EURIBOR: Definition, Entwicklung und Prognosen

Euribor
Autor: Mag. Elfi Stampfl
Kategorie: Zinsen
Datum: 07.06.2024

Der EURIBOR-Zinssatz gilt als Referenzzinssatz für viele Kredite, welche in Euro vergeben werden. Dieser hat insofern auch eine hohe Bedeutung für alle Immobilienkredite in Österreich, welche neu vergeben werden, sowie teilweise auch für bestehende Finanzierungen. Dieser Beitrag erläutert Ihnen, was sich hinter dem Begriff EURIBOR verbirgt, wie hoch die aktuellen EURIBOR-Zinssätze sind und ob eine verlässliche Prognose für die Zukunft möglich ist. 

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EURIBOR: Was ist das?

Zuerst eine kurze Definition: Die Abkürzung EURIBOR steht für Euro Interbank Offered Rate. Wenn von „dem EURIBOR“ gesprochen wird, ist das übrigens nicht ganz richtig, denn tatsächlich handelt es sich nicht um einen, sondern fünf verschiedene Zinssätze.

Beim EURIBOR handelt es sich jeweils um den Durchschnitt der Zinssätze, zu denen sich ausgewählte europäische Banken mit höchster Bonität untereinander für einen festgelegten Zeitraum (1 Woche, 1 Monat usw.) unbesicherte Euro-Kredite gewähren. Ausgewählt werden die Banken vom Beratungsausschuss der Europäischen Bankenvereinigung.

Welche EURIBOR-Rates gibt es?

Abhängig vom Zeitraum, für den sich die Banken untereinander Geld leihen, werden fünf EURIBOR-Zinssätze unterschieden. Es gibt jeweils einen EURIBOR-Zinssatz für:

Viele Banken verwenden diesen Zinssatz als Referenz, um die variablen Zinsen für Kredite wie etwa Hypothekendarlehen festzulegen. Wenn Sie einen Immobilienkredit aufnehmen wollen, hat also mit großer Wahrscheinlichkeit der EURIBOR einen wesentlichen Einfluss auf die Konditionen, welche die Bank Ihnen bei variabler Verzinsung bietet.


EURIBOR aktuell

Die aktuellen EURIBOR-Rates werden jeden Tag um 11 Uhr vormittags (Mitteleuropäische Zeit) von Reuters mitgeteilt – allerdings nur an die Banken, denn seit 2014 dürfen die Werte nur mit einer Verzögerung von 24 Stunden veröffentlicht werden. Die aktuellsten EURIBOR-Stände können Sie zum Beispiel hier einsehen.

EURIBOR: Aktuelle Werte [Stand 03.06.2024]

  • EURIBOR 1 Woche: 3,828 % 
  • EURIBOR 1 Monat: 3,690 %
  • EURIBOR 3 Monate: 3,782 %
  • EURIBOR 6 Monate: 3,755 %
  • EURIBOR 12 Monate: 3,722 %

EURIBOR historisch

Grundlage der EURIBOR-Werte ist übrigens eine theoretische Beobachtung der Marktsituation. Das Gegenteil dazu ist der Euro Overnight Index Average (EONIA), der anhand von tatsächlichen Umsätzen festgelegt wird.

EURIBOR gibt es unter diesem Namen seit 1999. Auch davor gab es Referenzzinssätze, allerdings auf nationaler Ebene wie zum Beispiel die Vienna Interbank Offered Rate (VIBOR) oder die Frankfurt Interbank Offered Rate (FIBOR) bzw. Zinssätze unter anderen Bezeichnungen.

Interessanter als die Namensgebung ist aber die Entwicklung des EURIBOR-Referenzzinssatzes: 2014 und 2015 fielen die verschiedenen EURIBOR-Zinssätze zum ersten Mal unter die 0-Prozent-Marke und sank dann sogar noch weiter, was für Konsumenten letztendlich bedeutete: Kreditnehmer profitierten von den Zinsen – ganz im Gegensatz zu Menschen mit Sparvorhaben. Zwischenzeitlich ist der EURIBOR wieder deutlich im positiven Bereich.


EURIBOR: Prognose und Entwicklung

Der EURIBOR wirkt sich unter anderem auf die variablen Kreditzinsen aus. Wenn Sie einen variablen Wohnkredit aufgenommen haben, dann ist die Entwicklung des EURIBORS für Sie besonders interessant. Aber wie hat sich der EURIBOR-Zinssatz in den letzten Jahren entwickelt – und lassen sich Prognosen für die Zukunft aufstellen?

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3-Monats-EURIBOR und 6-Monats-EURIBOR

Der Begriff 3-Monats-EURIBOR bezieht sich schlicht und einfach auf den Zeitraum, in dem sich die ausgewählten Banken untereinander das Geld leihen. Die maximale Frist sind 12 Monate. Der längst laufende EURIBOR ist also der 12-Monats-EURIBOR.

Der 3-Monats-EURIBOR bzw. der EURIBOR auf 6 Monate werden deshalb oft genannt, weil diese am häufigsten verwendet werden. Darüber hinaus wird der EURIBOR außerdem für eine Woche sowie für 1 und 12 Monate ermittelt.

EURIBOR 2024 und langfristige Prognose der Zinsentwicklung

Die Entwicklung der Finanzmärkte weit voraussehen zu können, wäre zweifellos sehr praktisch. In der Realität aber ist es so gut wie unmöglich, eine EURIBOR-Prognose der Zinsentwicklung für das gesamte Jahr 2024 abzugeben. Denn selbst eine genaue Betrachtung vergangener Entwicklungen kann nicht als verlässlicher Indikator dafür gesehen werden, was vielleicht in der Zukunft passiert.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zum Beispiel, dass der EURIBOR seit 2000 immer wieder starke Schwankungen von über 5 Prozent bis unter 0 Prozent erlebt hat. All diese Entwicklungen lassen sich natürlich auch begründen – allerdings erst im Nachhinein. Nur bei kürzeren Zeiträumen ist es möglich, einigermaßen konkrete Vorhersagen zu treffen.

Das heißt nicht, dass nicht gewisse Prognosen aufgestellt werden können. Wesentlich ist hier der Zusammenhang zwischen dem Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) und den EURIBOR-Rates. Denn eine Erhöhung der EZB-Leitzinsen wirkt sich unweigerlich auf den EURIBOR aus.

Welche Entwicklung ist nun beim EZB-Leitzins zu erwarten? Nach längerem Zögern hat sich die EZB ab 2022 der Inflationsbekämpfung verschrieben und in zehn Zinsschritten (Juli, September, Oktober, Dezember 2022 sowie Februar, März, Mai, Juni, Juli und September 2023) den Leitzins auf zunächst 4,50 % angehoben und im Juni 2024 wieder auf 4,25 % reduziert. (Stand 07.06.2024). Weitere etwaige Zinsssenkungen seitens der EZB werden erst erwogen, sofern die Inflation sich wieder in Richtung 2 % entwickelt – was für einen EURIBOR etwa auf dem aktuellen Niveau sprechen würde. Der EZB-Rat hatte am 26. Oktober 2023, 14. Dezember 2023, 25. Januar 2024, 07. März 2024 sowie 11. April 2024 sich jeweils für eine Zinspause entschieden und den Leitzins zunächst unverändert gelassen. Eine kleine Absenkung um 25 Basispunkte hat er dann am 06. Juni 2024 entschieden.


Wie hat sich der EZB-Leitzins ganz aktuell entwickelt?

Und was bedeutet das für den Zinssatz meiner Finanzierung?

 



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EURIBOR-Reform

Manipulationsskandale rund um den EURIBOR und LIBOR, als Panelbanken vorgeworfen wurde, die Zinssätze zu eigenen Gunsten künstlich niedrig zu halten, führten zu einer Reform der Referenzzinssätze, die künftig höhere Mindeststandards aufweisen. Dazu zählen eine ausreichend große Datenbasis, Transparenz und ein regelmäßiges Review. Interbank Offered Rates (IBORs), zu denen auch der EURIBOR gehört, wurden bis Ende 2021 entweder reformiert oder nach und nach durch Risk Free Rates (RFRs) abgelöst. Die meisten IBORs werden deshalb seit Anfang 2022 nicht mehr veröffentlicht.

Zu den Ausnahmen zählt dabei der reformierte EURIBOR, welcher als Referenzzins erhalten bleibt. Die neue Lösung beinhaltet sowohl Markttransaktionen als auch modellierte Werte, falls es zu wenige geeignete Transaktionen für die Zinsermittlung gibt. In der Außenkondition ist der neue „Hybrid-EURIBOR“ dem bisherigen sehr ähnlich.

Wovon hängt die Zinsentwicklung ab?

Die Zinssituation lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad vorhersehen, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Entwicklung von so vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Ausschlaggebend sind zum Beispiel Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Nach der Finanzkrise 2008/09 entschied die EZB, die Zinsen zu senken, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Durch die niedrigeren Zinsen sollte – stark vereinfacht gesagt – ein Anreiz gegeben werden, mehr zu konsumieren und zu investieren. Das zeigt: Letztendlich wird der EURIBOR mit dadurch beeinflusst, wie viel Geld zur Verfügung steht.

Dabei spielen auch politische Faktoren eine große Rolle. Der Ukraine-Krieg birgt inflationären Sprengstoff, alleine schon durch Wegfall russischer Erdgaslieferungen. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der Konflikt China-Taiwan. Außerdem könnten verschiedene Nationen in eine Rezension schlittern, worauf dann auch die Notenbanken Rücksicht nehmen müssten. Unter diesen Aspekten lässt sich nicht vorhersagen, wie sich die Zinsen entwickeln werden und welche Auswirkungen dies auf die Zinssätze bei Euro-Krediten haben könnte.

Kurz und gut: Auf EURIBOR-Prognosen, die allzu weit in die Zukunft reichen, sollte man sich besser nicht bedingungslos verlassen. Denn politische und wirtschaftliche Entwicklungen lassen sich nun einmal nicht planen.

Lesen Sie mehr zur möglichen Zinsentwicklung in unserem Ratgeber

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EURIBOR und Kreditzinsen in Österreich

Ein niedriger EURIBOR-Referenzzins ist des einen Freud, des anderen Leid. Denn wer einen Kredit aufnehmen will, profitiert von günstigen Zinsen. Auf der anderen Seite sorgten niedrige Zinssätze bei vielen Sparern für Frustration: Wirklich lohnend waren Sparvorhaben in den vergangenen Jahren bezüglich eines Zinsertrags nicht mehr. Dies hat sich seit 2023 wieder geändert.

Auch in Österreich sind die Kreditzinsen aktuell immer noch auf keinem außergewöhnlichen hohen Niveau. In der Vergangenheit waren diese schon deutlich höher. Wenn Sie also mit dem Gedanken spielen, einen Immobilienkredit aufzunehmen, lohnt es sich, dies bald zu tun. Denn die Immobilienpreise in Österreich haben trotz der erheblich gestiegenen Zinsen keinen deutlichen Einbruch erlitten.

Übrigens: Genau genommen entstehen die variablen Zinsen für einen Immobilienkredit nicht allein aus dem EURIBOR. Dieser dient als Leitzins, dazu kommt aber noch der Bankenzinssatz bzw. der Bankenaufschlag. Und an dieser Stelle können Sie Ihre Kreditverzinsung positiv beeinflussen, denn geschicktes Verhandeln und gute Bonität tragen dazu bei, dass Sie bessere Konditionen bekommen.

Gemeinsam ergeben Leitzins und Bankenaufschlag den variablen Nominalzinssatz, also den Satz, den Sie als Kreditnehmer zurückzahlen. Das verdeutlicht: Der EURIBOR wirkt sich auf nahezu jeden variabel verzinsten Kredit aus, es sei denn, der Kredit orientiert sich an einem anderen Leitzins. Dementsprechend lohnt es sich, die EURIBOR-Entwicklung zu beobachten – und im Zweifelsfall lieber heute als morgen das Projekt Eigenheim mit einer noch finanziell tragbaren Immobilienfinanzierung zu realisieren.

Häufige Fragen

 

Der EURIBOR (kurz für: Euro Interbank Offered Rate) bezeichnet den Zinssatz, zu dem sich europäische Banken untereinander Geld leihen. Er dient als Referenzzinssatz für viele Finanzprodukte – unter anderem auch für die variable Verzinsung von Immobilienkrediten.

 

 

Der 3-Monats-EURIBOR steht aktuell bei 3,782 % (Stand: 03.06.2024).

 

 

Das lässt sich leider nicht voraussagen. Der 3-Monats-EURIBOR erreichte seinen bisher höchsten Stand von 5,39 % im Oktober 2008. Danach folgte eine Phase der Niedrigzinsen, bis er 2022 wieder zu steigen begann. Betrug der 3-Monats-EURIBOR im Jänner 2022 noch minus 0,57 %, so stieg er bis Mitte Mai 2024 bereits wieder auf rund 3,8 %.

 

 

Der EURIBOR dient als Referenzzinssatz für zahlreiche Finanzprodukte – unter anderem auch manche Wohnkredite. Das bedeutet: Wenn sich der EURIBOR erhöht, dann steigen auch die variablen Zinsen der bestehenden Wohnkredite.

 

 

Nein, aktuell gibt es keine Pläne, den EURIBOR abzuschaffen. Allerdings wurde er vor einigen Jahren reformiert, diese Reform wurde 2019 abgeschlossen. Der reformierte EURIBOR bleibt als Referenzzinssatz erhalten.

 

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Über den Autor: Mag. Elfi Stampfl
Position: Prokuristin

Meine Expertise im Bereich der Organisation und Ausbildung habe ich als Verwaltungsleiterin einer großen Genossenschaft in Südtirol erworben. Die Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Unternehmen war für mich die beste Schule des Lebens. Seit 2013 leite ich das Finanzierungsservice der Infina. Mein hohes Qualitätsverständnis führte zur Gründung der Infina Academy, da es mein Anspruch ist, dass unsere Wohnbau-Finanz-Experten dazu befähigt sind, die beste Finanzierungsberatung in ganz Österreich anzubieten. Zudem ist mir wichtig, unsere Kunden über die aktuelle Zinsentwicklung zu informieren. Für mich persönlich sind Ehrlichkeit und die Bereitschaft für den Kunden alles zu tun das höchste Gebot.

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