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Zum 11. Juni 2025 senkte die Europäische Zentralbank (EZB) letztmals und zum achten Mal seit 2024 die Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Solche Zinssenkungen führen normalerweise dazu, dass Kredite günstiger werden. Doch aufgrund der Veränderung von einer flachen Zinskurve in zwischenzeitlich wieder eine normale Zinskurve gestaltet sich die Situation differenzierter. In diesem Ratgeber werden die Auswirkungen der EZB-Zinssenkung auf Wohnbau- und Immobilienfinanzierungen erläutert sowie ein Ausblick auf die künftige Zinsentwicklung gegeben.

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Das Wichtigste im Überblick

  • Nach einer Leitzinssenkung sinken die Zinssätze für variable bestehende Wohnbaufinanzierungen üblicherweise erst mit Verzögerung, zum nächsten Anpassungstermin (in den meisten Fällen bei Banken alle 3 Monate, bei Bausparkassen alle 12 Monate).
  • Der EZB-Rat sieht derzeit Gefahren eines erneuten Inflationsanstiegs aufgrund des Iran-Konflikts, was deutlich gegen weitere Leitzinssenkungen spricht. In Abhängigkeit der Inflationsentwicklung ist aktuell eher von steigenden Leitzinsen auszugehen.
  • Entscheidungen über den geldpolitischen Kurs sollen datenbasiert und jeweils von Sitzung zu Sitzung getroffen werden, ein fester Zinspfad wird nicht vorgegeben.
  • In einer Phase der Leitzinssenkungen bieten Kredite mit festem Zinssatz Sicherheit für die weitere persönliche Finanzierungsplanung, wenn sie noch vertretbar teurer sind als solche mit variablen Zinssatz. 

Jüngere Entwicklung bei den EZB-Leitzinsen

Vom 21. Juli 2022 bis zum 14. September 2023 erhöhte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre drei Leitzinsen in 10 Schritten um insgesamt 4,5 Prozent. Danach folgte ab Sommer 2024 eine Lockerungsphase, in der die EZB die Zinsen bis zum 11. Juni 2025 in acht Schritten um insgesamt ca. 2,00 Prozentpunkte senkte, was sich damals auch in deutlich sinkenden Geldmarktzinsen widerspiegelte.

Nach einer anschließenden einjährigen Phase der Zinskonstanz hat der EZB-Rat im Juni 2026 die Zinsen aufgrund neuer Inflationsrisiken wieder um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Die Leitzinsen liegen aktuell bei 2,40 % (Hauptrefinanzierungssatz), 2,65 % (Spitzenrefinanzierungssatz für kurze Überbrückungen) und 2,25 % (Einlagefazilität bzw. Einlagezins für Banken bei EZB).


Was bedeutet eine Zinssenkung der EZB für die Immobilienfinanzierung?

Grundsätzlich führen Zinssenkungen der EZB dazu, dass die Refinanzierungskosten der Banken sinken, was historischen Aufzeichnungen nach auch Immobilienkredite günstiger macht. So sank der überwiegend verwendete Referenzzinssatz für variabel verzinste Immobilienkredite, der 3-Monats-Euribor, im Zuge der acht Leitzinssenkungen bis Juni 2025 im Vorfeld von ca. 4 % im Oktober 2023 auf rund 2 % ab. Je nach Kreditvertrag bedeuteten diese Rückgänge eine spürbare Zinssenkung bei laufenden Immobilienfinanzierungen.

Senkungen bei den Konditionen erfolgen meist sukzessive vor der tatsächlichen Leitzinssenkung bei neuen Immobilienfinanzierungen mit variablem Zinssatz, bei bestehenden Finanzierungen mit variabler Verzinsung erfolgt dann eine Reduzierung zum nächsten Zinsanpassungstermin. Eine Leitzinssenkung hat jedoch keine Auswirkungenauf bestehendeWohnbaufinanzierungen mit Fixzinssatz. Für neue Wohnbaufinanzierungen werden diese bei einer sich normalisierenden inversen Zinskurve eher teurer.


Wie profitieren Erstkäufer und Bauherren von der Zinssenkung?

Die Phase der EZB-Leitzinssenkungen in den Jahren 2024 und 2025 Erstkäufern Vorteile durch niedrigere Finanzierungskosten. Ein variabel verzinster Immobilienkredit hatte sich durch die Senkung des 3-Monats-Euribor und des 12-Monats-Euribor seit dem Zinshoch bereits um bis zu 2,00 Prozentpunkte verbilligt. Beispiel: Bei einer Kreditsumme von 300.000 Euro und Laufzeit von 30 Jahren sind die Zinsen (variabel, Nomimalzinssatz, Basis: 3-Monats-Euribor) seit dem Hoch im Herbst 2023 von etwa 5,00 % auf 3,25 % p.a. im März 2026 gesunken (bonitätsabhängig), was die monatliche Rate deutlich reduziert. Dies erhöht die Kaufkraft und verbessert die Kreditverfügbarkeit. Wäre die Leitzinssenkung im Juni 2025 übrigens nicht wie erwartet gekommen, wären der 3- und 12-Monats-Euribor vermutlich direkt wieder angestiegen.

Tipp: Zudem sollten Sie wissen, dass langfristige Fixzinskredite bei Neuabschlüssen im Vergleich zu variablen Krediten eine wichtige Absicherung gegen Zinsänderungsrisiken bieten können. Überlegenswert ist zudem, auf eine langfristige Fixzinsbindung umzuschulden, um eine monatliche Entlastung beim Kredit zu erhalten, sofern das Einkommen nicht im gleichen Maße wie die Lebenshaltungskosten gestiegen sind. 


Bestehende Immobilienfinanzierungen: Was ändert sich bei einer Leitzinssenkung?

Wie eine Leitzinssenkung die Immobilienfinanzierungen beeinflusst, konnte bereits in den vergangenen Jahren beobachtet werden. Die achte Leitzinssenkung seit 2024, die der EZB-Rat am 05. Juni 2025 beschlossen hatte und die am 11. Juni 2025 in Kraft trat, führte im Neugeschäft nur zu begrenzten Vergünstigungen bei variabel verzinsten Krediten. Dennoch eröffnete die aktuelle Marktzinsstruktur interessante Optionen:

  • Optionen für Umschuldungen: Normalerweise sind langjährige Fixzinsbindungen deutlich teurer als variable Finanzierungen. Aufgrund eines noch vertretbaren Abstands war es attraktiv, variabel verzinste Kredite auf langjährige Fixzinsbindungen umzuschulden. Die Zinsenniveaus waren zu diesem Zeitpunkt aktuell noch nicht zu weit voneinander entfernt, sodass nur eine vertretbare Prämie für die langfristige Zinsabsicherung anfiel.
  • Vor- und Nachteile von Fixzinsbindungen im Zinsumfeld: Fixzinsbindungen bieten kalkulierbare Kreditraten. Sinkt das Marktzinsniveau, bleibt der Kreditzins für die vereinbarte Bindungsdauer des Zinssatzes jedoch gleich. Auch vorzeitige Sondertilgungen über 10.000 Euro pro Jahr konnten gegen eine Pönale von maximal 1 % vorgenommen werden. Bis 10.000 Euro waren zusätzliche vorzeitige Rückzahlungen pro Jahr oftmals sogar ohne Ponäle möglich.
  • Auswirkungen auf variabel verzinste Wohnbaukredite: Die Kreditzinsen sinken nicht unmittelbar nach einem Zinssenkungsbeschluss. Der Kreditvertrag regelt, wann eine Zinssenkung bei der Immobilienfinanzierung erfolgt, in der Regel zu den vertraglich festgelegten Zinsanpassungsterminen. Fixe Wohnbaukredite hingegen bleiben unverändert.

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Wann und warum könnten weitere EZB-Zinssenkungen folgen?

Zunächst erwarteten einige Experten für das Jahr 2026 noch eine kleinere Zinssenkung, wenn sich die Inflationsrate im Euroraum nachhaltig weiterhin um das Stabilitätsziel von 2 % bewegt. Mit Beginn des Iran-Konflikts wurden Prognosen bezüglich Zinssenkungen umgehend kassiert. Zwischenzeitlich prognostizieren Experten und Zins-Forward-Kurven bis zu 2 Leitzinserhöhungen um 0,25 % bis Ende 2026. Insofern ist aktuell nicht davon auszugehen, dass es im Jahr 2026 zu Leitzinssenkungen kommen wird.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde äußerte sich dazu in der Stellungnahme zur geldpolitischen Entscheidung vom 19. März 2026: “Die Risiken für die Inflationsaussichten sind aufwärtsgerichtet, insbesondere auf kurze Sicht. Ein länger andauernder Krieg im Nahen Osten könnte die Energiepreise stärker und länger in die Höhe treiben als derzeit erwartet und die Inflation im Euroraum weiter ansteigen lassen.”


Was Erstkäufer jetzt über EZB-Zinssenkungen wissen sollten

Banken können sich über Spareinlagen, die Emission von Pfandbriefen und Anleihen refinanzieren. Eine sehr wichtige Refinanzierungsalternative – insbesondere in Krisenzeiten – sind zudem die Notenbanken des Eurosystems bzw. die EZB. Nach einer Leitzinssenkung reduzieren Banken in normalen Zeiten verzögert die Kreditzinsen inklusive der variablen Hypothekenzinsen für Erstkäufer von Wohneigentum. Bei den Entscheidungen über die Leitzinsen in 2024 und 2025 wurde jeweils eine Änderung der Zinsen weitgehend erwartet. Deshalb hatten sich die Zinssätze bereits im Vorfeld an das erwartete Niveau angepasst.

Der passende Zeitpunkt für den Erwerb von Wohneigentum hängt von Ihren Eigenmitteln, Einkommen und persönlichen Vorlieben ab. Tatsache ist: Mit dem Geld, das Sie für Miete ausgeben, könnten Sie bereits einen Kredit zur Finanzierung einer Eigentumswohnung abbezahlen. Nutzen Sie unseren Mieten- oder Kaufen-Rechner, um einen Vergleich anzustellen. Das aktuelle Zinsumfeld bietet zudem die Besonderheit, dass langfristige Fixzinsbindungen günstiger sind als variable Kredite.


Was folgt nach der Zinssenkung?

Bereits am 12. Juni 2025, eine Woche nach der 8. Leitzinssenkung der EZB äußerte sich EZB-Direktoriumsmitglied, Isabel Schnabel, gegenüber Bloomberg, zur möglichen weiteren Entwicklung der Leitzinsen und dass die Zinssenkungskampagne der EZB bald vorbei sein könnte, da sowohl die Inflation als auch die Wirtschaft auf Kurs sind. Diese Prognose hat sich mittlerweile bewahrheitet: Nach einer längeren Phase unveränderter Leitzinsen hat der EZB-Rat im Juni 2026 die Zinswende eingeleitet und die Leitzinsen erstmals wieder angehoben. Er reagierte damit auf die anhaltenden geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, welche die Energiepreise und somit die Inflationsraten wieder ansteigen ließen.

Denn dies übt entsprechend Druck auf die EZB aus, über mögliche weitere Erhöhungen der Leitzinsen nachzudenken. Hierzu Professor Friedrich Heinemann vom ZEW-Institut: "Die EZB hat beim letzten vergleichbaren Angebotsschock 2021/2022 zu lange abgewartet und dafür viel Kritik einstecken müssen. Der EZB-Rat wird diesen Fehler kein zweites Mal begehen wollen. Auch wenn heute noch kein Zinsschritt erfolgt ist, wird das Trauma von 2022 nachwirken und ein frühes Einschreiten gegen den Inflationsanstieg begünstigen. Die Wahrscheinlichkeit von bis zu zwei Zinsschritten vor der Sommerpause ist deshalb hoch."


FAQs zu EZB-Leitzinssenkungen

Ist Ihr bestehender Kredit variabel verzinst, bedeutet dies für Sie nun auch eine Zinssenkung für Ihre Immobilienfinanzierung, da der Zinssatz des 3-Monats-Euribors in Erwartung der Leitzinssenkung in etwa in gleichem Maße sinkt. Haben Sie eine Finanzierung mit Fixzinsvereinbarung, dann hat die jüngste Leitzinssenkung keinerlei Auswirkung.

Der Kauf einer Immobilie ist im Regelfall eine langfristige Investition. Die aktuellen Zinsen in Österreich sind zwar deutlich höher als noch in der Niedrigzinsphase, im längerfristigen Vergleich aber immer noch auf einem vertretbaren Niveau. Letztendlich ist es ausschlaggebend, die richtige Immobilie zu finden und mit einer individuell passenden Finanzierungslösung zu unterlegen. Eine Kreditoptimierung kann in Österreich dann bei Bedarf im Zeitablauf durchgeführt werden.

Weitere Zinsentscheidungen hängen von der Entwicklung aktueller Wirtschaftsdaten und der Inflation ab. Aktuell muss eher von steigenden Leitzinsen ausgegangen werden.

Niedrigere Leitzinsen führen in der Folge zu niedrigeren Zinsen für Kundenkredite, was tendenziell steigende Immobilienpreise zur Folge hat, da sich Kreditnehmer einen höheren Kredit leisten können. Eine Zinsänderung von 0,25 oder 0,50 % wirkt sich jedoch noch nicht deutlich aus. Eine Zinsveränderung von insgesamt 1,0 bis 1,5 % hingegen verändert die mögliche zu finanzierende Kreditsumme deutlich und hat damit auch einen stärkeren Einfluss auf die Immobilienpreise.

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Über den Autor: Hagen Luckert
Position: Executive Board (ab 01.02.2027)

Meine gesamte berufliche Laufbahn habe ich im Kreditbereich verbracht. Zunächst im Sparkassen- sowie im Großbankensektor in Deutschland. Nach Leitung der Business-Unit Kreditstrategie- und Organisation in einem großen Beratungsunternehmen war ich als Geschäftsführer einer Kreditfabrik tätig. Im Anschluss daran wurde ich als Vorstand in einem Softwareunternehmen für künstliche Intelligenz im Bankenbereich berufen. Vom 01.01.2019 bis 31.07.2026 bin ich in die Geschäftsführung von Infina gewechselt. Ab 01.02.2027 bin ich Mitglied im Executive Board von Infina. Die ständige Recherche, strukturierte Aufbereitung sowie verständliche Veröffentlichung von allen Fragestellungen rund um das Kreditgeschäft gehören zu den wesentlichen Schwerpunktsetzungen meiner Funktion.

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