Lageplan für Bauantrag: Inhalte und Vorgaben

lageplan eines gebäudes
Autor: Hagen Luckert
Kategorie: Immobilie
Datum: 24.01.2022

Ein Lageplan ist Bestandteil des Einreichplans und muss vorgelegt werden, wenn Sie ein Bauvorhaben genehmigen lassen wollen. Neben der Geländedarstellung ist er eine wichtige Grundlage für die Bauplanung. Er enthält die diversen Bedingungen und Regeln einer Bebauung auf dem Grundstück. Aus diesem Grund darf er nur von fachlich befugten Personen gezeichnet werden. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wofür Sie einen solchen Plan brauchen und welche Informationen Sie aus diesem ablesen können.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Lageplan ist als Grundlage für die Bauplanung bei der Baubehörde (Gemeindeamt) einzureichen.
  • Er enthält eine zeichnerische Abbildung von Grundstück und Umgebung aus der Vogelperspektive, meist im Maßstab 1 : 200.
  • Zudem sind die Bauklassen verzeichnet, die über die Gebäudehöhe bestimmen, und es gibt einen schriftlichen Teil mit genauen Anweisungen.
  • Der Lageplan enthält auch verschiedene Abkürzungen zur Regelung der Bauweisen und diverse Fluchtlinien, die für Bebauungsregeln ausschlaggebend sind.
  • Kostenpunkt: Bei der Erstellung durch Vermessungsbüros müssen Sie mit bis zu 1.800 Euro rechnen.

Der Lageplan beim Hausbau

Wenn Sie ein Haus bauen möchten, müssen Sie das Bauvorhaben beim Gemeindeamt einreichen. Dazu benötigen Sie – neben anderen Unterlagen, wie etwa der Baubeschreibung – einen Lage- und Höhenplan der Bauentwürfe. Dieser Lageplan für den Bauantrag beinhaltet eine Zeichnung des Grundstücks und der Umgebung aus der Vogelperspektive, meist im Maßstab 1:200, sowie einen schriftlichen Teil mit wichtigsten Eigenschaften der Liegenschaft und den Bauauflagen der Behörde.

Ist der Plan einmal eingereicht, müssen Sie die dort enthaltenen Vorgaben strikt einhalten. Verstoßen Sie dagegen, kann das einen Baustopp oder sogar einen angeordneten Rückbau zur Folge haben.

Der Lage- und Höhenplan ist weiters notwendig, damit Ihr Baumeister oder Architekt die Entwürfe zur Bauplanung erstellen kann.

Baukredit

Kostenlos und unverbindlich


Inhalt: Was ist am Lageplan zu sehen?

Wie bereits angeführt besteht der Lageplan für den Bauantrag aus einer Planzeichnung und einem schriftlichen Teil. Beide müssen beim Bau genau berücksichtigt werden. Der Inhalt des Lageplans sieht wie folgt aus:

Zeichnung:

  • Baugrundstück und Nachbargrundstücke
  • Topografie, Kataster, Grundbuchsdaten, Einbauten, Fassadenansichten, Schnitte
  • Grünflächen
  • Fluchtlinien zur Abgrenzung von Grundstücken: Fluchtlinien Grenzen zu öffentlichen Verkehrsflächen oder zwischen Gebieten mit verschiedenen Flächenwidmungen bzw. Bebauungsbestimmungen.
  • Bauklassen: Die einzelnen Bauklassen zeigen die maximale Höhe der Gebäude, die von Bundesland zu Bundesland variiert. Im Bebauungsplan scheinen sie als rote römische Ziffern auf.

Schriftlicher Teil:

  • Beschreibung von Grundstück und Umgebung
  • Feststellung der Baulasten und Nennung des Bauherrn
  • Baugenehmigungen, Baumaterialien und relevante Zahlen wie Grundfläche, Etagenzahl, Baumassezahl
  • Sämtliche Eigentümer, Anrainer und deren Adressen
  • Öffentliche Durchfahrten und Durchgänge

Hinweis: Da die Raum- und Bauplanung in Österreich Ländersache ist, sind die verpflichtenden Inhalte des Lageplans vom jeweiligen Bundesland geregelt. Eine Liste der vorgeschriebenen Inhalte für Wien finden Sie beispielsweise auf dieser Seite.


Wer erstellt den Lageplan?

Sie müssen den Lageplan der Baubehörde aushändigen – das bedeutet: Der Plan muss in sich stimmig sein und den Vorschriften entsprechen. Deshalb darf ein Lageplan nur von vereidigten Fachleuten, wie zum Beispiel Zivil-Geometern (Vermessungsingenieure) oder ähnlich befähigten Personen, erstellt werden. Möchten Sie einen solchen Plan erstellen lassen, so wenden Sie sich also am besten an ein Vermessungsbüro.


Kosten für den Lageplan

Vermessungsbüros bieten Ihnen eine breite Palette von Dienstleistungen wie zum Beispiel Grenzregulierung, Parzellierung, Grundstückszusammenlegung, aber auch die Erstellung des Lageplans. Die konkreten Kosten hängen natürlich von der Komplexität des Grundstücks und seiner Umgebung ab. In Österreich liegen die üblichen Kosten des amtlichen Lageplans bei etwa 1300 bis 1800 Euro.


Lageplan erstellen: Diese Vorgaben gelten

Der Lageplan ist die Grundlage der Bauausführung und muss diversen Vorschriften entsprechen. Folgende Regeln gelten für Sie als Häuslbauer:

Maßstab des Lageplans

Der erforderliche Maßstab unterscheidet sich je nach Gemeinde und Grundstück, liegt aber meist bei einem Verhältnis von 1:200. Alternativ sind auch 1:500 möglich.

Lageplan: Zeichen

Am Lageplan finden Sie jede Menge an Zeichen und Abkürzungen. So gibt es beispielsweise Buchstabenkürzel, welche die Bauweise (d. h. wie die Gebäude zueinanderstehen) anzeigen:

  • o: offene Bauweise – Bauwerke müssen freistehend (voneinander getrennt) errichtet werden. Mindestabstände sind zu berücksichtigen, die jedoch abhängig von der jeweiligen Bauklasse sind.
  • gk: gekuppelte Bauweise – Gebäude auf zwei benachbarten Bauplätzen müssen an der gemeinsamen Bauplatzgrenze aneinandergebaut werden. An allen anderen Seiten sind die Gebäude freistehend zu errichten, wobei auf Abstandsregeln Rücksicht genommen werden muss.
  • ogk: offene oder gekuppelte Bauweise – Gebäude dürfen an gemeinsamer Bauplatzgrenze aneinandergebaut werden, wenn der benachbarte Eigentümer zustimmt.
  • gr: Gruppenbauweise – Gebäude werden zu Gruppen zusammengefasst und müssen an der gemeinsamen Bauplatzgrenze aneinandergebaut werden. Abstandsflächen für Gebäudefronten jenseits der Grundgrenze müssen eingehalten werden.

Darüber hinaus finden sich viele weitere Zeichen, etwa Fluchtlinien oder römische Ziffern für die Bauklasse. Eine detaillierte Übersicht finden Sie in der Planzeichenverordnung Ihres Bundeslands, worin auch die geltenden Zeichen für den Flächenwidmungsplan und Bebauungsplan zu finden sind.

Bebauungsbestimmungen

Die Behörde gibt auf dem eingereichten Plan die gültigen Bebauungsbestimmungen für Ihr Grundstück bekannt. Dabei werden diverse Auflagen mitgeteilt und Baufluchtlinien mit einem roten Stift eingetragen. Die konkrete Bebauung hängt von den einzelnen Fluchtlinien ab.

Beispiele:

  • Baufluchtlinie: Diese darf mit Gebäuden nicht überschritten werden, Ausnahmen: unterirdische Bauten und Gebäudeteile wie Vorbauten.
  • Baulinie: An der Baulinie können Fenster, Vorbauten, Anschlüsse an die technische Infrastruktur, Ein- und Ausgänge sowie Ein- und Ausfahrten gebaut werden. Gleiches gilt auch für Straßenfluchtlinien.
  • Grenzfluchtlinie: An deren Grenze darf angebaut werden und es dürfen Fenster errichtet werden.

Grenz-Vermessungen

Optische „Grenzen“ können täuschen. Bäche, Hänge, aber auch Zäune müssen nicht zwangsläufig die laut Grundbuch verlaufenden Grundstücksgrenzen sein. Um hier vor einem Bauvorhaben klare Verhältnisse zu schaffen, muss ein Zivilgeometer ans Werk.

Bei der sogenannten „Grenzwiederherstellung“ werden Grenzen des Grundbuchs (Katasternachweis) in die Natur übertragen und mit örtlichem Grenzverlauf verglichen. Die Wiederherstellung erfolgt durch Setzen neuer Grenzzeichen.

Diverse Anordnungen

Zudem können Anordnungen zur Schaffung von Laubengängen (Lg), Arkaden (Ak), Durchfahrten (Df) und Durchgängen (Dg) im Lageplan enthalten sein. Auch öffentliche Durchfahrten und Durchgänge werden eingezeichnet.


Amtlicher Lageplan: Notwendiger Bestandteil des Einreichplans

Der amtliche Lageplan ist Teil des Einreichplans, mit dem Sie um die Genehmigung eines Bauvorhabens ansuchen. Er besteht aus einer zeichnerischen Darstellung des Geländes, Grundstücks und dessen Nachbarschaft sowie einer schriftlichen Erläuterung mit diversen Anordnungen. Die Baufirmen haben sich strikt an den Plan zu halten.

Bildquellen: Bild 1: © p-jitti – Shutterstock.com, Bild 2: © goodluz – Shutterstock.com, Bild 3: © LookerStudio – Shutterstock.com
Rechtshinweise zu unseren Ratgebern finden Sie in unserer Verbraucherschutzinformation.


Über den Autor: Hagen Luckert
Position: Geschäftsführer

Meine gesamte berufliche Laufbahn habe ich im Kreditbereich verbracht. Zunächst im Sparkassen- sowie im Großbankensektor. Nach Leitung der Business-Unit Kreditstrategie- und Organisation in einem großen Beratungsunternehmen war ich als Geschäftsführer einer Kreditfabrik tätig. Im Anschluss daran war ich als Vorstand in einem Softwareunternehmen für künstliche Intelligenz im Bankenbereich tätig und habe 2019 in die Geschäftsführung von Infina gewechselt. Die ständige Recherche, strukturierte Aufbereitung und verständliche Veröffentlichung von allen Fragestellungen rund um das Kreditgeschäft gehören zu den wesentlichen Schwerpunktsetzungen meiner Funktion.

Lesen Sie meine Finanzierungs-Tipps
Kontakt

Nachricht absenden

Die neuesten Artikel finden Sie hier – immer einen Schritt voraus

Umschuldung: Kredit richtig umschulden

Was ist eine Umschuldung von Krediten? Bei einer Umschuldung ersetzen Sie einen laufenden Kredit durch einen oder mehrere andere Kredite.

Hypothekarkredit: Rechner, Definition und Zinsen

Wie funktioniert ein Hypothekarkredit? Welche Zinsen sind aktuell zu erwarten? Und welche Voraussetzungen muss man erfüllen?

Immobilie verkaufen: Was ist zu beachten?

Der Verkauf einer Immobilie erfolgt oft aus Gründen, wie beispielweise wegen Erwerb einer anderen Immobilie, einer Scheidung oder einem Erbe. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen worauf Sie beim Verkauf achten sollten.

Die am häufigsten gelesenen Artikel – Ratgeber für die Immobilienfinanzierung

Umschuldung: Kredit richtig umschulden

Was ist eine Umschuldung von Krediten? Bei einer Umschuldung ersetzen Sie einen laufenden Kredit durch einen oder mehrere andere Kredite.

Fixzinsen oder variable Zinsen: Optionen beim Kredit

Fixzins oder variable Zinsen: Was lohnt sich 2022 bei einem Kredit? ✓ Fixzinsen vs. variabel ✓ Wohnkredit ✓ Zinsentwicklung ✓ Aktuelle Fixzinssätze

Grundbuchauszug in Österreich: Inhalt, Beispiel und Anlaufstellen

Wie fordert man einen Grundbuchauszug an? Wie viel kostet er und wie liest man das Dokument richtig? Das erfahren Sie hier.