Der 12-Monats-Euribor ist einer der Geldmarktzinssätze, die bestimmen, wie hoch der Zins ist, den Banken bezahlen, wenn sie sich Geld von anderen Instituten ausleihen. Beeinflusst wird dieser Zins von Angebot und Nachfrage und den Leitzinsen der EZB. Vor allem bei Bausparkassendarlehen ist dieser Zinssatz relevant.
Was ist der 12-Monats-Euribor?
Der 12-Monats-Euribor ist ein wichtiger Geldmarktzinssatz. Er ist eine Orientierungsgröße für den Zins, den Bausparkassen am Geldmarkt für eine kurzfristige Refinanzierung bezahlen. Finanzinstitute verleihen Geld zu diesem Zins plus Risikoaufschlägen untereinander, und an Hypothekarkreditschuldner für Wohnbauzwecke. Umgekehrt können Banken und Versicherungen auch variabel verzinste Anleihen auf 12-Monats-Euribor-Basis emittieren, um damit ihre Kreditgeschäfte zu refinanzieren.
12-Monats-Euribor: aktueller Zinssatz [Stand 08.06.2026]
Per 08. Juni liegt der 12-Monats-Euribor bei 2,816 %.
12-Monats-Euribor 2024/2025/2026: Entwicklung der letzten Monate
Seit 2023 hat der 12-Monats-Euribor eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Im Oktober 2023 erreichte der Zinssatz mit bis zu 4,198 % einen Höchststand, was auf die straffe Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zur Bekämpfung der hohen Inflation zurückzuführen war. Im Laufe des Jahres 2024 setzte eine Stabilisierung und anschließend ein gradueller Rückgang ein. Im März 2024 lag der 12-Monats-Euribor bei rund 3,75 %. Auch 2025 setzte sich der Rückgang zunächst fort. Hintergrund waren mehrere Leitzinssenkungen der EZB infolge der rückläufigen Inflation im Euroraum. Im Jahr 2026 zeigte sich der 12-Monats-Euribor wieder fester. Grund dafür waren veränderte Zinserwartungen, nachdem die EZB im Juni 2026 ihre Leitzinsen erstmals seit 2023 wieder leicht anhob.
Diese Entwicklung zeigt, dass der 12-Monats-Euribor nicht nur auf aktuelle Leitzinsen reagiert, sondern auch auf die Erwartungen der Märkte zur künftigen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Der Rückgang seit den Spitzenwerten im Jahr 2023 reflektiert zwar die Entspannung bei der Inflation, die jüngste Entwicklung zeigt jedoch, dass der weitere Verlauf datenabhängig bleibt.
Hartnäckige Kerninflation
Trotz rückläufiger Gesamtinflation zeigte sich die Kerninflation im Euroraum über weite Strecken weiterhin vergleichsweise hartnäckig. Insbesondere Dienstleistungen und lohngetriebene Preissteigerungen sorgten dafür, dass die Inflation langsamer zum EZB-Ziel zurückkehrte als ursprünglich erwartet. Zwar leitete die Europäische Zentralbank inzwischen mehrere Leitzinssenkungen ein, dennoch bleiben die Leitzinsen im historischen Vergleich weiterhin auf erhöhtem Niveau.
12-Monats-Euribor als Weichensteller vor dem 3-Monats-Euribor
Am 08.06.2026 verzeichnete der 12-Monats-Euribor einen Wert von 2,816 %, während der 3-Monats-Euribor bei 2,351 % lag. Diese Zahlen verdeutlichen, wie der 12-Monats-Euribor längerfristige Markterwartungen abbildet, im Gegensatz zum 3-Monats-Euribor, der stärker auf kurzfristige Zinsänderungen reagiert. Der Umstand, dass der 12-Monats-Euribor über dem 3-Monats-Euribor liegt, deutet auf eine leicht positive Zinsstrukturkurve hin und signalisiert, dass der Markt zu diesem Zeitpunkt eher von stabilen bis leicht höheren Zinsen im längeren Laufzeitenbereich ausging.
12-Monats-Euribor: Zeitreihe seit 1999
Die Zeitreihe des 12-Monats-Euribor seit 1999 zeichnet eine erhebliche Berg- und Talfahrt nach. Der Rückgang von über 5 % zu Beginn des Jahrtausends bis auf eine Talsohle von knapp über 2 % spiegelte die damalige Rezession und das Platzen der Dotcom-Blase wider. Anschließend stand der Anstieg wieder im Einklang mit einer besseren Konjunkturentwicklung in Richtung 5 %. Der Lehman-Schock im Herbst 2008 führte mit Werten von rund 5,5 % zu einer deutlichen Stressreaktion an den Interbankenmärkten, ausgelöst durch die damalige Liquiditätskrise. Es folgte eine lange Phase des Krisenmodus, in der die Zentralbanken mit Zinssenkungen und massiven Anleihekäufen reagierten, die während der Corona-Krise 2020 nochmals intensiviert wurden. Ein Inflationsschock durch Lieferkettenunterbrechungen und den Ukraine-Krieg führte schließlich ab 2022 zu deutlichen Leitzinserhöhungen, die sich auch im Euribor widerspiegelten.
Zu dieser historischen Entwicklung kommen die aktuellen geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Erwartungen für den Euribor maßgeblich beeinflussen. Nach mehreren Leitzinssenkungen in den Jahren 2024 und 2025 hat die EZB im Juni 2026 wieder eine leichte Zinserhöhung beschlossen. Das zeigt, dass die weitere Entwicklung des 12-Monats-Euribor weiterhin stark von Inflationserwartungen, Konjunkturdaten und der geldpolitischen Ausrichtung der Europäischen Zentralbank abhängt.
Marktanomalie Negativzins
Die historische Entwicklung des 12-Monats-Euribor zeigte in den vergangenen zehn Jahren etwas auf, was lange kaum vorstellbar war: Negativzinsen. Der 12-Monats-Euribor lag von Februar 2016 bis April 2022 zeitweise unter null. Damit wurde Geld am Interbankenmarkt rechnerisch nicht nur sehr günstig, sondern phasenweise zu negativen Referenzzinssätzen gehandelt. Diese außergewöhnliche Situation endete 2022, als die hohe Inflation und die darauf folgenden Leitzinserhöhungen eine deutliche Zinswende einleiteten.
Das Ende der Nullzinsära
Lange prognostizierten Experten eine Zinswende, die dann erst 2022 eintrat, dafür aber mit hoher Geschwindigkeit. Der starke Anstieg des 12-Monats-Euribor in den Jahren 2022 und 2023 zeigte deutlich, dass die Ära der Nullzinspolitik beendet war. Nach den Zinssenkungen der Jahre 2024 und 2025 blieb das Zinsniveau zwar niedriger als auf dem Höhepunkt der Inflationsphase, aber weiterhin klar über dem Niveau der Nullzinsjahre. Die jüngste Entwicklung zeigt, dass kleinere Zinsschwankungen normal bleiben und der weitere Verlauf datenabhängig ist.
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