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Mehrgenerationenhaus

Lorenz Sigl
Autor: Lorenz Sigl, MA
Kategorie: Immobilie
Datum: 19.02.2026

Mehrgenerationenhaus in Österreich: Wohnform, Vorteile und Finanzierung im Überblick

Wenn mehrere Generationen unter einem Dach zusammenleben, können die Familienmitglieder einander optimal unterstützen. Das gemeinschaftliche Wohnen der Familie bringt Vor- und Nachteile mit sich, die in diesem Ratgeber beleuchtet werden. Außerdem gibt es Mehrgenerationenhäuser auch als Wohnkonzept, bei dem Menschen unterschiedlichen Alters, die nicht miteinander verwandt sind, zusammenleben. Gemeinschaftsflächen, geteilte Infrastruktur und wechselseitige Hilfe prägen diese praktische Wohnform. 

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Mehrgenerationenhaus in Österreich: das Wichtigste im Überblick

  • Bei einem Mehrgenerationenhaus können Familienmitglieder sich optimal untereinander unterstützen. Es gibt jedoch auch Konfliktpotenzial. Gute Planung und offene Kommunikation sind daher entscheidend.
  • Es gibt unterschiedliche Konzepte dieser Wohnform. Ein Mehrgenerationenhaus kann auch bedeuten, dass Menschen unterschiedlichen Alters in einer Immobilie leben, die nicht miteinander verwandt sind.
  • Ein Mehrgenerationenhaus kann neu gebaut werden oder es wird eine Bestandsimmobilie passend um- bzw. ausgebaut. Für die Finanzierung können ein Kredit und Förderungen kombiniert genutzt werden.

Was ist ein Mehrgenerationenhaus und wie funktioniert es

Von einem Mehrgenerationenhaus wird gesprochen, wenn in einer großen Immobilie Menschen unterschiedlichen Alters zusammenleben, jeweils in eigenständigen Wohneinheiten, und gewisse Infrastruktur (z.B. den Garten und Aufenthaltsräume) gemeinschaftlich nutzen. In einem Mehrgenerationenhaus sind wechselseitige Unterstützung und aktive Kommunikation ausdrücklich vorgesehen.

Generationenübergreifendes Wohnen gibt es in unterschiedlichen Formen: 

  • Privates Mehrgenerationenhaus: Hier leben mehrere Generationen einer Familie in einem Mehrparteienhaus zusammen.
  • Kommunales, gefördertes Mehrgenerationenhaus: Es gibt einen öffentlichen, eventuell gemeinnützigen, Betreiber einer großen Immobilie, in der einzelne Wohnungen vermietet werden. Bei der Vermietung wird auf die Alters-Durchmischung geachtet. Manche Mehrgenerationenhäuser werden von Vereinen geführt oder sogar von den Mitgliedern selbst verwaltet.
  • Gewerblich betriebene Mehrgenerationenhäuser: Ein Unternehmen tritt als Betreiber auf, vermietet die einzelnen Wohneinheiten, kümmert sich um die Allgemeinflächen und sorgt für die passende Infrastruktur sowie Zusatzangebote (z.B. Möglichkeit, eine Physiotherapie zu buchen, etc.).

Mehrgenerationenhäuser sind klar von Wohngemeinschaften (WG) und betreutem Wohnen abzugrenzen. Bei einer WG gibt es wesentlich weniger Privatsphäre. Alle Bewohner leben in einer geteilten Wohnung, während in einem Mehrgenerationenhaus getrennte, eigenständige Wohnungen vorhanden sind. Beim betreuten Wohnen gibt es zudem keine Alters-Durchmischung und die Bewohner sind weniger selbstständig als in einem Mehrgenerationenhaus. 

Das Konzept des Mehrgenerationenhauses kann unterschiedlich gestaltet werden. Die Unterschiede zu anderen Wohnformen sind jedoch klar und im Fokus steht das gemeinschaftliche, positive Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Altersgruppen, die einander gegenseitig im Alltag unterstützen.

Tipp: Informieren Sie sich über Neue Wohnkonzepte: 7 Visionen und Trends


Wer profitiert vom Mehrgenerationenhaus in Österreich

Ein Mehrgenerationenhaus bringt für die Beteiligten unterschiedliche Vorteile mit sich. Wenn Kinder mit ihren Eltern und Großeltern zusammenleben, wird die Kinderbetreuung deutlich vereinfacht. 

Umgekehrt kann die jüngere Generation ältere Menschen unterstützen, die bereits etwas Hilfe brauchen oder sogar pflegebedürftig sind. Das gilt ganz besonders für die Lebensjahre, in denen keine Intensivpflege nötig ist, sondern ältere Menschen einfach im Alltag bereits für etwas Unterstützung dankbar sind.

Bei einem größeren gemeinschaftlichen Wohnprojekt mit vielen Parteien unterschiedlichen Alters ist ein Nebeneffekt, dass viele Familien mit Kindern in naher Umgebung leben. So sind soziale Interaktionen für alle Altersklassen möglich.

Abseits der praktischen Vorteile des Zusammenlebens gibt es auch bauliche Pluspunkte. Ein Mehrgenerationenhaus kann barrierefrei gestaltet werden. Durch kluge Planung wird ausreichend Privatsphäre sichergestellt. Gleichzeitig können gemeinsam nutzbare Flächen definiert werden, in denen Menschen verschiedener Generationen zusammenkommen können. 


Vor- und Nachteile eines Mehrgenerationenhauses für Familien und Senioren

Die Ausprägung der Vor- und Nachteile sind bei jedem Mehrgenerationenhaus unterschiedlich. Es kommt auch darauf an, wie gut einander sich die Menschen kennen, die zusammenziehen wollen. Innerhalb einer Familie kann es einfacher sein, als in ein Mehrgenerationenhaus mit Fremden zu ziehen, mit denen erst eine gute Kommunikationsebene aufgebaut werden muss. Umgekehrt kann es familienintern andere Spannungen geben. Alle Beteiligten sollten daher vorab eingehend überlegen, ob ein Mehrgenerationenhaus die passende, richtige Wohnform ist. 

Wie bei jeder Wohnformgibt es auch bei einem Mehrgenerationenhaus Vor- und Nachteile. Diese sind individuell zu beurteilen und zu gewichten. 
Einige zentrale Punkte sind nachfolgend angeführt: 

Vorteile

Nachteile

Gute Betreuungsmöglichkeiten, sowohl für Kinder als auch für Pensionisten.

Durch die Nähe ist immer auch Konfliktpotenzial gegeben.

Soziale Interaktionen werden gefördert, ein gutes Gemeinschaftsgefühl entsteht.

Der Bedarf nach Rückzug und Privatsphäre ist bei jedem Menschen individuell ausgeprägt.

Kosten können geteilt werden (z.B. Wartung der Zentralheizung, Pflege des Gartens, etc.), wobei transparente Abrechnungen und
Kommunikation dahingehend, wofür wie viel ausgegeben wird, wichtig sind.

Menschen haben unterschiedliche Erwartungshaltungen und Bedürfnisse (Sauberkeit, Lärm etc.), 
daher ist offene  Kommunikation wichtig.

Gemeinsam genutzte Flächen erweitern den persönlichen Wohnraum.

Das Zusammenleben bringt einen gewissen Organisationsbedarf für die gesamte Gemeinschaft mit sich.


Recht, Eigentum und Nutzung im Mehrgenerationenhaus in Österreich

In welcher juristischen Form bzw. mit welcher Ausgestaltung ein Mehrgenerationenhaus betrieben wird, kommt stark auf persönliche Umstände an. Angenommen, Sie möchten mit Ihren Kindern und Ihren Eltern als Großfamilie in einem gemeinsamen Haus leben. Dann kann die gesamte Immobilie auch einer Person gehören. Wird das Objekt in mehrere, eigenständige Wohneinheiten geteilt, muss das im Grundbuch abgebildet werden. Außerdem können die Eintragung von Leitungs- und Wegerechten (Servitute) notwendig werden. Hier entstehen somit bürokratischer Aufwand und Kosten. 

Lassen Sie auch erbrechtliche Überlegungen in die Planung einfließen, um eine möglichst sinnvolle, einfache Besitzstruktur zu erschaffen. Bei einem Mehrgenerationenhaus, das von einem Verein, einer Gemeinde oder einem sonstigen Träger betrieben wird, können Sie üblicherweise einfach eine Wohnung mieten. Wie bei klassischen Mietwohnungen gibt es eine Vorschreibung und eine Abrechnung der Betriebskosten. In Sonderfällen gibt es andere Strukturen, z.B. wenn sich eine Baugruppe als Verein organisiert und gemeinsam ein Mehrgenerationenhaus errichtet. 

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Kosten für ein Mehrgenerationenhaus: Neubau, Umbau und laufende Ausgaben

Die Baukosten für ein Mehrgenerationenhaus können sehr unterschiedlich ausfallen, abhängig davon, ob es sich um einen Neubau handelt oder ob eine Bestandsimmobilie umgebaut werden kann. Wer sparsam bauen möchte, kann Eigenleistung erbringen oder eine einfache Ausführung wählen.

Bei einem Neubau sollten Sie für die schlüsselfertige Ausführung jedenfalls mit 4.000 Euro Baukosten pro Quadratmeter rechnen. Hinzu kommen die Kosten für das Grundstück und diverse Nebenkosten wie etwa für den Notar und die Gestaltung der Außenanlagen. Wer ein Mehrgenerationenhaus mit 200 m² schlüsselfertig errichten möchte, sollte daher mit Gesamtbaukosten von über 800.000 Euro rechnen. Muss das Grundstück erst erworben und aufgeschlossen werden, können die Kosten eine Million Euro erreichen oder überschreiten.

Durch Eigenleistung und die Wahl preiswerter Ausführung können die Kosten reduziert werden. Die günstigste Alternative für den Bau eines Mehrgenerationenhauses ist vermutlich, ein möglichst großes Standard-Hausmodell eines Fertighausanbieters als Planungsbasis zu nutzen und den Plan so anzupassen, dass mit möglichst geringen Anpassungen ein Haus für mehrere Parteien entsteht. Mit Kosten von 600.000 Euro muss jedoch trotzdem jedenfalls gerechnet werden.

Hinweis: Sofern nur zwei Generationen unter einem Dach leben sollen, kann ein Haus mit einer Einliegerwohnung eine interessante Alternative darstellen.


Förderung und Finanzierung für ein Mehrgenerationenhaus in Österreich

Um den Traum vom gemeinsamen Wohnen mehrerer Generationen unter einem Dach zu realisieren, sind mindestens 20 Prozent Eigenkapital empfehlenswert. Die übrige Summe muss nicht vollständig als Kreditfinanzierung aufgenommen werden. Denn möglicherweise können Förderungen eine wichtige finanzielle Hilfe darstellen. Für die Finanzierung eines Mehrgenerationenhauses kommt vor allem die klassische Wohnbauförderung ins Spiel. Sie ist österreichweit verfügbar, wobei es konkrete Förderkriterien gibt.

Ebenso relevant sind Förderungen für altersgerechtes Wohnen. Diese können genutzt werden, wenn ein Bestandsobjekt barrierefrei umgebaut werden soll. Um zu prüfen, welche monatliche Kreditrate Sie ungefähr erwartet, verschaffen Sie sich am besten mit unserem Kreditrechner einen ersten Überblick: 

Kreditrechner

Kostenlos und unverbindlich

Die Infina Wohnbau-Finanz-Experten beraten Sie gerne persönlich dazu, wie die Finanzierung Ihres Vorhabens am besten gelingt. Egal ob Sie eine Bestandsimmobilie zu einem Mehrgenerationenhaus umbauen oder einen Neubau errichten möchten, wir unterstützen Sie dabei, eine individuell passende Finanzierung zu erhalten.


Mehrgenerationenhaus planen: Schritte, Tipps und Checkliste

Bei der Planung eines Mehrgenerationenhauses sind mehr Personen involviert als beim Bau eines Einfamilienhauses. Daher ist Kommunikation besonders wichtig. In einem ersten Schritt müssen die Bedürfnisse der einzelnen Personen erfragt werden. Welche Kriterien sind zwingend zu erfüllen und wo können Kompromisse geschlossen werden? 

Mit diesen Anforderungen kann ein Architekt beauftragt werden. Er erstellt die Planung und achtetet von Beginn an auf Barrierefreiheit. Ein flexibler Grundriss stellt sicher, dass das Gebäude in einigen Jahren möglicherweise auch anders genutzt werden kann als derzeit vorgesehen. Besonders bei einer großen Immobilie ist es wichtig, dass sie gegebenenfalls einfach adaptiert werden kann, sofern sich Bedürfnisse im Zeitablauf verändern. 

Ebenso wichtig wie die technische Planung des Gebäudes ist die offene Kommunikation dazu, wie das Zusammenleben funktionieren soll. Besprechen Sie klare Regeln. So ist sichergestellt, dass die Privatsphäre der einzelnen Personen gewahrt wird und ein respektvolles Miteinander entsteht. Das gemeinschaftliche Zusammenleben ist zwar im Fokus, doch damit es funktioniert müssen die individuellen Wünsche der einzelnen (Familien-)Mitglieder offen dargelegt werden. 

Neben räumlichen und persönlichen Bedürfnissen sind auch die Finanzen vorab ganz klar zu thematisieren. Wer wird Eigentümer der Immobilie? Wie werden die laufenden Kosten fair aufgeteilt? Wenn diese Punkte geklärt sind, stellt sich als nächstes die Frage nach der Finanzierung des Vorhabens. 


Ja, es gibt relevante Förderungen für ein Mehrgenerationenhaus wie z.B. Förderungen zur barrierefreien Umgestaltung von Wohnräumen. Auch die österreichweite Wohnbauförderung kann für den Hausbau genutzt werden.

Wie viele Wohneinheiten errichtet werden dürfen, hinterfragen Sie am besten bei der zuständigen Baubehörde (Gemeinde bzw. Magistrat). Denn entscheidend sind hier die Bauordnung, der Bebauungsplan und die Flächenwidmung

Ein Mehrgenerationenhaus kann barrierefrei gestaltet werden und es kann beispielsweise eine Einliegerwohnung für eine Pflegekraft eingeplant werden. Ob die Pflege vor Ort möglich ist oder ein Pflegeheim die bessere Wahl ist, muss individuell bewertet werden und kann sich jederzeit verändern.

Ja, häufig ist es möglich, ein bestehendes Haus in ein Mehrgenerationenhaus umzubauen. Die Machbarkeit muss individuell (z.B. durch einen Architekten oder Baumeister) geklärt werden. 

Bildquellen: fizkes / Adobe Stock, Halfpoint / Adobe Stock, heri / Adobe Stock
Rechtshinweise zu unseren Ratgebern finden Sie in unserer Verbraucherschutzinformation.


Lorenz Sigl
Über den Autor: Lorenz Sigl, MA
Position: Leiter Infina Immobilien

Meine Immobilienkompetenz basiert auf einer fundierten Ausbildung zum Immobilientreuhänder (Makler, Verwalter, Bauträger) sowie als Bautechniker an der Bauakademie. Ergänzend absolvierte ich den ÖVI-Vorbereitungslehrgang für Sachverständige und spezialisierte mich als Bewertungsexperte für Immobilien in Banken. Ein Master in Facility- und Immobilienmanagement sowie ein Bachelor in Management und Recht vertiefen mein Wissen. Mit Erfahrung in der Immobilienvermittlung im Bankenbereich und als Leiter von INFINA Immobilien analysiere ich laufend den Markt, um maßgeschneiderte Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln.

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