Forward Darlehen: Vorlaufzeit für die Anschlussfinanzierung

Forwarddarlehen
Autor: Hagen Luckert
Kategorie: Zinsen
Datum: 04.11.2020

Ein Forward-Darlehen wird für die vorzeitige Absicherung eines in Bälde ablaufenden Fixzinsdarlehens für die Zeit nach der Fixzinsperiode eingesetzt. Diese Darlehensform ist primär in Deutschland vertreten. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wie diese Finanzierungsform eingesetzt wird.

Forward-Darlehen: Vorlaufzeit für die Anschlussfinanzierung

Unter einem Forward-Darlehen versteht man die vorzeitige Absicherung eines in Bälde ablaufenden Fixzinsdarlehens für die Zeit nach der Fixzinsperiode. Nehmen wir an, Ihre Fixzinsbindung nähert sich dem Ende und Sie machen sich Gedanken, um die in der Regel als variables Modell vereinbarte Anschlussfinanzierung. In so einem Fall können Sie bis zu 5 Jahre vor Ablauf der Fixzinsbindung eine neuerliche Fixzinsbindung abschließen.

Ein Forward-Darlehen wird häufig damit verwechselt, wenn z.B. ein Kunde die ersten ein bis zwei Jahre einen variablen Zins möchte, welcher dann ab dem 3. Jahr auf einen Fixzinssatz umgestellt wird. Dieser Fall ist kein klassisches Forward-Darlehen. Hier spricht man von einem Modell mit aufgeschobener Fixzinszeit.

Forward-Darlehen sind primär in Deutschland vertreten. In Österreich hingegen sind selbst Forward-Modelle bei bestehenden Krediten eher die Ausnahme, werden aber unserer Meinung nach in Zukunft auch in Österreich Einzug halten.

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Forward-Darlehen in Österreich

Forward-Darlehen sind in Österreich unüblich. Der Grund dafür ist, dass in Österreich ein Kunde aus einer bestehenden Fixzinsvereinbarung leichter aussteigen kann, als in Deutschland. In Deutschland muss der Kunde ein berechtigtes Interesse haben, eine Fixzinsvereinbarung zu kündigen. Dieses Interesse wird primär mit dem Verkauf der Immobilie in Verbindung gebracht.

In Österreich hingegen kann der Verbraucher eine Fixzinsvereinbarung jederzeit gegen ein Pönale von “nur” 1% der offenen Kreditsumme auflösen. Diese Gebühr - auch Vorfälligkeitsentschädigung genannt - ist in Deutschland um ein Vielfaches höher. Das ist primär der Grund, warum in Deutschland viele Kunden in bestimmten Zinsperioden gerne auf die Möglichkeit zurückgreifen, ein Forward-Darlehen in Anspruch zu nehmen, als einen bestehenden Fixzinssatz aufzukündigen.


Kosten bei Forward-Darlehen

Das Forward-Darlehen erhöht gegen ein Aufgeld Ihre Planungssicherheit, primär in der Anschlussfinanzierung. Der Aufschlag ist vom Marktniveau abhängig und kann sich zwischen 0,01 bis 0,03 Prozentpunkten pro Monat Forward-Zeit bewegen. Als Basis werden die betreffenden Swapsätze (z. B. 10 Jahres-Euro-Swapsatz bei 10jähriger Fixzinsbindung) herangezogen. Optional könnte die Bank noch ein sogenanntes Reservierungsentgelt verrechnen.

Beispiel

Ihr 10-jähriger Fixzinskredit befindet sich im 8. Jahr und Sie wollen in 2 Jahren einen weiteren 10-jährigen Fixzinskredit abschließen. Die Bank bietet Ihnen auf den aktuellen 10 -jährigen Fixzinskredit einen Aufschlag von z.B. 0,02 Prozentpunkte pro Monat an. In dem Fall würde sich der aktuelle 10jährige Fixzins um 0,48 % verteuern. Wäre der aktuelle Fixzins auf 10 Jahre derzeit bei 1,10 %, würde Sie für das Forward-Darlehen dzt. 1,58 % bezahlen müssen. 


Ab wann wird ein Forward-Darlehen ausbezahlt?

Grundsätzlich können Sie nur dann abschließen, wenn Sie bereits über ein Darlehen verfügen, das in naher Zukunft ausläuft oder wenn dessen Fixzinsbindung endet und Sie eine Alternative zu einer mit hohen Nebenkosten verbundenen Umschuldung suchen. Der Abschluss lohnt sich in einer Phase niedriger bis normaler Zinsen, die bald von stärker steigenden Zinsen abgelöst werden könnte, was in einem konjunkturellen Aufschwung für gewöhnlich der Fall ist.


Kann man das Forward-Darlehen erhöhen?

Eine Erhöhung der Kreditsumme hat meist mit einem zusätzlichen Geldbedarf zu tun. Wenn Sie diesen Geldbedarf sofort benötigen, dann wären Sie mit einem Forward-Darlehen gut bedient. Dieser zusätzliche Liquiditätsbedarf hängt primär von Ihrer Bonität ab. Wenn Sie sich den Gesamtkreditbedarf im Rahmen Ihrer Rückzahlungsfähigkeit gut leisten können und Sie auch vom Grundbuch her genügend Sicherheitsspielraum haben, dann steht einer Erhöhung grundsätzlich nichts im Wege.

Eine in Österreich eingetragene Höchstbetragshypothek kann nämlich immer wieder ohne neuerliche Grundbuchseintragung ausgenützt werden. In diesem Fall ersparen Sie sich die Gebühr für die zusätzliche Pfandrechtseintragung iHv. 1,2 % der Kreditsumme.

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Das Forward-Darlehen mit 60 Monate Vorlaufzeit

Dieses Produkt wird primär in Deutschland angeboten und hat in Österreich derzeit keine Relevanz. Ein Darlehen mit 60 Monaten Vorlaufzeit wurde in der Vergangenheit von den deutschen Banken eher nicht angeboten. Seit geraumer Zeit bieten sich auch längere Vorlauf-Perioden am Markt. Das hat damit zu tun, dass die Zinsprognose der Banken auf längere Sicht - in diesem Fall auf 5 Jahre - anscheinend gut einschätzbar ist.


Vor- und Nachteile von Forward-Darlehen

VorteileNachteile

Planungssicherheit (zukünftige Zinssätze sind bekannt)

Derzeit hohe Aufschläge bei Reservierungen auf mehr als drei Jahren im Voraus

Einsparung von Nebenkosten bei Umschuldung (siehe Kapitel Umschuldung)

In Österreich in der Praxis nicht üblich

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Über den Autor: Hagen Luckert
Position: Geschäftsführer

Meine gesamte berufliche Laufbahn habe ich im Kreditbereich verbracht. Zunächst im Sparkassen- sowie im Großbankensektor. Nach Leitung der Business-Unit Kreditstrategie- und Organisation in einem großen Beratungsunternehmen war ich als Geschäftsführer einer Kreditfabrik tätig. Im Anschluss daran war ich als Vorstand in einem Softwareunternehmen für künstliche Intelligenz im Bankenbereich tätig und habe 2019 in die Geschäftsführung von Infina gewechselt. Die ständige Recherche, strukturierte Aufbereitung und verständliche Veröffentlichung von allen Fragestellungen rund um das Kreditgeschäft gehören zu den wesentlichen Schwerpunktsetzungen meiner Funktion.

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