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12-Monats-Euribor: aktuell und historische Entwicklung

Der 12-Monats-Euribor ist einer der Geldmarktzinssätze, die bestimmen, wie hoch der Zins ist, den Banken bezahlen, wenn sie sich Geld von anderen Instituten ausleihen. Beeinflusst wird dieser Zins von Angebot und Nachfrage und den Leitzinsen der EZB. Vor allem bei Bausparkassendarlehen ist dieser Zinssatz relevant.

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Das Wichtigste im Überblick: 12-Monats-Euribor

  • Der 12-Monats-Euribor ist ein Geldmarktzinssatz und dient als Orientierungsgröße für den Zins, den Bausparkassen am Geldmarkt für eine kurzfristige Refinanzierung bezahlen.
  • Finanzinstitute verleihen Geld zu12-Monats-Euribor plus Risikoaufschlägen untereinander und an Hypothekarkreditschuldner für Wohnbauzwecke.
  • Der aktuelle 12-Monats-Euribor beträgt per 08.06.2026: 2,816%.
  • Für private Kreditkunden ist der 12-Monats-Euribor vor allem bei Bausparverträgen und Bausparfinanzierungen relevant: Beim Bauspardarlehen zahlen Konsumenten im Rahmen der Zinsbandbreite grundsätzlich 12M-Euribor plus Aufschlag, sofern keine Fixzinsbindung genutzt wird.
  • Am 08.06.2026 lag der 12-Monats-Euribor (2,816 %) über dem 3-Monats-Euribor (2,351 %); das deutet auf eine leicht positive Zinsstrukturkurve hin und zeigt längerfristige Markterwartungen.

Was ist der 12-Monats-Euribor?

Der 12-Monats-Euribor ist ein wichtiger Geldmarktzinssatz. Er ist eine Orientierungsgröße für den Zins, den Bausparkassen am Geldmarkt für eine kurzfristige Refinanzierung bezahlen. Finanzinstitute verleihen Geld zu diesem Zins plus Risikoaufschlägen untereinander, und an Hypothekarkreditschuldner für Wohnbauzwecke. Umgekehrt können Banken und Versicherungen auch variabel verzinste Anleihen auf 12-Monats-Euribor-Basis emittieren, um damit ihre Kreditgeschäfte zu refinanzieren.


12-Monats-Euribor: aktueller Zinssatz [Stand 08.06.2026]

Per 08. Juni liegt der 12-Monats-Euribor bei 2,816 %.


Euribor 12-Monate (Euribor 12M): Bedeutung für private Kreditkunden

Der 12-Monats-Euribor kommt bei Banken seltener als Indikator zum Einsatz als bei Bausparkassen. Er ist aber bei Förderkrediten für Unternehmen ein geläufiger Indikator. Bei Bausparverträgen und Bausparfinanzierungen hingegen betrifft der Euribor 12M ausschließlich Konsumenten, die im Falle eines Bauspardarlehens im Rahmen der Zinsbandbreite diesen Zins plus einen Aufschlag zahlen, sofern sie nicht eine Fixzinsbindung in Anspruch nehmen.

Tipp: Lesen Sie mehr zum Thema in unseren Ratgebern: EURIBOR: Definition, Entwicklung und Prognosen und 3-Monats-EURIBOR: aktuelle und historische Entwicklung.


12-Monats-Euribor 2024/2025/2026: Entwicklung der letzten Monate

Seit 2023 hat der 12-Monats-Euribor eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Im Oktober 2023 erreichte der Zinssatz mit bis zu 4,198 % einen Höchststand, was auf die straffe Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zur Bekämpfung der hohen Inflation zurückzuführen war. Im Laufe des Jahres 2024 setzte eine Stabilisierung und anschließend ein gradueller Rückgang ein. Im März 2024 lag der 12-Monats-Euribor bei rund 3,75 %. Auch 2025 setzte sich der Rückgang zunächst fort. Hintergrund waren mehrere Leitzinssenkungen der EZB infolge der rückläufigen Inflation im Euroraum. Im Jahr 2026 zeigte sich der 12-Monats-Euribor wieder fester. Grund dafür waren veränderte Zinserwartungen, nachdem die EZB im Juni 2026 ihre Leitzinsen erstmals seit 2023 wieder leicht anhob.

Diese Entwicklung zeigt, dass der 12-Monats-Euribor nicht nur auf aktuelle Leitzinsen reagiert, sondern auch auf die Erwartungen der Märkte zur künftigen Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Der Rückgang seit den Spitzenwerten im Jahr 2023 reflektiert zwar die Entspannung bei der Inflation, die jüngste Entwicklung zeigt jedoch, dass der weitere Verlauf datenabhängig bleibt.

Hartnäckige Kerninflation

Trotz rückläufiger Gesamtinflation zeigte sich die Kerninflation im Euroraum über weite Strecken weiterhin vergleichsweise hartnäckig. Insbesondere Dienstleistungen und lohngetriebene Preissteigerungen sorgten dafür, dass die Inflation langsamer zum EZB-Ziel zurückkehrte als ursprünglich erwartet. Zwar leitete die Europäische Zentralbank inzwischen mehrere Leitzinssenkungen ein, dennoch bleiben die Leitzinsen im historischen Vergleich weiterhin auf erhöhtem Niveau.

12-Monats-Euribor als Weichensteller vor dem 3-Monats-Euribor

Am 08.06.2026 verzeichnete der 12-Monats-Euribor einen Wert von 2,816 %, während der 3-Monats-Euribor bei 2,351 % lag. Diese Zahlen verdeutlichen, wie der 12-Monats-Euribor längerfristige Markterwartungen abbildet, im Gegensatz zum 3-Monats-Euribor, der stärker auf kurzfristige Zinsänderungen reagiert. Der Umstand, dass der 12-Monats-Euribor über dem 3-Monats-Euribor liegt, deutet auf eine leicht positive Zinsstrukturkurve hin und signalisiert, dass der Markt zu diesem Zeitpunkt eher von stabilen bis leicht höheren Zinsen im längeren Laufzeitenbereich ausging.


12-Monats-Euribor: Zeitreihe seit 1999

Die Zeitreihe des 12-Monats-Euribor seit 1999 zeichnet eine erhebliche Berg- und Talfahrt nach. Der Rückgang von über 5 % zu Beginn des Jahrtausends bis auf eine Talsohle von knapp über 2 % spiegelte die damalige Rezession und das Platzen der Dotcom-Blase wider. Anschließend stand der Anstieg wieder im Einklang mit einer besseren Konjunkturentwicklung in Richtung 5 %. Der Lehman-Schock im Herbst 2008 führte mit Werten von rund 5,5 % zu einer deutlichen Stressreaktion an den Interbankenmärkten, ausgelöst durch die damalige Liquiditätskrise. Es folgte eine lange Phase des Krisenmodus, in der die Zentralbanken mit Zinssenkungen und massiven Anleihekäufen reagierten, die während der Corona-Krise 2020 nochmals intensiviert wurden. Ein Inflationsschock durch Lieferkettenunterbrechungen und den Ukraine-Krieg führte schließlich ab 2022 zu deutlichen Leitzinserhöhungen, die sich auch im Euribor widerspiegelten.

Zu dieser historischen Entwicklung kommen die aktuellen geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Erwartungen für den Euribor maßgeblich beeinflussen. Nach mehreren Leitzinssenkungen in den Jahren 2024 und 2025 hat die EZB im Juni 2026 wieder eine leichte Zinserhöhung beschlossen. Das zeigt, dass die weitere Entwicklung des 12-Monats-Euribor weiterhin stark von Inflationserwartungen, Konjunkturdaten und der geldpolitischen Ausrichtung der Europäischen Zentralbank abhängt.

Marktanomalie Negativzins

Die historische Entwicklung des 12-Monats-Euribor zeigte in den vergangenen zehn Jahren etwas auf, was lange kaum vorstellbar war: Negativzinsen. Der 12-Monats-Euribor lag von Februar 2016 bis April 2022 zeitweise unter null. Damit wurde Geld am Interbankenmarkt rechnerisch nicht nur sehr günstig, sondern phasenweise zu negativen Referenzzinssätzen gehandelt. Diese außergewöhnliche Situation endete 2022, als die hohe Inflation und die darauf folgenden Leitzinserhöhungen eine deutliche Zinswende einleiteten.

Das Ende der Nullzinsära

Lange prognostizierten Experten eine Zinswende, die dann erst 2022 eintrat, dafür aber mit hoher Geschwindigkeit. Der starke Anstieg des 12-Monats-Euribor in den Jahren 2022 und 2023 zeigte deutlich, dass die Ära der Nullzinspolitik beendet war. Nach den Zinssenkungen der Jahre 2024 und 2025 blieb das Zinsniveau zwar niedriger als auf dem Höhepunkt der Inflationsphase, aber weiterhin klar über dem Niveau der Nullzinsjahre. Die jüngste Entwicklung zeigt, dass kleinere Zinsschwankungen normal bleiben und der weitere Verlauf datenabhängig ist.


12-Monats-Euribor: Prognose und Ausblick

Eine Prognose für den 12-Monats-Euribor ist herausfordernd. Es ist leichter den EZB-Leitzins und mit ihm korrelierende kurzfristige Geldmarktzinssätze zu prognostizieren als einen bereits fast mittelfristigen Zins, welcher den Leitzinsen vorauseilt. Aktuell liegt der 12-Monats-Euribor um knapp 20 Basispunkte über dem 3-Monats-Euribor, was auf eine flache, aber nicht inverse Zinskurve hindeutet. Nachdem sich das BIP-Wachstum im Euroraum im dritten und vierten Quartal 2023 mit 0,1 % nur knapp über dem Rezessionsniveau befand, ist die Rezessionsgefahr noch nicht gebannt. Fakt ist, dass in der Vergangenheit inverse Zinskurven sehr häufig vor dem Beginn einer neuen Rezession aufschienen. Doch im Verlaufe der Rezession normalisiert sich dann in der Regel die Zinskurve wieder. Dieses Mal könnten Rückgänge der kurzfristigen Zinsen leichten Anstiege am langen Ende gegenüberstehen. Der 12-Monats-Euribor würde dabei wohl eher gleichbleiben. Doch die konkrete Entwicklung hängt von den weiteren Inflations- und Konjunkturentwicklungen ab.

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Über den Autor: Hagen Luckert
Position: Geschäftsführer

Meine gesamte berufliche Laufbahn habe ich im Kreditbereich verbracht. Zunächst im Sparkassen- sowie im Großbankensektor in Deutschland. Nach Leitung der Business-Unit Kreditstrategie- und Organisation in einem großen Beratungsunternehmen war ich als Geschäftsführer einer Kreditfabrik tätig. Im Anschluss daran wurde ich als Vorstand in einem Softwareunternehmen für künstliche Intelligenz im Bankenbereich berufen und habe 2019 in die Geschäftsführung von Infina gewechselt. Die ständige Recherche, strukturierte Aufbereitung sowie verständliche Veröffentlichung von allen Fragestellungen rund um das Kreditgeschäft gehören zu den wesentlichen Schwerpunktsetzungen meiner Funktion.

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