Am Geldmarkt (kurzfristiger Zeithorizont, im Gegensatz zum Kapitalmarkt mit einem langfristigen Zeithorizont) werden die Zinsen durch Angebot und Nachfrage bestimmt, wobei die Leitzinsen der EZB einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Geldmarktzinsen haben, die also faktisch von der Notenbank gesteuert werden können. Von diesen Zinssätzen, in vielen Fällen vom 3-Monats-EURIBOR, hängt es ab, wie viele Zinsen Sie als Häuslebauer für Ihre Wohnbaukredite zahlen.
Dieser Ratgeber informiert Sie über die Entwicklung und Hintergründe zum 3-Monats-EURIBOR.
3-Monats-EURIBOR aktuell [Stand 02.07.2026]
Per 02. Juli 2026 liegt der 3-Monats-EURIBOR bei 2,335 %.
3-Monats-EURIBOR: Entwicklung der letzten 12 Monate
Das Jahr 2023 war in punkto „Entwicklung des 3-Monats-EURIBOR“ ein Jahr der Extreme. Noch im Januar 2023 war der 3M-EURIBOR bei knapp über 2 %. Aufgrund des Verlaufs des EZB-Leitzinses, welcher durch viele Zinserhöhungen gekennzeichnet war, stieg der 3-Monats-EURIBOR bis Ende Q3.2023 dann auf knapp 4 %. Danach bildete sich zunächst ein Zinsplateau auf einem Zinsniveau zwischen etwa 3,50 % und 4,00 %. Seit dem Spätsommer 2024 bis zum Jahresbeginn 2025 fiel er dann in Richtung 2,50 %.
Die EZB hinkte Fed im Zinszyklus hinterher
Bereits 2021 stieg infolge von Warenknappheit durch coronabedingte Lieferkettenunterbrechungen die Inflation. Infolge eines durch den seit 24. Februar 2022 tobenden Ukrainekrieg ausgelösten Erdgaspreisschocks erreichte die Inflation in Europa zweistellige Größenordnungen. Die US-Notenbank (Fed) begann Mitte März 2022 mit ihrer Leitzinsanhebungsreihe, während die Europäische Zentralbank (EZB) zu jenem Zeitpunkt noch in einem expansiven geldpolitischen Modus war und erst ca. vier Monate später eine erste Leitzinsanhebung durchführte. In der Folge erhöhte die EZB ihren Hauptrefinanzierungssatz bis September 2023 auf 4,50 %, das höchste Niveau seit 2001. Ab Juni 2024 leitete sie angesichts rückläufiger Inflationsraten eine Zinssenkungsphase ein. Bis Juni 2025 wurde der Hauptrefinanzierungssatz schrittweise auf 2,15 % gesenkt. Nach mehreren Zinspausen hob die EZB die Leitzinsen im Juni 2026 erstmals wieder an: Mit Wirkung ab 17. Juni 2026 liegt der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 %, der Einlagensatz bei 2,25 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 %
Lohninflation im Fokus
Der EURIBOR mit 3 Monaten Laufzeit gewinnt im Einklang mit weiteren restriktiven geldpolitischen Aussagen von Entscheidungsträgern der EZB besonders an Dynamik. Sowohl in den USA als auch in Europa wird die stärker mit den Lohnkosten korrelierende Kerninflation von den Notenbanken genau beobachtet. Infolge starker Gewerkschaften in Europa, die vehement Inflationsausgleich fordern, beobachtet die EZB insbesondere auch den Faktor Lohninflation. Dieser hat für die weiteren geldpolitischen Entscheidungen an Bedeutung gewonnen.
3-Monats-EURIBOR: historische Entwicklung seit 1999
Die historische Entwicklung des 3-Monats-EURIBOR gleicht seit 1999 einer Berg-und-Tal-Fahrt. Geprägt war diese Zeit von mehreren Krisen mit unterschiedlichen geldpolitischen Entscheidungsträgern in der EZB. Am Ende folgte ein erneuter „Zinsschock“ nachdem der 3-Monats-EURIBOR seit April 2015 infolge von massiven Anleihenkäufen und negativen Einlagezinsen der EZB über 7 Jahre im Negativ-Terrain verharrte. Am Tiefpunkt fiel der 3-Monats-EURIBOR im vierten Quartal 2021 unter -0,60 %. Dies war eine Folge der Corona-Sondermaßnahmen der EZB, die massiv Anleihen aufkaufte, um die langfristigen Zinsen zu drücken. Abgelöst wurde diese Phase von einem Inflationsschock, dem ab Juli 2022 dann eine Vielzahl von Leitzinsanhebungen der EZB und steigende EURIBOR-Sätze folgten.
Von Negativzinsen zum Zinsschock
In den vergangenen Jahren haben nach der Finanzkrise 2008/09 Interventionen der Notenbanken an den Kapitalmärkten zu einer Verzerrung des Marktgefüges geführt. Seit 2009 boomten vor allem in deutschsprachigen Raum bei niedriger Verbraucherinflation die Wohnimmobilienpreise, die teils kritische Höhen erreichten. Seit 2015 waren in Österreich dann variable Wohnbau-Kreditverzinsungen zwischen 0,375 und 1,000 % p.a. möglich, da Banken von der Marge den negativen 3-Monats-EURIBOR-Zins abzogen und bereit waren, im Notfall Nullzinskredite zu vergeben, während es in Dänemark bereits erste Negativzinskredite gab. Doch der auf die Pandemie und im Zuge des Ukrainekriegs einsetzende Inflationsschub ließ die „Negativzinsträume“ wie Seifenblasen zerplatzen und leitete die aktuelle „Zinsschockphase“ ein.
Ende des Zinsparadieses
Vor allem in den Jahren 2020 und 2021 konnten langjährige Fixzinsbindung zu teils 1,000 bis 1,250 % p.a. abgeschlossen werden und variable Zinsen wurden teilweise unter 0,5 % p.a. gewährt. Die Jahre zuvor hingegen haben Experten wiederholt vergeblich eine Zinswende proklamiert, denn seit 2008 waren die Notenbanken weltweit im „Sonderoperationsmodus“, um größere Krisen an den Finanzmärkten zu verhindern. Diese Zeiten sind seit 2022 - zumindest vorerst – vorbei. Nun pflegt die EZB in Europa wieder ihre Kernaufgabe, die Sicherstellung der Geldwertstabilität (mit dem Ziel einer Inflation in Höhe von 2 %). Die Handlungsbereitschaft der Währungshüter in Frankfurt am Main lässt sich dabei an einer Erhöhung des wichtigsten Leitzinssatzes um 4,50 Prozentpunkte binnen vierzehn Monaten (bis September 2023, danach 5 Sitzungen des EZB-Rates ohne Änderung) sehr gut erkennen. Seit 06. Juni 2024 entschied der EZB-Rat sieben Lockerungen und senkte den Leitzins (Hauptrefinanzierungszinssatz) wieder auf 2,40 %.
Für die weitere Entwicklung des 3-Monats-EURIBOR bleibt entscheidend, ob die Inflation im Euroraum nachhaltig in Richtung des EZB-Ziels von 2 % zurückkehrt. Nach der Zinserhöhung im Juni 2026 ist kurzfristig nicht mehr von einem deutlich sinkenden EURIBOR auszugehen; die Entwicklung bleibt datenabhängig.
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