Eine Immobilie oder ein anderes größeres Projekt (auch in Unternehmen) wird meist aus zwei Quellen finanziert: dem Geld der Eigentümer (dem Eigenkapital) und Krediten (dem Fremdkapital). In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wichtige zum Eigenkapital in der Betriebswirtschaftslehre und beim Wohnbau: Welche Positionen der Bilanz zählen dazu? Welche Funktion hat es? Wie viel Eigenmittel braucht man für den Wohnungskauf? Und wie sieht es mit Wohnungs- oder Hauskauf ganz ohne eigenes Kapital aus?
Eigenmittel beziehungsweise Eigenkapital sind ein wichtiger Bestandteil der Immobilienfinanzierung und können den benötigten Kreditbetrag sowie die Finanzierungskonditionen beeinflussen. Im Video erfahren Sie, was als Eigenmittel gilt, welche Vorteile ein höherer Eigenkapitalanteil bietet und worauf Sie bei der Planung Ihrer Finanzierung achten sollten.
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Das Eigenkapital ist jener Teil einer Finanzierung, der von den Eigentümern bzw. Kreditnehmern selbst bereitgestellt wird. Die Ergänzung dazu bildet das Fremdkapital – also jenes Kapital, das von Fremden ausgeliehen wird (beispielsweise einen Unternehmenskredit oder Kredit für eine Wohnbaufinanzierung).
Bei einem Unternehmen kann man dies folgendermaßen berechnen:
Gesamtvermögen – Schulden (Fremdkapital) = Reinvermögen (Eigenkapital)
Im Bereich der Immobilienfinanzierung spielt das Eigenkapital eine zentrale Rolle: Wer über ausreichend Eigenmittel verfügt, erhält meist bessere Konditionen bei der Bank. Die seit 1. August 2022 geltenden strengeren Vorgaben zum Eigenmittelanteil sind mit 30. Juni 2025 ausgelaufen.
Nach dem Auslaufen der KIM-Verordnung bleibt der Grundsatz einer nachhaltigen Kreditvergabe bestehen, wobei OeNB und FMA die weitere Anwendung der bisherigen Kriterien empfehlen. Ein neues Rundschreiben der FMA legt klare Leitlinien für Wohnimmobilienkredite fest, insbesondere zu Eigenmittelanteil, Kreditrate und Laufzeit, um auch künftig systemische Risiken frühzeitig zu erkennen und zu steuern.
Tipp: Im Folgenden widmen wir uns zuerst dem Eigenkapital im Unternehmen bzw. in der BWL. Wenn Sie sich für den Bereich der Wohnbaufinanzierung interessieren, dann können Sie hier einfach zum unteren Teil des Beitrags gelangen.
Das Gesamtkapital eines Unternehmens setzt sich aus dem Eigenkapital und dem Fremdkapital zusammen. Im Gegensatz zum Fremdkapital stehen die eigenen Mittel dem Unternehmen unbegrenzt lange zur Verfügung. Es besteht also - sofern keine spezifische Regelung vereinbart wurde - keine Verpflichtung zur Rückzahlung. Aber welche Positionen gehören nun konkret dazu und woher stammen sie?
Im betrieblichen Rechnungswesen wird das Eigenkapital (und das Fremdkapital) auf der Passivseite ausgewiesen. Diese Seite beschreibt in der Bilanz die Herkunft der Geldmittel:
Das Gesamtvermögen auf der linken Seite (zusammengesetzt aus Anlage- und Umlaufvermögen) entspricht der Summe aus Eigen- und Fremdkapital. In dieser Darstellung sieht man, dass sich das Eigenkapital in der Bilanz berechnen lässt, indem man vom Gesamtvermögen das Fremdkapital abzieht:
Nach der Vorschrift des § 224 UGB (Unternehmensgesetzbuch) setzt sich das Eigenkapital aus den folgenden Bestandteilen zusammen:
Unterschied Rücklagen zu Rückstellungen: Im Gegensatz zu den Rücklagen gehören die Rückstellungen nicht zum Eigenkapital.Es handelt sich dabei um Schulden, bei denen noch nicht ganz sicher ist, ob und wie hoch sie ausfallen. Jedoch wird mit hoher Wahrscheinlichkeit damit gerechnet, dass sie anfallen. Aus diesem Grund gehören sie zum Fremdkapital. Beispiel für eine Rückstellung ist ein laufendes Gerichtsverfahren, in welchem das eigene Unternehmen verklagt wurde.
Woher kommt das Eigenkapital eines Unternehmens nun? Zum einen natürlich aus den Finanzmitteln, die die Eigentümer bei der Gründung einbringen (also dem Nennkapital). Aber auch bei bestehenden Unternehmen kann sich das Eigenkapital noch erhöhen – zum Beispiel durch:
Je nach Gesellschaftsform gibt es gesetzliche Vorgaben dazu, wie viel eigenes Kapital bei der Gründung mindestens vorhanden sein muss. Bei einer GmbH in Österreich sind es 35.000 Euro. Das hat auch seinen guten Grund: Das Eigenkapital übernimmt einige wichtige Funktionen im Unternehmen – beispielsweise:

Je höher der Anteil des Eigenkapitals, desto besser? Bei der Finanzierung von Unternehmen trifft das tatsächlich nicht zu. Denn die Eigenfinanzierung hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Es ist daher immer zwischen Eigenmitteln und Krediten abzuwägen.
Hier ein kurzer Überblick über die positiven sowie negativen Seiten einer hohen Eigenkapitalquote:
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| positives Signal nach außen und bessere Einstufung bei Kunden, Investoren und Ratingagenturen | verringert die Eigenkapitalrentabilität (also das Verhältnis von eingesetztem Eigenkapital und erzieltem Gewinn) |
| erhöht die Kreditwürdigkeit bei Banken | Bei Hereinnahme neuer Gesellschafter (Eigenkapital) sinken Einfluss und Machtbefugnisse der bisherigen Eigentümer. |
| weniger Abhängigkeit gegenüber Gläubigern | |
| Absicherung für schlechtere Zeiten (Überschuldung ist unwahrscheinlicher) |
Doch was bedeuten die Begriffe „Eigenkapitalquote“ und „Eigenkapitalrentabilität“? Nachfolgend finden Sie eine Erläuterung hierzu sowie eine Auflistung einiger weiterer wichtiger Kennzahlen. Weiterhin wird dargestellt, wie diese berechnet werden.
Mithilfe der Höhe des Eigenkapitals lassen sich verschiedene Kennzahlen berechnen. Diese können Gläubigern, Investoren oder Ratingagenturen helfen, die wirtschaftliche Lage des Unternehmens einzuschätzen.
Hier geht es um den Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital. Eine hohe Eigenkapitalquote steht für wirtschaftliche Stabilität und signalisiert Kreditgebern ein geringes Risiko.
Die Formel zur Berechnung lautet:
Der Anlagendeckungsgrad gibt an, wie viel Prozent des Anlagevermögens durch Eigenkapital (und damit langfristig) finanziert sind. Ein hoher Anlagendeckungsgrad gilt als positiv, denn er macht es unwahrscheinlicher, dass das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten gerät.
Die Formel zur Berechnung lautet:
Die Eigenkapitalrentabilität oder Eigenkapitalrendite ergibt sich aus dem Verhältnis von Gewinn und Eigenkapital. Sie informiert also über die Verzinsung des eingesetzten Kapitals der Eigentümer.
Die Formel zur Berechnung lautet:
Als Privatperson begegnet Ihnen der Begriff „Eigenkapital“ am ehesten beim Hauskauf oder Wohnungskauf. Es handelt sich dabei um jenes Vermögen, das Sie als Käufer bei einer Investition selbst aufbringen. Häufig wird im Rahmen einer Immobilienfinanzierung auch von Eigenmitteln gesprochen.
Zum einen kann damit ein Teil des Kaufpreises bzw. der Baukosten bezahlt werden. Somit verringert sich die Kreditsumme, die Sie von der Bank ausleihen müssen. Das bedeutet beispielsweise:
Insbesondere der letzte Punkt ist nicht zu vernachlässigen: Denn je größer der Anteil ist, den die Bank finanziert (weniger Eigenmittel werden eingebracht), umso größer ist auch das Risiko für die Bank, dass der Kredit ausfällt. Für dieses Risiko will die Bank entschädigt werden und das bedeutet in der Regel höhere Zinsen.

Zum anderen kann das Vermögen bzw. Teile davon der Bank als Sicherheit dienen. Falls Sie Ihren Kredit in Österreich nicht zurückzahlen können, kann die Bank dadurch ihre offene Forderung decken. Auch dies verhilft Ihnen zu besseren Kreditkonditionen.
Es gilt also die Faustregel: Wenn Sie mehr Eigenkapital mitbringen, erhalten Sie bessere Zinskonditionen.
Bei den Eigenmitteln muss es sich nicht unbedingt um Bargeld handeln. Auch andere Vermögenswerte können herangezogen werden. Nachfolgend ein Überblick über mögliche Formen des Eigenkapitals:
Um herauszufinden, wie viel Eigenkapital Sie aufbringen können, sollten Sie zunächst eine Liste mit allen Finanzmitteln aufstellen, welche Sie besitzen. Berücksichtigen Sie dabei nicht nur das Sparkonto, sondern auch andere Vermögenswerte – die obige Liste kann Ihnen als Orientierung dienen. Bei Kapitalformen, deren Wert schwanken kann (also beispielsweise bei Wertpapieren), müssen Sie einen Risikoabschlag mit einberechnen.
Wenn Sie Ihre gesamten Vermögenswerte aufgelistet haben, sollten Sie davon einen persönlichen Notgroschen abziehen. Diese Reserve – mindestens drei Netto-Monatsgehälter – sollten Sie als Polster für Notfälle einbehalten. Die verbleibende Summe ist das verfügbare Eigenkapital für Ihre Immobilienfinanzierung.
Klar ist also: Mehr Eigenmittel sind beim Immobilienkauf immer wünschenswert. Aber wie viel Prozent Eigenkapital sollten es beim Hauskauf mindestens sein?
Als Faustregel gilt: Bei einem optimalen Finanzierungsplan stellen Sie 1/3 der Objektkosten durch eigene Mittel und die übrigen 2/3 der Kosten werden durch Bankkredit oder Wohnbauförderungen aufgebracht.
Das ist aber natürlich nur eine grobe Richtlinie. Folgende Punkte spielen ebenfalls eine Rolle beim Thema Eigenkapital:
Tipp:
Zwischen 1. August 2022 und 30. Juni 2025 galten in Österreich strengere Auflagen für Wohnbaufinanzierungen.
Wie es nach dem Auslaufen dieser Regelungen weitergeht, erfahren Sie in unserem Ratgeber:

Was aber, wenn man gar keine Eigenmittel aufbringen kann: Lässt sich eine Eigentumswohnung ganz ohne Eigenkapital finanzieren? Unter Umständen schon – aber das kommt auf ganz bestimmte Faktoren an.
Junge Kreditnehmer mit einem hohen, regelmäßigen Einkommen haben hierbei die besten Chancen. Wenn Sie der Bank anderweitige Sicherheiten anbieten können, ist das ebenfalls von Vorteil. Idealerweise haben Sie außerdem eine plausible Begründung für die fehlenden Eigenmittel.
Insgesamt ist es jedoch eher riskant, komplett eine Wohnung oder ein Haus ohne Eigenkapital zu kaufen. Nicht zuletzt müssen Sie auch lange Laufzeiten und schlechtere Kreditkonditionen (etwa höhere Zinsen) in Kauf nehmen.
Wenn Sie gar kein Eigenkapital aufbringen können, dann sollten Sie sich die Frage stellen, ob es möglicherweise zu früh für einen Immobilienkauf ist. Es könnte in diesem Fall klüger sein, zunächst einen Grundstock an Kapital anzusparen.
Sie möchten nicht so lange warten und die Sparphase überspringen? Unsere Ratgeber zeigen Ihnen die Möglichkeiten der Alternativen zum Wohnungskauf oder Hausbau auf.
In Bezug auf das Eigenkapital gilt der Grundsatz: je mehr, desto besser. Wer eine hohe Summe an Eigenmitteln aufbringen kann, profitiert von günstigen Konditionen bei der Bank. Folgende Tipps geben einige Anregungen, um das notwendige Kapital zusammenzubekommen.
1. Frühzeitige Planung der Finanzierung: Es ist sinnvoll, bereits mehrere Jahre vor dem Kauf einer Wohnung, sich Gedanken über die Finanzierung zu machen. Dadurch haben Sie ausreichend Zeit, um die notwendigen Eigenmittel anzusparen.
2. Sinnvolle Geldanlage: Um Ihr Eigenkapital effizient zu mehren, sollten Sie Ihr Geld nicht nur auf einem Sparbuch belassen, sondern auch in sinnvolle Anlageoptionen wie Aktien, Anleihen oder Fonds investieren. Wählen Sie Anlageformen, die zu Ihren persönlichen Bedürfnissen und Ihrer Risikobereitschaft passen.
3. Privatkredit von Freunden oder Familie: Ein privates Darlehen kann ein zusätzlicher Baustein sein, um das Eigenkapital aus Sicht des Kreditinstituts aufzustocken.
4. Vorzeitiges Erbe bzw. Schenkung: Vielleicht möchten Eltern oder andere Verwandte bereits zu Lebzeiten einen Teil des Erbes weitergeben – dann ist der Immobilienkauf eine günstige Gelegenheit dazu.

5. Private Pensionsversicherung genau unter die Lupe nehmen: Unter Umständen zahlen Sie monatlich mehrere hundert Euro in eine private Pensionsvorsorge ein, sodass Ihnen kaum mehr Geld zum Ansparen der Eigenmittel bleibt. In diesem Fall gilt es, die laufende Pensionsversicherung kritisch zu prüfen – denn schließlich stellt auch das Eigenheim eine Form der Altersvorsorge dar.
Egal, ob als Unternehmenseigentümer oder potenzieller Häuslbauer: Wer mehr Eigenkapital aufbringen kann, hat viele Vorteile. Denn somit ist man unabhängiger von Kreditgebern und muss weniger Zinsen zahlen. Beim Immobilienkauf sind es idealerweise ein Drittel der Gesamtkosten – aber auch mit weniger Eigenmitteln kann man einen Kredit in Österreich erhalten. Hier lohnt sich auf jeden Fall eine fachkundige Beratung durch einen Wohnbau-Finanz-Experten, um die beste Finanzierung für die eigenen Möglichkeiten zu finden.
Als Eigenmittel zählen das Barkapital in Form von Kontoguthaben oder Sparbüchern, die Rückkaufswerte von Lebensversicherungen, und Bausparguthaben. Darüber hinaus zählen auch Aktien und Wertpapiere, abbezahlte Grundstücke oder Immobilien, und Münzen oder Antiquitäten zum Eigenkapital.
Als Faustregel gilt: Bei einem optimalen Finanzierungsplan stellen Sie 1/3 der Objektkosten durch eigene Mittel und die übrigen 2/3 der Kosten werden durch Bankkredit oder Förderungen aufgebracht. Laut der KIM-V (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung) benötigten Sie zwischen Sommer 2022 und dem Auslaufen der Verordnung am 30.06.2025 mindestens 20 % der Gesamtkosten an Eigenmittel. Insgesamt gilt: Mehr Eigenkapital ist zu empfehlen, um günstiger Ihre Immobilie zu finanzieren, sowie bessere Konditionen bei der Bank zu bekommen. Ausnahmegenehmigung, die von dem finanzierenden Kreditinstitut ausgestellt werden, sind möglich.
Je mehr Eigenmittel Sie aufbringen, desto weniger Kredit bei der Bank benötigen Sie. Auch ermöglicht ein hoher Eigenmittel-Anteil geringere Zinszahlungen, kürzere Kreditlaufzeiten, geringere Rückzahlungsraten, ein geringeres Zinsänderungsrisiko, sowie bessere Konditionen bei der Bank.
Der Verkehrswert eines Grundstückes kann als Eigenmittelkapital gesehen werden. Jedoch ist zu beachten, dass das Grundstück nach dem Bauen etwa 20 % weniger Wert ist.
Wichtig ist es, die Finanzierung frühzeitig zu planen, damit Sie genügend Zeit haben, Eigenkapital anzusparen. Wenn Sie schnell zu Eigenkapital kommen wollen, kann es sinnvoll sein, Ihr Geld nicht auf einem Sparkonto zu horten, sondern Ihr Geld in risikoarme Aktien, Anleihen oder Fonds zu investieren. Aber dies ist immer mit entsprechenden möglichen Kursverlusten verbunden. Eine weitere Option ist es, einen Privatkredit von Freunden oder Familie aufzunehmen.
Unter gewissen Umständen ist das möglich. Ihre Chancen stehen am besten, wenn Sie jung sind, über ein hohes, regelmäßiges Einkommen verfügen und der Bank anderweitige Sicherheiten anbieten können. Jedoch ist eine Finanzierung ohne Eigenkapital nicht zu empfehlen, da sie mit langen Laufzeiten und schlechten Bankkonditionen rechnen müssen.
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