Restschuld eines Kredits: Was ist das?

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Autor: Mag. Harald Draxl
Kategorie: Finanzierung
Datum: 18.06.2023

Als Restschuld wird jener Betrag bezeichnet, der bei einer Finanzierung zu einem bestimmten Zeitpunkt noch offen ist. Dieser Betrag kann dann entweder in Raten nach und nach abbezahlt werden. Oder es erfolgt eine Sondertilgung, um die gesamte Restschuld frühzeitig zurückzuzahlen – so ist die Situation in Österreich. Doch in Deutschland ist der Ablauf komplizierter. Hier kann nach Ablauf der Fixzinsphase eine Anschlussfinanzierung nötig werden. Es erfolgt dann eine Umschuldung, sofern die aktuell finanzierende Bank keine Vertragsverlängerung wünscht. Wir zeigen Ihnen, welche Optionen Sie haben, mit der Restschuld umzugehen und welche Unterschiede es im Sprachgebrauch zwischen Deutschland und Österreich gibt.


Restschuld: Das Wichtigste im Überblick

  • Während in Österreich der Begriff Restschuld zeitpunktunabhängig den noch offenen Kreditsaldo bezeichnet, ist in Deutschland der nach der Fixzinsphase noch offene Kredit gemeint.
  • In Deutschland muss für die Restschuld aktiv eine Lösung gefunden werden: Verlängerung des bestehenden Kreditvertrags, einmalige Rückzahlung oder Umschuldung. In Österreich wird jener Kreditbetrag, der nach Ende der Fixzinsphase noch offen ist, einfach variabel verzinst.
  • Verlängert eine Bank in Deutschland den Kreditvertrag nicht, muss die Restschuld durch eine Einmalzahlung getilgt werden oder es muss eine Umschuldung zu einem anderen Kreditinstitut erfolgen („Anschlussfinanzierung).
  • Eine Umschuldung eines offenen Restbetrags kann auch in Österreich finanzielle Vorteile bringen.
  • Je geringer die Restschuld, desto weniger sind Sie bei steigenden variablen Zinsen finanziell gefährdet.

Definition: Was ist die Restschuld?

Die Restschuld wird bei einem Kredit auch als „aushaftendes Kapital“ bezeichnet und ist jener Betrag, der noch nicht an die finanzierende Bank zurückbezahlt wurde. Meist wird die Höhe der Restschuld zum Ende einer Fixzinsphase relevant. Denn hier wird oft entschieden, wie dieser noch offene Betrag zukünftig an das Kreditinstitut zurückbezahlt wird. In Deutschland kann die finanzierende Bank auf die Rückzahlung bestehen oder den Vertrag verlängern. Häufig wird daher eine Anschlussfinanzierung bei einem anderen Kreditinstitut nötig. In Österreich hingegen beginnt einfach die zweite Phase des Kredits zu laufen, in der nun eine variable Verzinsung erfolgt. Die vertraglichen Rahmenbedingungen dazu wurden bereits im ursprünglichen Kreditvertrag mit der finanzierenden Bank vereinbart.


Restschuld in Deutschland und Österreich

Der Begriff „Restschuld“ wird in Deutschland und Österreich geringfügig unterschiedlich verwendet, bzw. hat er unterschiedliche Relevanz. In Österreich wird einfach jener Betrag des Kredits, der noch nicht zurückbezahlt wurde, als Restschuld bezeichnet. In Deutschland hingegen geht es dabei um den Darlehensbetrag, der nach der Fixzinsphase noch offen ist.

Wer in Österreich einen Kreditvertrag abschließt, weiß bereits vorab, wie die Zinsen nach der Fixzinsphase berechnet werden (z.B.: 3-Monats-EURIBOR + Aufschlag der Bank). In Deutschland muss die finanzierende Bank hingegen keine Verlängerung anbieten. Es wird dann eine Anschlussfinanzierung für die Restschuld benötigt, während in Österreich der Kreditvertrag aufrecht bleibt und bis zum bereits ursprünglich vereinbarten Vertragsende weiterläuft.


Wovon hängt die Höhe der Restschuld beim Kredit ab?

Die Restschuld beim Kredit, egal ob am Ende der Fixzinsphase oder zu einem sonstigen Zeitpunkt, ist von unterschiedlichen Einflussfaktoren abhängig.

Kreditbetrag

Der ursprüngliche Kreditbetrag stellt den Ausgangswert für alle Kalkulationen dar. Er muss über die Laufzeit hinweg zurückbezahlt werden. Je mehr während einer Fixzinsphase ab Beginn zurückbezahlt wird, desto geringer ist die verbleibende Restschuld.

Laufzeit

In Österreich sind Kreditverträge so aufgebaut, dass eine definierte Gesamtlaufzeit des Kredits vereinbart wird. Häufig gibt es zuerst eine Fixzinsphase und in der anschließenden, verbleibenden Kreditlaufzeit kommen variable Zinsen zur Anwendung. Steigt der für die Berechnung des variablen Zinses verwendete Referenzzins im Laufe der Jahre, so müssen Sie mit höheren Kosten rechnen, sobald die Fixzinsphase endet. Je länger die Laufzeit ist, desto geringer sind die monatlichen Kreditraten und damit auch die laufende Kredittilgung. Daher sorgt eine längere Laufzeit auch für eine höhere Restschuld am Ende der Fixzinsphase.

Tilgungshöhe

Je höher die monatliche Tilgung in Relation zur Kreditsumme ist, desto schneller sinkt die verbleibende Restschuld. Durch eine höhere Tilgung während der Fixzinsphase bleibt somit ein geringerer Betrag, der später variabel verzinst wird. Durch weitere vorzeitige Tilgungen reduzieren Sie somit Ihr Risiko.

Sonstige Konditionen

In manchen Fällen können spezielle Vereinbarungen getroffen werden. Beispielsweise, dass über einen bestimmten Zeitraum keine Tilgung erfolgt, sondern nur Zinsen bezahlt werden. Dadurch sinkt jedoch die Restschuld nicht, denn diese wird nur durch Tilgungen reduziert.

Beispiele: Restschuld berechnen

Angenommen Sie nehmen ein Tilgungsdarlehen von 250.000 Euro zu einem Zinssatz von 4 % mit 20-jähriger Fixzinsbindung auf, dann haben Sie im Falle einer jährlichen Tilgung von 5.000 Euro (2%) in Monatsraten von 416,67 Euro (ex Zinsen) bei monatlicher Zinszahlung nach 20 Jahren eine Restschuld von 150.000 Euro.

JahrSchuldenstand VorjahrZahlungendavon Zinsen / Gebührendavon TilgungSchuldenstand am Jahresende
1250.000,0014.908,379.908,335.000,04244.999,96
2244.999,9614.708,379.708,335.000,04239.999,92
3239.999,9214.508,379.508,335.000,04234.999,88
4234.999,8814.308,379.308,335.000,04229.999,84
5229.999,8414.108,379.108,335.000,04224.999,80
6224.999,8013.908,368.908,325.000,04219.999,76
7219.999,7613.708,368.708,325.000,04214.999,72
8214.999,7213.508,378.508,335.000,04209.999,68
9209.999,6813.308,368.308,325.000,04204.999,64
10204.999,6413.108,358.108,315.000,04199.999,60
11199.999,6012.908,367.908,325.000,04194.999,56
12194.999,5612.708,367.708,325.000,04189.999,52
13189.999,5212.508,357.508,315.000,04184.999,48
14184.999,4812.308,357.308,315.000,04179.999,44
15179.999,4412.108,357.108,315.000,04174.999,40
16174.999,4011.908,356.908,315.000,04169.999,36
17169.999,3611.708,356.708,315.000,04164.999,32
18164.999,3211.508,346.508,305.000,04159.999,28
19159.999,2811.308,356.308,315.000,04154.999,24
20154.999,2411.108,346.108,305.000,04149.999,20

Gesamt-
summen

250.000,00

260.167,15

160.166,35

100.000,80

149.999,20

 


Restschuld: Was kommt danach?

In Österreich ist die Situation klar: Sobald die Fixzinsphase endet, verbleibt eine Restschuld, die spätestens bis zum Ende des Kreditvertrag zurückbezahlt wird. Sind die Zinsen jedoch nun höher als der bisherige Fixzinssatz, so steigen für Sie die monatlichen Kosten entsprechend an. Entweder, Sie leisten weiterhin die monatlichen Kreditraten (Tilgung + aktuelle Zinsen) oder Sie erbringen eine Sondertilgung. Das bedeutet, dass Sie die noch vorhandene Restschuld durch eine einmalige Zahlung entweder ganz tilgen oder zumindest entsprechend reduzieren.

Möglichkeit 1: Restschuld zurückbezahlen

Wer die Restschuld am Ende der Fixzinsphase zurückzahlen möchte, muss rechtzeitig zu sparen beginnen. Ob eine Rückzahlung sinnvoll ist, muss individuell geprüft werden. Wenn die Zinsen deutlich angestiegen sind, kann es vorteilhaft sein, den angesparten Betrag für die Rückzahlung zu nutzen. Der Restbetrag kann vollständig beglichen werden oder Sie leisten eine einmalige Zahlung um die Restschuld zu verringern, die anschließend variabel verzinst wird.

Möglichkeit 2: Umschulden

Zur Verbesserung der eigenen Liquidität kann eine Umschuldung vorteilhaft sein. Durch die Umschuldung profitieren Sie, wenn die Zinsen weiterhin attraktiv sind und Sie die Laufzeit verlängern möchten. Eine neue Fixzinsvereinbarung kann abgeschlossen werden.

Möglichkeit 3: Prolongation

Diese Option ist in Deutschland relevant. Spätestens drei Monate vor Ablauf der Sollzinsbindung kann die finanzierende Bank eine Prolongation vereinbaren. Das bedeutet, die bisherige Kreditlaufzeit wird verlängert – das kann jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden sein.


Soll ich eine hohe oder niedrige Restschuld anstreben?

Ob eine höhere oder niedrigere Restschuld vorteilhaft ist, lässt sich zum Zeitpunkt, an dem der Kredit aufgenommen wird, noch nicht sicher sagen. Auf der einen Seite gibt es das Zinsänderungsrisiko: Die Zinsen könnten steigen und bei einem hohen offenen Restbetrag wirkt sich dies dann, insbesondere bei einem variablen Zinssatz, entsprechend nachteilig aus. Andererseits kann es angenehm sein zu wissen, dass die Restschuld geringer ist und somit die persönliche Sicherheit erhöht wird.

Doch eine höhere Restschuld bedeutet auch, dass dieser Betrag erst später bezahlt wird. Gerade, wenn eine hohe Inflationsrate über Jahre hinweg gegeben ist, wird die Kaufkraft dieser höheren Restschuld - bei ansteigenden Einkünften des Kreditnehmers - deutlich reduziert. In diesem Fall wäre es somit besser, möglichst spät Rückzahlungen des Kredits zu leisten.

Durch eine frühzeitige Tilgung kann die Restschuld auch teilweise beglichen werden. So reduzieren Sie den offenen Kreditbetrag, senken das Risiko steigender Zinsen und schaffen sich dadurch auch wiederum einen größeren Spielraum, falls Sie künftig andere Projekte finanzieren möchten.


Restschuld: bei Darlehen in Österreich kaum verbreitet

Wirklich wichtig ist die Restschuld in Deutschland, wo tatsächlich Druck vorhanden ist, den Restschuldbetrag in irgendeiner Form begleichen zu müssen. In Österreich ist die Situation entspannter, weil schon vorab die längere Vertragslaufzeit vereinbart wird und sich nur die Art der Verzinsung ändert. Trotzdem kann es auch in Österreich sinnvoll sein, sich Gedanken darüber zu machen, wie der noch offene Kreditbetrag zurückbezahlt wird. Eine Umschuldung kann häufig zu einer deutlichen Kostenreduktion führen und bringt zusätzlich finanzielle Flexibilität.


Häufige Fragen zur Restschuld bei einem Darlehen

 

Der Kredit kann selbstverständlich frühzeitig vollständig getilgt werden. Dafür fällt jedoch eine Pönale an, typischerweise in der maximal zulässigen Höhe von einem Prozent des frühzeitig zurückbezahlten Betrags.

 

 

Für die frühzeitige Rückzahlung des Kredits erhält die Bank eine sogenannte „Vorfälligkeitsentschädigung“, auch als „Pönale“ bezeichnet. Diese liegt in Österreich für Verbraucher bei einem Prozent des frühzeitig rückbezahlten Kreditbetrags.

 

 

In Österreich wird anschließend der offene Restbetrag mit einem variablen Zinssatz, dessen Berechnungsmodus schon im Kreditvertrag definiert wurde, weiter zurückbezahlt. Alternativ kann auch eine Sondertilgung erfolgen. In Deutschland hingegen müssen Sie sich um die Restschuld kümmern und entweder den bestehenden Vertrag verlängern oder den offenen Betrag zurückbezahlen. Oft kommt es daher zu einer Anschlussfinanzierung bzw. Umschuldung der Restschuld.

 

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Über den Autor: Mag. Harald Draxl
Position: Geschäftsführer

Meine Kreditkompetenz habe ich 1995 durch die Leitung des Gewerbekunden-Centers bei der Creditanstalt AG und seit 1997 als Baufinanzierungs-Spezialist bei der CA Baufinanzierungs-Beratung GmbH aufgebaut. Im Jahr 2002 wurde ich Gesellschafter bei der Infina und ab November 2004 in die Geschäftsführung berufen. Meine Zuständigkeit ist seither die Leitung unseres Vertriebes und der Banken-Kooperationen. Ich beschäftige mich tagtäglich mit den Entwicklungen am österreichischen Kredit- und Immobilienmarkt, um unsere gesamte Vertriebsorganisation stets über die besten Produkte und aktuellen Zinssätze für die Kundenberatungen auf dem Laufenden zu halten.

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