Leiht man einem anderen Geld, erhält man im Gegenzug dafür Zinsen. Diese Theorie ist soweit bekannt, aber in den letzten Jahren galten hier mitunter auch andere Bedingungen. Denn Zinsen fielen häufig ins Minus und der Gläubiger muss dann Geld an den Schuldner zahlen. Das Wort Negativzinsen wirft nun viele Fragen auf, die wir in diesem Ratgeber Artikel ausführlich beantworten: Was bedeutet das für mich persönlich? Vor allem, wenn ich einen laufenden Kredit bei der Bank habe? Wird es jetzt immer teurer? Gibt es also zusätzliche Kosten? Warum gibt es Negativzinsen?
Negativzinsen (manchmal auch „Strafzinsen“) sind das Gegenstück zu den herkömmlichen positiven Zinsen. Im Normalfall, bei positiven Zinsen, bekommt der Kreditgeber Zinszahlungen vom Kreditnehmer. Bei negativen Zinsen ist es umgekehrt: Der Kreditgeber muss die Zinsen an den Kreditnehmer zahlen.
Vom Jahr 2014 bis in das Jahr 2022 hinein war der Einlagenzins der Europäischen Zentralbank (EZB) im negativen Bereich. Das heißt, dass normale Geschäftsbanken dafür zahlen mussten, wenn sie ihr Geld bei der EZB „parken“. Aktuell liegt dieser Einlagenzins jetzt bei 2,00 Prozent (mit Wirkung seit 11.06.2025, erneut bestätigt durch die Entscheidung der EZB am 30.04.2026, Stand: 09.06.2026).
Betrifft der negative Zinssatz auch private Verbraucher? Das ist unterschiedlich: Manche Banken wollen Strafzinsen an ihre Kunden weitergeben. Sparende müssten für ihre Einlagen zahlen, Kreditnehmer hingegen profitieren. Ob Banken die Zinsen weitergeben müssen bzw. dürfen, ist immer wieder Gegenstand einer rechtlichen Debatte. Im folgenden Artikel informieren wir Sie über den aktuellen Stand in Österreich.
Negativzinsen – das Wichtigste auf einen Blick
Bei Negativzinsen muss der Gläubiger Zinsen an den Schuldner zahlen.
Seit dem 11.06.2025 beträgt der Einlagenzins der EZB 2,00 % und ist damit zwischenzeitlich weit weg von Null bzw. dem negativen Bereich.
Österreichische Sparer sind von Negativzinsen nicht betroffen: Laut einem OGH-Urteil dürfen Banken bei Sparkonten keine negativen Zinsen erheben.
Unternehmen müssen jedoch unter Umständen Negativzinsen bezahlen.
Wer einen laufenden Kredit hat, profitiert eventuell: Bei variablen Zinssätzen muss der Negativzins von dem Bankenaufschlag (Marge) abgezogen werden. Der gesamte Sollzins des Kredits kann dann bis auf 0 % sinken.
Als Folge der Negativzinsen waren bis Anfang 2022 auch Fixzinskredite in Österreich besonders günstiger. Mit einem Wechsel zu einem Fixzinskredit kann man sich als Verbraucher grundsätzlich gegen zukünftige Zinserhöhungen absichern (lesen Sie hierzu unserem Beitrag Kredit Teuerung: So bleibt Ihr Kredit leistbar).
Negativzinsen bei Kredit: Verbraucher profitieren
In den letzten Jahren war es unklar, ob sich die negativen Zinsen auch auf Immobilienkredite auswirken. Müssen Banken diese Zinssätze an ihre Kreditkunden weitergeben? Ein OGH-Urteil im Jahr 2017 schaffte Klarheit: Bei einem Kredit mit variablem Zinssatz verringert der negative Referenzzins den zu zahlenden Kreditzins (allerdings bis auf minimal 0 %).
Tipp: Auch wenn die Negativzinsphase seit 2022 vorbei ist und die Zinsen wieder deutlich im positiven Bereich liegen, ist dieses Urteil für die Aufarbeitung von Altverträgen (2015–2022) nach wie vor von zentraler Bedeutung.
Bei einem Kredit mit variablen Zinsen setzt sich der Zinssatz aus folgenden Bestandteilen zusammen: dem Referenzzinssatz (z. B. Euribor) und dem Aufschlag der Bank. Was passiert nun aber, wenn der Referenzzinssatz negativ ist? Mehrere Banken haben dann den Referenzzinssatz einfach als null gewertet und somit immer noch den vereinbarten Aufschlag kassiert.
Im Jahr 2017 kam die Frage bis an den Obersten Gerichtshof (OGH). Dort wurde entschieden: Ein negativer Referenzzinssatz muss weitergegeben werden, sodass sich der Aufschlag dadurch verkleinert. Die Bank kann also nicht den Aufschlag als Untergrenze verrechnen.
Heißt das, dass man eventuell für seinen Kredit sogar Zahlungen von der Bank bekommt? Nein, das auch wieder nicht. Denn der OGH urteilte ebenfalls: Der gesamte Sollzinssatz (Referenzzins plus Aufschlag) kann nicht unter null fallen. Im besten Fall müssen Sie als Kreditnehmer keine Zinsen für Ihren Bankkredit zahlen.
Negativzinsen: Rückzahlung mit Musterbrief vom VKI anfordern
Sie haben einen laufenden Kreditvertrag mit variablen Zinsen und Ihre Bank hat Ihnen trotz Negativzinsen den vollen Aufschlag verrechnet? Dann erhalten Sie womöglich Geld zurück! Kreditnehmer, die zu viele Zinsen gezahlt haben, haben Anspruch auf eine Rückzahlung. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat einen Musterbrief erstellt, mit dem Sie diese Rückzahlung anfordern können.
Tipp: Werfen Sie einen Blick auf Ihre alten Abrechnung: Haben sich Ihre Kreditzinsen seit Anfang 2015 geändert? Wenn sie gleichgeblieben sind, dann ist das ein Hinweis, dass sie nicht ordnungsgemäß angepasst wurden.
Negativzinsen bei einem Fremdwährungskredit
Wer einen Kredit in Schweizer Franken läuft hat, muss sich wieder mit dem Thema Negativzinsen auseinandersetzen. Nachdem der Zins für den Franken von Ende 2014 bis September 2022 jahrelang im Minus lag, gab es zwar eine kurze Phase mit positiven Zinsen. Weil die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins aber wieder auf 0,00 % heruntergeschraubt hat, ist der wichtige Referenzzins SARON aktuell erneut leicht unter die Nullmarke gerutscht (Stand: Juni 2026).
SARON steht für Swiss Average Rate Overnight. Dieser Zinssatz löste Anfang 2022 den alten Libor ab und wird als sogenannte SARON 3-Month Compound Rate für die Kreditabrechnung genutzt. Der Wechsel hatte einen guten Grund: Während der Libor nur auf Schätzungen und Befragungen von Banken basierte (und dadurch manipuliert werden konnte), beruht der SARON auf tatsächlich durchgeführten, echten Geschäften am Finanzmarkt. Er ist damit deutlich sicherer und transparenter.
Negativzinsen spielten bei Fremdwährungskrediten über viele Jahre eine große Rolle.
Für diese Fremdwährungskredite gilt in Österreich rechtlich das Gleiche wie für Euro-Kredite: Dass die Bank Ihnen Geld für den Kredit auszahlt, passiert nicht. Durch den wieder leicht negativen SARON greift für Kreditnehmer aber der beste Fall: Der Zinssatz, den Sie unterm Strich an die Bank zahlen müssen, kann bis auf 0 % sinken.
Muss ich für mein Sparguthaben Negativzinsen zahlen?
Wer einen laufenden Kredit hat, kann sich also über die negativen Zinsen freuen. Aber was ist mit der anderen Seite der Medaille: Wie sieht die Lage für das private Sparkonto aus? Muss ich Strafzinsen für mein Sparguthaben zahlen?
Die kurze Antwort: Nein, österreichische Banken dürfen keine negativen Zinsen auf private Sparkonten einführen. Allerdings gibt es da noch ein paar Zusatzpunkte zu beachten.
Österreich: keine Strafzinsen für Sparer laut OGH-Urteil
Wer ein österreichisches Sparkonto hat, muss sich nicht allzu viele Sorgen machen. Denn schon 2009 beschloss der Oberste Gerichtshof: Banken dürfen für Spareinlagen keine Nullzinsen (oder gar Negativzinsen) erheben. Denn der Zweck von Sparkonten ist laut OGH, sich ein Vermögen anzusammeln. Null- bzw. Negativzinsen würden dem widersprechen.
Wichtig: Der Schutz in Österreich gilt ausschließlich für Privatpersonen. Unternehmen und Institutionen sind von dem OGH-Urteil nicht geschützt und müssen bei hohen Einlagen tatsächlich Strafzinsen zahlen.
Deutschland im Vergleich
Ganz anders sieht die Lage aber in Deutschland aus: Viele deutsche Banken begannen während der Negativzinsphase Strafzinsen von den privaten Sparern zu verlangen. Einen großen Aufschrei gab es beispielsweise, als eine bayrische Volksbank ankündigte, bereits ab dem ersten Euro ein sogenanntes „Verwahrentgelt“ zu verrechnen.
Girokonten sind ebenso geschützt vor Negativzinsen?
Während das Verbot von Negativzinsen für klassische Sparbücher durch den OGH felsenfest steht, sah die Sache bei Giro-, Gehalts- oder Pensionskonten ganz anders aus. Ein Girokonto dient laut Gesetz dem Zahlungsverkehr und nicht dem Vermögensaufbau. Ein höchstrichterliches Urteil, das Negativzinsen explizit auch auf Girokonten verbietet, gab es bis zum Ende der Phase 2022 nicht. Verbraucherschützer befürchteten daher, dass Banken diese Lücke für Strafzinsen auf Alltagsguthaben nutzen könnten. Die Arbeiterkammer (AK) schlug damals Alarm und forderte ein gesetzliches Verbot von Negativzinsen auf Girokonten, da private Kontoinhaber andernfalls schutzlos gewesen wären.
Versteckte Zinsen in Gebühren
Nicht immer sind Strafzinsen auf den ersten Blick erkennbar: Banken vermeiden es, diesen Begriff zu verwenden. Stattdessen ist meist von „Verwahrentgelten“ die Rede. Manchmal werden die Zinsen versteckt erhoben, indem Gebühren teurer werden. Wenn also die Kontoführungs- oder Überweisungsgebühr plötzlich ansteigt, kann dies ein Hinweis auf verdeckte Strafzinsen sein.
Realzinsen: Warum das Ersparte trotzdem an Wert verlieren kann
Ein Minus auf dem Kontoauszug ist allerdings nicht der einzige Weg, wie Ersparnisse schrumpfen. Das größere Risiko für Sparer ist und bleibt die Inflation. In der Wirtschaft unterscheidet man deshalb streng zwischen dem Nominalzins und dem Realzins:
Der Nominalzins ist der Zins, den die Bank offiziell auf das Konto einzahlt.
Der Realzins ist das, was nach Abzug der Inflationsrate tatsächlich an Kaufkraft übrig bleibt.
Das führt zu einem scheinbaren Paradoxon, denn selbst wenn die Bank wieder positive Zinsen zahlt, verliert das Geld auf dem Spar- oder Girokonto an Wert, sobald die Inflation höher ist als der Zinssatz. In diesem Fall ist der Realzins negativ – das Ersparte schmilzt schleichend dahin, obwohl die Zahlen auf dem Papier steigen.
Der Hintergrund: Warum gibt es Negativzinsen?
Bis vor ca. 15 Jahren galten negative Zinsen als unmöglich – ein hypothetisches Phänomen, das in der Realität nicht auftritt. Um das Jahr 2012 traten dann erstmals negative Zinsen auf, weil skandinavische Notenbanken ihren Leitzins unter null Prozent senkten. Später zog die Europäische Zentralbank (EZB) nach. Aber warum eigentlich?
Negative Zinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln
Generell sind die Zinsen seit der Finanzkrise 2008 bis 2021 beständig zurückgegangen. Die EZB versuchte damit, die wirtschaftliche Lage anzukurbeln: Niedrige Zinsen bedeuten billiges Kapital – Unternehmen sollen zum Investieren angeregt werden und Privatpersonen zum Konsumieren.
Der Einlagenzins war ebenfalls stark gesunken: Das ist jener Zinssatz, den normale Geschäftsbanken bekommen, wenn sie der EZB Geld leihen. Ab 11. Juni 2014 lag der Einlagenzins lange im negativen Bereich, ab dem 27.07.2022 dann erstmals wieder bei 0,00 %. Seit dem 11. Juni 2025 beträgt der Einlagenzinssatz 2,00 %. Zuvor war der Zinssatz seit Sommer 2022 auf einen Höchstwert von 4,00 % gestiegen, der durch acht Senkungen um jeweils 0,25 % gesenkt wurde.
Die Banken mussten in der Phase von Negativzinsen Strafzinsen zahlen, wenn sie der EZB Geld überlassen. Das sollte als Anreiz dienen, dass Banken das Geld nicht bei der EZB „parken“. Stattdessen sollten sie Kredite zu günstigen Konditionen vergeben und so die Wirtschaft weiter angekurbelt werden.
Negative Zinsen, um die Währung abzuwerten
Ein negativer Zinssatz kann aber noch etwas anderes bezwecken: Die eigene Währung zu schwächen. Das war beispielsweise ein Hauptgrund für die Negativzinsen in der Schweiz. Der Schweizer Franken wurde immer stärker und die Schweizer Produkte dadurch teurer. Dies hatte entsprechende Auswirkungen, wenn Sie einen Schweizer Franken Kredit aufgenommen hatten.
Als Folge sanken die Exporte, deshalb wollte die dortige Zentralbank gegensteuern. Durch die negativen Zinsen wurde der Franken für ausländische Anleger unattraktiver – und der Franken dadurch abgewertet.
Fazit: Negativzinsen für Verbraucher eher positiv
Negativzinsen haben für Verbraucher durchaus auch positive Auswirkungen.
Kommen wir zu einer der entscheidendsten Frage für Verbraucher: Hat der an die EZB zu entrichtende Strafzins Auswirkungen auf den Konsumenten und wenn ja, welche? Insgesamt zeigt sich: Negativzinsen oder Nullzinsen haben für Verbraucher paradoxerweise positive Auswirkungen. Fallen die Guthabenzinsen, fallen auch die Kreditzinsen. Auf Sparguthaben wurden bislang keine Strafzinsen verhängt, denn bei Verbrauchern ist das rechtswidrig. Wer eine größere Finanzierung mit langer Kreditlaufzeit und zu günstigen Konditionen aufnimmt, profitiert somit langfristig davon.
Die EZB hat zwischenzeitlich die Phase der negativen Zinsen beendet. Die Folgen der Corona- und Ukraine-Krise haben dazu geführt, dass die EZB den Negativzinsen ein Ende gesetzt hat. Dies zur Freude der Sparer, welche zwischenzeitlich wieder deutlich höhere Zinsen für Tagesgelder, Festgelder und Spareinlagen erhalten.
Sie möchten einen Kredit mit variablen Zinsen? Wir beraten Sie gerne!
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Über den Autor: Mag. Harald Draxl
Position: Geschäftsführer
Meine Kreditkompetenz habe ich 1995 durch die Leitung des Gewerbekunden-Centers bei der Creditanstalt AG und seit 1997 als Baufinanzierungs-Spezialist bei der CA Baufinanzierungs-Beratung GmbH aufgebaut. Im Jahr 2002 wurde ich Gesellschafter bei der Infina und ab November 2004 in die Geschäftsführung berufen. Meine Zuständigkeit ist seither die Leitung unseres Vertriebes und der Banken-Kooperationen. Ich beschäftige mich tagtäglich mit den Entwicklungen am österreichischen Kredit- und Immobilienmarkt, um unsere gesamte Vertriebsorganisation stets über die besten Produkte und aktuellen Zinssätze für die Kundenberatungen auf dem Laufenden zu halten.
Das Hypothekar- und Immobilienkreditgesetz (HIKrG) trat mit 21.03.2016 in Umsetzung der europäischen Wohnimmobilienkreditrichtlinie in Österreich in Kraft.
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