Wie werden sich die Zinsen 2026 sowie in den Folgejahren entwickeln? Seit Anfang 2022 sind die Zinssätze für variabel verzinste Wohnbaukredite deutlich angestiegen, aber in den vergangenen Monaten wieder etwas gesunken. Werden weitere gesetzliche Änderungen Einfluss auf aktuelle und zukünftige Wohnbaukredite haben? Grundsätzlich können Zinsen über kurz oder lang sehr stark schwanken, und in den nächsten 2-3 Jahren sind unterschiedlichste Szenarien denkbar. Unsere Experten liefern Ihnen regelmäßig Informationen zur Entwicklung der Zinsmärkte sowie eine interessante Prognose zur weiteren möglichen Zinsentwicklung.
Zinsen werden von Banken für die Bereitstellung eines Kredites/Darlehens als Entgelt verlangt. Gut zu wissen: Verbraucher sind bei Zinsanpassungen durch den Kreditgeber besser geschützt als Unternehmer.
Es gibt zahlreiche Arten von Zinsen und alle haben ihre eigene Berechnungsgrundlage. Einige sind so simpel, dass ein Taschenrechner ausreicht, andere hingegen sind viel komplexer. Für diese Fälle gibt es zum Beispiel diverse Zinsrechner im Internet. Man kann zwischen Kredit-, Bausparvertrag- und Sparbuchzinsen unterscheiden:
Tipp: Informieren Sie sich in unserem Ratgeber, wie Sie Ihre individuelle Situation berechnen können:
Wenn Sie einen Kredit in Österreich aufnehmen, müssen Sie eine Gegenleistung erbringen. Diese wird im Kreditvertrag meist in Form eines Kreditzinses vereinbart. Kreditzinsen zahlen Sie somit als Gegenleistung für das geborgte Geld, das Sie vom Kreditgeber erhalten.
Bausparvertragszinsen
Im Gegenzug zu den Kreditzinsen erhalten Sie bei Abschluss eines Bausparvertrages die sogenannten Bausparvertragszinsen. Dabei leihen Sie einer der Bausparkassen in Österreich Geld und bekommen im Gegenzug Guthabenzinsen retour.
Sparbuchzinsen
Ähnlich wie bei den Bausparzinsen erhalten Sie bei Eröffnung eines Sparbuches Zinsen von der Bank. Hier leihen Sie der Bank Geld und bekommen dafür Zinsen.
Der EURIBOR-Zinssatz und seine Zinsentwicklung
Im Kreditbereich spricht man häufig von EURIBOR-Zinssätzen. Der EURIBOR ist ein kurzfristiger Geldmarktzins und ein Indikator, zu dem sich die Geldhäuser refinanzieren und in weiterer Folge Kreditmittel an den Endkunden oder Firmenkunden vergeben.
Unter Refinanzierung versteht man die Geldbeschaffung der Banken in Österreich, damit sie Kredite vergeben können. Es gibt unterschiedliche Quellen, bei denen sich Banken refinanzieren können. Häufig leihen sich Banken Geld von den Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank (EZB). Kreditinstitute können sich aber auch über andere Geschäftsbanken oder Sparer refinanzieren.
Bausparkassen refinanzieren sich häufig durch Kundeneinlagen in Form von Bausparverträgen. Aber ganz gleich, woher die Refinanzierung kommt, die Kreditinstitute zahlen dafür ebenso einen Zins und haben somit dementsprechende Zinskosten. Bei der weiteren Kreditvergabe an Kunden verrechnen die Banken dann zusätzlich zu den Zinskosten einen Aufschlag (Marge). Dieser Aufschlag verbleibt bei der Bank und ist die sogenannte Zinsspanne.
Die Zinsentwicklung in Österreich seit 2023
Die Zinssituation war über viele Jahre durch äußerst niedrige Zinsen gekennzeichnet. Lange Zeit wogen sich Kreditnehmer und Immobilienbesitzer durch Null- und Negativzinsen in Europa, Japan und den USA in Sicherheit. Ab dem Jahr 2015 gab es sogar Zinsanomalien in Form von sogenannten Negativzinsen, die 2019 die langfristigen Zinsen am Markt für Zinstauschgeschäfte (EUR-Swapsätze) erreichten, ehe es 2022 damit vorbei war. Lieferkettenunterbrechungen durch Pandemie-Maßnahmen und ab 24. Februar 2022 durch den Ukrainekrieg führten zu Engpässen in der Energieversorgung und Warenknappheit, was in der Folge massive Anstiege der Inflationsraten zur Folge hatte.
Mit einer gewissen Verzögerung hatte die EZB ab Juli 2022 ihren für das Kreditgeschäft wichtigsten Leitzins mehrfach von 0,00 auf 4,50 % angehoben. Von September 2023 bis Juli 2024 bestand dann ein Zinsplateau von 4,50 % im Hauptrefinanzierungssatz ehe bis 11. Juni 2025 acht Leitzinssenkungen und eine Zinsabstandsanpassung erfolgen. Mittlerweile (Stand: 27.01.2026) liegen Hauptrefinanzierungssatz und Zinssatz für die Einlagefazilität bei je 2,15 bzw. 2,00 %. Entsprechend entwickelte sich der 3-Monats-Euribor seit seinem letzten Hoch im Herbst 2023 von 4,00 bis 23.01.2026 auf 2,038 % rückläufig. Der für 20-jährige Fixzinsbindungen relevante 20-Jahres-EUR-Swapsatz verbilligte sich im gleichen Zeitraum nur um etwa 3 Basispunkte auf ca. 3,20 %.
Neben den Leitzinssätzen spielt die aktuelle Situation der einzelnen Bank eine Rolle. Müssen Banken sich aufgrund von Bonitätsverschlechterungen teurer refinanzieren, dann werden Sie versuchen, die höheren Kosten über die Konditionen beim Neuabschluss auf Kunden abzuwälzen. Auch könnten Banken zwischen Kreditnehmern mit besseren und schwächeren Bonitäten unterscheiden und den schwächeren bei Neuabschluss deutlich höhere Zinsen verrechnen.
In Österreich bestanden seit 1. August 2022 zudem folgende Restriktionen bei der Vergabe von Immobilienkrediten an Endverbraucher:
Monatliche Kreditrate durfte maximal 40 % des verfügbaren Nettohaushaltseinkommens ausmachen.
Maximale Kreditlaufzeit von 35 Jahren.
Insgesamt durften bei einem Kreditinstitut maximal 20 % aller Kredite eine der Obergrenzen überschreiten.
Die Folgen: Ein Anpassungsprozess, der mit höheren Ablehnungsquoten von Wohnbaukrediten verbunden war. Finanzierungsfälle, die vor dem 1. August 2022 noch genehmigt worden wären, wurden danach in vielen Fällen abgelehnt. Die Restriktionen der KIM-V sind jedoch zum 30.06.2025 ausgelaufen und nicht verlängert. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat die Kreditwirtschaft in diesem Zusammenhang aber ausdrücklich zur Einhaltung disziplinierter Vergabestandards ermahnt – nicht zuletzt im Interesse der finanziellen Stabilität. Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass viele Institute auch künftig an den Kriterien der KIM-Verordnung festhalten oder diese zumindest als interne Orientierung im Rahmen ihrer Kreditvergaberichtlinien beibehalten werden.
Tipp: Lesen Sie mehr in unserem Ratgeber zum Thema aktueller Zinssätze
Fast alle großen Zentralbanken weltweit haben mit Zinssenkungen begonnen, da die Inflation global abgenommen hat. In den USA zeigt sich bis Ende 2024 zunächst eine "sanfte Landung" der Wirtschaft. Nach der ersten Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) um 0,5 Prozentpunkte im September 2024, erfolgten am 7. November und 18. Dezember 2024 zwei weitere Zinsschritt um jeweils 0,25 Prozentpunkten. Auch im Herbst/Winter 2025 folgten drei weitere Leitzinssenkungen um jeweils 0,25 %.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen gesenkt, sogar in acht Schritten um jeweils 0,25 Prozentpunkte, zuletzt zum 11. Juni 2025: Der Einlagenzins und Hauptrefinanzierungssatz liegen damit bei 2,00 bzw. 2,15 %. Ein Teil des niedrigeren Hauptrefinanzierungssatzes resultierte dabei aus einer Verringerung der Abstände zwischen den einzelnen Leitzinssätzen.
Für 2026 wird in Euroraum kurzfristig kein weiterer Zinsschritt nach unten erwartet, da EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einer Pressekonferenz verlautbarte, dass es der EZB gelungen ist, die Inflation in den Griff zu bekommen. In allen Monaten in 2024 lag die Inflation in der Eurozone bereits wieder unter 3 % und näherte sich seit dem Spätsommer wieder der Zielmarke von 2 % an. Anfang 2025 kam es zu einer temporären (erwarteten) Steigerung auf 2,5 %. Die EZB versucht im Rahmen ihrer weiteren geldpolitischen Beschlüsse die Leitzinsen auf ein neutrales Niveau zu bringen, bei dem die Zinskonditionen für das Wachstum einer Volkswirtschaft weder beschleunigend noch abbremsend wirken.
Restrisiken für die Inflation
Restrisiken liegen in steigenden Nahrungsmittelpreisen, oft eine Folge des Klimawandels in Form von Ernteausfällen durch Naturkatastrophen. Die einstige Gefahr der Lohninflation verliert durch die lang anhaltende Rezession in der Eurozone zunehmend an Wirkung. Aber mit dem Wahlsieg Trumps ist ein neuer Risikofaktor hinzugekommen, die Importinflation. Zuallererst ist hier ein starker Dollar wegen schrumpfender Zinssenkungspotenziale in den USA am Werk und kommt das Risiko eines Zollkonfliktes zwischen USA und EU hinzu. Dieser könnte über Gegenzölle der EU auf US-Importwaren ebenfalls inflationsverstärkend wirken.
Marktkonsens bezüglich Seitwärtsbewegung Leitzins
Nach acht Leitzinssenkungen bis Mitte 2025 signalisiert der Kapitalmarkt ein Zinstief. Der Zinssenkungszyklus der EZB dürfte 2025 beendet worden sein. Der 3-Monats-Euribor, wichtig für variable Kredite, bewegt sich seither seitwärts, mit leichter Tendenz nach oben (zuletzt 2,038 % am 23.01.2026). Führende Notenbanker wie Martin Kocher (OeNB) und Christine Lagarde (EZB) sehen das aktuelle Niveau (Einlagenzins 2,00 %) als angemessen an. Die Märkte erwarten einen Boden des 3-Monats-Euribor bei rund 2,02 % im Q2 2026. Danach deutet sich eine Trendwende an. Bis Ende 2027 wird ein Anstieg auf 2,31 % erwartet. Variable Kreditzinsen könnten dann von aktuell 3,27 % auf 3,50 % bis 3,60 % steigen.
Fakt ist, in einer dynamischen Zinslandschaft bietet nur eine Fixzinsbindung im Bereich Wohnbaufinanzierung Sicherheit. Sofern Sie heute eine bestehende Immobilienfinanzierung mit variabler Verzinsung haben, können Sie mit dem Kredit Entlastungsrechner die Höhe Ihrer zukünftigen monatlichen Rate simulieren, wenn die Leitzinsen weiter steigen.
Kredit Entlastungsrechner
Die Zinsen für Ihre variable Finanzierung sind deutlich gestiegen und Sie haben zunehmend Probleme sich Ihre Kreditrate noch zu leisten? Mit dem Kredit Entlastungsrechner von Infina können Sie sich anzeigen lassen, wie hoch Ihre monatliche Rate konkret bei weiteren Anstiegen des Leitzinses sein wird.
Weiterhin können Sie sehen, welchen Betrag Sie monatlich weniger bezahlen, wenn Sie auf eine neue maximale Laufzeit von 35 Jahren bei gleichzeitiger Absicherung mit einem Fixzinssatz auf 20 Jahre umstellen. Unsere Wohnbau-Finanz-Experten beraten Sie diesbezüglich gerne und helfen Ihnen, Ihre monatliche Kreditrate zu reduzieren.
Bei Immobilienfinanzierungen muss man zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen unterscheiden: Bei einem langfristigen Zinssatz handelt es sich um einen Zinssatz, der über einen längeren Zeitraum (5-30 Jahre) gilt. Kurzfristige Zinssätze beziehen sich meist auf eine Laufzeit von bis zu 12 Monaten. Damit verbundene Finanzierungen gelten daher als variable Kredite und werden laufend angepasst.
Sowohl die langfristigen Kapitalmarktzinssätze (15 bis 30 Jahre) als auch die kurzfristigen Geldmarktzinssätze erreichten im Herbst 2023 ihre Hochs und entwickelten sich anschließend zunächst rückläufig. Die Kapitalmarktzinsen sind zwischenzeitlich jedoch wieder angestiegen. Während sich die Geldmarktzinsen stärker an den Leitzinsen der EZB, derzeit primär am Einlagenzins, orientieren, spielen am langen Ende folgende Faktoren eine Rolle: Zins- und Inflationserwartungen, Entwicklung der Bonität von Banken und Staaten, aktuelle Inflationsdaten und Konjunkturdaten sowie die Ausgänge von Staatsanleihen-Auktionen. Diese Faktoren trieben seit Anfang 2022 in den USA und Europa die langfristigen Zinssätze nach oben.
Im Jahr 2026 sind Wohnbaukreditzinsen wieder etwas günstiger. Aktuell entwickeln sich die Kapitalmarktzinsen aber eher nach oben und die Zinskurve wird steiler. Die Terminmarkt-Kurven für kurzfristige Zinssätze verlaufen in den nächsten Monaten eher seitswärts. Beispielsweise fiel der 3-Monats-Euribor seit seinem Hoch von rund 4 % auf 2,04 % (Stand: 27.01.2026). Auch langfristige Zinsen gingen leicht zurück: Der 20-jährige EUR-Swapsatz, der für 20-jährige Festzinsbindungen von Bedeutung ist, sank seit seinem Höchststand im Oktober 2023 bis Mitte Januar 2026 wieder auf rund 3,14 %.
Fixzinskredite waren für Immobilienfinanzierungskunden über viele Jahre „eine klare Sache“ und die erste Wahl. Der Zinsanstieg im Jahr 2022 warf dann allerdings die Frage auf, ob variabel verzinste Kredite nicht wieder attraktiv sind. Die immer noch relativ moderaten langfristigen Kapitalmarktzinsen (Stand Januar 2026) führen aktuell jedoch dazu, dass die Risikoprämie für eine langfristige Absicherung immer noch unter 1 Prozent liegt und der Kreditnehmer damit eine langjährige Zinssicherheit erhält.
Info:
Variable Finanzierungen an Verbrauchern müssen an einen Indikator gebunden sein, der von der Bank im Kreditvertrag zu vereinbaren ist. Gegen negative Marktentwicklungen, z. B. einen kräftigen Anstieg des Zinsindikators, kann sich ein Kreditnehmer jedoch nur durch Abschluss einer Zinsabsicherung schützen, wie zum Beispiel mit einer Fixzinsvereinbarung. Der Kreditzins wird dann auf eine Laufzeit von 5-30 Jahren fixiert.
Weitere Zinsentwicklung und Prognosen sind für die richtige Wohnbaufinanzierung wichtig.
Zinsen berechnen: Das sollten Sie wissen
Möchten Sie Ihre Zinsen selbst berechnen, kann dies unter Umständen ein schwieriges Verfahren werden: Viele Daten, die für die Berechnung nötig sind, stehen Privatpersonen vor dem ersten Gespräch mit der Bank nämlich gar nicht zur Verfügung.
Gut, dass es unseren Infina Zinsrechner gibt. Berechnen Sie kostenlos Ihre Zinsen und ersparen Sie sich damit unnötiges Kopfzerbrechen:
Die Zinsentwicklung in Europa
Historischer Hintergrund: Die von den Notenbanken bekämpfte zuletzt noch erhöhte Inflation ist nicht aus einer starken Konjunktur, sondern aus Angebotsverknappung durch zwei externe Schockereignisse, nämlich der Corona-Pandemie und seit 24. Februar 2022 dem Ukraine-Krieg, entstanden. In der Hoffnung auf eine baldige Normalisierung der Lage, hatten die Fed und EZB mit konkreten Zinsschritten lange zugewartet. Von Januar bis Juni 2022 stieg die Inflationsrate des Euroraums von 5,1 auf 8,6 %, ehe die EZB am 21. Juli 2022 ihre erste Leitzinsanhebung um 0,5 Prozentpunkte beschloss. Sie erhöhte in insgesamt zehn Schritten ihren Hauptrefinanzierungssatz von 0,00 auf 4,50 %, bevor am 06. Juni, 12. September, 17. Oktober, 12. Dezember 2024 sowie 30. Januar, 12. März, 23. April und 11. Juni 2025 wieder eine Absenkung auf 2,40 % erfolgte. Von Jahresanfang 2022 bis Jahresanfang 2026 entwickelt sich der 3-Monats-Euribor von minus 0,57 % auf rund 2,03 %, was in Österreich variabel verzinste Kredite erheblich verteuerte.
Marktanomalie beendet: Seit Mitte des Jahres 2022 bestand im Euroraum eine flache bzw. überwiegend inverse Zinskurve. Vereinfacht erklärt ist die Zinskurve in diesem Fall „auf den Kopf gestellt“, und langfristige Zinsen sind günstiger als kurzfristige. Bei einer inversen Zinskurve handelt es sich um eine temporär vorhandene Marktanomalie, und um ein Signal für eine schwache wirtschaftliche Entwicklung oder Rezession. Wie auch die kurzfristigen Geldmarktzinsen sind die langfristigen Kapitalmarktzinsen (Swapsätze) im Jahr 2024 gesunken, wenn auch weniger stark. Der 20-jährige EUR-Swapsatz lag zu Beginn des Jahres 2024 bei 2,5 % und Ende Dezember bei rund 2,4 %. Absolut gesehen, liegen die langfristigen Swapsätze aber weiterhin nur etwa 50 bis 75 Basispunkte über der Höhe der Geldmarktzinssätze, sodass der Zinssatz für eine langfristige Fixzinsbindung noch einigermaßen günstig zu bekommen ist. Die Zinskurve verläuft zwischenzeitlich zwischen variablen Zinssätzen und 5-jähriger Fixzinsbindung im Neugeschäft waagrecht, bevor diese dann bis zu 20-jährigen Fixzinsbindungen ansteigt (Stand 27.01.2026).
Das BIP-Wachstum im zweiten und dritten Quartal 2025 der Eurozone liegt bei moderaten 1,5 bzw. 1,3 %, aber mittelfristige Konjunkturimpulse sollten aus massiven Rüstungs- und Infrastrukturinvestitionen resultieren, zumal die NATO-Länder bei 2035 ihre Verteidigungs-Etats auf 5 % des BIP-aufstocken müssen. Wirft man einen Blick auf die Privatwirtschaft im Euroraum, so zeigte als Indikator der von S&P Global veröffentlichte HCOB Composite PMI® Eurozone ein 29-Monatshoch. Gleichzeitig gab es den kräftigsten Zuwachs bei den Auftragseingängen für Güter und Dienstleistungen seit zweieinhalb Jahren. An der Preisfront gibt es noch positive Nachrichten, nämlich nachlassende Kosteninflation bei den Serviceanbietern und auch den Löhnen. Der Zollkonflikt mit den USA sorgt in der Eurozone für disinflationäre Tendenzen, unter anderem infolge vermehrter China-Importe. Restrisiken liegen in möglichen geopolitischen Eskalationsszenarien.
Langfristige Zinsprognose: Was kann passieren?
Prognose der Zinsentwicklung bis 2027
Der US-Wirtschaft ist ein Softlanding gelungen. Das bedeutet eine Beruhigung der wirtschaftlichen Aktivität ohne Rezession. Im zweiten und dritten Quartal 2025 lag das BIP-Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei jeweils 2,1 bzw. 2,3 %. Einem stärkeren Wachstum der persönlichen Konsumausgaben (PCE) von 2,6 % und einem Investitionsschub bei Ausrüstung stehen ein stark rückläufiges Wachstum der Staatsausgaben und sich abschwächende Exportzuwächse gegenüber. Auf der anderen Seite wirkt das Handelsabkommen der USA mit der EU stabilisierend.
Ein kritischer Schauplatz ist die Geldpolitik: Ein Wechsel an der Spitze der Fed am 15. Mai 2026 steht an und wird zeigen, ob US-Präsident Donald Trump tatsächlich in der Lage ist, auf die Geldpolitik Einfluss zu nehmen (Richtung Leitzinssenkungen). Noch versucht Trump Druck auf die Fed auszuüben. Doch im November 2026 stehen die Midterm-Elections an. Bei diesen Wahlen wird ein neues Repräsentantenhaus gebildet und 35 von 100 Senatssitzen stehen zur Neuwahl an. Sollten die Demokraten das Repräsentantenhaus und den Senat gewinnen, könnte es ab diesem Zeitpunkt für Trump schwierig werden, die bisherige Politik weiter fortzusetzen. Bis dahin nimmt an den Märkten die Zinsunsicherheit zu.
Im Euroraum stehen die Zeichen auf moderatem Zuwachs (Q3 25: 1,4 %),zumal laut vorläufiger Auswertung des von S&P Global für die Privatwirtschaft des Euroraums erstellten Einkaufsmanager-Index im Jänner 2026 sowohl der Dienstleistungssektor als auch die Industrie im Wachstumsbereich befinden. Zukünftige konjunkturelle Lichtblicke resultieren aus dem ReArm Europe Plan der EU, wonach bis 2030 binnen vier Jahren 800 Milliarden Euro für Rüstung ausgegeben werden sollen und einer vorgesehenen Aufstockung der Verteidigungsetats der NATO-Länder auf 5 % des BIP bis zum Jahr 2035. Hinzu kommen noch, wie im Falle von Deutschland, Ausgaben für Infrastrukturerneuerung. Über stärkere Nachfrage, u.a. auch nach Rohstoffen, könnten die Preise wieder erneut zu steigen beginnen, vor allem dann, wenn gleichzeitig auch das Personal knapp wird (Lohninflationsrisiko).
Fakt ist, dass im Einklang mit mäßigem BIP-Wachstum im Euroraum zwischenzeitlich bereits eine Reihe von Inflationsindikatoren einen Wert im Bereich des Stabilitätszieles der EZB von nachhaltig 2 % erreicht haben. Von November auf Dezember 2025 war im Euroraum die Headline-Inflation von 2,1 % auf 1,9 % rückläufig, was auf einen beschleunigten Rückgang der Energiepreiskomponente (Treibstoffe und Heizöl wurden in mehreren Ländern billiger) zurückzuführen ist. Doch auch die Kerninflation, sprich die Veränderung des HVPI ex Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak, mäßigte sich von 2,4 auf 2,3 %. Hingegen der anhaltende Preisauftrieb bei Dienstleistungen veranlasste sogar die EZB-Volkswirte zu einer Aufwärtsrevision der Inflationsprognose für 2026.
Wahrscheinliche Szenarien zur Zinsentwicklung bis Ende Dezember 2027
Basis-Szenario: Ein „klassischer“ Konjunkturzyklus
Die Erwartung für die mögliche Wirtschaftsentwicklung spiegelt sich gut in den Zinsfutures-Märkten und den daraus abgeleiteten Forward-Kurven wider. Bis 2027 wird noch immer ein moderates BIP-Wachstum (Wirkung der US-Zölle auf EU-Waren sowie eines schwachen US-Dollar) und ein zwischenzeitlicher Rückgang der Inflationsrate erwartet. Der IWF geht für 2026 und 2027 im Euroraum von jeweils 1,3 bzw. 1,4 % BIP-Wachstum aus. Doch von den Inputpreisen der Industrie und den Dienstleistungen ausgehend braut sich ein erneuter Preisdruck zusammen, während sich der Lohnkostendruck noch in überschaubaren Grenzen hält. Die Volkswirte der EZB rechnen für 2026 und 2027 mit Inflationsraten von jeweils 1,9 bzw. 1,8 % und für 2028 von 2,0 %. Doch diese sind schon alleine unter Zoll- geopolitischen Aspekten mit hoher Unsicherheit behaftet.
Die Forward-Kurve im 3-Monats-Euribor signalisiert mittlerweile, dass wir das kurzfristige Zinsentief hinter uns haben, aber bis Dezember 2026 kaum ein Anstieg (lediglich auf 2,08 %) erfolgen wird. Erst im Verlauf des Jahres 2027 kommt leichte Bewegung ins Spiel. Bis Juli 2027 sollte ein Anstieg auf 2,20 % und bis Dezember sogar auf 2,31 % erfolgen (Daten vom 19.01.2026). Unter Berücksichtigung dieser Markterwartungen ist 2026 von gleichbleibenden Leitzinsen auszugehen. Aber im Verlauf des zweiten Halbjahres 2027 ist bereits eine erste Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte denkbar. Einlagenzins und Hauptrefinanzierungssatz würden dann auf 2,25 bzw. 2,40 % steigen (vgl. mit je 2,00 bzw. 2,15 % per 28.01.2026).
Alternative Szenarien
Prognosen basieren immer auf aktuellen Trends, doch unvorhersehbare Ereignisse, wie 9/11, eine Pandemie oder der Ukraine-Krieg, können die Wirtschaft und Zinsen erheblich beeinflussen. Aktuell denkbare Risiken für höhere Inflationsraten und eine schnellere erneute (Leit-)Zinswende nach oben wäre eine nachfragebedingte Teuerung an der Lohn- und Rohstofffront. In diesem Szenario könnten China und andere Schwellenländer bei entsprechenden Wachstumsimpulsen für eine zusätzliche Rohstoffnachfrage und Preissteigerungen sorgen. Im Falle eines eskalierenden Zollkonfliktes der EU mit den USA könnten eines Tages auch Gegenzölle auf US-Waren ein weiterer Faktor sein. Geopolitische Spannungen – wie Russland/Nordkorea/Ukraine, Nahost oder China/Taiwan, aber auch neue Konflikte zwischen den USA und dem Iran – könnten ebenfalls unvorhersehbare inflationäre oder rezessive Effekte auslösen.
EZB-Prognose zur Zinsentwicklung
EZB-Präsidentin, Christine Lagarde, wird in jeder Pressekonferenz nach einer EZB-Ratssitzung über ihre Einschätzung der zukünftigen Zinsentwicklung gefragt. Ihre Standardantwort lautete mehrfach:
„Wir sind entschlossen, für eine nachhaltige Stabilisierung der Inflation bei unserem mittelfristigen Zielwert von 2 % zu sorgen. Die Festlegung des angemessenen geldpolitischen Kurses wird von der Datenlage abhängen und von Sitzung zu Sitzung erfolgen. So werden unsere Zinsbeschlüsse auf unserer Beurteilung der Inflationsaussichten vor dem Hintergrund aktueller Wirtschafts- und Finanzdaten, der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation sowie der Stärke der geldpolitischen Transmission basieren. Wir legen uns nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest“.
Conclusio: Konkrete Zinsprognosen der EZB existieren nicht. Prognosen zur weiteren Leitzinsentwicklung werden nur von unabhängigen Analysten erstellt. Was es allerdings gibt und intuitiv auch ein mögliches Zinsszenario vermittelt, sind regelmäßige Inflations- und Wachstumsprognosen, die in diesem Ratgeber auch verarbeitet wurden.
Die Europäische Zentralbank ist für die langfristige Zinsentwicklung im EU-Raum verantwortlich.
Die Zinsentwicklung in den nächsten 20 Jahren
Es können keine Prognosen über Zinsentwicklungen der nächsten 10 bis 20 Jahre aufgestellt werden. Die Kapitalmärkte sind viel zu dynamisch. Schon kleinere Krisen können Prognosen über Nacht komplett widerlegen. In den letzten 50 Jahren hat es im Schnitt alle 7-8 Jahre eine merkliche Krisensituation an den Weltfinanzmärkten gegeben. Die letzten Wirtschaftskrisen waren die Finanzkrise 2008/09 und die Pandemie 2020 bis 2022, die vom Ukrainekrieg und Inflations- und Zinsschock-Szenario 2022/23 abgelöst wurde. Mit dem abflauenden Inflationsszenario werden aktuell die Karten wieder neu gemischt.
Baufinanzierung: Mögliche Zinsprognosen
In den USA werden infolge zwischenzeitlich schwächerer Arbeitsmarktdaten aber auch unter politischem Einfluss der Regierung heuer noch zwei Leitzinssenkungen erwartet. Hingegen im Euroraum erscheint eine weitere Leitzinssenkung allgemein äußerst unwahrscheinlich. Experten rechnen eher damit, dass der nächste Zinsschritt eine Leitzinsanhebung sein könnte. Dennoch bestehen Restrisiken, die zu einer Abbremsung des erwarteten Zinsszenarios führen könnten.
Für Österreich bedeutet dies voraussichtlich eine leichte graduelle Verteuerung variabel verzinster Kredite, da in den kommenden 18 Monaten selbst bei gleichen Leitzinsen, die kurzfristigen Geldmarktzinsen beginnen würde, eine erste Leitzinssenkung einzupreisen. Bei langjährigen Fixzinsbindungen ist der Zinsvorteil bereits verschwunden. Die Zinskurve wurde deutlich steiler und zukünftig anhaltend hohe bis steigende Staatsausgaben und ein enormer Refinanzierungsbedarf auslaufender Staatsanleihen sprechen mittelfristig für weitere Zinsanstiege am langen Ende ehe mögliche Interventionen der EZB einsetzen. Gleichzeitig ist auch wieder mit einer Erhöhung der Margen der Banken zu rechnen, die zuletzt im historischen Vergleich auffallend niedrig ausfielen. Und es gibt auch bei den variablen Kreditzinsen ein Risiko steigender Aufschläge (Margen).
Auf der Bankenseite liegen potenzielle Risiken im Fall von Marktstress (beispielsweise wenn eine Großbank insolvent wird) in höheren Risikoaufschlägen und Liquiditätskosten, die neu abgeschlossene (variabel verzinste) Wohnbaukredite verteuern könnten. Auch die Zinsspreads zwischen schlechten und guten Bonitäten können sich in kritischen Szenarien ausweiten. Letztlich dürfte künftig auch die Einhaltung von ESG-Kriterien bei der Kreditvergabe die Zinsen vergünstigen oder verteuern.
Die Finanzierungskonditionen ändern sich, im Einklang mit volatilen Zinssätzen am Markt, laufend. Das macht den Kreditmarkt komplexer und Prognosen schwieriger. Die Wohnbau-Finanz-Experten von Infina informieren Sie aber gerne im Detail hierzu.
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Bildquellen: Roman Samborskyi/ Shutterstock.com, Mabeline72/ Shutterstock.com Rechtshinweise zu unseren Ratgebern finden Sie in unserer Verbraucherschutzinformation.
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Über den Autor: Mag. Harald Draxl
Position: Geschäftsführer
Meine Kreditkompetenz habe ich 1995 durch die Leitung des Gewerbekunden-Centers bei der Creditanstalt AG und seit 1997 als Baufinanzierungs-Spezialist bei der CA Baufinanzierungs-Beratung GmbH aufgebaut. Im Jahr 2002 wurde ich Gesellschafter bei der Infina und ab November 2004 in die Geschäftsführung berufen. Meine Zuständigkeit ist seither die Leitung unseres Vertriebes und der Banken-Kooperationen. Ich beschäftige mich tagtäglich mit den Entwicklungen am österreichischen Kredit- und Immobilienmarkt, um unsere gesamte Vertriebsorganisation stets über die besten Produkte und aktuellen Zinssätze für die Kundenberatungen auf dem Laufenden zu halten.
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