EURIBOR: Definition, Entwicklung und Prognosen

Euribor
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Autor: Mag. Peter Hrubec
Kategorie: Zinsen
Datum: 13.08.2021

Der EURIBOR-Zinssatz gilt als Referenzzinssatz für viele Kredite, welche in Euro vergeben werden. Dieser hat insofern auch eine hohe Bedeutung für alle Immobilienkredite in Österreich, welche neu vergeben werden sowie teilweise auch auf bestehende Finanzierungen. In diesem Beitrag wird erläutert, was sich hinter dem Begriff EURIBOR verbirgt. Zudem erfahren Sie, wie die EURIBOR-Werte entstehen, wie sich diese auf variabel verzinste Kredite auswirken, welche verschiedenen Laufzeiten es gibt und ob eine verlässliche Prognose für die Zukunft möglich ist.

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Definition: Was ist der EURIBOR?

Die Abkürzung EURIBOR steht für Euro Interbank Offered Rate. Wenn von „dem EURIBOR“ gesprochen wird, ist das übrigens nicht ganz richtig, denn tatsächlich handelt es sich nicht um einen, sondern fünf verschiedene Zinssätze.

Diese sind der Durchschnitt aus den Zinssätzen, zu denen sich ausgewählte europäische Banken mit höchster Bonität untereinander für einen festgelegten Zeitraumunbesicherte Euro-Kredite gewähren. Ausgewählt werden die Banken vom Beratungsausschuss der Europäischen Bankenvereinigung.

Viele Banken verwenden diesen Zinssatz als Referenz, um die variablen Zinsen für Kredite wie etwa Hypothekendarlehen festzulegen. Wenn Sie einen Immobilienkredit aufnehmen wollen, hat also mit großer Wahrscheinlichkeit der EURIBOR einen wesentlichen Einfluss auf die Konditionen, welche die Bank Ihnen bei variabler Verzinsung bietet.


EURIBOR aktuell und historisch

Die genauen EURIBOR-Werte werden jeden Tag um 11 Uhr vormittags (Mitteleuropäische Zeit) von Reuters mitgeteilt – allerdings nur an die Banken, denn seit 2014 dürfen die Werte nur mit einer Verzögerung von 24 Stunden veröffentlicht werden. Die aktuellsten EURIBOR-Stände können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Grundlage der EURIBOR-Werte ist übrigens eine theoretische Beobachtung der Marktsituation. Das Gegenteil dazu ist der Euro Overnight Index Average (EONIA), der anhand von tatsächlichen Umsätzen festgelegt wird.

EURIBOR gibt es unter diesem Namen seit 1999. Auch davor gab es Referenzzinssätze, allerdings auf nationaler Ebene wie zum Beispiel die Vienna Interbank Offered Rate (VIBOR) oder die Frankfurt Interbank Offered Rate (FIBOR) bzw. Zinssätze unter anderen Bezeichnungen.

Interessanter als die Namensgebung ist aber die Entwicklung des EURIBOR-Referenzzinssatzes: 2015 fiel der 3-Monats-EURIBOR zum ersten Mal unter die 0-Prozent-Marke und sank dann sogar noch weiter. Nach wie vor ist er auf einem historisch niedrigen Niveau, was für Konsumenten letztendlich bedeutet: Kreditnehmer profitieren von den Zinsen – ganz im Gegensatz zu Menschen mit Sparvorhaben.


Prognose: Entwicklungen beim EURIBOR

3 Monate, 6 Monate, 12 Monate oder sogar bis 2021 – wie weit kann man eigentlich die EURIBOR-Entwicklung vorhersagen und warum ist überhaupt die Rede vom 3- bzw. 6-Monats-EURIBOR? Gehen wir diesen Fragen auf den Grund!

3-Monats-EURIBOR und 6-Monats-EURIBOR

Der Begriff 3-Monats-EURIBOR bezieht sich schlicht und einfach auf den Zeitraum, in dem sich die ausgewählten Banken untereinander das Geld leihen. Die maximale Frist sind 12 Monate. Der längst laufende EURIBOR ist also der 12-Monats-EURIBOR.

Der 3-Monats-EURIBOR bzw. der EURIBOR auf 6 Monate werden deshalb oft genannt, weil diese am häufigsten verwendet werden. Darüber hinaus wird der EURIBOR außerdem für eine Woche sowie für 1, und 12 Monate ermittelt.

So und so: Wenn Sie einen (Immobilien-)Kredit mit variablen Zinsen aufnehmen möchten, sollten Sie, allerdings abhängig von Ihrem Bedarf, Möglichkeiten und Wünschen, eine kürzere Kreditlaufzeit wählen. Auf diese Weise senken Sie das Zinsänderungsrisiko. Denn je länger der Zeitraum, desto größer ist das Risiko, dass der EURIBOR und damit Ihr Zins ansteigt. Aber Achtung: Bei fixer Verzinsung wiederum ist es schlauer, sich für einen möglichst langen Zeitraum die aktuell niedrigen Zinsen zu sichern.

EURIBOR 2022 und langfristige Zinssatz-Prognosen

Die Entwicklung der Finanzmärkte weit voraussehen zu können, wäre zweifellos sehr praktisch. In der Realität aber ist es so gut wie unmöglich, eine EURIBOR-Prognose bis ins Jahr 2022 zu stellen. Denn selbst eine genaue Betrachtung vergangener Entwicklungen kann nicht als verlässlicher Indikator dafür gesehen werden, was vielleicht in der Zukunft passiert.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zum Beispiel, dass der EURIBOR seit 2000 immer wieder starke Schwankungen von über 5 Prozent bis unter 0 Prozent erlebt hat. All diese Entwicklungen lassen sich natürlich auch begründen – allerdings erst im Nachhinein. Nur bei kürzeren Zeiträumen ist es möglich, einigermaßen konkrete Vorhersagen zu treffen.

Das heißt nicht, dass nicht gewisse Vermutungen aufgestellt werden können. Die US-Notenbank erhöhte zum Beispiel bereits seit 2015 kontinuierlich die Zinsen, sodass man davon ausgehen kann, dass der europäische Zinsmarkt sich früher oder später bei Rückkehr zu Zinserhöhungen an dieser Entwicklung orientieren wird.

Die Wirtschaft verdaut gerade die schwerste Rezession seit den 30er-Jahren. Notfallprogramme und Null-Leitzinsen drücken auf die Euriborsätze, deren Rückwärtsgang immer weiter ins negative Territorium sich derzeit fortsetzt, wenn auch im „Schneckentempo“. Doch wie die Zinslandschaft in fünf Jahren aussieht, kann niemand vorhersehen.

Vielmehr ist im Einklang mit einer Erholung der Wirtschaft eine schrittweise Normalisierung des Zinsgefüges denkbar - ein Szenario, das sich aktuell infolge konjunktureller Fragezeichen (Delta-Variante von Corona) etwas verzögert.

EURIBOR-Reform

Manipulationsskandale rund um den EURIBOR und LIBOR, als Panelbanken vorgeworfen wurde, die Zinssätze zu eigenen Gunsten künstlich niedrig zu halten führten zu einer Reform der Referenzzinssätze, die künftig höhere Mindeststandards aufweisen. Dazu zählen eine ausreichend große Datenbasis, Transparenz und ein regelmäßiges Review. Interbank Offered Rates (IBORs) zu denen auch der EURIBOR gehört. Bis Ende 2021 sollen diese nun entweder reformiert oder nach und nach durch Risk Free Rates (RFRs) abgelöst werden. Die meisten IBORs werden deshalb ab Anfang 2022 nicht mehr veröffentlicht.

Zu den Ausnahmen zählt dabei der reformierte EURIBOR, welcher als Referenzzins erhalten bleibt. Die neue Lösung beinhaltet sowohl Markttransaktionen als auch modellierte Werte, falls es zu wenige geeignete Transaktionen für die Zinsermittlung gibt. In der Außenkondition ist der neue „Hybrid-EURIBOR“ dem bisherigen sehr ähnlich.

Wovon hängt die Zinsentwicklung ab?

Die Zinssituation lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad vorhersehen, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Entwicklung von so vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Ausschlaggebend sind zum Beispiel Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Nach der Finanzkrise 2008/09 entschied die EZB, die Zinsen zu senken, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Durch die niedrigeren Zinsen sollte – stark vereinfacht gesagt – ein Anreiz gegeben werden, mehr zu konsumieren und zu investieren. Das zeigt: Letztendlich wird der EURIBOR mit dadurch beeinflusst, wie viel Geld zur Verfügung steht.

Dabei spielen auch politische Faktoren eine große Rolle. Der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, geopolitische Krisen und Risiken, die Konflikte der USA mit Russland und China (Taiwan und Hongkong als Krisenherde 2021), aber auch ein Konflikt der USA mit dem Iran und ein Chaos in Afghanistan nach dem US-Truppenabzug bedeuten politischen Sprengstoff. Unter diesen Aspekten lässt sich nicht vorhersagen, wie sich Zinsen entwickeln werden und welche Auswirkungen dies auf die Zinssätze bei Euro-Krediten haben könnte.

Kurz und gut: Auf EURIBOR-Prognosen, die allzu weit in die Zukunft reichen, sollte man sich besser nicht bedingungslos verlassen. Denn politische und wirtschaftliche Entwicklungen lassen sich nun einmal nicht planen.

Ratgeber

Zinsentwicklung und Prognosen


EURIBOR und Kreditzinsen in Österreich

Der niedrige EURIBOR-Referenzzins ist des einen Freud, des anderen Leid. Denn wer einen Kredit aufnehmen will, profitiert von den günstigen Zinsen. Auf der anderen Seite sorgen die niedrigen Zinssätze bei vielen Sparern für Frustration: Wirklich lohnend sind Sparvorhaben schon seit einigen Jahren nicht mehr.

Auch in Österreich sind die Kreditzinsen aktuell immer noch sehr niedrig. Wenn Sie also mit dem Gedanken spielen, einen Immobilienkredit aufzunehmen, lohnt es sich, dies bald zu tun. Denn dass der EURIBOR eher früher als später wieder ansteigen und die Immobilienfinanzierung dadurch empfindlich teurer machen wird, ist mehr als wahrscheinlich.

Übrigens: Genau genommen entstehen die variablen Zinsen für einen Immobilienkredit nicht allein aus dem EURIBOR. Dieser dient als Leitzins, dazu kommt aber noch der Bankenzinssatz bzw. der Bankenaufschlag. Und an dieser Stelle können Sie Ihre Kreditverzinsung positiv beeinflussen, denn geschicktes Verhandeln und gute Bonität tragen dazu bei, dass Sie bessere Konditionen bekommen.

Gemeinsam ergeben Leitzins und Bankenaufschlag den variablen Nominalzinssatz, also den Satz, den Sie als Kreditnehmer zurückzahlen. Das verdeutlicht: Der EURIBOR wirkt sich auf nahezu jeden variabel verzinsten Kredit aus, es sei denn, der Kredit orientiert sich an einem anderen Leitzins. Dementsprechend lohnt es sich, die EURIBOR-Entwicklung zu beobachten – und im Zweifelsfall lieber heute als morgen das Projekt Eigenheim mit einer günstigen Immobilienfinanzierung zu realisieren!

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Über den Autor: Mag. Peter Hrubec
Position: Prokurist

Die Neugier für neue Themen, die die Finanzdienstleistung bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Bei AXA Equity & Law war ich für die Markterschließung in Österreich sowie die Einführung der betrieblichen Vorsorge zuständig. Im Anschluss daran beschäftigte ich mich als geschäftsführender Gesellschafter von Nova Portfolio Management mit innovativen Vermögensanlage-Konzepten. Seit dem Jahr 2009 bin ich als Prokurist bei Infina schwerpunktmäßig in den Bereichen Product Consulting, sowie der Vertriebs- und Bankenbetreuung verantwortlich. Darüber hinaus liegt mein Fokus auf rechtlichen Fragestellungen, die den österreichischen Kreditmarkt in Österreich betreffen sowie der Analyse von Markt- und Zinsentwicklungen.

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