Digitaler Euro: Alles, was Sie wissen müssen

Hand berührt Digitalen Euro
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Autor: Christoph Kirchmair
Kategorie: Finanzierung
Datum: 10.05.2024

Der digitale Euro ist ein Konzept der Europäischen Zentralbank (EZB), das derzeit ausgearbeitet und geprüft wird. Ob der digitale Euro als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt wird, ist derzeit noch unklar. Der EZB-Rat will dies in 2025 entscheiden. Stand der heutigen Planung würde die Digitalwährung unsere „klassische“ Währung nicht ersetzen, sondern den Bürgern als praktische Ergänzung bestehender Zahlungsmittel dienen.


Das Wichtigste im Überblick

  • Ob und wann der digitale Euro eingeführt wird, ist noch unklar. Die EZB arbeitet derzeit an inhaltlichen Details und einem Zeitplan sowie der Entscheidung, ob die Einführung erfolgen soll oder nicht.
  • Die Digitalwährung soll eine zusätzliche Zahlungsmöglichkeit darstellen, jedoch soll gemäß der aktuellen Planungen der „klassische“ Euro dadurch nicht ersetzt und auch Bargeld soll nicht abgeschafft werden.
  • Der digitale Euro soll breit anwendbar sein und sogar ohne Internet funktionieren. Auch in Drittländern soll die Digitalwährung genutzt werden können, sofern ein entsprechendes Konto vorhanden ist.
  • Für Konsumenten soll der digitale Euro kostenlos nutzbar sein. Banken müssten die entsprechende Infrastruktur bereitstellen und der Handel soll die Digitalwährung akzeptieren.
  • Für den Handel ergibt sich der Vorteil, dass keine Transaktionskosten (anders als z.B. bei Kreditkartenzahlungen) anfallen sollen.

Was ist der digitale Euro?

Der digitale Euro stellt eine Ergänzung zum bekannten, klassischen Euro dar. Die grundsätzliche Idee dahinter lautet, eine möglichst sichere und stabile Digitalwährung zu schaffen, da immer mehr Zahlungen online abgewickelt werden. Die Digitalwährung kann jederzeit in physische Euro gewechselt werden, es gibt also keine Kursunterschiede. Das ist eine markante Unterscheidung zu Kryptowährungen. Diese erfreuten sich in den letzten Jahren großer Beliebtheit, blieben jedoch bis heute mit Unsicherheiten (Kursschwankungen, Cybersicherheit, etc.) verbunden. Der digitale Euro hingegen wäre – zumindest gemäß der Idee der Europäischen Zentralbank - direkt von ebendieser ausgegeben, absolut sicher und weithin als Zahlungsmittel akzeptiert, da der Handel verpflichtet wird, Zahlungen per Digitalwährung anzunehmen.

Bargeld soll bestehen bleiben
Der digitale Euro soll laut EZB-Rat Bankkonten und Bargeld, wie Sie beides derzeit kennen, nicht ersetzen. Vielmehr wäre der digitale Euro eine zusätzliche, ergänzende Zahlungsmöglichkeit, die freiwillig genutzt werden könnte.

Dieser Beitrag zeigt den aktuellen Stand der Diskussion auf und stellt mögliche Vor- und Nachteile gegenüber. 


Wer kann den digitalen Euro verwenden?

Grundsätzlich sollen Menschen und Unternehmen, die sich im Euroraum aufhalten, den digitalen Euro nutzen können. Auch Personen und Unternehmen aus anderen Ländern könnten Konten für den digitalen Euro eröffnen. Dazu müssten sie einen Zahlungsdienstleister innerhalb des Euroraums verwenden. Im Prinzip wäre die Nutzbarkeit des digitalen Euros also praktisch ident mit der derzeitigen Verwendung des „klassischen“ (physischen) Euros, wobei hinzukommt, dass der digitale Euro selbst bei einem Stromausfall, also ohne Internetverbindung (anders als bisherige Kartenzahlungen) funktionieren soll.


Wie soll der digitale Euro funktionieren?

Der Grundgedanke hinter dem digitalen Euro lautet, dass es sich dabei um eine von der Zentralbank ausgegebene Währung handelt, wie es auch der altbekannte Euro ist. Der digitale Euro und der bisherige Euro sollen künftig nebeneinander existieren. Bargeld soll in digitales Geld umgewechselt werden können und umgekehrt, wobei der digitale Euro überall verwendbar sein soll, selbst dann, wenn keine Internetverbindung besteht. Die Digitalwährung soll nach Aussagen der EZB nur eine ergänzende Zahlungsmöglichkeit sein, die jedoch nicht das Bargeld oder die altbekannte Bankomatkarte ersetzt.

Ziel ist, dass somit alle Menschen Zugang zu diesem Zahlungsmittel erlangen und es gleichzeitig wesentlich sicherer ist als beispielsweise Kryptowährungen, die häufig stärkeren Kursschwankungen ausgesetzt sind. Bei Kryptowährungen gibt es sogenannte „Stable Coins“, die jedoch immer auch von einem dahinterstehenden Unternehmen ausgegeben werden. Beim digitalen Euro hingegen wäre stets die EZB das ausgebende Organ, sodass von weit höherer Stabilität der Währung auszugehen ist, wie Sie es auch schon vom klassischen Euro gewohnt sind.

Praxisanwendung der Digitalwährung

In der Praxis würden künftig Bargeld, Bankomatkarten, Girokonten und digitaler Euro nebeneinander existieren und Konsumenten hätten somit die Wahl, wie sie am liebsten bezahlen möchten. Ein großer Vorteil wäre, dass Zahlungen in Echtzeit und sogar offline erfolgen könnten. Burkard Balz, Vorstandsmitglied, der Deutschen Bundesbank, erläuterte am 17. Februar 2024 im Rahmen eines Interviews mit der WirtschaftsWoche, dass der digitale Euro „die erste europäische digital Bezahloption wäre, die überall funktionieren würde“ und er ergänzt: „Für uns ist wichtig, dass man in der digitalen Welt nicht nur mit privaten Zahlungsformen, sondern auch mit offiziellem Geld bezahlen kann“. Bezüglich Haltegrenze laufen weitergehende Untersuchungen, wobei Beträge zwischen 500 und 3.000 Euro als Obergrenzen diskutiert werden.

Trotz dieser Grenzen zerstreut Balz die Sorge, dass diese Grenzen den E-Euro unattraktiv machen würden. „Wir arbeiten an Mechanismen, die es ermöglichen, auch höhere Beträge zu bezahlen. Wenn Sie zum Beispiel einen Gebrauchtwagen für 10.000 Euro kaufen, dann könnten Sie einen Teil mit dem Guthaben an digitalen Euro auf Ihrem Wallet bezahlen und der Restbetrag wird automatisch von Ihrem Konto bei Ihrer Hausbank abgebucht“.

Mit Euro digital bezahlen – das geht doch schon?
Der Unterschied zu bisherigen Zahlungen, z.B. per Onlinebanking, besteht darin, dass der digitale Euro sogar offline Transaktionen ermöglichen würde und gleichzeitig maximale Privatsphäre gewährleistet werden soll. Es könnten also Zahlungen vorgenommen werden, wenn keine Internetverbindung besteht. Das wäre beispielsweise bei einem Blackout hilfreich. Theoretisch wäre es möglich, dass die Digitalwährung sogar von Personen ohne eigenes Bankkonto genutzt werden kann.


Aktueller Zeitplan: Wann wird die EZB den digitalen Euro einführen?

Laut Burkard Balz von der Deutschen Bundesbank geht es nun vorerst um technische Fragen. Erst dann beginnt die breite Vorstellung des Projekts in der Öffentlichkeit. Das war vor 25 Jahren bei der Einführung des Euros ähnlich. Für die konkrete Einführung der Digitalwährung gibt es seitens der EZB auch  noch kein exaktes Datum. Derzeit läuft eine Art Forschungs- und Diskussionsphase, in der geklärt werden soll, welche Umsetzungsmöglichkeiten es für die Digitalwährung gibt. Im Zuge dessen soll auch ein Zeitplan ausgearbeitet werden und darüber entschieden werden, ob der Plan der Digitalwährung überhaupt weiterverfolgt werden soll oder nicht.

Am 28. Juni 2023 präsentierte die Kommission der EZB Vorschläge zur Gesetzgebung in Bezug auf den digitalen Euro sowie zur Eigenschaft der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel. Die Forschungs- und Entwicklungsphase für das digitale Euro-Projekt dauerte etwa 24 Monate und endete im Oktober 2023. Der Rat der Europäischen Zentralbank entschied am 18. Oktober 2023 daraufhin, in die Phase der Vorbereitung und Versuchsphase für den digitalen Euro überzugehen. Die Vorbereitungsphase ist zweigeteilt: Die erste Teilphase läuft bereits seit dem 1. November 2023 und dauert 2 Jahre. Abhängig von Ergebnissen dieser Phase und dem Stand der Gesetzgebungsverfahren entscheidet der EZB-Rat dann darüber, ob eine zweite Teilphase überhaupt eingeleitet wird. Deren Dauer und Umfang würde dann festgelegt werden.

Der digitale Euro ist ein Projekt der EZB, wobei die größte Hürde wohl nicht technische, sondern politische und gesellschaftliche Aspekte darstellen. Denn selbst wenn ein digitaler Euro eingeführt werden sollte, müsste dieser im gesamten Euroraum, seitens der jeweiligen Länder, implementiert werden. Die nationale Politik müsste das Vorhaben unterstützen, denn nur so kann es gelingen, in der Gesellschaft eine breite Akzeptanz für die neue Digitalwährung herzustellen.


Rechtliche Umsetzung des digitalen Euro

Im Juni 2023 unterbreitete die Europäische Kommission einen Legislativvorschlag zur Einführung des digitalen Euro. Das Ziel liegt darin, dass ein zukünftiger digitaler Euro Privatpersonen und Unternehmen eine zusätzliche Möglichkeit bietet, überall im Euroraum digital mit einer allgemein akzeptierten, kostengünstigen, sicheren und widerstandsfähigen Form von Zentralbankgeld zu bezahlen. Gesetzgebung und Gestaltung des digitalen Euro laufen parallel, damit das Eurosystem (EZB und nationale Zentralbanken des Euroraums) umgehend mit der Ausgabe der neuen Zahlungsvariante beginnen kann. Das Eurosystem prüft etwaige Änderungen an der Gestaltung des digitalen Euro, die sich unter Umständen aus den Gesetzgebungsberatungen ergeben. Auch steht die EZB beratend zur Seite. Erst nach Erlass des Rechtsakts über die Ausgabe des digitalen Euro entscheidet der EZB-Rat endgültig über die Einführung.


Motive und Gründe für eine digitale Währung der EZB

Doch warum ist eine digitale Währung in der Eurozone überhaupt ein Thema? Die Idee gibt es schon seit mehreren Jahren. Entscheidend sind dafür gleich mehrere Gründe, auf die im Folgenden näher eingegangen wird.

Grund 1: Vormarsch digitaler Zahlungsmittel

Ganz generell wird immer mehr online und mit Bankomatkarte bezahlt. Laut den Ergebnissen der SPACE II-Studie der EZB 2022 ist so beispielsweise der Cashanteil bei Zahlungen in Europa allein im Zeitraum 2019 bis 2022 von 72 auf 59 % zurückgegangen. Aktuellere Zahlen zeigt eine am 23. Oktober 2023 veröffentlichte Studie der OeNB bezogen auf Österreich: Demnach wird bei 77 % der Zahlungen unter 10 Euro bar bezahlt. Bei Zahlungen zwischen 50 und 100 Euro greifen allerdings 52 % der Befragten zu Zahlungskarten (47 % zur Debitkarte und 5 % zur Kreditkarte). Gemessen an der Transaktionszahl (Zahlungstagebuch 2022/23)  fallen im stationären Handel bzw. am Point-of-Sale (POS) 63 % aller Transaktionen auf Bargeld und der Transaktionsanteil mit Zahlungskarten beträgt 30 %. Gemessen am Transaktionsvolumen liegt 2023 der Bargeldanteil noch immer bei 48 % verglichen mit 51 % im Jahr 2021. Allerdings stieg der Anteil der Zahlungskarten von 2021 auf 2023 von 37 auf 46 %.

Kryptowährungen haben indessen international massiv an Bedeutung gewonnen. Sie sind jedoch vergleichsweise kaum reguliert und bringen Risiken für Konsumenten mit sich, etwa starke Kursschwankungen. Als Zahlungsmittel dienen sie daher primär nur für kriminelle Transaktionen im Darknet und bei Erpressungen durch Cyberkriminelle.

Grund 2: Breite Verwendbarkeit

Der digitale Euro soll praktisch überall als Zahlungsmittel eingesetzt werden können. Sogar Menschen, die derzeit über kein Bankkonto verfügen, sollen ihn verwenden können. Ebenso könnte er in Drittstaaten genutzt werden, die nicht den Euro als Zahlungsmittel haben, wenn ein entsprechendes Konto für die Nutzung der Digitalwährung eröffnet würde.

Grund 3: Sicherheit

Die EZB gäbe den digitalen Euro aus und würde somit für die Stabilität der Währung und die hohe Sicherheit des Zahlungsmittels, etwa gegen Cyberattacken, sorgen. Ein weiterer Sicherheitsaspekt ist, dass die Digitalwährung auch ohne Internetverbindung funktionieren soll. Einerseits gibt es somit die technische Sicherheit und andererseits die des Finanzmarktes, da die EZB als ausgebende Stelle hinter der Digitalwährung steht.

Zudem soll der digitale Euro die strategische Autonomie Europas stärken, da derzeit im Wesentlichen außereuropäische Anbieter von Karten- und Mobile-/Onlinezahlungen den Markt beherrschen.


Vor- und Nachteile des digitalen Euros

Nachdem der digitale Euro bislang ein reines Konzept ist und noch nicht klar ist, ob und wie diese Digitalwährung umgesetzt werden soll, sind die derzeitigen Vor- und Nachteile noch mit Vorbehalt zu betrachten.

Für Verbraucher

Für Konsumenten würde der digitale Euro eine sichere, zusätzliche Zahlungsoption darstellen, die freiwillig genutzt werden kann. Daraus ergeben sich einige Vor- und Nachteile.

VorteileNachteile
Überall einsetzbares Zahlungsmittel.Noch ist unbekannt, wie genau die Sicherheit hergestellt werden soll.
Keine Verpflichtung, die Digitalwährung zu nutzen.Individuelle, persönliche Vorbehalte gegen neue Technologien in der Bevölkerung.
Zahlungsmöglichkeit, auch wenn kein Bankkonto vorhanden ist. 
Verwendbarkeit trotz Stromausfalls/ ohne Internetverbindung. 

Für die Immobilienfinanzierung

Hinsichtlich eines Immobilienkaufs kann die neue Digitalwährung womöglich einige praktische Vorteile mit sich bringen. Wie genau sie eingesetzt wird ist noch unklar, aber erste Verwendungsideen gibt es bereits.

VorteileNachteile
Transaktionen können in Echtzeit erfolgen.Noch ist unklar, inwieweit die digitale Währung für Immobilientransaktionen Akzeptanz finden würde. Zudem müsste eine geplante Obergrenze deutlich höher angesetzt werden, als aktuell diskutiert.

Die Zahlung bei einem Immobilienkauf könnte äußerst schnell und absolut sicher erfolgen, sodass zu klären sein wird, ob dann weiterhin ein Treuhandkonto für die Abwicklung erforderlich wäre.

Derzeit ist nicht bekannt, ob es rechtlich irgendeine Form der Einschränkung dahingehend geben wird, dass die Digitalwährung für bestimmte Transaktionen doch nicht verwendet werden darf.
Die Digitalwährung könnte auch für Zahlungen rund um die Finanzierung (z.B. monatliche Rate) genutzt werden. 
Die Digitalwährung kann stets in klassisches Geld umgewechselt werden, sodass bei einer Transaktion auch eine Parte die Digitalwährung und die andere Partei klassisches Geld verwenden könnte. 

Für den Handel

Der derzeitige Vorschlag für den digitalen Euro sieht vor, dass der Handel verpflichtet wäre, die Digitalwährung als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Nachdem Banken den digitalen Euro in ihre Systeme integrieren würden, sollte der organisatorische Aufwand für den Handel überschaubar bleiben.

VorteileNachteile
Zahlungen könnten sicher und schnell abgewickelt werden, wodurch der Einkauf für Menschen noch einfacher würde.Zahlungssysteme müssen umgestellt und adaptiert werden, sodass die Digitalwährung verarbeitet werden kann.
Auch im Onlinehandel gäbe es somit eine neue Zahlungsmöglichkeit, wo derzeit der Handel teils hohe Gebühren (z.B. für Kreditkartenzahlungen) bezahlen muss. Es wären somit bedeutende Einsparungen für den Handel möglich. 
Derzeit teure Zahlungsabwickler hätten einen gewissen Druck die Kosten zu verringern, da durch den digitalen Euro neue Konkurrenz vorhanden wäre. 

Für Kreditinstitute wie Banken und Bausparkassen

Banken kommt bei der Bereitstellung der Digitalwährung eine zentrale Rolle zu. Es ist daher davon auszugehen, dass sie dafür in irgendeiner Form vergütet würden. Abgesehen davon, verbessern Banken durch die Bereitstellung ihr Image als Servicedienstleister.

VorteileNachteile
Banken würden eine bedeutende, zentrale Rolle einnehmen und dafür eine finanzielle Vergütung erhalten.Die Einführung der Digitalwährung ist mit Sicherheit mit einem gewissen organisatorischen Aufwand für Kreditinstitute verbunden. 
Das Serviceangebot der Banken würde breiter, da sie dann eine zusätzliche Zahlungsmöglichkeit anbieten und abwickeln.Bestehende Einnahmen aus Gebühren für Zahlungstransaktionen und damit Ertragsquellen würden teilweise wegfallen.
Es würden sich neue Geschäfts- und Einsparungsmöglichkeiten ergeben, weil Zahlungen aus dem Ausland ebenfalls über den digitalen Euro abgewickelt werden könnten, wenn ein entsprechendes Konto vorhanden ist.  

 


Ist der digitale Euro eine Gefahr für die Privatsphäre?

Häufig sind beispielsweise online Bedenken, teils auch Verschwörungstheorien, rund um die Privatsphäre bei der Digitalwährung, zu finden. Eine der Hauptsorgen dabei ist die Abschaffung des Bargelds. Doch die EZB bezieht derzeit die Position, dass der digitale Euro nur eine zusätzliche Zahlungsoption wäre und es keine Ambitionen gibt, durch die Digitalwährung das altbekannte, physische Geld zu ersetzen. Dennoch können die tatsächlichen Auswirkungen eines digitalen Euro auf die Bezahlung mit Bargeld nicht final beurteilt werden, da auch die Entwicklung in einzelnen Ländern heute bereits stark unterschiedlich ist. Während in Österreich derzeit noch - je nach Untersuchung - knapp zwei Drittel bis 70 % der Transaktionen am Point-of-Sale in bar erfolgen, liegt dieser Anteil in Finnland nur noch bei 19 %.

Ebenso soll sichergestellt werden, dass die Währung absolut sicher ist und selbstverständlich allen Datenschutz-Anforderungen entspricht. Die EZB hat keinen Zugang auf persönliche Transaktionsdaten. In Bezug auf die Hausbank muss zwischen Online- und Offline-Zahlungen differenziert werden. Bei Online-Transaktionen hat die betreffende Bank nur Zugang zu jenen persönlichen Daten, die zur Zahlungsdurchführung und Vorbeugung/ Bekämpfung von Betrug und Geldwäsche erforderlich sind. Gleiches gilt für andere digitale Zahlungsmethoden, wie zum Beispiel eine Kreditkarte. Hingegen bei Offline-Transaktionen ist die Privatsphäre noch stärker geschützt. Die Bank sieht lediglich die gleichen Daten, wie sie bei Geldbehebungen am Bankomat sehen würde. Niemand kann somit herausfinden, wofür eine Offline-Zahlung verwendet wird.

Zu betonen ist auch, dass es sich schlichtweg nicht um „programmierbares Geld“ handelt, wie online teils als Sorge zu lesen ist. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass viele Bedenken, die es verständlicherweise gibt, teilweise emotional und nicht immer objektiv sind. Grundsätzlich gilt, dass vorerst abzuwarten bleibt, welchen Zeitplan und konkreten inhaltlichen Vorschlag die EZB vorlegen wird, bevor tatsächlich alle Vor- und Nachteile der möglichen neuen Digitalwährung final beurteilt werden können.


Bedeutung des digitalen Euros speziell für Österreich

In Österreich ist die Bedeutung des Bargelds besonders groß. Politisch wird aktuell sogar diskutiert, das Recht auf Bargeld in der Verfassung zu verankern, obwohl niemand bislang die Abschaffung des Bargelds gefordert hat. Doch auch in Österreich nehmen digitale Zahlungen in den letzten Jahren grundsätzlich zu, woraus geschlossen werden kann, dass trotz aller Bedenken auch der digitale Euro gute Chancen hätte, durchaus verbreitet genutzt zu werden.


Das Verhältnis zwischen digitalem Euro und Kryptowährungen

Kryptowährungen sind oft mit der Problematik konfrontiert, dass starke Kursschwankungen die breite Masse der Bevölkerung davon abhalten, diese Währungen zu nutzen. Skandale wegen betrügerischer Tätigkeiten sorgen zusätzlich für Verunsicherung. Jede Kryptowährung, auch sogenannte Stable-Coins, werden schlussendlich von privaten Unternehmen ausgegeben. Beim digitalen Euro hingegen würde die Ausgabe über die EZB erfolgen, wodurch diese Digitalwährung sicher und vor allem vergleichsweise stabil wäre, wie es vom „klassischen Euro“ bekannt ist, da der digitale Euro jederzeit in den altbekannten physischen Euro umgewechselt werden könnte. Auch hinsichtlich des Datenschutzes und der Nutzbarkeit (Verwendung ohne Internet möglich) sollte der digitale Euro vorteilhaft sein.


Folgen des digitalen Euros für die Stabilität des Finanzsystems

Ein großer Pluspunkt eines digitalen Euros wäre, dass dieser keinen anderen Wechselkurs als der „normale“ Euro besitzt, sondern 1:1 in klassischen Euro umtauschbar ist. Das bedeutet, dass sich der Wert des digitalen Euros nicht anders verhält als der bisherige Euro-Kurs. Die Stabilität des Finanzsystems bzw. generell des Euro-Raums würde also durch die Digitalwährung schlichtweg nicht beeinflusst werden. Um im Notfall einen „Bank-Run“, also das gleichzeitige Abheben von Bargeld durch extrem viele Menschen, zu verhindern, will die EZB den maximal in digitalen Euro besitzbaren Betrag je Bürger limitieren, um die Finanzmarktstabilität selbst in Krisenzeiten zu gewährleisten.


Der digitale Euro soll die Digitalisierung in der EU vorantreiben

Der digitale Euro ist ein streitbares Thema und noch nicht final entschieden. Objektiv betrachtet handelt es sich um eine mögliche, neuartige Weiterentwicklung, die derzeit noch reine Zukunftsmusik ist. Bedenken, etwa hinsichtlich der Privatsphäre und der Sicherheit, sind berechtigte Einwände, weil schlichtweg noch Unklarheiten bestehen, die wohl dazu führen werden, dass eine weite Verbreitung des digitalen Euros (oder gar ein gänzlicher Ersatz der bisherigen Währung) erst in ferner Zukunft möglich sein wird. Die Vor- und Nachteile der digitalen Währung liegen jedenfalls recht klar auf dem Tisch, doch bis es hier zu einer politischen Einigung auf europäischer Ebene kommt, die innerhalb der gesamten Gesellschaft der Europäischen Union mehrheitsfähig ist, wird es wohl noch lange dauern – unabhängig davon, welche Details die EZB noch für die Digitalwährung ausarbeiten wird.

Zum jetzigen Zeitpunkt sollten sowohl Kritiker als auch Befürworter abwarten, welche Umsetzungs- und Zeitpläne die EZB denn nun tatsächlich vorschlägt. Dann wird sich zeigen, ob sich diese Pläne in den Nationalstaaten realisieren lassen und welche Vor- und Nachteile die Digitalwährung tatsächlich mit sich bringen würde.


Weitere Fragen

 

Der digitale Euro soll eine Ergänzung zu Bargeld und Bankkonto darstellen. Er soll sicher sein, überall als Zahlungsmittel genutzt werden können und selbst dann funktionieren, wenn keine Internetverbindung besteht.

 

 

Bargeld und Bankkonten sollen bestehen bleiben. Der digitale Euro wäre eine zusätzliche Zahlungsmöglichkeit, die freiwillig genutzt werden kann. „Klassische“ (physische) Euro könnten jederzeit in die Digitalwährung gewechselt werden – und umgekehrt.

 

 

Nein, die Nutzung des digitalen Euros soll für Konsumenten völlig kostenlos sein.

 

 

Nein, es handelt sich dabei nach Aussage der EZB ausdrücklich nicht um programmierbares Geld.

 

 

Vor allem arbeitet die EZB an der Einführung des digitalen Euros, wobei alle Nationalstaaten und die nationalen Zentralbanken einbezogen werden.

 

 

Die Sicherheit des digitalen Euros ist ein großes Argument, denn einerseits soll die digitale Währung optimal gegen Cyberattacken geschützt sein und andererseits sogar als Zahlungsmittel funktionieren, wenn es keine Internetverbindung gibt (z.B. bei einem Blackout).

 

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Über den Autor: Christoph Kirchmair
Position: CEO & Founder

Vor mehr als 20 Jahren hatte ich ein Schlüsselerlebnis bei einer Kreditaufnahme mit einer Bank. Diese Erfahrung gab mir die Vision für die Gründung von Infina, die sich seit 2001 zum größten unabhängigen Kreditvermittler etablieren konnte. Mit mehr als 100 Infina-Partner vor Ort in ganz Österreich setzen wir uns dafür ein, unsere Kunden bei der Beantragung einer Finanzierung zu unterstützen. Jeder Kunde hat ein Recht auf den besten Kredit, das ist mein Credo und dafür brauchen wir nicht nur die modernste Technologie, sondern auch die besten Berater im Land. Ich freue mich mit Infina die Interessen unserer Kunden am Markt vertreten zu dürfen.

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