Schweizer Franken Kredit 2022

Schweizer-Franken-Kredit
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Autor: Mag. Peter Hrubec
Kategorie: Finanzierung
Datum: 22.09.2022

Haben Sie noch einen Schweizer-Franken-Kredit in Österreich und fragen sich, ob und wann eine Umschuldung in Euro sinnvoll wäre? Werden Sie Probleme mit der Rückzahlung haben, weil der Kredit nicht weniger wird? Verfolgen Sie die aktuelle Entwicklung und wissen trotzdem nicht, ob Sie jetzt handeln oder noch zuwarten sollen? In diesem Beitrag finden Sie umfassende Hintergrundinformationen sowie eine Prognose zur weiteren Entwicklung des Schweizer-Franken.

Schweizer-Franken-Kredit in Österreich: die Grundlagen

Schweizer-Franken-Kredite wurden ab etwa Mitte der Neunziger Jahre von vielen österreichischen Kreditinstituten an Privatkunden vergeben. Fremdwährungskredite waren in der Vergangenheit sehr beliebt, denn sie zeichnen sich dadurch aus, dass es für den Kreditnehmer durch die fremde Kreditwährung sowohl Kursrisiken als auch -chancen gibt.

Der Kurs des Schweizer Franken gegenüber dem Euro hat immer etwas geschwankt, jedoch war die Schwankungsbreite bis 2008 relativ überschaubar. Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 und den Unsicherheiten an den Weltfinanzmärkten hat der Kurs des Schweizer Franken laufend zugelegt. Dieser wurde immer mehr zum sicheren Hafen, was den Kurs gegenüber dem Euro nach oben trieb.

Die Kursbewegungen in Kombination mit einer meist mäßigen Entwicklung der Tilgungsträger und bei Abschluss vor 2008 oft enttäuschenden Performance führten dazu, dass zahlreiche Kunden nach 10-15 Jahren eigentlich mit einem Euro-Kredit besser dran gewesen wären.

Und wie sieht es 2022 mit Schweizer-Franken-Krediten aus? Der Schweizer Franken hat in den vergangenen 5 Jahren kontinuierlich um insgesamt etwa ein Fünftel gegenüber dem Euro aufgewertet. Beschleunigt wurde dieser Aufwertungstrend mit den zunehmenden Inflationstendenzen im Jahr 2022, in dem sich der Schweizer Franken zum Euro bis zum 22. September 2022 um satte 7,8 % verteuerte. Zahlreiche Frankenschuldner haben angesichts dieser Entwicklung bereits die Reißleine gezogen und in Euro konvertiert.

Tipp

Sehen Sie sich den aktuellen EUR/CHF Kurs an


Schweizer-Franken-Kredit: Was tun?

Der Schweizer-Franken-Kredit ist nach wie vor von großer Bedeutung. Viele Kreditnehmer zahlen ihren Fremdwährungskredit laufend zurück, obwohl der Kreditbetrag einfach nicht weniger wird. Selbst Experten und Banken wissen oft keinen wirklichen Rat, wie Kunden mit der aktuellen Situation umgehen sollen, und Prognosen sind schwer zu erstellen. Wir haben trotzdem einige Ratschläge parat, falls Sie sich fragen: „Was tun?“

Zinsen beim Schweizer-Franken-Kredit

Die Zinsen im Schweizer-Franken-Kredit waren im Vergleich zum Euro in den letzten Jahrzehnten immer günstiger – der Hauptgrund, warum viele Kreditnehmer Fremdwährungskredite in Anspruch genommen haben. Bis 2007 lag der Zinsunterschied zum Euro bei variabel verzinsten Krediten im Schnitt meist bei 1-1,5 Prozentpunkten pro Jahr. In den besten Jahren waren es sogar bis zu 2 Prozentpunkte.

Erst mit Beginn der Finanzkrise 2008 haben sich die Euro-Zinsen massiv reduziert, sodass der Zinsvorteil bald nicht mehr so groß war. Aktuell (Stand 20.09.2022) bewegt sich der Zinsunterschied zwischen Schweizer Franken und Euro erneut bei rund 1,3 Prozentpunkte. Das bedeutet, dass der Zinssatz in Schweizer Franken um 1,3 Prozentpunkte günstiger ist als jener in Euro. Jedoch mit dem jüngsten Zinsschritt der Schweizerische Nationalbank am 22. September 2022 verringert sich der Spread.

Den Schweizer-Franken-Kredit in Euro konvertieren: Ja oder Nein?

Ob sich ein Wechsel von Schweizer Franken auf Euro lohnt, kann nur ein Experte unter Berücksichtigung verschiedener (persönlicher) Faktoren beantworten. In vielen Fällen werden Sie als Schweizer-Franken-Kreditnehmer in der aktuellen Situation aber einen Gesamtverlust hinnehmen müssen.

Wenn Sie sich noch nicht hundertprozentig sicher sind, ob Sie eine Umstellung vornehmen sollten, könnte ein Stufenplan interessant sein. Damit meinen wir eine Step-by-Step-Umstellung bzw. Konvertierung in Euro. Sie reduzieren damit Ihre weiteren Risiken und gehen Schritt für Schritt in die sichere Heimatwährung über.

Schweizer-Franken-Kredit: Aussteigen oder nicht?

Beträgt die Restlaufzeit Ihres Kredites nur noch wenige Jahre, ist es einfacher, nichts zu verändern. Sie warten einfach ab, wie die Situation am Ende der Kreditlaufzeit aussieht. Diese Variante ist empfehlenswert, wenn Sie eine Verbesserung der aktuellen Situation erwarten oder über ausreichende Bonität für einen Anschlusskredit verfügen.

Haben Sie noch mindestens 10 Jahre Kreditrestlaufzeit vor sich und verfügen über ausreichende Bonität, hängt alles davon ab, ob die aktuelle Situation Sie emotional allzu stark belastet. Überlegen Sie sich Alternativen, z.B. den Wechsel auf ein Euro-Kreditmodell.

Bei einer Konvertierung des Kredites in Euro sollten Sie beachten, dass die monatlichen Belastungen dann in der Regel höher sind. Das hat nicht nur mit den (bisher) niedrigeren Zinsen im Schweizer Franken zu tun, sondern auch mit dem endfälligen Kreditmodell. Sie zahlen dabei zwar den Sparbetrag laufend ein, leider ist aber die angesparte Summe in vielen Fällen nun geringer als ursprünglich angenommen.

Eine Kreditumstellung ist meist mit höheren monatlichen Kosten verbunden. Damit die Wunschrate erreicht wird, werden oft Laufzeitverlängerungen im Euro-Kredit angeboten. Mit einer Umstellung auf einen langfristigen Fixzinssatz können sämtliche Risiken ausgeschlossen werden.

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Prognose: Entwicklung des Schweizer-Franken-Kredits bis 2023

Eine Prognose bis 2023 ist schwierig zu erstellen, da die Kursentwicklung des Schweizer Franken politisch gesteuert ist. Was jedoch auffällt, sind die massiven Interventionen der SNB während der Corona-Krise. Dazu folgende Fakten: Die Devisenanlagen der SNB sind vom Jänner 2020 bis Juli 2022 von 783,0 auf 869,9 Milliarden Franken bzw. 117 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2021 gestiegen. Doch gegenüber dem Peak von 977 Milliarden Franken im Jänner 2022 ist dies bereits eine deutlich rückläufige Entwicklung. Nimmt man Ende des zweiten Quartals 2022 die Aufteilung der Devisenreserven, so waren USD und Euro mit je 38 bzw. 37 % die größten Positionen.

Was sich seit über 5 Jahrzehnten wie ein roter Faden bei den Einflussfaktoren durchzieht, sind die Inflationsdifferenzen zwischen der Schweiz und dem Ausland (insbesondere USA und Eurozone). Diese sind heute noch immer ein Thema. In den Monaten Juli und August 2022 standen je 3,4 bzw. 3,5 Prozent in der Schweiz 8,9 bzw. 9,1 Prozent im Euroraum (Quelle: EuroStat) und je 8,5 bzw. 8,3 Prozent in den USA gegenüber. Das sind im August Inflationsdifferenzen von je 5,6 bzw. 4,8 Prozentpunkten. Dieser Umstand macht den Franken zu einer klassischen Aufwertungswährung. Nur dadurch wird eine relative Teuerung von Produkten aus den USA und dem Euroraum verhindert. Die Schweiz profitiert schlichtweg von einem günstigeren Energiemix als die EU.

Was bedeutet dies für Sie als Frankenschuldner? Sie müssen zumindest ausgehend von einem Niveau CHF/ EUR von 1,04 (Stand 22.09.2022) mit einer Aufwertung hin zur Parität (1:1) rechnen. Darüber hinaus können politische Entscheidungen wie ein Stopp der Interventionen am Devisenmarkt zu einer explosionsartigen Aufwertung führen.

Hintergrund: Durch ständige Devisenakkumulation steigen die Verlustrisiken für die Kantone, die an der SNB beteiligt sind. Um diese zu begrenzen, könnte seitens einer Initiative der Schweizer Volkspartei (SVP) bald Druck auf die Regierung aufgebaut werden, um zur Verlustbegrenzung (Devisenkursverluste) die Reißleine zu ziehen, sprich die Interventionen einzustellen.

Weitere Risikofaktoren sind geopolitische Bedrohungen und diese sind mit dem Ukraine-Krieg bereits eingetreten. Zwar ist in diesem Konflikt schon viel Negatives eingepreist, dennoch sind nach wie vor unvorhergesehene Ereignisse möglich. Ein weiterer Konfliktherd besteht zwischen China und Taiwan.

Bis 2023 endfällige Schweizer-Franken-Kredite

Ein endfälliger Schweizer-Franken-Kredit soll am Ende der Kreditlaufzeit durch einen separat angesparten Tilgungsträger abbezahlt werden. In vielen Fällen geht dieses Modell aber nun leider nicht auf.

Die Gründe dafür sind einerseits der gegenüber dem Euro starke Schweizer Franken und der damit verbundene relativ hohe Kursverlust im Euro. Andererseits spielt auch die nicht zufriedenstellende Wertentwicklung vieler Tilgungsträger eine Rolle.

Wichtig

Bei einer Umstellung von Franken in Euro kommt es wegen jüngster Eurozins-Anstiege am kurzen und langen Ende zu einer deutlichen Verteuerung der Rate. Es empfiehlt sich daher die Streckung der Laufzeit auf eine maximal zumutbare Länge, eventuell bis zu 35 Jahren oder im Ausnahmefall sogar noch länger.

Wirkt sich die Ukraine-Krise auf den Schweizer-Franken-Kredit aus?

Der Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken ist durch die Ukraine-Krise gestiegen, da diese die energiebedingte Inflation im Euroraum verstärkte.  Allerdings hat der Markt die Leitzinsanhebung der SNB vom 22. September 2022 in der Schweiz vorweggenommen. Auf den weiteren Zinsschritt um 0,75 Prozentpunkte auf +0,50 % und somit einer erstmaligen Beendigung der Negativzinsen seit fast acht Jahren schwächte sich der Franken gegenüber dem Euro ab. Weitere Leitzinsanhebungen schließe die SNB nicht aus, genau sowenig wie weitere Interventionen am Devisenmarkt. Der Franken ist gegenüber dem Euro in einem Aufwärtstrend. Weitere Frankenaufwertungen sind zu erwarten und eine Eskalation der Ukraine-Krise könnte das noch zusätzlich verstärken.


Kursentwicklung: Lohnte sich theoretisch ein Kredit in Schweizer Franken?

Aktuell gibt es keine Banken mehr in Österreich, die Schweizer-Franken-Kredite an Verbraucher mit Euro-Einkommen vergeben. Blicken wir also kurz in die Vergangenheit – hat sich so ein Fremdwährungskredit früher einmal gelohnt?

Kreditnehmer, die Krediteinstiegskurse von 1,45 bis 1,55 Schweizer Franken zum Euro hatten und schon 17 Jahre oder länger in der Fremdwährung sind, erleiden bei einem heutigen Ausstieg in Euro hohe Kursverluste. Diese werden jedoch zu einem Teil durch eine erneut spürbar günstigere Verzinsung gegenüber dem Euro kompensiert. Doch die Währungsaufwertung könnte hier erneut einen Strich durch die Rechnung machen.

Jene Kunden, die in den Jahren 2005 bis 2008 in den Schweizer Franken eingestiegen sind, haben wohl das schlechteste Los gezogen. Rückblickend war die Entscheidung zum Einstieg im Jahre 2007 und 2008 in Bezug auf die Zinsdifferenz durchaus nachvollziehbar: Diese lag bei fast 2 Prozentpunkte pro Jahr. Allerdings betrug der Einstiegskurs des Schweizer Franken zum Euro für diese Kreditnehmer bis zu 1,60. Das Erstarken des Schweizer Franken fraß die Zinsgewinne daher umso schneller auf.

Wenn Sie jetzt an eine Konvertierung Ihres Schweizer-Franken-Kredites denken, können wir Ihnen Ihren persönlichen Fremdwährungskredit exakt berechnen und Ihnen die Auswirkungen darlegen. Wie bereits erwähnt ist dabei wichtig, welches Euro-Kreditmodell Sie dann wählen. Diesen Kredit gilt es gut zu verhandeln.

Wünschen Sie eine Konvertierung Ihres Schweizer-Franken-Kredites, dann können Ihnen unsere Wohnbau-Finanz-Experten helfen.

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Über den Autor: Mag. Peter Hrubec
Position: Consulting Partner, Research

Die Neugier für neue Themen, die die Finanzdienstleistung bewegen, zieht sich wie ein roter Faden durch meine berufliche Laufbahn. Bei AXA Equity & Law war ich für die Markterschließung Österreich sowie die Einführung der betrieblichen Vorsorge zuständig. Im Anschluss daran beschäftigte ich mich als geschäftsführender Gesellschafter von Nova Portfolio Management mit innovativen Vermögensanlage-Konzepten. Seit dem Jahr 2009 bin ich als Prokurist bei Infina schwerpunktmäßig in den Bereichen Product Consulting, sowie der Vertriebs- und Bankenbetreuung verantwortlich. Darüber hinaus liegt mein Fokus auf rechtlichen Fragestellungen und der Analyse von Markt- und Zinsentwicklungen.

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