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Niedrigzinsphase in Österreich: Ursachen, Auswirkungen und Strategien für Ihre Finanzen

Die anhaltende Niedrigzinsphase in Österreich hat seit Jahren Einfluss auf Zinssatzentwicklung, Sparverhalten und Kreditkosten. Getrieben durch die krisenbekämpfende Zinspolitik der EZB (Finanzkrise 2008/2009, Pandemie 2020 bis 2022) liegt das Zinsniveau historisch niedrig und schafft ein außergewöhnliches Zinsumfeld. Während Sparer unter niedrigen Zinsen leiden, profitieren Kreditnehmer von günstigen Finanzierungsbedingungen. Dieser Beitrag erklärt Ursachen, Auswirkungen und zeigt Strategien, wie Sie Ihre Finanzen anpassen können, um Chancen zu nutzen und Risiken besser zu steuern.

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Niedrigzinsphase in Österreich: das Wichtigste im Überblick

  • Die aktuelle Niedrigzinsphase in Österreich ist Folge einer Leitzinssenkungsreihe der EZB.
  • Das primäre Ziel der EZB liegt in einer mittelfristigen Inflationsrate von 2 %.
  • Während der EZB-Leitzins europaweit einheitlich gilt, unterscheiden sich die durchschnittlichen Kreditzinsen auf nationaler Ebene je nach Liquidität der Banken, Wettbewerbssituation, Regulierung und Nachfrage.
  • Variabel verzinste Kredite sind in Niedrigzinsphasen günstig, unabhängig vom Abschlussdatum des Kreditvertrags.
  • Fix verzinste Kredite im Neugeschäft sind in Niedrigzinsphasen ebenfalls günstig, bestehende Kredite mit Fixzinsbindung bleiben während der Bindungsdauer jedoch unverändert.
  • Eine Niedrigzinsphase führt häufig zu Sparzinsen unter Inflationsniveau und realen Wertverlusten bei Sparguthaben.
  • Eine Niedrigzinsphase kann unter bestimmten Bedingungen günstige Umschuldungsmöglichkeiten bedeuten.

Warum die Niedrigzinsphase in Österreich alle betrifft

Die Niedrigzinsphase in Österreich ist auf die einheitliche Zinspolitik der EZB zurückzuführen, die für alle Eurostaaten denselben Leitzins vorgibt. Gewinner bei Neuabschlüssen sind Kreditnehmer, Verlierer sind die Sparer. Doch was ist eine Niedrigzinsphase eigentlich? Sie beschreibt ein Umfeld, in dem das Zinsniveau über Jahre hinweg auf im Vergleich zu langjährigen historischen Durchschnitten auf außergewöhnlich niedrigem Stand bleibt. Nach 8 Leitzinssenkungen der EZB bis Juni 2025 befindet sich Österreich wieder in einer Niedrigzinsphase.

Niedrige Zinsen wirken in Österreich gleichzeitig als Chance und Risiko. Sparer leiden unter niedrigen Sparzinsen und mangels Zinserträge unter realer Entwertung ihrer Guthaben. Kreditnehmer profitieren von günstigeren Zinsen. Investoren sollten die Zinsentwicklung in Österreich genau im Blick behalten, um die richtigen Finanzentscheidungen zu treffen.


Was bedeutet Niedrigzinsphase?

Eine Niedrigzinsphase bedeutet, dass Zentralbanken die Leitzinsen über einen längeren Zeitraum deutlich unter dem historischen Durchschnitt halten. Dadurch entsteht ein dauerhaft günstiges Finanzierungsumfeld für Haushalte, Unternehmen und Staaten.

Niedrige Zinsen beleben die Bauwirtschaft und Immobilienmarkt und geben Staaten mehr Handlungsspielräume, sind aber negativ für Sparer. Eine Niedrigzinsphase liegt dann vor, wenn der risikofreie Zinssatz, der in der Regel von einer Zentralbank festgelegt wird, über einen längeren Zeitraum unter dem historischen Durchschnitt liegt. Sie ist genau das Gegenteil von Hochzinsphasen, in denen die Leitzinsen im historischen Vergleich überdurchschnittlich hoch sind.


Auswirkungen auf Finanzierungsbedingungen

In einer Niedrigzinsphase sind die Leitzinsen auf niedrigem Niveau und Wohnbau- und Konsumkredite zu einem niedrigen Zinssatz zu bekommen. Private Haushalte können sich angesichts eines vorherrschenden Niedrigzins an einer günstigen Immobilienfinanzierung bei Neuabschluss erfreuen, vorausgesetzt sie bringen zumindest 20 % Eigenmittel ein. 

Wohnbaukredite mit variablem Zinssatz, welche während einer höheren Zinsphase abgeschlossen wurden, werden in Niedrigzinsphasen günstiger (und im Zeitablauf bei steigendem Zinsniveau auch wieder teurer). Wohnbaufinanzierungen mit einem Fixzinssatz verändern sich hingegen während der Dauer der Zinsbindung nicht. 

Allerdings können Sie als Kreditnehmer einer Fixzinsfinanzierung von einer Kreditoptimierung profitieren, wenn das Zinsniveau seit dem Zeitpunkt des Abschlusses des Kreditvertrags deutlich gesunken ist. Bei Neuabschluss einer Wohnbaufinanzierung mit Fixzinssatz profitieren Sie ebenfalls vom niedrigen Zinsniveau, in welchem Ausmaß hängt vom Verlauf der Zinsstrukturkurve ab.

Umschuldung

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Mit rückläufigen Geldmarktzinsen haben sich auch die Zinsen für Konsumkredite verbilligt. Während diese an keine Sicherheiten gebunden sind, liegt deren Nachteil in höheren Zinsen, meist um mehrere Prozentpunkte über jenen besicherter Wohnbaukredite.


Chancen und Risiken für Anleger und Sparer

Eine Niedrigzinsphase stellt viele Haushalte bei ihrer Geldanlage vor Herausforderungen. Das traditionelle Sparen auf dem Sparbuch oder Sparkonten ermöglicht bei Inflationsraten zwischen 3,5 und bis zu über 4 % in Österreich, wie diese in 2025 in etwa lagen, nicht einmal den Inflationsausgleich. Diese Situation führt zu einem schleichenden Kaufkraftverlust, weshalb immer mehr Menschen über alternative Möglichkeiten der Geldanlage nachdenken. Eine höhere Rendite oder genauer ausgedrückt ein höherer Gesamtertrag kann in Niedrigzinsphasen möglicherweise mit Aktienfonds oder Aktien-ETFs erzielt werden.

Im Falle größerer Anlagebeträge gelten Immobilien als interessante Option. Sie kombinieren Sachwertsicherheit mit laufenden Mieteinnahmen und können in Zeiten niedriger Zinsen besonders attraktiv erscheinen. Steigende Baukosten, regulatorische Rahmenbedingungen und mögliche Leerstände erfordern eine sorgfältige Auswahl von Objekten. 

Es bleibt daher zwischen Sicherheit und Rendite im Zinstief abzuwägen. Reine Sparformen bleiben risikoarm, verlieren aber an realen Wert. Wenn Sie eine höhere Rendite in einer Niedrigzinsphase erzielen möchte, können Sie einen Teil des Vermögens bewusst in chancenorientierte Anlagen lenken, wenn Sie sich dabei stets der Risiken bewusst sind.

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Welche Strategie wähle ich in einer Niedrigzinsphase?

In der Niedrigzinsphase profitieren alle Kreditnehmer bei Neuabschlüssen von günstigen Zinssätzen und bei bestehenden Fixzinsbindungen unter bestimmten Bedingungen von Umschuldungen, während Anleger häufig durch breite Diversifikation einen auskömmlichen Ertrag suchen. Für die Altersvorsorge gewinnen Anlageimmobilien an Bedeutung. Eine Niedrigzinsphase erfordert eine Finanzstrategie, die sowohl Schulden als auch Vermögen berücksichtigt.

Sofern Sie in Österreich einen laufenden Kredit haben, sollten Sie prüfen, ob sich das Umschulden auf sicherere oder günstigere Alternativen lohnt. Wenn Sie als Verbraucher einen alten Fixzinskredit mit höheren Kreditzinsen noch viele Jahre bis Ende der Bindungsdauer laufen haben, können Sie über eine Umschuldung nachdenken. Für Konsumenten in Österreich fällt dabei maximal ein Pönale von einem Prozent an.

Eine andere Überlegung wäre für Sie als Kreditnehmer in Österreich unter den Aspekten der langfristigen Planungssicherheit bei den Zinskosten die Umschuldung von einem variabel verzinsten Kredit in einen Fixzinskredit. Risikofreudige Kreditnehmer setzen hingegen auf eine Mischform mit teils fixem und teils variablem Zinssatz, wodurch Chancen auf sinkende Zinsen genutzt, aber auch Risiken getragen werden.

Neben Krediten spielt die Geldanlage eine zentrale Rolle. Eine professionelle Anlageberatung sieht in Österreich meist ein diversifiziertes Portfolio vor. So lassen sich Chancen und Risiken besser steuern. Durch klare Gewichtung der Anlageklassen können Sie eine Balance zwischen Sicherheit und Rendite herstellen. Auch die Altersvorsorge ist im Niedrigzinsumfeld ein wichtiges Thema. Verfügen Sie dabei über ein größeres Vermögen, sollten Sie zusätzlich hochwertige Anlageimmobilien in Betracht ziehen. Diese bieten nicht nur potenzielle Wertsteigerungen, sondern auch laufende Mieteinnahmen und damit langfristige Stabilität.


Wie lange dauert die aktuelle Niedrigzinsphase noch?

Bei den Marktparametern stehen derzeit erwartete hohe Rüstungs- und Infrastrukturausgaben in Europa in den nächsten zehn Jahren kurzfristigen Unsicherheiten durch US-Einfuhrzölle gegenüber. Obwohl eine Prognose der weiteren Entwicklung der Zinsen im Euroraum äußerst schwierig ist, gehen derzeit viele Experten davon aus, dass die Zinssenkungsreihe der EZB abgeschlossen ist. Sollten jedoch die neuen US-Zölle auf EU-Waren und politische Entwicklungen in Frankreich die Konjunktur im Euroraum schwächen, wäre zumindest aber eine weitere Leitzinssenkung möglich.

Eine Zinsprognose für den Kreditmarkt in Österreich lässt sich aus der erwarteten Entwicklung der Leitzinsen und langfristigen Kapitalmarktzinsen ableiten, ist aber mit hohen Unsicherheiten behaftet. Kreditnehmer in Österreich können diesen unsicheren langfristigen EZB-Zinsausblick mittels einer langjährigen Fixzinsbindung absichern.


Häufige Fragen zur Niedrigzinsphase in Österreich

Die Niedrigzinsphase stützt die Immobilienpreise infolge der höheren Nachfrage seitens kreditfinanzierender Käufer, da durch niedrigere Kreditraten die Leistbarkeit steigt.

Im Einklang mit rückläufigen Leitzinsen der EZB sinken in erster Linie variabel verzinste bestehende Kredite. Im Neugeschäft kann zudem in den meisten Fällen eine langfristige Fixzinsbindung zu adäquaten Konditionen abgeschlossen werden.

Als Notgroschen und stabile Basis haben Sparbücher immer ihre Berechtigung, doch decken die niedrigen Sparzinsen nicht die Inflationsrate ab, woraus ein realer Vermögensverlust resultiert. Eine Diversifikation mit Sachwerten wie Aktien, Edelmetalle und Immobilien kann daher empfehlenswert sein.

Werden ein 3-Monats-Euribor und EZB-Einlagenzins von je 2,50 % als Niedrigzinsgrenze angesetzt, signalisiert die Forward-Kurve eine Niedrigzinsphase bis September 2029 (Stand Herbst 2025).

In einer Niedrigzinsphase ist eine breite Diversifikation aus verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Immobilien sinnvoll. Sachwerte gewinnen dabei an Bedeutung.

Bildquellen: chapicha / Adobe Stock, Ajit Yadav / Adobe Stock,  contrastwerkstatt / Adobe Stock
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Über den Autor: Hagen Luckert
Position: Geschäftsführer

Meine gesamte berufliche Laufbahn habe ich im Kreditbereich verbracht. Zunächst im Sparkassen- sowie im Großbankensektor in Deutschland. Nach Leitung der Business-Unit Kreditstrategie- und Organisation in einem großen Beratungsunternehmen war ich als Geschäftsführer einer Kreditfabrik tätig. Im Anschluss daran wurde ich als Vorstand in einem Softwareunternehmen für künstliche Intelligenz im Bankenbereich berufen und habe 2019 in die Geschäftsführung von Infina gewechselt. Die ständige Recherche, strukturierte Aufbereitung sowie verständliche Veröffentlichung von allen Fragestellungen rund um das Kreditgeschäft gehören zu den wesentlichen Schwerpunktsetzungen meiner Funktion.

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