Zinsentwicklung und Prognosen

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Autor: Mag. Harald Draxl
Kategorie: Zinsen
Datum: 21.01.2022

Wie werden sich die Zinsen 2022 und den Folgejahren entwickeln? Werden Änderungen Einfluss auf aktuelle und zukünftige Wohnbaukredite haben? Grundsätzlich können Zinsen über kurz oder lang sehr stark schwanken, vor allem in den nächsten 2-3 Jahren sind unterschiedlichste Szenarien denkbar. Unsere Experten liefern Ihnen regelmäßig Informationen zur Entwicklung der Zinsmärkte sowie eine interessante Prognose zur weiteren möglichen Zinsentwicklung.

Einfach erklärt: Was sind Zinsen?

Zinsen werden von Banken bei Bereitstellung eines Kredites/Darlehens als Entgelt verlangt. Gut zu wissen: Verbraucher sind bei Zinsanpassungen durch den Kreditgeber besser geschützt als Unternehmer.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Arten von Zinsen und alle haben ihre eigene Berechnungsgrundlage. Einige sind so simpel, dass ein Taschenrechner ausreicht, andere hingegen sind viel komplexer. Für diese Fälle gibt es zum Beispiel diverse Zinsrechner im Internet. Man kann zwischen Kredit-, Bausparvertrags- und Sparbuchzinsen unterscheiden:

Informieren Sie sich in unserem Ratgeber, wie Sie Ihre individuelle Situation berechnen können:

Zinsrechner: Zinsen berechnen und vergleichen

Kreditzinsen

Wenn Sie einen Kredit in Österreich aufnehmen, müssen Sie eine Gegenleistung bringen. Diese wird im Kreditvertrag meist in Form eines Kreditzinses vereinbart. Kreditzinsen zahlen Sie somit als Gegenleistung für das geborgte Geld, das Sie vom Kreditgeber erhalten.

Bausparvertragszinsen

Im Gegenzug zu den Kreditzinsen erhalten Sie bei Abschluss eines Bausparvertrages die sogenannten Bausparvertragszinsen. Dabei leihen Sie einer der Bausparkassen in Österreich Geld und bekommen im Gegenzug Guthabenzinsen retour.

Sparbuchzinsen

Ähnlich wie bei den Bausparzinsen erhalten Sie bei Eröffnung eines Sparbuches Zinsen von der Bank. Hier leihen Sie der Bank Geld und bekommen dafür Zinsen. 


Der EURIBOR-Zinssatz und seine Zinsentwicklung

Im Kreditbereich spricht man häufig von EURIBOR-Zinssätzen. Der EURIBOR ist ein sogenannter Indikator, zu dem sich die Geldhäuser refinanzieren und in weiterer Folge Kreditmittel an den Endkunden oder Firmenkunden vergeben.

Unter Refinanzierung versteht man die Geldbeschaffung der Banken in Österreich, damit sie Kredite vergeben können. Es gibt unterschiedliche Quellen, bei denen sich Banken refinanzieren können. Häufig leihen sich Banken Geld von den Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank. Kreditinstitute können sich aber auch über andere Geschäftsbanken oder Sparer refinanzieren.

Bausparkassen refinanzieren sich häufig durch Kundeneinlagen in Form von Bausparverträgen. Aber ganz gleich, woher die Refinanzierung kommt, die Kreditinstitute zahlen dafür ebenso einen Zins und haben somit dementsprechende Zinskosten. Bei der weiteren Kreditvergabe an Kunden verrechnen die Banken dann zusätzlich zu den Zinskosten einen Aufschlag (Marge). Dieser Aufschlag verbleibt bei der Bank und ist die sogenannte Zinsspanne. 


Die Zinsentwicklung in Österreich 2022

Die aktuelle Zinssituation war (und ist teilweise noch) seit Jahren durch niedrige Zinsen gekennzeichnet. In den letzten 20 Jahren sieht man derartige Niedrigzinsen vor allem in Japan. Auch in Europa und somit in Österreich haben wir ein äußerst niedriges Zinsniveau. Seit dem Jahr 2015 gibt es sogar eine Zinsanomalie in Form von sogenannten Negativzinsen, die seit 2019 sogar die sehr langfristigen Zinsen am Markt für Zinstauschgeschäfte (EUR-Swapsätze) erreicht haben.

Dort sind die Werte Anfang 2021 auf historische Tiefststände gefallen, ehe eine konjunkturelle Erholung bei gleichzeitigen Lieferengpässen, steigenden Öl- und Rohstoffpreisen und einer Rückkehr der Inflation die Geldpolitik der Fed und Bank of England restriktiver wurde. Die Fed begann im November 2021 in den USA mit der Drosselung ihrer monatlichen Anleihenkäufe von 120 Mrd. USD (vorerst in einem 15 Mrd. Dollar-Schritt) ehe am 15. Dezember 2021 in einer Fed Sitzung eine Verdoppelung des Drosselungsvolumens beschlossen wurde. Das Ankaufprogramm endet im März 2022. Mittlerweile spekulieren die Märkte auf eine Zinserhöhungsreihe von 0,1 % auf 100 bis 125 BP, was drei Leitzinsanhebungen bis zur Fed-Sitzung am 14. Dezember 2022 wären.

Darüber hinaus gibt es bereits erste Debatten über eine Schrumpfung der hohen Bilanzsumme der Fed von über 8,8 Billionen Dollar. Im Dezember hat die Bank of England  mit einer ersten Leitzinsanhebung einen neuen Zinsanhebungszyklus eingeleitet, während sich die EZB noch zurückhält, aber bereits beschlossen hat, ihr Pandemieprogramm bis Ende März 2022 zu beenden.

Die Spekulationen einer unmittelbar bevorstehenden Leitzinsanhebung durch die Fed nahmen in der zweiten Hälfte des Jänner 2022 ihren Verlauf. Andererseits musste die chinesische Zentralbank zwei wichtige Leitzinssätze um 0,1 Prozentpunkte senken, denn das Wirtschaftswachstum Chinas hat sich vom dritten auf das vierte Quartal 2021 von 4,9 auf 4,0 % verlangsamt (bei einem Wachstum von 8,1 % im Gesamtjahr 2021). Omikron-Variante, eine angespannte Situation am chinesischen Immobilienkreditmarkt und konjunkturelle Abkühlungstendenzen in den USA und Europa, u.a. infolge von Lieferengpässen und Personalmangel, sind die aktuellen Gefahren.

Stagflation ist somit das Thema. Hohe Inflationsraten und rückläufige Wachstumsdynamik prägen inzwischen das Geschehen und begrenzen die mittelfristigen Zinssteigerungspotenziale. Dies ist eine gute Nachricht für Kreditnehmer.

Trotzdem besteht kein Grund zum Feiern für österreichische Immobilienkreditnehmer, zumal im Euroraum die Zinsen am langen Ende möglicherweise einen längerfristigen Aufwärtstrend eingeschlagen haben. Sinkende Euriborsätze und am langen Ende steigende EUR-Swapsätze sind Anzeichen einer steiler werdenden Zinskurve.

Doch Vorsicht ist auch im Bereich der kurzfristigen Zinsen angebracht: Es kann auch anders kommen. Der 3-Monats-Euribor und auch die anderen Euriborsätze hängen davon ab, zu welchen Konditionen Banken bereit sind, sich am Geldmarkt gegenseitig Gelder zu leihen. Angenommen es kommt, beispielsweise durch eine Bankenkrise in China, wo der Immobilienmarkt ins Wanken geriet, zu einer globalen Bankenkrise. Dann steigen eventuell durch ein Übergreifen auf Griechenland, Spanien oder Frankreich auch hierzulande die Ausfallrisiken. In der Folge wird dann wohl keine Bank mehr bereit sein, der anderen gegen Negativzinsen (fürs Geldverleihen müssen sogar Zinsen bezahlt werden) noch Geld zu borgen. In so einem Fall kann es zu starken Zinsanstiegen kommen. Beispielsweise war dies im Herbst 2008 nach der Megapleite der Großbank Lehman Brothers der Fall.

Neben den Zinssätzen spielt die aktuelle Situation der einzelnen Bank noch eine Rolle. Müssen Banken sich aufgrund von Bonitätsverschlechterungen teurer refinanzieren, dann werden Sie versuchen, die höheren Kosten auf die Konditionen beim Neuabschluss abzuwälzen. Auch könnten Banken zwischen Kreditnehmern mit besseren und schlechteren Bonitäten unterscheiden und den schlechteren bei Neuabschluss deutlich höhere Zinsen verrechnen.

In Deutschland planen die Marktaufseher bereits höhere Kapitalpuffer auf Immobilienkredite einzuführen und auch in Österreich sind restriktivere aufsichtsrechtliche Schritte vorgesehen, um einer Immobilienblase vorzubeugen.

Auf der anderen Seite beginnt die einst V-förmige Konjunkturerholung im Euroraum abzukühlen, während die Inflationsrate in den USA im Dezember 2021 mit 7 % den höchsten Wert seit 1982 erreichte und im Euroraum mit 5 % einen neuen Rekordwert markierte. Unter Inflationsaspekten ist es somit nicht verwunderlich, dass die zehnjährigen US-Staatsanleihenrenditen am 18. Jänner 2022 mit über 1,86 % den höchsten Wert seit zwei Jahren erreichten. Im Euroraum erreichten die 20-Jahres-EUR-Swapsätze mit 0,61 % den höchsten Stand seit Oktober 2021.

Allerdings stellen Warenknappheiten, Lieferengpässe, möglicherweise überzogene Lohnrunden (Lohn-Preis-Spirale) Risiken dar, die vor allem schnell am langen Ende zu Zinsanstiegen führen können.

Lesen Sie mehr in unserem Ratgeber zum Thema aktueller Zinssätze

Aktuelle Kreditzinsen & Zinssätze in Österreich


Zinsentwicklung bei der Immobilienfinanzierung

Bei Immobilienfinanzierungen muss man zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen unterscheiden: Bei einem langfristigen Zinssatz handelt es sich um einen Zinssatz, der über einen längeren Zeitraum (5-30 Jahre) angewendet wird. Kurzfristige Zinssätze beziehen sich meist auf eine Laufzeit von bis zu 12 Monaten. Damit verbundene Finanzierungen gelten daher als variable Kredite und werden laufend angepasst.

Die kurzfristigen Zinsen blieben im Euroraum heuer noch weiter niedrig, da die EZB nicht will, dass die Zinsen der Konjunktur vorauseilen. Eine diesbezügliche Aussage der EZB-Chefin, Christine Lagarde, zeigte offensichtlich bis heute Wirkung. Anders verhalten sich die Zinsen am langen Ende, sprich 10- bis 30-jährige EUR-Swapsätze. Während die Euriborsätze von der EZB relativ gut gesteuert werden können, sofern es keinerlei Verwerfungen am Interbanken-Geldmarkt gibt, ist das Pricing am langen Ende ein wesentlich komplexerer Prozess:

Faktoren sind hier Zins- und Inflationserwartungen, Entwicklung der Bonität von Banken und Staaten (Wie agieren die Rating-Agenturen?), aktuelle Konjunktur- und Inflationsdaten sowie die Ausgänge von Staatsanleihen-Auktionen. Diese Faktoren trieben zuletzt am langen Ende in den USA und Europa die Kapitalmarktzinsen nach oben, während Australien, Neuseeland, Russland sowie diverse Länder Osteuropas bereits steigende Leitzinsen aufwiesen. In Europa wird eine Leitzinswende wohl noch länger dauern, eventuell bis 2024. Doch bis dahin kann es bereits zu einem schrittweisen Anstieg der Euribor-Sätze kommen, vor allem dann, wenn sich die negativen Einlagenzinssätze der EZB in Richtung Null normalisieren.

Haben Sie derzeit einen Kredit mit variablen Zinsen, können Sie das aktuell noch sehr niedrige Fixzinsniveau nutzen, um Ihren Kredit gegen zukünftige Zinssteigerungen abzusichern. Die beste Möglichkeit dafür ist ein Wechsel auf einen Fixzinskredit.

Info

Variable Finanzierungen an Verbrauchern müssen an einen Indikator gebunden sein, der von der Bank anzugeben ist. Die getroffene Zinsvereinbarung kann bis zum Ablauf der Finanzierung vom Kreditgeber nicht einseitig geändert werden. Gegen negative Marktentwicklungen z. B. einen kräftigen Zinsanstieg, kann sich ein Kreditnehmer jedoch nur durch Abschluss einer Zinsabsicherung schützen, wie zum Beispiel mit einer Fixzinsvereinbarung. Der Kreditzins wird dann auf eine Laufzeit von 5-30 Jahren fixiert.

Zinsen berechnen: Das sollten Sie wissen

Möchten Sie Ihre Zinsen selbst berechnen, kann dies unter Umständen ein schwieriges Verfahren werden: Viele Daten, die für die Berechnung nötig sind, stehen Privatpersonen vor dem ersten Gespräch mit der Bank nämlich gar nicht zur Verfügung.

Gut, dass es unseren Infina Zinsrechner gibt. Berechnen Sie kostenlos Ihre Zinsen und ersparen Sie sich damit unnötiges Kopfzerbrechen:

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Die Zinsentwicklung in Europa

Die Corona-Krise hat einen reifen Konjunkturzyklus mit solidem Wachstum und zu erwartenden (weiteren) Leitzinserhöhungen in den USA und im weiteren Verlauf auch in Europa abrupt beendet. Nachdem Staaten und Notenbanken den Lockdown-Folgen mit billionenschweren Programmen weltweit entgegenwirkten und mit der Lockerung der Seuchenbekämpfungsmaßnahmen eine Wiederbelebung des Dienstleistungssektors eingesetzt hatte, trifft nun plötzlich eine starke Nachfrage auf ein durch Lieferkettenunterbrechungen begrenztes Angebot. Die Folge sind Lieferverzögerungen, Teuerung, Personalmangel, etc.. Die US-Inflation ist mit 7,0 % im Dezember 2021 (40-Jahres-Hoch) für kritische Betrachter bereits „außer Kontrolle“, während jene in Europa mit 5,0 % ebenfalls kritisch zu betrachten ist. Dass die EZB im Jahr 2022 nicht nur ihr Pandemie-Anleihenaufkaufprogramm, sondern auch das reguläre Vermögensaufkaufprogramm (Asset-Purchasing-Programm) ab Oktober auf monatlich 20 Mrd. EUR drosselt, deutet auch in unseren Breiten auf eine gewisse Handlungsbereitschaft der Notenbanker hin.

Deshalb sollten Kreditnehmer sich vor allem über langjährige Fixzinsbindungen das aktuell niedrige Zinsniveau einfrieren, denn weitere Zinsanstiege kommen so sicher wie das Amen im Gebet.


Langfristige Zinsprognose: Was kann passieren?

Prognose der Zinsentwicklung bis 2023

Zwei Kräfte ziehen an der Weltwirtschaft. Die eine Kraft ist die Konjunkturabkühlung, welche vor allem in China und Europa spürbar wurde, während in den USA eine Konsolidierung des privatwirtschaftlichen Aktivitätsniveaus auf hohen Niveau stattfindet. Generell sind Treibstoffe und fossile Brennstoffe knapp, während schlechte Witterungsbedingungen in Europa und den USA zu einer stärkeren Abhängigkeit von Kohle und Erdgas führten. Eine regelrechte Kohle- und  Energiekrise führte im Herbst zwischenzeitlich zu einer Stagnation der Industrieproduktion und war mitverantwortlich dafür, dass sich Chinas BIP-Wachstum im vierten Quartal auf 4 % abgekühlt hat. Mit einer Beschleunigung des Inflationstrends zur Jahreswende nahm am langen Ende der Zinsdruck zu und die Futuresmärkte begannen in den USA eine unmittelbare Leitzinserhöhung der Fed einzupreisen – also noch vor dem Ende der Anleihenaufkäufe – eine äußerst sonderbare Konstellation. Mindestens drei Leitzinsanhebungen soll es in 2022 voraussichtlich in den USA geben und bis Jahresende werden von den Marktteilnehmern 100 bis 125 Basispunkte an Zinsen erwartet. 

Allerdings könnte sich ein globaler Konjunkturabschwung durchsetzen, der das gesamte Geschehen überschattet und die Fed und Bank of England (hat bereits im Dezember 2021 Leitzinsen angehoben) dazu veranlassen, ihren eingeschlagenen geldpolitischen Kurs zu überdenken und für 2023 entsprechend zu korrigieren.

Die EZB stellt zwar bis Ende März 2022 ihr Pandemieprogramm ein. Weitere Schritte wären eine Drosselung des APP (Asset Purchase Programm), welches zwar bis Oktober wieder auf 20 Mrd. EUR/Monat heruntergefahren wird, aber bei Bedarf relativ schnell beendet werden könne. Ein nächster Schritt wäre dann eine Anhebung des Einlagezinses um beispielsweise 0,15 Prozentpunkte auf -0,35 %. Eine Normalisierung des Einlagenzinses auf Null wäre bereits bis Mitte 2023 denkbar. Dann wären sogar Anhebungen des Hauptrefinanzierungssatzes möglich, sofern dies die konjunkturelle Entwicklung wirklich zulässt.

Auf der Bankenseite in Österreich müssen noch die möglichen Folgen des herannahenden Regelwerks Basel IV abgewartet werden. Unabhängig von Basel IV arbeitet die FMA bereits an strengeren Vergabe-Richtlinien für Immobilienkredite. Damit soll einer Immobilienblase entgegengewirkt werden. Jedenfalls könnte alleine Basel IV eine höhere Eigenmittelunterlegung für Kredite bedeuten. Banken würden dann noch strenger als heute zwischen guten und schlechten Bonitäten differenzieren. Dann wären Immobilienkreditnehmer mit ausreichender Bonität mit höheren Risikoaufschlägen als heute konfrontiert und die Zinsspreads zwischen guten und schlechten Bonitäten würden sich ausweiten.

EZB-Prognose zur Zinsentwicklung

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss im Euroraum auf Stabilität setzen, um den Wunsch nach einer kontrollierten Inflation umsetzen zu können. Bei nachhaltiger Überschreitung des gewünschten mittelfristigen symmetrischen Inflationsziels von 2 % können die Leitzinsen angehoben werden. Doch bevor der Hauptrefinanzierungssatz eines Tages angehoben wird, werden zuerst einmal die Anleihenkäufe gedrosselt und eingestellt. Ein nächster Schritt wäre dann die Anhebung des Einlagenzinses auf Überschussreserven der Banken bei der EZB. Letzteres wäre der Auftakt steigender Euribor-Sätze. Erst dann folgt eine Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes (derzeit bei null Prozent). Nach aktueller Einschätzung wäre dies frühestens in der ersten Jahreshälfte 2023 der Fall.

Konkrete Zinsprognosen der EZB existieren nicht. Prognosen zur weiteren Leitzinsentwicklung werden nur von Dritten, also von der EZB unabhängigen Analysten, erstellt. Was es allerdings gibt und intuitiv auch ein mögliches Zinsszenario vermittelt, sind regelmäßige Inflations- und Wachstumsprognosen. Angesichts der schweren Einschätzbarkeit der Dauer der COVID-19-Pandemie und damit einhergehend der Ausnahmesituation für die Wirtschaft, sind derzeit auch für die EZB-Experten Prognosen ein schwieriges Unterfangen. Darüber hinaus muss die EZB auch noch Rücksicht auf Staatsschulden von 98 % des BIP im Euroraum nehmen, was Zinsspielräume nach oben weiter begrenzt.

Derzeit haben wir eine abschwächende Konjunkturerholung mit Nebenwirkungen, da die globalen Lieferketten noch lange nicht alle intakt sind und es auf dem Seeweg an Transportcontainern mangelt. Auch bleiben Ausbreitungsdynamik und Nachwirkungen der Corona-Omikron Variante und das Entstehen neuer Mutationen abzuwarten.

Im schlimmsten Fall droht eine weitere Lockdown-Welle mit schweren konjunkturellen Folgen. Dann würde die EZB unter Umständen ein weiteres Unterstützungsprogramm auflegen. Da zukünftig auch der Klimawandel geldpolitisch berücksichtigt wird, erscheint ein mögliches Greenbond-Aufkaufprogramm plausibel.

Die Zinsentwicklung in den nächsten 20 Jahren

Es können keine Prognosen über Zinsentwicklungen der nächsten 10 bis 20 Jahre aufgestellt werden. Die Kapitalmärkte sind viel zu beweglich. Schon kleinere Krisen können Prognosen über Nacht komplett widerlegen. In den letzten 50 Jahren hat es im Schnitt alle 7-8 Jahre eine merkliche Krisensituation an den Weltfinanzmärkten gegeben. Die letzte Wirtschaftskrise war 2008, also schon vor 13 Jahren. Nun befinden wir uns in einer neuen Krise, in der die Karten letztendlich wieder neu gemischt werden.

Baufinanzierung: Mögliche Zinsprognosen

Derzeit sind zwei Szenarien möglich. Im Falle starker Konjunktur und nachhaltiger globaler Inflation steigen zuerst einmal die Zinsen an langen Ende kräftig an, gefolgt von den Euriborsätzen wenn sich die Hinweise auf ein Handeln der EZB verdichten.

Hingegen im Falle eines erneuten Abschwungs könnte es zu neuen Unterstützungsprogrammen seitens der EZB kommen. Eine langjährige Niedrigzinsphase („Japan-Szenario“) wäre dann nicht ausgeschlossen.

Auf der Bankenseite wären zunehmend höhere Risikoaufschläge und Liquiditätskosten der Banken die größte Gefahr für steigende Zinssätze im Bereich Wohnbaufinanzierung. Die Nutzung von noch verfügbaren exzellenten Konditionen für langfristige Fixzinsbindungen sollten also unbedingt geprüft werden. Die Wohnbau-Finanz-Experten der Infina informieren Sie gerne hierzu.

Mit einer Fixzinsvereinbarung haben Sie die bestmögliche Kalkulationsbasis für Ihre monatlichen Verpflichtungen. Das ist in so unsicheren Zeiten wie diesen wichtiger denn je.

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Bildquellen:  Roman Samborskyi/ Shutterstock.com, Mabeline72/ Shutterstock.com
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Über den Autor: Mag. Harald Draxl
Position: Geschäftsführer

Meine Kreditkompetenz habe ich 1995 durch die Leitung des Gewerbekunden-Centers bei der Creditanstalt AG und seit 1997 als Baufinanzierungs-Spezialist bei der CA Baufinanzierungs-Beratung GmbH aufgebaut. Im Jahr 2002 wurde ich Gesellschafter bei der Infina und ab November 2004 in die Geschäftsführung berufen. Meine Zuständigkeit ist seither die Leitung unseres Vertriebes und der Banken-Kooperationen. Ich beschäftige mich tagtäglich mit den Entwicklungen am österreichischen Kreditmarkt, um unsere gesamte Vertriebsorganisation stets über die besten Produkte und aktuellen Zinssätze für die Kundenberatungen auf dem Laufenden zu halten.

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