EURIBOR: Definition, Entwicklung und Prognosen

Euribor
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Autor: Mag. Peter Hrubec
Kategorie: Zinsen
Datum: 07.09.2020

Der EURIBOR-Zinssatz gilt als Referenzzinssatz für viele Euro-Kredite. Hier lesen Sie, wie die EURIBOR-Werte entstehen, wie sie sich auf variabel verzinste Kredite auswirken, welche verschiedenen Laufzeiten es gibt und ob es möglich ist, eine Prognose bis 2021 anzustellen.

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Definition: Was ist der EURIBOR?

Die Abkürzung EURIBOR steht für Euro Interbank Offered Rate. Wenn von „dem EURIBOR“ gesprochen wird, ist das übrigens nicht ganz richtig, denn tatsächlich handelt es sich nicht um einen, sondern fünf verschiedene Zinssätze.

Diese sind der Durchschnitt aus den Zinssätzen, zu denen sich ausgewählte europäische Banken mit höchster Bonität untereinander für einen festgelegten Zeitraumunbesicherte Euro-Kredite gewähren. Ausgewählt werden die Banken vom Beratungsausschuss der Europäischen Bankenvereinigung.

Viele Banken verwenden diesen Zinssatz als Referenz, um die variablen Zinsen für Kredite wie etwa Hypothekendarlehen festzulegen. Wenn Sie einen Immobilienkredit aufnehmen wollen, hat also mit großer Wahrscheinlichkeit der EURIBOR einen wesentlichen Einfluss auf die Konditionen, welche die Bank Ihnen bei variabler Verzinsung bietet.


EURIBOR aktuell und historisch

Die genauen EURIBOR-Werte werden jeden Tag um 11 Uhr vormittags (Mitteleuropäische Zeit) von Reuters mitgeteilt – allerdings nur an die Banken, denn seit 2014 dürfen die Werte nur mit einer Verzögerung von 24 Stunden veröffentlicht werden. Die aktuellsten EURIBOR-Stände können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Grundlage der EURIBOR-Werte ist übrigens eine theoretische Beobachtung der Marktsituation. Das Gegenteil dazu ist der Euro Overnight Index Average (EONIA), der anhand von tatsächlichen Umsätzen festgelegt wird.

EURIBOR gibt es unter diesem Namen seit 1999. Auch davor gab es Referenzzinssätze, allerdings auf nationaler Ebene wie zum Beispiel die Vienna Interbank Offered Rate (VIBOR) oder die Frankfurt Interbank Offered Rate (FIBOR) bzw. Zinssätze unter anderen Bezeichnungen.

Interessanter als die Namensgebung ist aber die Entwicklung des EURIBOR-Referenzzinssatzes: 2015 fiel der 3-Monats-EURIBOR zum ersten Mal unter die 0-Prozent-Marke und sank dann sogar noch weiter. Nach wie vor ist er auf einem historisch niedrigen Niveau, was für Konsumenten letztendlich bedeutet: Kreditnehmer profitieren von den Zinsen – ganz im Gegensatz zu Menschen mit Sparvorhaben.


Prognose: Entwicklungen beim EURIBOR

3 Monate, 6 Monate, 12 Monate oder sogar bis 2021 – wie weit kann man eigentlich die EURIBOR-Entwicklung vorhersagen und warum ist überhaupt die Rede vom 3- bzw. 6-Monats-EURIBOR? Gehen wir diesen Fragen auf den Grund!

3-Monats-EURIBOR und 6-Monats-EURIBOR

Der Begriff 3-Monats-EURIBOR bezieht sich schlicht und einfach auf den Zeitraum, in dem sich die ausgewählten Banken untereinander das Geld leihen. Die maximale Frist sind 12 Monate. Der längst laufende EURIBOR ist also der 12-Monats-EURIBOR.

Der 3-Monats-EURIBOR bzw. der EURIBOR auf 6 Monate werden deshalb oft genannt, weil diese am häufigsten verwendet werden. Darüber hinaus wird der EURIBOR außerdem für eine Wochesowie für 1, und 12 Monate ermittelt.

So und so: Wenn Sie einen (Immobilien-)Kredit mit variablen Zinsen aufnehmen möchten, sollten Sie, allerdings abhängig von Ihrem Bedarf, Möglichkeiten und Wünschen, eine kürzere Kreditlaufzeit wählen. Auf diese Weise senken Sie das Zinsänderungsrisiko. Denn je länger der Zeitraum, desto größer ist das Risiko, dass der EURIBOR und damit Ihr Zins ansteigt. Aber Achtung: Bei fixer Verzinsung wiederum ist es schlauer, sich für einen möglichst langen Zeitraum die aktuell niedrigen Zinsen zu sichern.

EURIBOR 2022 und langfristige Zinssatz-Prognosen

Die Entwicklung der Finanzmärkte weit voraussehen zu können, wäre zweifellos sehr praktisch. In der Realität aber ist es so gut wie unmöglich, eine EURIBOR-Prognose bis ins Jahr 2022 zu stellen. Denn selbst eine genaue Betrachtung vergangener Entwicklungen kann nicht als verlässlicher Indikator dafür gesehen werden, was vielleicht in der Zukunft passiert.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zum Beispiel, dass der EURIBOR seit 2000 immer wieder starke Schwankungen von über 5 Prozent bis unter 0 Prozent erlebt hat. All diese Entwicklungen lassen sich natürlich auch begründen – allerdings erst im Nachhinein. Nur bei kürzeren Zeiträumen ist es möglich, einigermaßen konkrete Vorhersagen zu treffen.

Das heißt nicht, dass nicht gewisse Vermutungen aufgestellt werden können. Die US-Notenbank erhöhte zum Beispiel bereits seit 2015 kontinuierlich die Zinsen, sodass man davon ausgehen kann, dass der europäische Zinsmarkt sich früher oder später bei Rückkehr zu Zinserhöhungen an dieser Entwicklung orientieren wird.

Aktuell herrscht infolge von Covid-19 und der daraus resultierenden schwersten Rezession seit den 30er-Jahren eine Ausnahmesituation. Wäre es ohne Krise unter der neuen Führung der EZB durch Christina Lagarde früher oder später zu Leitzinsanpassungen nach oben gekommen, so muss sich nun auch sie den neuen Gegebenheiten fügen. Die EZB kauft massiv Anleihen und belässt den wichtigsten Leitzins auf Null.

In der Folge entwickelten sich die Euriborsätze erneut stark rückläufig, was aber keinen Garantieschein für anhaltend negative Euriborsätze in den kommenden fünf Jahren ausstellt. Vielmehr ist im Einklang mit einer Erholung der Wirtschaft eine schrittweise Normalisierung des Zinsgefüges denkbar.

Wovon hängt die Zinsentwicklung ab?

Die Zinssituation lässt sich nur bis zu einem gewissen Grad vorhersehen, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Entwicklung von so vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Ausschlaggebend sind zum Beispiel Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Nach der Finanzkrise 2008/09 entschied die EZB, die Zinsen zu senken, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Durch die niedrigeren Zinsen sollte – stark vereinfacht gesagt – ein Anreiz gegeben werden, mehr zu konsumieren und zu investieren. Das zeigt: Letztendlich wird der EURIBOR mit dadurch beeinflusst, wie viel Geld zur Verfügung steht.

Dabei spielen auch politische Faktoren eine große Rolle. Der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, geopolitische Krisen und Risiken, die Handelskrise zwischen den USA und China bzw. die Unberechenbarkeit von Donald Trumps Handelspolitik: Bei Aspekten wie diesen lässt sich nicht vorhersagen, wie sich Zinsen entwickeln werden und welche Auswirkungen das auf die Zinssätze bei Euro-Krediten haben könnte.

Kurz und gut: Auf EURIBOR-Prognosen, die allzu weit in die Zukunft reichen, sollte man sich besser nicht bedingungslos verlassen. Denn politische und wirtschaftliche Entwicklungen lassen sich nun einmal nicht planen.

Ratgeber

Zinsentwicklung und Prognosen


EURIBOR und Kreditzinsen in Österreich

Der niedrige EURIBOR-Referenzzins ist des einen Freud, des anderen Leid. Denn wer einen Kredit aufnehmen will, profitiert von den günstigen Zinsen. Auf der anderen Seite sorgen die niedrigen Zinssätze bei vielen Sparern für Frustration: Wirklich lohnend sind Sparvorhaben schon seit einigen Jahren nicht mehr.

Auch in Österreich sind die Kreditzinsen aktuell immer noch sehr niedrig. Wenn Sie also mit dem Gedanken spielen, einen Immobilienkredit aufzunehmen, lohnt es sich, dies bald zu tun. Denn dass der EURIBOR eher früher als später wieder ansteigen und die Immobilienfinanzierung dadurch empfindlich teurer machen wird, ist mehr als wahrscheinlich.

Übrigens: Genau genommen entstehen die variablen Zinsen für einen Immobilienkredit nicht allein aus dem EURIBOR. Dieser dient als Leitzins, dazu kommt aber noch der Bankenzinssatzbzw. der Bankenaufschlag. Und an dieser Stelle können Sie Ihre Kreditverzinsung positiv beeinflussen, denn geschicktes Verhandeln und gute Bonität tragen dazu bei, dass Sie bessere Konditionen bekommen.

Gemeinsam ergeben Leitzins und Bankenaufschlag den variablen Nominalzinssatz, also den Satz, den Sie als Kreditnehmer zurückzahlen. Das verdeutlicht: Der EURIBOR wirkt sich auf nahezu jeden variabel verzinsten Kredit aus, es sei denn, der Kredit orientiert sich an einem anderen Leitzins. Dementsprechend lohnt es sich, die EURIBOR-Entwicklung zu beobachten – und im Zweifelsfall lieber heute als morgen das Projekt Eigenheim mit einer günstigen Immobilienfinanzierung zu realisieren!

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Über den Autor: Mag. Peter Hrubec
Position: Prokurist

Die Neugier für neue Themen, die die Finanzdienstleistung bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Bei AXA Equity & Law war ich für die Markterschließung in Österreich sowie die Einführung der betrieblichen Vorsorge zuständig. Im Anschluss daran beschäftigte ich mich als geschäftsführender Gesellschafter von Nova Portfolio Management mit innovativen Vermögensanlage-Konzepten. Seit dem Jahr 2009 bin ich als Prokurist bei Infina schwerpunktmäßig in den Bereichen Product Consulting, sowie der Vertriebs- und Bankenbetreuung verantwortlich. Darüber hinaus liegt mein Fokus auf rechtlichen Fragestellungen, die den österreichischen Kreditmarkt in Österreich betreffen sowie der Analyse von Markt- und Zinsentwicklungen.

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