Zinsentwicklung und Prognosen

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Autor: Mag. Harald Draxl
Kategorie: Zinsen
Datum: 23.10.2020

Wie werden sich die Zinsen in den nächsten Jahren entwickeln? Werden Änderungen Einfluss auf aktuelle und zukünftige Wohnkredite haben? Grundsätzlich können Zinsen über kurz oder lang sehr stark schwanken, vor allem in den nächsten 2-3 Jahren sind unterschiedlichste Szenarien denkbar. Unsere Experten liefern Ihnen dazu eine interessante Prognose.

Einfach erklärt: Was sind Zinsen?

Zinsen werden von Banken bei Bereitstellung eines Kredites/Darlehens als Entgelt verlangt. Gut zu wissen: Verbraucher sind bei Zinsanpassungen durch den Kreditgeber besser geschützt als Unternehmer.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Arten von Zinsen und alle haben ihre eigene Berechnungsgrundlage. Einige sind so simpel, dass ein Taschenrechner ausreicht, andere hingegen sind viel komplexer. Für diese Fälle gibt es zum Beispiel diverse Zinsrechner im Internet. Man kann zwischen Kredit-, Bausparvertrags- und Sparbuchzinsen unterscheiden:

Ratgeber

Zinsrechner: Zinsen berechnen und vergleichen

Kreditzinsen

Wenn Sie einen Kredit aufnehmen, müssen Sie eine Gegenleistung bringen. Diese wird im Kreditvertrag meist in Form eines Kreditzinses vereinbart. Kreditzinsen zahlen Sie somit als Gegenleistung für das geborgte Geld, das Sie vom Kreditgeber erhalten.

Bausparvertragszinsen

Im Gegenzug zu den Kreditzinsen erhalten Sie bei Abschluss eines Bausparvertrages die sogenannten Bausparvertragszinsen. Dabei leihen Sie der Bausparkasse Geld und bekommen im Gegenzug Guthabenzinsen retour.

Sparbuchzinsen

Ähnlich wie bei den Bausparzinsen erhalten Sie bei Eröffnung eines Sparbuches Zinsen von der Bank. Hier leihen Sie der Bank Geld und bekommen dafür Zinsen. 


Der EURIBOR-Zinssatz und seine Zinsentwicklung

Im Kreditbereich spricht man häufig von EURIBOR-Zinssätzen. Der EURIBOR ist ein sogenannter Indikator, zu dem sich die Geldhäuser refinanzieren und in weiterer Folge Kreditmittel an den Endkunden oder Firmenkunden vergeben.

Unter Refinanzierung versteht man die Geldbeschaffung der Banken, damit sie Kredite vergeben können. Es gibt unterschiedliche Quellen, bei denen sich Banken refinanzieren können. Häufig leihen sich Banken Geld von den Notenbanken wie der europäischen Zentralbank. Kreditinstitute können sich aber auch über andere Geschäftsbanken oder Sparer refinanzieren.

Bausparkassen refinanzieren sich häufig durch Kundeneinlagen in Form von Bausparverträgen. Aber ganz gleich, woher die Refinanzierung kommt, die Kreditinstitute zahlen dafür ebenso einen Zins und haben somit dementsprechende Zinskosten. Bei der weiteren Kreditvergabe an Kunden verrechnen die Banken dann zusätzlich zu den Zinskosten einen Aufschlag (Marge). Dieser Aufschlag verbleibt bei der Bank und ist die sogenannte Zinsspanne. 


Die Zinsentwicklung in Österreich 2020

Die aktuelle Zinssituation ist seit Jahren durch niedrige Zinsen gekennzeichnet. In den letzten 20 Jahren sieht man derartige Niedrigzinsen vor allem in Japan. Auch in Europa und somit in Österreich haben wir ein äußerst niedriges Zinsniveau. Seit dem Jahr 2015 gibt es sogar eine Zinsanomalie in Form von sogenannten Negativzinsen, die seit 2019 sogar die sehr langfristigen Zinsen am Markt für Zinstauschgeschäfte (EUR-Swapsätze) erreicht haben.

Zwischenzeitlich ging es aufgrund solider Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft bis zur Jahreswende 2019/2020 mit den langfristigen Zinsen wieder etwas nach oben. Die Corona-Krise bewirkte dann wieder einen Rückgang ins negative Zinsterritorium.

Bereits in den ersten beiden Quartalen schrumpfte das BIP des Euroraums um jeweils 3,2 bzw. 14,7 %. Die Volkswirte des IWF gehen für das Gesamtjahr 2020 von einem Rückgang von 8,3 % aus. Daher wird der Ruf nach Zinssenkungen bzw. negativen Leitzinsen lauter. Doch die EZB versucht hier mit dem Mittel massiver Anleihenkäufe auszukommen. Diese expansive Geldpolitik hat bereits die Euribor-Sätze stark nach unten gedrückt, weshalb variabel verzinste Kredite, aber infolge niedriger Zinsen am langen Ende auch 15- und 20-jährige Fixzinskredite historisch günstig sind – eine Entwicklung, die bei weiterhin negativen Inflationsraten noch länger anhalten könnte.

Doch Vorsicht: Es kann auch anders kommen. Der 3-Monats-Euribor und auch die anderen Euriborsätze hängen davon ab, zu welchen Konditionen Banken bereit sind, sich am Geldmarkt gegenseitig Gelder zu leihen. Angenommen es kommt beispielsweise durch eine Bankenkrise in Italien zu steigenden Risiken, dass die eine Bank der anderen das Geld nicht zurückzahlen kann. In der Folge wird dann wohl keine Bank mehr bereit sein, der anderen selbst gegen Negativzinsen (fürs Geldverleihen müssen sogar Zinsen bezahlt werden) noch Geld zu borgen. In so einem Fall kann es zu starken Zinsanstiegen kommen. Beispielsweise war dies im Herbst 2008 nach der Megapleite der Großbank Lehman Brothers der Fall.

Neben den Zinssätzen spielt die aktuelle Situation der einzelnen Bank noch eine Rolle. Müssen Banken sich aufgrund von Bonitätsverschlechterungen teurer refinanzieren, dann werden Sie versuchen, die höheren Kosten auf die Konditionen beim Neuabschluss abzuwälzen. Auch könnten Banken zwischen Kreditnehmern mit besseren und schlechteren Bonitäten unterscheiden und den schlechteren bei Neuabschluss deutlich höhere Zinsen verrechnen.

Es zeigten sich bereits im ersten Quartal 2020 am Eurogeldmarkt erste Anzeichen eines Vertrauensverlustes der Banken, doch die massive Geldflut der Notenbanken hat die Situation im weiteren Jahresverlauf wieder entspannt. Die Zinsen sind dort bereits gestiegen. Auf der anderen Seite stehen die Notenbanken mit billionenschweren Anleihenkaufprogrammen und der Bereitschaft eventuell noch weiter an der Zinsschraube nach unten zu drehen. Dies könnte dann wieder per Saldo höhere Aufschläge und Interbankenzinsanstiege ausgleichen. Welches Szenario eintritt kann in Krisenzeiten nicht seriös prognostiziert werden.

Fakt ist jedoch, dass die aktuelle Niedrigzinsphase nicht in Stein gemeißelt ist.

Ratgeber

Aktuelle Kreditzinsen & Zinssätze in Österreich


Zinsentwicklung bei der Immobilienfinanzierung

Bei Immobilienfinanzierungen muss man zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen unterscheiden: Bei einem langfristigen Zinssatz handelt es sich um einen Zinssatz, der über einen längeren Zeitraum (5-30 Jahre) angewendet wird. Kurzfristige Zinssätze beziehen sich meist auf eine Laufzeit von bis zu 12 Monaten. Damit verbundene Finanzierungen gelten daher als variable Kredite und werden laufend angepasst.

Die kurzfristigen Zinsen zeigten heuer bereits stärkere Schwankungen und erste Tendenzen zum Anstieg. Die Entwicklung der langfristigen Zinsen hat im Jahr 2016 vorläufig das niedrigste Niveau erreicht, stieg im Anschluss bis 2018 wieder an und sank in Folge rückläufiger Konjunkturdaten einiger Euroländer bis Spätsommer 2019 auf ein neues Zwischentief.

Zum Jahresende 2019 verbesserten sich die Wirtschaftsaussichten nachdem sich die USA im Handelskonflikt mit China teilweise einigten. In der Folge erhöhten sich die Zinssätze für langfristige Zinsbindungen. Dann folgte die Corona-Krise. Bis Mitte Mai gab es weltweit bei den Zinsen neue Rekordtiefs infolge von Zinssenkungen und massiver Gelddruckerei der Notenbanken.

Doch erste Anzeichen, dass wichtige Volkswirtschaften, allen voran China und die USA Schritt für Schritt die Wirtschaft nach dem shutdown wieder hochfahren werden, sorgten wieder für Zinsanstiege. Hinzukommen die latenten Gefahren von Bonitätsverschlechterungen bei Staatsanleihen, da sich Staaten mit Corona-Hilfspaketen hoch verschulden, Zinsänderungsrisiken nehmen tendenziell wieder zu, daher:

Haben Sie derzeit einen Kredit mit variablen Zinsen, können Sie das aktuell noch sehr niedrige Zinsniveau nützen, um Ihren Kredit gegen zukünftige Zinssteigerungen abzusichern. Die beste Möglichkeit dafür ist ein Wechsel auf einen Fixzinskredit.

Info

Variable Finanzierungen an Verbrauchern müssen an einen Indikator gebunden sein, der von der Bank anzugeben ist. Die getroffene Zinsvereinbarung kann bis zum Ablauf der Finanzierung vom Kreditgeber nicht einseitig geändert werden. Gegen negative Marktentwicklungen z. B. einen kräftigen Zinsanstieg, kann sich ein Kreditnehmer jedoch nur durch Abschluss einer Zinsabsicherung schützen, wie zum Beispiel mit einer Fixzinsvereinbarung. Der Kreditzins wird dann auf eine Laufzeit von 5-30 Jahren fixiert.

Zinsen berechnen: Das sollten Sie wissen

Möchten Sie Ihre Zinsen selbst berechnen, kann dies unter Umständen ein schwieriges Verfahren werden: Viele Daten, die für die Berechnung nötig sind, stehen Privatpersonen vor dem ersten Gespräch mit der Bank nämlich gar nicht zur Verfügung.

Gut, dass es unseren Infina Zinsrechner gibt. Berechnen Sie kostenlos Ihre Zinsen und ersparen Sie sich damit unnötiges Kopfzerbrechen:

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Die Zinsentwicklung in Europa

Die Corona-Krise hat einen reifen Konjunkturzyklus mit solidem Wachstum und zu erwartenden (weiteren) Leitzinserhöhungen in den USA und im weiteren Verlauf auch in Europa abrupt beendet. Notenbanken befinden sich weltweit im Krisenmodus. Die Leitzinsen sinken und Staatsanleihen in Japan, Großbritannien, den USA sowie der Eurozone werden von den jeweiligen Zentralbanken zeitweise fast unbegrenzt aufgekauft. In Großbritannien, den USA und auch in Japan finanzieren die Zentralbanken im Prinzip den Staat mit der Notenpresse.

Nun herrscht vereinfacht folgender Mechanismus. Der freie Markt verliert immer mehr das Vertrauen in Staaten und Banken, weshalb die Zinsen grundsätzlich steigen müssten. Doch die Notenbanken wirken dem mit allen Mitteln entgegen. Kreditinstitute in Österreich und auch Deutschland gestalten die Konditionen in dieser Phase sehr unterschiedlich. Das Spektrum reicht dabei von „Abwehrkonditionen“, da man in der Krise nur noch Notbetrieb fährt, bis hin zu „Kampfkonditionen“ von 1 % p. a. Zinsen für 15jährige Fixzinsbindungen zur Gewinnung weiterer Marktanteile.


Langfristige Zinsprognose: Was kann passieren?

Prognose der Zinsentwicklung bis 2021

Angesichts einer möglichen Massenarbeitslosigkeit in den USA und Europa, einer drohenden Pleitewelle und schrumpfender Wirtschaftsleistungen ist eine Senkung der Leitzinsen in den USA und Europa (bis in den Negativbereich) möglich. Wie entspannt die Situation am Interbankenmarkt bleibt, hängt von der Geldversorgung der Notenbanken, dem Vertrauen der Banken zueinander und der aktuellen Wirtschaftsentwicklung ab. Letztere hingegen ist ihrerseits abhängig von den Maßnahmen der Regierungen zur Eindämmung der Pandemie.

EZB-Prognose zur Zinsentwicklung

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss auf Stabilität im Euroraum setzen, um den Wunsch nach einer kontrollierten Inflation umsetzen zu können. Nur bei Erreichen des gewünschten Inflationsziels von Nahe, aber unter 2 %, können die Zinsen angehoben werden. Da in absehbarer Zeit eine Teuerung im Nullbereich und sogar darunter plausibel erscheint, wären sogar weitere Zinssenkungen seitens diverser Volkswirte wünschenswert. Allerdings ist nicht so schnell davon auszugehen dass die die Leitzinsen unter 0 % senkt. Wahrscheinlicher sind weitere Refinanzierungsmöglichkeiten für Banken und Anleihekäufe.

Konkrete Zinsprognosen der EZB existieren nicht. Die weitere Leitzinsentwicklung wird nur von Dritten, also von der EZB unabhängigen Analysten, erstellt.

Was es allerdings gibt und intuitiv auch ein mögliches Zinsszenario vermittelt, sind regelmäßige Inflations-und Wachstumsprognosen. Angesichts der schweren Einschätzbarkeit der Dauer der COVID-19-Pandemie und damit einhergehend der Ausnahmesituation für die Wirtschaft, sind derzeit auch für die EZB-Experten Prognosen ein schwieriges Unterfangen.

Die Normalisierung der Wirtschaft in Form eines schnellen Nachholprozesses wird das Thema nach Corona. Abhängig ist der Zeitpunkt von der Verfügbarkeit von Impfstoffen, deren Langzeitimmunisierung aber derzeit noch unbekannt ist. Medikamente könnten hier stärkere Wirkung und mehr Erfolg zeigen, brauchen aber auch entsprechend lange in der Entwicklung, sofern nicht bereits weiterentwickelte Präparate auf Wirkung gegen Corona gefunden werden.

Zwar sind Lockdowns und negative Folgen für die Wirtschaft das Thema und die (Leit)Zinsen niedrig, doch sollte die Normalisierung herannahen, könnten eines Tages auch die Leitzinsen, insbesondere in den USA wieder leicht ansteigen. In Europa hingegen sind rasche Zinsanstiege hingegen eher unwahrscheinlich, aber im Einklang mit einer stärkeren wirtschaftlichen Erholung könnte eine schrittweise Normalisierung des Zinsgefüges über einen längeren Zeitraum durchaus stattfinden. Kommt es hingegen immer wieder zur einer Aneinanderreihung oder Verkettung von Krisen, dann ist auch ein Zinsszenario mit langjährig permanent niedrigen Zinsen wie in Japan denkbar.

Die Zinsentwicklung in den nächsten 20 Jahren

Es können keine Prognosen über Zinsentwicklungen der nächsten 10 bis 20 Jahre aufgestellt werden. Die Kapitalmärkte sind viel zu beweglich. Schon kleinere Krisen können Prognosen über Nacht komplett widerlegen. In den letzten 50 Jahren hat es im Schnitt alle 7-8 Jahre eine merkliche Krisensituation an den Weltfinanzmärkten gegeben. Die letzte Wirtschaftskrise war 2008, also schon vor 12 Jahren. Nun befinden wir uns in einer neuen Krise, in der die Karten letztendlich wieder neu gemischt werden.

Baufinanzierung: Mögliche Zinsprognosen

Kommt es zu weiteren Zinssenkungen ins Negativterrain, so hat das Auswirkungen auf Baufinanzierungen und Wohnkredite. Sollte es am Interbankenmarkt zu keinen Zwischenfällen kommen und die Banken im Wettbewerb untereinander auf allzugroße Risikoaufschläge verzichten, dann ist in den nächsten Jahren sogar von sinkenden bis gleichbleibenden Zinssätzen auszugehen.

Doch zunehmend höhere Risikoaufschläge und Liquiditätskosten der Banken sind die größte Gefahr für steigende Zinssätze im Wohnbaubereich. Die Nutzung von noch verfügbaren exzellenten Konditionen für langfristige Fixzinsbindungen sollten also unbedingt geprüft werden. Die Wohnbau-Finanz-Experten der Infina informieren Sie gerne hierzu.

Mit einer Fixzinsvereinbarung haben Sie die bestmögliche Kalkulationsbasis für Ihre monatlichen Verpflichtungen. Das ist in so unsicheren Zeiten wie diesen wichtiger denn je.

Brauchen Sie Unterstützung? Infina vergleicht und findet für Sie den besten Wohnkredit bei der richtigen Bank – unabhängig, transparent und flexibel.

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Bildquellen:  Roman Samborskyi/ Shutterstock.com, Mabeline72/ Shutterstock.com
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Über den Autor: Mag. Harald Draxl
Position: Geschäftsführer

Meine Kreditkompetenz habe ich 1995 durch die Leitung des Gewerbekunden-Centers bei der Creditanstalt AG und seit 1997 als Baufinanzierungs-Spezialist bei der CA Baufinanzierungs-Beratung GmbH aufgebaut. Im Jahr 2002 wurde ich Gesellschafter bei der Infina und ab November 2004 in die Geschäftsführung berufen. Meine Zuständigkeit ist seither die Leitung unseres Vertriebes und der Banken-Kooperationen. Ich beschäftige mich tagtäglich mit den Entwicklungen am österreichischen Kreditmarkt, um unsere gesamte Vertriebsorganisation stets über die besten Produkte und aktuellen Zinssätze für die Kundenberatungen auf dem Laufenden zu halten.

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