges Instrument, um für eine stabile Wirtschaftslage und gleichbleibende Preise zu sorgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat davon auch reichlich Gebrauch gemacht: Seit der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 hat sie den Leitzinssatz immer weiter gesenkt. Für alle, die in Immobilien investieren wollen, ist dies ein großer Vorteil: Wohnkredite sind nun so günstig wie nie zuvor.

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Über den Autor: Mag. Peter Hrubec
Position: Prokurist

Die Neugier für neue Themen, die die Finanzdienstleistung bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Bei AXA Equity & Law war ich für die Markterschließung in Österreich sowie die Einführung der betrieblichen Vorsorge zuständig. Im Anschluss daran beschäftigte ich mich als geschäftsführender Gesellschafter von Nova Portfolio Management mit innovativen Vermögensanlage-Konzepten. Seit dem Jahr 2009 bin ich als Prokurist bei Infina schwerpunktmäßig in den Bereichen Product Consulting, sowie der Vertriebs- und Bankenbetreuung verantwortlich. Darüber hinaus liegt mein Fokus auf rechtlichen Fragestellungen, die den österreichischen Kreditmarkt in Österreich betreffen sowie der Analyse von Markt- und Zinsentwicklungen.

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