Schweizer Franken Kredit 2020

Schweizer-Franken-Kredit
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Autor: Mag. Peter Hrubec
Kategorie: Finanzierung
Datum: 16.10.2020

Haben Sie noch einen Schweizer-Franken-Kredit und fragen sich öfter, ob eine Umschuldung in Euro sinnvoll wäre? Haben Sie Probleme mit der Rückzahlung, weil der Kredit nicht weniger wird? Verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung und wissen trotzdem nicht, was sie tun sollen? Keine Sorge: Bei uns bekommen Sie alle nötigen Informationen.

Schweizer-Franken-Kredit in Österreich: die Grundlagen

Schweizer-Franken-Kredite wurden ab etwa Mitte der Neunziger Jahre von vielen österreichischen Kreditinstituten an Privatkunden vergeben. Fremdwährungskredite waren in der Vergangenheit sehr beliebt, denn sie zeichnen sich dadurch aus, dass es für den Kreditnehmer durch die fremde Kreditwährung sowohl Kursrisiken als auch -chancen gibt.

Der Kurs des Schweizer Franken gegenüber dem Euro hat immer etwas geschwankt, jedoch war die Schwankungsbreite bis 2008 relativ überschaubar. Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 und den Unsicherheiten an den Weltfinanzmärkten hat der Kurs des Schweizer Franken laufend zugelegt. Dieser wurde immer mehr zum sicheren Hafen, was den Kurs gegenüber dem Euro nach oben trieb.

Die Kursbewegungen in Kombination mit einer schlechten Entwicklung der Tilgungsträger führten dazu, dass zahlreiche Kunden nach 10-15 Jahren immer noch fast gleich viel Kredit offen hatten wie ursprünglich aufgenommen. Und wie sieht es 2020 mit Schweizer-Franken-Krediten aus?

Tipp

Sehen Sie sich den aktuellen EUR/CHF Kurs an


Schweizer-Franken-Kredit: Was tun?

Der Schweizer-Franken-Kredit ist nach wie vor von großer Bedeutung. Viele Kreditnehmer zahlen ihren Fremdwährungskredit laufend zurück, obwohl der Kreditbetrag einfach nicht weniger wird. Selbst Experten und Banken wissen oft keinen wirklichen Rat, wie Kunden mit der aktuellen Situation umgehen sollen, und Prognosen sind schwer zu erstellen. Wir haben trotzdem einige Ratschläge parat, falls Sie sich fragen: „Was tun?“

Zinsen beim Schweizer-Franken-Kredit

Die Zinsen im Schweizer-Franken-Kredit waren im Vergleich zum Euro in den letzten Jahrzehnten immer günstiger – der Hauptgrund, warum viele Kreditnehmer Fremdwährungskredite in Anspruch genommen haben. Bis 2007 lag der Zinsunterschied zum Euro bei variabel verzinsten Krediten im Schnitt meist bei 1-1,5 Prozentpunkten pro Jahr. In den besten Jahren waren es sogar bis zu 2 Prozentpunkte.

Erst mit Beginn der Finanzkrise 2008 haben sich die Euro-Zinsen massiv reduziert, sodass der Zinsvorteil bald nicht mehr so groß war. Heute bewegt sich der Zinsunterschied zwischen Schweizer Franken und Euro bei ca. 0,3 Prozentpunkte. Das bedeutet, dass der Zinssatz in Schweizer Franken um 0,3 Prozentpunkte günstiger ist als jener in Euro.

Den Schweizer-Franken-Kredit in Euro konvertieren: Ja oder Nein?

Ob sich ein Wechsel von Schweizer Franken auf Euro lohnt, kann nur ein Experte unter Berücksichtigung verschiedener (persönlicher) Faktoren beantworten. In vielen Fällen werden Sie als Schweizer-Franken-Kreditnehmer in der aktuellen Situation aber einen Gesamtverlust hinnehmen müssen.

Wenn Sie sich noch nicht hundertprozentig sicher sind, ob Sie eine Umstellung vornehmen sollten, könnte ein Stufenplan interessant sein. Damit meinen wir eine Step-by-Step-Umstellung bzw. Konvertierung in Euro. Sie reduzieren damit Ihre weiteren Risiken und gehen Schritt für Schritt in die sichere Heimatwährung über.

Schweizer-Franken-Kredit: Aussteigen oder nicht?

Beträgt die Restlaufzeit Ihres Kredites nur noch wenige Jahre, ist es einfacher, nichts zu verändern. Sie warten einfach ab, wie die Situation am Ende der Kreditlaufzeit aussieht. Diese Variante ist empfehlenswert, wenn Sie eine Verbesserung der aktuellen Situation erwarten oder über ausreichende Bonität für einen Anschlusskredit verfügen.

Haben Sie noch mindestens 10 Jahre Kreditrestlaufzeit vor sich und verfügen über ausreichende Bonität, hängt alles davon ab, ob die aktuelle Situation Sie emotional allzu stark belastet. Überlegen Sie sich Alternativen, z.B. den Wechsel auf ein Euro-Kreditmodell.

Bei einer Konvertierung des Kredites in Euro sollten Sie beachten, dass die monatlichen Belastungen dann in der Regel höher sind. Das hat nicht nur mit den (bisher) niedrigeren Zinsen im Schweizer Franken zu tun, sondern auch mit dem endfälligen Kreditmodell. Sie zahlen dabei zwar den Sparbetrag laufend ein, leider ist aber die angesparte Summe in vielen Fällen nun geringer als ursprünglich angenommen.

Eine Kreditumstellung ist meist mit höheren monatlichen Kosten verbunden. Damit die Wunschrate erreicht wird, werden oft Laufzeitverlängerungen im Euro-Kredit angeboten. Mit einer Umstellung auf einen langfristigen Fixzinssatz können sämtliche Risiken ausgeschlossen werden.


Prognose: Entwicklung des Schweizer-Franken-Kredits bis 2021

Eine Prognose bis 2021 ist schwierig zu erstellen, da die Kursentwicklung des Schweizer Franken sehr wechselhaft ist. Schon eine Voraussage über die nächsten Wochen gestaltet sich schwierig, von den nächsten Jahren ganz zu schweigen. Allerdings sollte ein Blick auf vorhandene Fakten geworfen werden: In den vergangenen 12 Monaten (Stichtag 09.10.2020) wurde der Franken zum Euro lediglich um 1,4 % aufgewertet.

Eine schwache Konjunktur im Euroraum und Verunsicherungen durch den Corona-Virus und laufend geopolitische Spannungen (Iran, Hongkong, Südchinesisches Meer, Syrien....) führen zu einer verstärkten Nachfrage nach Schweizer Franken als Krisenwährung. Die Fremdwährungsreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) steigen allerdings tendenziell weiter, was u.a. auch darauf hindeutet, dass sie zunehmend mehr Franken gegen Euro und US-Dollar tauscht, um die Aufwertung des Frankens abzubremsen.

Per Ende August 2020 liegen die Devisenreserven bei 118,3 % der Wirtschaftsleistung des Jahres 2019. Medienberichten zufolge geriet deshalb die Schweiz bereits ins Visier des US-Finanzministeriums (wegen „Währungsmanipulation“). Die Spielräume der SNB werden enger und im Ernstfall könnte sie sogar gezwungen sein, einer Aufwertung des Frankens freien Lauf zu lassen. Das würde die Höhe Ihrer Frankenschulden in Euro erneut ansteigen lassen.

Bis 2021 endfällige Schweizer-Franken-Kredite

Ein endfälliger Schweizer-Franken-Kredit soll am Ende der Kreditlaufzeit durch einen separat angesparten Tilgungsträger abbezahlt werden. In vielen Fällen geht dieses Modell aber nun leider nicht auf.

Die Gründe dafür sind einerseits der gegenüber dem Euro starke Schweizer Franken und der damit verbundene relativ hohe Kursverlust im Euro. Andererseits spielt auch die nicht zufriedenstellende Wertentwicklung vieler Tilgungsträger eine Rolle.

Wichtig

Bei einer Umstellung von Franken in Euro haben Sie in der aktuellen Zinssituation ein besonders interessantes Zeitfenster: Sie können sich Euro-Fixzinsen bis zu 20 Jahre und länger mit noch nie dagewesenen Zinssätzen sichern. In 4-5 Jahren wird dieses Zeitfenster mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder geschlossen sein.

Wirkt sich der Brexit auf den Schweizer-Franken-Kredit aus?

Jede Unsicherheit an den Weltfinanzmärkten – wie z.B. ausgelöst durch den Brexit – wirkt sich auf den sicheren Hafen Schweizer Franken aus. Der Franken legt in derartigen Phasen gegenüber den gängigen Weltwährungen USD oder EUR an Wert zu. Obwohl Großbritannien seit 1. Februar 2020 nicht mehr EU-Mitglied ist, bleiben bezüglich Warenverkehr und Grenzkontrollen noch viele Fragen offen. Fazit: Die Unsicherheit bleibt. 

Daher Vorsicht, denn: Unsicherheiten an den Finanzmärkten führten auch dazu, dass der Schweizer Franken und der Euro während der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 fast gleich viel wert waren. Die Währungsparität war damals kurzfristig erreicht. Der Wert des Schweizer Franken stieg so stark an, dass sich die Schweizer Nationalbank genötigt sah, mit einem milliardenschweren Stützungsprogramm den Kurs der eigenen Währung wieder zu schwächen. ehe sie im September 2011 eine Wechselkursuntergrenze in EUR/CHF von 1,20 einzog, die bis zum 15. Jänner 2015 aufrecht blieb.

Seither herrschen wieder „freie“ Wechselkurse. Allerdings versucht die SNB laufend durch Stützungskäufe von Fremdwährungen einer Frankenaufwertung entgegenzuwirken.


Kursentwicklung: Lohnte sich theoretisch ein Kredit in Schweizer Franken?

Aktuell gibt es keine Banken mehr in Österreich, die Schweizer-Franken-Kredite an Verbraucher mit Euro-Einkommen vergeben. Blicken wir also kurz in die Vergangenheit – hat sich so ein Fremdwährungskredit früher einmal gelohnt?

Kreditnehmer, die Krediteinstiegskurse von 1,45 bis 1,55 Schweizer Franken zum Euro hatten und schon 16 Jahre oder länger in der Fremdwährung sind, erleiden bei einem heutigen Ausstieg in Euro hohe Kursverluste. Diese werden jedoch zu einem Teil durch eine langjährige, günstigere Verzinsung gegenüber dem Euro kompensiert.

Jene Kunden, die in den Jahren 2005 bis 2008 in den Schweizer Franken eingestiegen sind, haben wohl das schlechteste Los gezogen. Rückblickend war die Entscheidung zum Einstieg im Jahre 2007 und 2008 in Bezug auf die Zinsdifferenz durchaus nachvollziehbar: Diese lag bei fast 2 Prozentpunkte pro Jahr. Allerdings betrug der Einstiegskurs des Schweizer Franken zum Euro für diese Kreditnehmer bis zu 1,60. Das Erstarken des Schweizer Franken fraß die Zinsgewinne daher umso schneller auf.

Wenn Sie jetzt an eine Konvertierung Ihres Schweizer-Franken-Kredites denken, können wir Ihnen Ihren persönlichen Fremdwährungskredit exakt berechnen und Ihnen die Auswirkungen darlegen. Wie bereits erwähnt ist dabei wichtig, welches Euro-Kreditmodell Sie dann wählen. Diesen Kredit gilt es gut zu verhandeln.

Wünschen Sie eine Konvertierung Ihres Schweizer-Franken-Kredites, dann können Ihnen unsere Wohnbau-Finanz-Experten helfen.

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Bildquellen:  Valeri Potapova / Shutterstock.com, Bartolomiej Pietrzyk / Shutterstock.com, goodluz / Shutterstock.com


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Über den Autor: Mag. Peter Hrubec
Position: Prokurist

Die Neugier für neue Themen, die die Finanzdienstleistung bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Bei AXA Equity & Law war ich für die Markterschließung in Österreich sowie die Einführung der betrieblichen Vorsorge zuständig. Im Anschluss daran beschäftigte ich mich als geschäftsführender Gesellschafter von Nova Portfolio Management mit innovativen Vermögensanlage-Konzepten. Seit dem Jahr 2009 bin ich als Prokurist bei Infina schwerpunktmäßig in den Bereichen Product Consulting, sowie der Vertriebs- und Bankenbetreuung verantwortlich. Darüber hinaus liegt mein Fokus auf rechtlichen Fragestellungen, die den österreichischen Kreditmarkt in Österreich betreffen sowie der Analyse von Markt- und Zinsentwicklungen.

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