3-Monats-EURIBOR: aktuelle und historische Entwicklung

Münzen und Statistiken
Autor: Hagen Luckert
Kategorie: Finanzierung
Datum: 10.06.2024

Am Geldmarkt (kurzfristiger Zeithorizont, im Gegensatz zum Kapitalmarkt mit einem langfristigen Zeithorizont) werden die Zinsen durch Angebot und Nachfrage bestimmt, wobei die Leitzinsen der EZB einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Geldmarktzinsen haben, die also faktisch von der Notenbank gesteuert werden können. Von diesen Zinssätzen, in vielen Fällen vom 3-Monats-EURIBOR, hängt es ab, wieviel Zinsen Sie als Häuslebauer für Ihre Wohnbaukredite zahlen.

Dieser Ratgeber informiert Sie über die Entwicklung und Hintergründe zum 3-Monats-EURIBOR.

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Was ist der 3-Monats-EURIBOR?

Der 3-Monats-EURIBOR ist ein wichtiger Geldmarktzinssatz. Er ist eine Orientierungsgröße für den Zins, den Banken am Geldmarkt für die kurzfristige Überbrückung anderer Banken verlangen können. Banken verleihen Geld zu diesem Zins plus Risikoaufschlägen untereinander und an Schuldner von Hypothekarkrediten für Wohnbauzwecke. Zudem können Banken auch variabel verzinste Anleihen auf 3-Monats-EURIBOR-Basis emittieren, um damit ihre Kreditgeschäfte zu refinanzieren. Allerdings erhalten Anleger, die hier investieren weniger Zinsen als Kreditnehmer bei der Bank bezahlen. Aus dieser Zinsdifferenz erwirtschaftet die Bank einen Ertrag.


3-Monats-EURIBOR aktuell [Stand 03.06.2024]

Per 03. Juni 2024 liegt der 3-Monats-EURIBOR bei 3,782 %.


3-Monats-EURIBOR (EURIBOR 3M): Bedeutung für private Kreditkunden

Egal, ob es sich um einen variabel verzinsen Konsumkredit oder eine variabel verzinste Wohnbaufinanzierung handelt – in den meisten Fällen sind Sie dann in irgendeiner Form vom 3-Monats-EURIBOR (mit)abhängig. Der 3-Monats-EURIBOR ist der geläufigste Indikatorzins und in den meisten Fällen gibt er die Zinsbasis vor, entweder alleine oder in Kombination mit einem weiteren Referenzzins (z.B. 5-Jahres-EUR-Swapsatz). Auf den Referenzzins, auch Indikatorzins genannt, schlägt die Bank zudem noch ihre Marge auf, die in den allermeisten Fällen von der Bonität der Kreditnehmer abhängig ist. Der Gesamtzins setzt sich somit aus EURIBOR 3 m plus Aufschlag der Bank zusammen.

Tipp: Lesen Sie mehr zum Thema EURIBOR in unserem Ratgeber: EURIBOR: Definition, Entwicklung und Prognosen.


3-Monats-EURIBOR: Entwicklung der letzten 12 Monate

Das Jahr 2023 war in punkto „Entwicklung des 3-Monats-EURIBOR“ ein Jahr der Extreme. Noch im Januar 2023 war der 3m -EURIBOR bei knapp über 2 %. Aufgrund des Verlaufs des EZB-Leitzinses, welcher durch viele Zinserhöhungen gekennzeichnet war, stieg der 3-Monats-EURIBOR bis Ende Q3.2023 dann auf knapp 4 %. Danach bildete sich ein Zinsplateau auf einem Zinsniveau zwischen etwa 3,75 % und 4,00 %.

EZB hinkt Fed im Zinszyklus hinterher

Bereits 2021 stieg infolge von Warenknappheit durch coronabedingte Lieferkettenunterbrechungen die Inflation. Infolge eines durch den seit 24. Februar 2022 tobenden Ukrainekrieg ausgelösten Erdgaspreisschocks erreichte die Inflation in Europa zweistellige Größenordnungen. Die US-Notenbank (Fed) begann Mitte März 2022 mit ihrer Leitzinsanhebungsreihe, während die Europäische Zentralbank (EZB) zu diesem Zeitpunkt noch in einem expansiven geldpolitischen Modus war und erst ca. vier Monate später eine erste Leitzinsanhebung durchführte. Doch dann erhöhte sie bis 20. September 2023 ihren Hauptrefinanzierungssatz bis auf 4,50 %, das höchste Niveau seit dem Jahr 2001. Eine erste EZB-Leitzinssenkung erfolgte dann mit Wirkung zum 12. Juni 2024 auf 4,25 %, obwohl die Inflation im Mai 2026 mit 2,6 % immer noch deutlich über den angestrebten 2 % liegt.

Lohninflation im Fokus

Der EURIBOR mit 3 Monaten Laufzeit gewinnt im Einklang mit weiteren restriktiven geldpolitischen Aussagen von Entscheidungsträgern der EZB besonders an Dynamik. Sowohl in den USA als auch in Europa wird die stärker mit den Lohnkosten korrelierende Kerninflation von den Notenbanken genau beobachtet. Infolge starker Gewerkschaften in Europa, die vehement Inflationsausgleich fordern, beobachtet die EZB insbesondere auch den Faktor Lohninflation. Dieser hat für weitere geldpolitische Entscheidungen an Bedeutung gewonnen.


3-Monats-EURIBOR: historische Entwicklung seit 1999

Die historische Entwicklung des 3-Monats-EURIBORs gleicht seit 1999 einer Berg-und-Tal-Fahrt. Geprägt war diese Zeit von mehreren Krisen mit unterschiedlichen geldpolitischen Entscheidungsträgern in der EZB. Am Ende folgte ein erneuter „Zinsschock“ nachdem der 3-Monats-EURIBOR seit April 2015 infolge von massiven Anleihenkäufen und negativen Einlagezinsen der EZB über 7 Jahre im Negativ-Terrain verharrte. Am Tiefpunkt fiel der 3-Monats-EURIBOR im vierten Quartal 2021 unter -0,60 %. Dies war eine Folge der Corona-Sondermaßnahmen der EZB, die massiv Anleihen aufkaufte, um die langfristigen Zinsen zu drücken. Abgelöst wurde diese Phase von einem Inflationsschock, dem ab Juli 2022 dann eine Vielzahl von Leitzinsanhebungen der EZB und steigende EURIBOR-Sätze folgten.

Von Negativzinsen zum Zinsschock

In den vergangenen 23 Jahren haben nach der Finanzkrise 2008/09 Interventionen der Notenbanken an den Kapitalmärkten zu einer Verzerrung des Marktgefüges geführt. Seit 2009 boomten vor allem in deutschsprachigen Raum bei niedriger Verbraucherinflation die Wohnimmobilienpreise, die teils kritische Höhen erreichten. Seit 2015 waren in Österreich dann variable Wohnbau-Kreditverzinsungen zwischen 0,375 und 1,000 % p.a. möglich, da Banken von der Marge den negativen 3-Monats-EURIBOR-Zins abzogen und bereit waren, im Notfall Nullzinskredite zu vergeben, während es in Dänemark bereits erste Negativzinskredite gab. Doch der auf die Pandemie und im Zuge des Ukrainekriegs einsetzende Inflationsschub ließ die „Negativzinsträume“ wie Seifenblasen zerplatzen und leitete die aktuelle „Zinsschockphase“ ein.

Ende des Zinsparadieses

Vor allem in den Jahren 2020 und 2021 konnten langjährige Fixzinsbindung zu teils 1,000 bis 1,250 % p.a. abgeschlossen werden und variable Zinsen wurden teilweise unter 0,5 % p.a. gewährt. Die Jahre zuvor hingegen haben Experten wiederholt vergeblich eine Zinswende proklamiert, denn seit 2008 waren die Notenbanken weltweit im „Sonderoperationsmodus“, um größere Krisen an den Finanzmärkten zu verhindern. Diese Zeiten sind seit 2022 - zumindest vorerst – vorbei. Nun pflegt die EZB in Europa wieder ihre Kernaufgabe, die Sicherstellung der Geldwertstabilität (mit dem Ziel einer Inflation in Höhe von 2 %). Die Handlungsbereitschaft der Währungshüter in Frankfurt am Main lässt sich dabei an einer Erhöhung des wichtigsten Leitzinssatzes um 4,50 Prozentpunkte binnen vierzehn Monaten (bis September 2023, danach 5 Sitzungen des EZB-Rates ohne Änderung) sehr gut erkennen. Am 06. Juni entschied der EZB-Rat eine leichte Lockerung und senkte den Leitzins wieder auf 4,25 %.


Prognose: Wie wird sich der 3-Monats-EURIBOR entwickeln?

Die Leitzinssenkung vom 6. Juni 2024 war bereits im 3-Monats-EURIBOR vorweggenommen worden und kurz vor dem Zinsschritt haben die Futuresmärkte für September 2024 einen 3-Monats-EURIBOR von 3,58 % eingepreist. Diese Prognose würde der Erwartung einer weiteren Leitzinssenkung am 12. September 2024 entsprechen. Doch bereits sechs Tage später fällt dann die Fed ihre Zinsentscheidung. Eine starke US-Konjunktur und Lohninflationsrisiken sowohl in den USA als auch in Europa stellen keine gute Ausgangssituation für weitere Leitzinssenkungen durch die EZB dar. In den USA wuchs im ersten Quartal 2024 die Wirtschaftsleistung, gestützt durch starke private Investitionsausgaben noch immer um 2,9 % (Q4 2023: 3,1 %). Die Stundenlöhne außerhalb der Landwirtschaft stiegen im Mai 2024 in den USA um 4,1 % und sowohl in den USA als auch im Euroraum sind die Inflationsraten zuletzt wieder leicht angestiegen - im Euroraum von April auf Mai von 2,4 auf 2,6 %. Die Teuerung der Dienstleistungen stieg dabei von 3,7 auf 4,1 % - ein Indiz für Lohninflation, die auch von der EZB im Rahmen der Pressekonferenz nach der jüngsten Leitzinssenkung angesprochen wurde.

Die aktuelle Datenlage spricht vorläufig für keine weiteren Leitzinssenkungen der EZB, und in den USA preisen die Aktivitäten der tendenziell „optimistischen“ Marktteilnehmer für die Zinsentscheidung am 18. September 2024 lediglich eine 50:50-Chance auf eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte ein. Dass dabei die EZB am 6. September der Fed mit einer erneuten Zinssenkung zuvorkommt, ist unwahrscheinlich, da dies bei gleichbleibenden US-Leitzinsen eine Abschwächung des Euro zum US-Dollar und somit eine verstärkte importierte Inflation bedeuten würde, zumal Rohstoffe und wichtige Importgüter in US-Dollar fakturiert werden. Somit könnten die aktuellen weiteren Zinserwartungen in Europa erheblich beeinträchtigt werden. Erst gegen Jahresende oder erst im ersten Quartal 2025 erscheinen weitere EZB-Leitzinssenkungen wahrscheinlicher und dann sind auch 3-Monats-EURIBOR-Zinsen von unter 3,50 % denkbar.

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Über den Autor: Hagen Luckert
Position: Geschäftsführer

Meine gesamte berufliche Laufbahn habe ich im Kreditbereich verbracht. Zunächst im Sparkassen- sowie im Großbankensektor in Deutschland. Nach Leitung der Business-Unit Kreditstrategie- und Organisation in einem großen Beratungsunternehmen war ich als Geschäftsführer einer Kreditfabrik tätig. Im Anschluss daran wurde ich als Vorstand in einem Softwareunternehmen für künstliche Intelligenz im Bankenbereich berufen und habe 2019 in die Geschäftsführung von Infina gewechselt. Die ständige Recherche, strukturierte Aufbereitung sowie verständliche Veröffentlichung von allen Fragestellungen rund um das Kreditgeschäft gehören zu den wesentlichen Schwerpunktsetzungen meiner Funktion.

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