An der Statistik der Baugenehmigungen der vergangenen Jahre lässt sich ablesen, wie sich die Bautätigkeit in Österreich entwickelt hat. Für private Kreditkunden im Bereich Wohnbau sind diese Zahlen besonders interessant, da sich z. B. auch Auswirkungen auf die Immobilienpreise ergeben. Erfahren Sie hier die aktuellen Trends und welche Schlussfolgerungen Sie als privater Kreditkunde daraus ziehen können.
Als privater Kreditnehmer einer Immobilienfinanzierung ist das für Sie von mehrfacher Bedeutung: Die Anzahl hat beispielsweise Einfluss auf die kurzfristigen Immobilienpreise und die Anzahl der Kreditanfragen für Wohnbaukredite. Je stärker die Anzahl der Baugenehmigungen sinkt, desto mehr steigen generell die Immobilienkaufpreise und umgekehrt. Zudem bedeutet eine steigende Anzahl von Baugenehmigungen aber einen größeren Finanzierungsbedarf, was tendenziell teurere Bankkonditionen zur Folge haben kann.
Von 2010 bis 2021 stieg die Anzahl der genehmigten neuen Wohngebäude in Österreich auf Jahresbasis von 18.860 auf 22.603. In dieser Langfristbetrachtung stieg die Jahresanzahl also um 19,8 %. Im Jahr 2022 folgte dann mit 18.888 Wohngebäuden ein Rückgang um rund 16,4 %, in etwa auf das Niveau von 2014. Zwei absolute Tiefstwerte markierten die Jahre 2023 und 2024 bei den Baugenehmigungen für neue Wohngebäude mit nur noch 12.116 bzw. 10.325 Einheiten. Diese sind die mit Abstand tiefsten Werte seit 2010.
Bei den genehmigten Wohnungen ist die gleiche Entwicklung zu sehen: Wurden 2010 noch 52.340 neue Wohnungen genehmigt, so waren es 2021 79.281 – eine Steigerung um rund 51,5 % in diesen 11 Jahren. Im Jahr 2022 folgte dann ein Rückgang auf 66.485 Einheiten, und 2023 eine weitere deutliche Reduktion auf 47.123 Einheiten. Im Jahr 2024 stieg dieser Wert wieder auf 51.473 Wohnungen, liegt damit aber immer noch unter dem Niveau von 2010.
Die Statistik der Baugenehmigungen zeigt im 11-Jahres-Zeitraum also einen deutlichen Trend nach oben. Obwohl die Entwicklung der Immobilienpreise in diesem Zeitraum nur eine Richtung kannte, nämlich nach oben, stieg die Anzahl der Baugenehmigungen in Österreich kontinuierlich. Interessant ist hierbei, dass die Immobilienpreise stiegen, obwohl die Bautätigkeit zunahm und laufend neuer Wohnraum geschaffen wurde. Festzuhalten bleibt damit, die Nachfrage nach Immobilien war bis 2021 ungebrochen hoch. Im Anschluss folgte dann der Einbruch.
Bei der Analyse von Detaildaten ist zudem auffällig, dass die baufertiggestellten Wohnungen in Gebäuden mit drei oder mehr Wohnungen besonders stark stiegen. Zwischen 2010 und 2022 erhöhte sich deren Anzahl von 17.612 auf 42.751 (im Jahr 2021 sogar 41.030). 2023 lag die Zahl bei 40.811.
Dieser Anstieg spiegelt den Trend zur verdichteten Bauweise in Ballungszentren bzw. zu kleineren Wohnungen wider. Denn gerade die Nachfrage nach kleinen und mittleren Wohnungen im städtischen Raum – etwa der klassischen Zwei-Zimmer-Anlegerwohnung – war besonders hoch.
Die Statistik der Baugenehmigungen von neuen Wohngebäuden in den letzten vier Quartalen zeigt, dass im ersten Quartal 2025 mit 2.957 genehmigten Gebäuden der höchste Wert erzielt wurde. Das vierte Quartal 2024 war mit nur 2.291 Baugenehmigungen der schwächste Zeitraum im Vergleich – ein Rückgang gegenüber dem dritten Quartal (2.662) und dem zweiten Quartal (2.718).
Nach dem Trend zu vermehrten Bauaktivitäten im Grünen im Jahr 2021 (Auslöser: Corona und Home-Office), der anschließenden Kostenexplosion bei den Rohstoffpreisen durch die Ukraine-Krise in 2022, dominieren seit dem dritten Quartal 2022 die Zinserhöhungen und zuletzt zusätzlich Lohnerhöhungen die Bauentwicklung in Österreich. Geplante Bauvorhaben, sowohl im privaten Hausbau als auch von Bauträgern, wurden auch im Jahr 2025 weiterhin aufgeschoben. Die Anzahl der Baugenehmigungen für neue Wohnungen entwickelte sich ähnlich: Vom zweiten Quartal 2024 (12.836 Wohnungen) stieg sie auf 13.444 im dritten Quartal, fiel dann im vierten Quartal 2024 auf 11.740, bevor im ersten Quartal 2025 mit 14.992 genehmigten Wohnungen ein neuer Höchstwert erreicht wurde.
Aktuell lässt sich noch nicht abschätzen, ob die mittelfristige Entwicklung hin zum Ein- und Zweifamilienhaus im Grünen – auch vor dem Hintergrund vermutlich dauerhafter Leitzinsen deutlich über Null Prozent - weiter anhält bzw. in welchem Ausmaß der Trend zur Verstädterung wieder zurückkehrt. Davon hängt dann ab, wie sich die Baugenehmigungen auf den städtischen und ländlichen Raum verteilen.
Unabhängig davon, wie stark die Bautätigkeit in Ihrer aktuell präferierten Region ist, sollten Sie auf eine gute Lage der Immobilie achten. Hier gilt: Suchen Sie lieber etwas länger, bis Sie wirklich eine Immobilie in passender Lage finden – denn Sie haben dann ein deutlich geringeres Risiko eines möglicherweise stagnierenden oder sinkenden Immobilienwertes. Bei gebrauchten Immobilien hingegen wirkt sich zunehmend der Energiestandard auf den Immobilienpreis und den Wiederverkaufswert aus.
Die Preise für bereits fertiggestellte Neubauwohnungen sind in den meisten Regionen leicht gesunken. Grund dafür sind die zwischenzeitlich wieder höheren Zinsen. Dieser Effekt führt tendenziell zu erforderlichen Abschlägen beim Verkauf bereits fertiggestellter Neubauwohnungen von Bauträgern. Für viele Kunden ist die monatliche Kreditrate zu hoch und sie können Wohnungen nur noch bei entsprechenden Preisnachlässen finanzieren. Bauträger gewähren diese Abschläge, um der bestehenden Zinslast aus vorfinanzierten Wohnungsbauten entgegenzuwirken.
Baugründe sind unverändert in vielen Regionen in Österreich rar und teuer. Daher ist damit zu rechnen, dass sich die zukünftigen Projekte des Wohnbaus mehr in den Speckgürtel verlagern werden. Aufgrund sinkender Anzahl fertiggestellter Neubauten und erhöhter Inflation muss mit einigermaßen stabilen und dann wieder steigenden Immobilienpreisen für Neubauten gerechnet werden. Zudem sollte der Trend zu kleineren Wohneinheiten mittelfristig weiter anhalten, da diese eher leistbar sind.
Hinweis: Bei den Daten kommt es regelmäßig nachträglich zu Anpassungen durch Statistik Austria, etwa im Rahmen technischer Revisionen und zur Harmonisierung der Datenbestände.
Ob Kreditarten, Laufzeit oder Wohnbauförderung: In unseren Ratgebern finden Sie hilfreiche Informationen rund um die Finanzierung einer Immobilie.
Datenquelle: Statistik Austria
Bildquellen: Infina Grafik
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Meine Kreditkompetenz habe ich 1995 durch die Leitung des Gewerbekunden-Centers bei der Creditanstalt AG und seit 1997 als Baufinanzierungs-Spezialist bei der CA Baufinanzierungs-Beratung GmbH aufgebaut. Im Jahr 2002 wurde ich Gesellschafter bei der Infina und ab November 2004 in die Geschäftsführung berufen. Meine Zuständigkeit ist seither die Leitung unseres Vertriebes und der Banken-Kooperationen. Ich beschäftige mich tagtäglich mit den Entwicklungen am österreichischen Kredit- und Immobilienmarkt, um unsere gesamte Vertriebsorganisation stets über die besten Produkte und aktuellen Zinssätze für die Kundenberatungen auf dem Laufenden zu halten.