Fremdwährungskredit: ein Überblick

Fremdwaehrungskredite
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Autor: Mag. Peter Hrubec
Kategorie: Finanzierung
Datum: 03.03.2021

Ein Fremdwährungskredit ist nichts anderes als ein Kredit in fremder Währung – also ein Kredit, der nicht in Euro vergeben wird. Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus gegenüber der Heimatwährung waren Fremdwährungskredite in der Vergangenheit sehr beliebt. Sie waren schlichtweg günstiger als Kredite in Schilling bzw. Euro. Doch wie sieht die Situation aktuell aus? Lohnt sich ein Kredit in fremder Währung noch? Lesen Sie unseren Beitrag und erhalten Sie alle wichtigen Informationen rund um das Thema Fremdwährungskredit. 

Definition: Was ist ein Fremdwährungskredit?

Wie bereits erwähnt, ist ein Fremdwährungskredit in Österreich einfach ein Kredit, der in einer anderen Währung als in Euro vergeben wird. Grundsätzlich müssen bei einem Kredit Zinsen gezahlt werden, so auch beim Fremdwährungskredit. Der Unterschied ist lediglich der, dass die Zinsen in jener fremden Währung gezahlt werden, welche die Basis für den Kredit darstellt. Beim Schweizer-Franken-Kredit sind die Zinsen also in Schweizer Franken (CHF) zu bezahlen, beim YEN-Kredit in YEN, und so weiter.

Wurde der Fremdwährungskredit in einer endfälligen Form aufgenommen, ist das gesamte Kapital am Ende der Laufzeit in der fremden Währung zurückzuzahlen. Da man diese fremde Währung natürlich nicht einfach so auf seinem Konto hat, muss man sie zum aktuellen gültigen Wechselkurs erwerben. Dadurch besteht ein erhebliches Risiko, da man zum Ende der Kreditlaufzeit den Wechselkurs der jeweiligen Währung nicht kennt: Der Kredit könnte unter Umständen also teurer sein als zu der Zeit, in der man den Kredit aufgenommen hat.


Beispiele für Fremdwährungskredite

Der gängigste Fremdwährungskredit in Österreich ist der Schweizer-Franken-Kredit. Hier haften aktuell noch die größten Kreditsummen aus. Doch auch der Yen-Kredit erfreute sich großer Beliebtheit unter den Österreichern. Der Vorteil beider Fremdwährungskredite war die große Differenz der Kreditzinsen im Vergleich zu Schilling bzw. Euro, sie waren wesentlich günstiger. Wie sieht die Situation aber aktuell und in Zukunft aus?

Schweizer-Franken-Fremdwährungskredit und Prognose

Der Schweizer-Franken-Kredit ist der in Österreich am meisten abgeschlossene Fremdwährungskredit, da die CHF-Kreditzinsen im Vergleich zu den anderen europäischen Währungen – vor allem gegenüber dem Österreichischen Schilling und dem Euro – damals durchschnittlich zwischen 1,5 % und 2 % günstiger waren. Diesen Zinsvorteil wollten viele Kunden nutzen und so kam es in den späten Neunziger Jahren zu den ersten größeren Kreditvergaben.

Auch das Risiko erschien geringer als bei Krediten in anderen Währungen, da die Schweiz eben ein Nachbarland Österreichs ist. Man kann die Wertentwicklung von Währungen aber nicht genau prognostizieren, trotzdem gingen Experten davon aus, dass der CHF gegenüber den anderen europäischen Währungen eine geringere Schwankungsbreite hat – das stellte sich jedoch als falsch heraus: Kunden, die aktuell noch einen CHF-Kredit haben, verzeichnen Kursverluste von bis zu 40 %.

Fakt ist: Eine Fremdwährungsfinanzierung ist und bleibt ein Spekulationsgeschäft.

Ratgeber

Mehr Informationen über den Schweizer-Franken-Kredit und eine Prognose von unseren Infina Experten erhalten Sie hier​​​​​​​.

Yen-Fremdwährungskredit

Der YEN-Fremdwährungskredit war neben dem Schweizer-Franken-Kredit die zweite Fremdwährungsart, die sich ab der Jahrtausendwende bei den österreichischen Kunden etabliert hat. Der YEN-Fremdwährungskredit hatte bzw. hat aber ein weit höheres Kursrisiko als der Schweizer-Franken-Kredit.

Dieses Kursrisiko wurde jedoch durch die noch größere Differenz an Kreditzinsen im Vergleich zum Schilling bzw. Euro und Schweizer Franken teilweise kompensiert. Hier konnte man durchschnittlich von einer Zinsersparnis von 2,5 % bis 3,5 % p. a. ausgehen. Diese hohe Zinsdifferenz reizte viele Kunden, einen YEN-Kredit aufzunehmen, ohne exakt zu wissen, welches Kursrisiko sie dabei in Kauf nahmen.


Negativzinsen beim Fremdwährungskredit

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) versucht mit Negativzinsen, das aktuelle Zinsniveau in der Schweiz niedrig zu halten, um einen Anstieg des Schweizer Franken einzudämmen. Die Negativzinsen sind in der Schweiz sogar noch weiter im Minus als im Euro-Raum. Der Zinsindikator ist der 3-Monats-Libor und dieser liegt aktuell bei ca. -0,75 % p.a. (Stand: 02.03.2021).

CHF-Kreditnehmer profitieren derzeit von diesen Negativzinsen, da der Negativzins von der Kreditmarge abgezogen wird. Wenn Sie also zum Beispiel mit Ihrer Bank eine Marge von 1,25 % für den CHF-Kredit vereinbart haben, dann zahlen Sie aktuell nur einen Kreditzins von ca. 0,50 % p. a. für Ihren Fremdwährungskredit.


Welche Tilgungsträger gibt es beim Fremdwährungskredit und wie hoch ist das Risiko?

Was hat es nun mit Tilgungsträger bei Fremdwährungskrediten auf sich? Ein Tilgungsträger ist nichts anderes als jene Ansparform, die bei einem endfälligen Kreditmodell den Kredit am Ende der Laufzeit abdecken soll. Als Tilgungsträger können konventionelle Lebensversicherungen, fondsgebundene Lebensversicherungen oder Wertpapierprodukte verwendet werden. Diese wurden in der Vergangenheit entweder in Form einer laufenden Zahlung oder in Form eines Einmalbetrages abgeschlossen.

Gibt es ein hierbei auch ein Risiko? Ja, aber dieses hängt in erster Linie von der Auswahl des Anlageproduktes ab, denn je mehr risikoreiche Wertpapierkategorien (z. B. Aktien) vorhanden sind, desto höher ist das Schwankungs- bzw. Verlustrisiko. Fehlt nur noch eine Frage: Wie sieht es heute mit dem Beantragen eines Fremdwährungskredites aus?


Beantragen und Konvertieren bzw. Umschuldung von Fremdwährungskrediten

Seit Oktober 2008 können in Österreich nur mehr Euro-Kredite beantragt werden. Damals legte nämlich die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) den Banken nahe, keine weiteren Fremdwährungskredite mehr zu vergeben. Auch die Vergabe von endfälligen Krediten wurde seither stark eingeschränkt – die Risiken für Kreditnehmer sind schlichtweg zu hoch.

Jene Kreditnehmer, die noch einen Fremdwährungskredit laufen haben, können diesen aber konvertieren. Unter einer Konvertierung versteht man den Wechsel der Kreditwährung, also zum Beispiel die Wandlung der Kreditwährung von CHF in EUR.

Wenn Sie beabsichtigen, Ihren bestehenden Fremdwährungskredit zu konvertieren, sollten Sie folgendes beachten:

  • Was kostet die Konvertierung?
  • Welche Kondition bzw. welches Kreditmodell gibt es in Euro?
  • Wie hoch ist die neue Monatsbelastung?
  • Kann in Euro auch ein Fixzinskredit abgeschlossen werden?
  • Werden die Tilgungsträger aufgelöst bzw. müssen diese verpflichtend in die neue Euro-Finanzierung eingebracht werden?
  • Gibt es Kündigungsfristen für den Kredit und für die Tilgungsträger?
  • Wenn ja, wie kann man den Umstieg zeitlich optimieren?
  • Gibt es Kosten für die Auflösung der Tilgungsträger bzw. Kosten für die Abdeckung des Fremdwährungskredites?

Die Konvertierung eines Fremdwährungskredites kann Ihnen eventuell Kosten sparen – zögern Sie also nicht und lassen Sie sich beraten. Abschließend lässt sich sagen: Die Ära der Fremdwährungskredite in Österreich ist vorbei. Die negativen Folgen waren zu groß, als dass eine weitere Vergabe sinnvoll wäre. Insbesondere wenn man bedenkt, wie günstig Fixzinskredite in Österreich aktuell sind. 

Brauchen Sie Unterstützung bei der Konvertierung Ihres Fremdwährungskredites? Wir können helfen!

Kontaktieren Sie uns gerne jederzeit!

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Rechtshinweise zu unseren Ratgebern finden Sie in unserer Verbraucherschutzinformation.


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Über den Autor: Mag. Peter Hrubec
Position: Prokurist

Die Neugier für neue Themen, die die Finanzdienstleistung bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Bei AXA Equity & Law war ich für die Markterschließung in Österreich sowie die Einführung der betrieblichen Vorsorge zuständig. Im Anschluss daran beschäftigte ich mich als geschäftsführender Gesellschafter von Nova Portfolio Management mit innovativen Vermögensanlage-Konzepten. Seit dem Jahr 2009 bin ich als Prokurist bei Infina schwerpunktmäßig in den Bereichen Product Consulting, sowie der Vertriebs- und Bankenbetreuung verantwortlich. Darüber hinaus liegt mein Fokus auf rechtlichen Fragestellungen, die den österreichischen Kreditmarkt in Österreich betreffen sowie der Analyse von Markt- und Zinsentwicklungen.

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