Deflation: Definition, Folgen und Dynamik im Zuge von Corona- und Ukraine-Krise

Deflation
Autor: Hagen Luckert
Kategorie: Zinsen
Datum: 10.01.2024

Für das gleiche Geld mehr einkaufen – das klingt erst einmal verlockend. Doch ein allgemein fallendes Preisniveau, auch Deflation genannt, wird von Ökonomen und Staatslenkern gefürchtet. Denn es geht meist Hand in Hand mit wirtschaftlichem Abschwung. In diesem Beitrag erfahren Sie die wichtigsten Fakten zur Deflation: Wie entsteht sie? Welche Folgen hat sie und welche Gegenmaßnahmen gibt es? Außerdem diskutieren wir, ob nicht die Ukraine-Krise zu einer länger anhaltenden Hochinflationsperiode führt, der dann deflationäre Tendenzen folgen.

Definition: Was ist Deflation?

Zunächst noch einmal eine kurze Definition der Bedeutung von Deflation: Man versteht darunter ein allgemein sinkendes Preisniveau. Waren und Dienstleistungen werden immer günstiger und man bekommt plötzlich für denselben Geldbetrag mehr Güter – die Kaufkraft des Geldes nimmt zu. Deflation ist somit das Gegenstück zur Inflation und zeigt sich in einer negativen Inflationsrate.

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In der Praxis gelten minimal negative Inflationsraten (minus 0,1 bis minus 0,3 %) für ein bis drei Monate noch nicht als Deflation, da meist der Ölpreis für Verzerrungen sorgt. Echte Deflation wäre es, wenn beispielsweise auch die Kerninflation ex. Energie und Lebensmittel, die häufig für statistische Preisverzerrungen sorgen für einen längeren Zeitraum negativ wäre.

Deflation: ein Beispiel zur Illustration

Angenommen, Sie besitzen 60 Euro und kaufen für dieses Geld zwei T-Shirts für jeweils 30 Euro. Im nächsten Jahr kostet ein T-Shirt nur mehr 20 Euro und Sie können sich nun für den gleichen Betrag drei Stück kaufen: Das Geld hat an Wert gewonnen. Der neue Preis beträgt nur mehr 67 % vom alten Preis. Die Inflationsrate würde also, wenn es nur diese eine Ware gäbe, bei -33 % liegen.


Das Wichtigste im Überblick

  • Der Begriff Deflation bezeichnet das Phänomen von allgemein sinkenden Preisen. Die Kaufkraft des Geldes nimmt dabei zu. 
  • Eine Deflation kann durch sinkende Nachfrage entstehen oder durch eine Verknappung der Geldmenge. Oftmals tritt die Deflation als Begleiterscheinung einer wirtschaftlichen Rezession oder Depression auf.
  • Die Deflation kann sich wie eine Spirale immer weiter verstärken – Zentralbanken versuchen sie deshalb von vornherein zu verhindern.
  • Um die Deflation zu bekämpfen, kann die Zentralbank den Leitzins senken. Aber auch staatliche Anreize wie Steuersenkungen oder verstärkte staatliche Investitionen können helfen.
  • Generell sind deflationäre Tendenzen wesentlich seltener als die Inflation. Nennenswerte Deflationsperioden gab es während der Großen Depression in den 1930er-Jahren, in Japan seit den 1990-Jahren und in Argentinien von 1998 bis 2002.
  • Infolge von Corona-Lockdowns in China und dem Krieg in der Ukraine geriet die Inflation außer Kontrolle und erreichte im Euroraum im Oktober 2022 ein Hoch von 10,6 %, ehe sie bis Dezember 2023 im Einklang mit rückläufigen Energie-(/Rohstoff-)Preisen wieder auf 2,9 % zurückging. Der konjunkturelle Abschwung, restriktivere Kreditvergaben der Banken und die bereits stark gestiegenen Leitzinsen wirken der Inflation entgegen.

Derzeit keine Deflation in Sicht

Zu Beginn der Pandemie sah es ganz nach Angebots- und Nachfrageausfall aus. Doch die massiven staatlichen Stützungsprogramme durch Helikoptergelder in den USA und Japan (bedingungslose Einmalzahlungen an nahezu alle Haushalte) sowie höhere Arbeitslosenunterstützungen oder ausgefeilte Kurzarbeitsprogramme führten in Kombination mit den Lockdowns (Einschränkung der „Geldausgabemöglichkeiten“) zu steigenden Sparquoten in den USA und Europa, ehe 2022 infolge höherer Inflation und Nachholeffekte beim Konsum die Sparquoten der privaten Haushalte stark zurückgingen. Im Euroraum war vom zweiten Quartal 2020 bis zum dritten Quartal 2022 die Bruttosparquote (Bruttosparbetrag durch verfügbares Bruttoeinkommen) der privaten Haushalte von 25,04 auf 12,34 % rückläufig, ehe infolge der fortschreitenden Teuerung sowie des konjunkturellen Abschwungs in Europa bis zum zweiten Quartal 2023 wieder ein Anstieg auf 14,89 % erfolgte.

Anfangs stieg durch pandemiebedingte Lieferkettenunterbrechungen und Warenknappheit die Inflation bereits schrittweise an. Das war im Jahr 2021 der Fall. Doch das Ereignis, das die Inflationsschwankungen der vergangenen zwei Jahre zur Folge hatte, ist der Krieg in der Ukraine: Dieser hatte 2022 explodierende Erdgaspreise, einen massiven Anstieg der Erdöl- und Weizenpreise zur Folge. Hinzukamen wegen eines strengen Corona-Lockdowns in China weitere Lieferverzögerungen. Diese Ereignisse veranlassten Unternehmen zum Aufbau größerer Lagerbestände über das Jahr 2022. Doch diese werden nun mit der Ingangsetzung der (neuen) Lieferketten sowohl in den USA als auch in Europa massiv abgebaut, was eine schwache Industriekonjunktur zur Folge hat. Gleichzeitig halten sich die Wachstumsimpulse aus China in engen Grenzen, zumal China auch unter einer Immobilienkrise leidet und sich die Neuaufstellung der globalen Lieferketten tendenziell negativ auf die chinesische Industrie auswirkt.

Konjunkturabschwung vs. Lohn-Preis-Spirale

Die Rohstoffnachfrage aus China hält sich somit in engen Grenzen, während in Europa das BIP-Wachstum vom zweiten auf das dritte Quartal 2023 von 0,6 auf 0,0 % abschwächte. In den USA hingegen halten hohe Staatsausgaben im dritten Quartal 2023 das BIP-Wachstum noch auf 3 %. Doch diese Fiskalimpulse sollten heuer ausklingen. Mittlerweile führt der globale Abschwung auch am angespannten US-Arbeitsmarkt zu einer Entspannung: Die US-Arbeitslosenquote, die von März 2022 bis Juli 2023 zwischen 3,4 % (dem niedrigsten Stand seit 1969) und 3,7 % verharrte, stieg im August 2023 wieder auf 3,8 % an, ehe sie von Oktober auf November 2023 wieder von 3,9 % auf 3,7 % zurückging. Trotzdem stiegen im November 2023 die Stundenlöhne der Privatwirtschaft ex Argrarsektor nur noch um 4,0 %, denn: Ein wesentlicher Faktor ist, dass es der Fed nach 11 Leitzinsanhebungen auf zuletzt 5,25 bis 5,50 % bereits gelungen ist, die Inflation überwiegend zurückzudrängen. Im Euroraum zeigen die 10 Leitzinsanhebungen auf 4,50 % (im Hauptrefinanzierungssatz) ebenfalls Wirkung: Vom Inflationshoch von 10,6 % im Oktober 2022 folgte bis Dezember 2023 ein Rückgang auf 2,9 % und die Kerninflation (HVPI ex Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak) ging bis Dezember 2023 binnen eines Jahres von 5,0 % auf 3,4 % zurück. Allerdings liegt sie noch weit über dem Inflationsziel der EZB von 2,0 % und die letzten 0,5 Prozentpunkte in der Gesamtinflation Richtung Stabilitätsziel sind bekanntlich am schwierigsten zu erreichen.

Auf dem Weg zu diesem Ziel könnte die Lohninflation der EZB einen Strich durch die Rechnung machen. Vom zweiten auf das dritte Quartal beschleunigte sich im Euroraum die Teuerung der nominalen Arbeitskosten pro Stunde von 4,5 auf 5,3 %. Darüber hinaus forderten und fordern die Gewerkschaften vehement Inflationsausgleich. Hohe Lohnabschlüsse und die Weitergabe höherer Kosten an die Endverbraucher könnten die Ingangsetzung einer Lohn-Preis-Spirale bedeuten, weshalb ein weiterer Inflationsschub nicht auszuschließen ist. Tritt dieser ein, bleiben die Leitzinsen noch länger auf aktuellem Niveau und im Extremfall folgt noch eine weitere Leitzinsanhebung.

Basiseffekte beim Ölpreis 

Ein weiterer wesentlicher Inflationsfaktor sind die Schwankungen des Ölpreises und somit auch die Preisschwankungen bei Erdgas, Heizöl und Treibstoffen. Die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise tragen maßgeblich zur Inflationsentwicklung bei. Besonders volatil zeigt sich die Energiepreiskomponente, die im HVPI (Harmonisierter Verbraucherpreisindex) mit 10,23 % gewichtet ist und in Einklang mit den Schwankungen der Energierohstoffpreise, insbesondere dem Ölpreis, nach oben oder unten variiert. Zuletzt trug sie erheblich zu einem Rückgang der gesamten Inflation bei. Von einem Anstieg von 41,5 % im Oktober 2022 bis hin zu einem Rückgang von 11,5 % im November 2023 verlagerte sich der Inflationsbeitrag in den Negativbereich, was auch mit den Basiseffekten bei den Erdöl- und Erdgaspreisen zusammenhängt. Vor allem die Erdgaspreise lagen im Herbst 2023 weit unter dem Level des Vorjahres. Im Januar und Februar 2024 ist im Falle gleichbleibender Preise noch mit inflationsentspannenden Erdöl-Preis-Basiseffekten zu rechnen, ebenso im April.

Doch in den Monaten Mai und Juni 2024 (Vorjahresniveau unter aktuellen Preisen per Stichtag 04.01.2024) drohen wieder zwischenzeitlich leicht inflationäre Basiseffekte. Über die Sommermonate bis in den Herbst 2024 hinein ist allerdings unter Annahme gleichbleibender Preise (auf Eurobasis) dann wieder mit inflationsdämpfenden Effekten zu rechnen.

Verteuert haben sich zwischenzeitlich die Baukosten infolge höherer Materialkosten. Massiv im Aufwind waren dabei Preise für Stahlteile. Allerdings erreichten in Österreich die Baukosten für den Wohnungs- und Siedlungsbau bereits im Mai 2022 ihren Höhepunkt und liegen im Juli 2023 noch 2,2 % darunter.

Deflation und Inflation sind stark an den Ölpreis gekoppelt, der im Falle stärkerer Konjunktursignale aus China oder den USA jederzeit wieder ansteigen kann. Auf der anderen Seite könnte ein anhaltend hohes Leitzinsniveau in den USA und Europa die Investitionstätigkeit so weit drosseln, dass der Euroraum in eine erkennbare Rezession fällt und mit dem Ausklingen von Fiskalimpulsen vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2024 die Konjunktur in den USA stark abkühlt. Chinas Exportwirtschaft würde dann weiter schwach bleiben und im Inland fällt die Immobilienmarktkrise ins Gewicht. Somit könnten ab dem vierten Quartal 2024 disinflationäre Tendenzen überhandnehmen, denn mit zunehmender Arbeitslosigkeit nimmt auch die Sparneigung der Konsumenten zu. Die Folgen wären weiter sinkende Erzeugerpreise in China und Europa sowie Erzeugerpreisrückgänge in den USA, Einbrüche der (Energie-)Rohstoffpreise und eine Entspannung an der Inflationsfront.

Was für bzw. gegen eine Deflation spricht

Für eine zwischenzeitliche Deflation sprechen die klassischen Zyklen in der Wirtschaft. Die Lagerbestände sind weltweit in der Industrie noch im Abbaumodus, während steigende Zinsen die Investitionsnachfrage drosseln und sich auch der private Konsum in engen Grenzen hält. In China bleibt die große Erholung seit dem Ende der Pandemie-Maßnahmen aus, weshalb eine Stimulierung der Rohstoffnachfrage ausbleibt. Zudem disinflationär wirken Digitalisierung, Industrieautomatisierung und der Online-Handel (transparenter Preisvergleich). Mit dem Ausklingen der inflationären Effekte der Ukrainekrise, dem weltweiten Konjunkturabschwung sowie einem zunehmenden Angstsparen als Folge des vorangegangenen Inflationsschocks steigt für 2025 die Wahrscheinlichkeit einer vorübergehenden Deflation im Euroraum.

Gegen eine Deflation sprechen eine anhaltende Vollbeschäftigung sowie partieller Personalmangel in den USA und auch im Euroraum, wo die Quote der offenen Stellen im dritten Quartal 2023 noch immer bei 2,9 % lag. Hinzukommen hohe Lohnrunden in Europa und gemäß diverser volkswirtschaftlicher Rechenmodelle gilt die Faustregel: 10 % Lohnsteigerung bedeuten drei Prozentpunkte zusätzliche Inflationsrate (Faktor 0,3). Ein weiterer Punkt ist noch eine stärkere Verteuerung bei Lebensmitteln, was auf den mittlerweile schon strukturellen Faktor Klimawandel (Naturkatastrophen und Missernten) zurückzuführen ist. Auch historische Rückblicke zeigen, dass Inflationskrisen durchaus mehrere Jahre anhalten können. Doch danach ist zwischenzeitlich – nicht zuletzt infolge von Basiseffekten -  eine deflationäre Phase durchaus denkbar.

China bleibt weiterhin ein Faktor

Derzeit überwiegt die Wirkung des globalen Konjunkturabschwungs, der allgemein preisdämpfend wirkt. Doch sollte sich infolge massiver Konjunkturprogramme die Binnenkonjunktur Chinas verstärken und das Eintreten erwarteter Leitzinssenkungen (USA, Europa) im Frühjahr 2024 die Konjunktur wieder beleben, dann könnte von China ein massiver Nachfrageschub an der Rohstofffront ausgehen und für einen erneuten Inflationsschub sorgen. Doch auch diesem könnte zum Ausgleich wieder eine disinflationäre Phase folgen.


Deflation: Ursachen und Folgen

Als Einzelperson freut man sich, wenn man weniger zahlen muss. Doch Zentralbanken und Staaten setzen vieles daran, um eine Deflation zu verhindern. Aber was ist daran eigentlich so gefährlich? Im Folgenden zeigen wir die Auswirkungen auf die Wirtschaft auf und klären, wie es überhaupt zu einem Preisverfall kommt und wer dabei profitiert. 

Wie entsteht eine Deflation?

Grob vereinfacht kommt es dann zu einer Deflation, wenn die Nachfrage kleiner ist als das Angebot (Nachfragelücke) oder die Geldmenge insgesamt schrumpft. Die sinkenden Preise können daher unterschiedliche Ursachen haben:

  • Rückgang der Nachfrage: Eine Krise oder ein sich ankündigender wirtschaftlicher Abschwung macht Konsumenten und Unternehmen vorsichtig. Sie halten sich bei den Ausgaben bzw. Investitionen zurück und die Gesamtnachfrage sinkt. Ebenso können staatliche Sparmaßnahmen der Grund für schwächelnde Nachfrage sein. Nicht zuletzt führen sinkende Exporte (z. B. durch Wirtschaftskrisen im Ausland oder eine sehr starke Währung) zum Nachfragerückgang.
  • Platzen von Spekulationsblasen: In diesem Fall kommt es zur Vermögensdeflation. Die Vermögensgegenstände (z. B. Immobilien) wurden vielfach auf Kredit gekauft und sind nun viel weniger wert, die Kreditsumme bleiben aber bestehen. Dadurch geraten die Besitzer in die Überschuldung und zahlreiche Kredite fallen aus. Insgesamt werden weniger neue Kredite vergeben als ausfallen – und die Geldmenge sinkt. Wenn weniger Geld im Umlauf ist, steigt aber dessen Kaufkraft und somit ist die Deflation in Gang gesetzt.
  • Produktivitätszuwächse: Wenn die Produktion immer effizienter wird, dann kann dies ebenfalls zu sinkenden Preisen führen. In einzelnen Branchen – etwa im Bereich von Technik und IT – kommt dies immer wieder vor. Über alle Sektoren hinweg ist es aber sehr selten, vor allem innerhalb einer kurzen Frist.

Auswirkungen und Folgen der Deflation

Eine beginnende Deflation entwickelt eine Dynamik, die sich über alle Wirtschaftsbereiche selbst verstärkt und ungebremst fast immer in eine schwere wirtschaftliche Rezession führt:

  • Fallende Preise führen zu sinkenden Profiten der Unternehmen.
  • Unternehmen müssen einsparen, kürzen Löhne und entlassen Mitarbeiter.
  • Die Arbeitslosigkeit steigt und Arbeitseinkommen sinken.
  • Privatpersonen schrauben den Konsum herunter.
  • Unternehmen investieren weniger.

In der Folge schrumpft die Wirtschaftsleistung, die Arbeitslosigkeit steigt und es kommt verstärkt zu Insolvenzen

Ein weiterer gefürchteter Effekt der Deflation: Jeder rechnet damit, dass die Güter in Zukunft billiger werden. Deshalb werden Investitionen hinausgeschoben, schließlich kostet das Auto oder die neue Produktionsanlage ja morgen weniger als heute. Die Leute neigen dazu, das Geld lieber zu horten als es auszugeben. So wird die Nachfrage weiter gedämpft und die Krise verschärft sich.

Kredite bei Deflation

Wer einen laufenden Kredit hat, verliert durch die Deflation besonders stark. Denn die nominale Kreditsumme bleibt gleich – das Geld ist aber nun immer mehr wert. Das heißt, dass die reale Höhe der Schulden zunimmt

Falls man sich einen Vermögensgegenstand (z. B. Immobilien) auf Kredit gekauft hat, dann ist das in diesem Fall sehr ungünstig. Schließlich ist das Sachvermögen nun weniger Geld wert, die Kreditsumme jedoch gleichgeblieben. Somit kann es sein, dass die Schulden plötzlich höher sind als der Wert des damit erworbenen Hauses. Aber auch für Staaten – die meist hohe Schulden haben – oder Unternehmen steigt die Schuldenlast.

Gläubiger hingegen profitieren von der Deflation, denn der reale Wert ihrer Forderungen nimmt zu. Zudem steigen die realen Zinsen: Zum nominalen Zinssatz kommt noch der Wertzuwachs durch die Deflation.

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Die Deflationsspirale

Wie oben beschrieben, kann sich eine Deflation immer weiter selbst verstärken: 

Sinkende Preise ⇒ sinkende Löhne und Entlassungen ⇒ Konsum wird gebremst ⇒ Preise werden weiter gedrückt

Zusätzlich gibt es mehr Unternehmensinsolvenzen, weshalb viele Kredite ausfallen. Banken werden vorsichtig und geben weniger Kredite aus – die Geldmenge sinkt und die Deflation wird weiter verschärft. 

Die gesamte Dynamik funktioniert also wie eine Spirale, die immer weiter nach unten führt (falls Gegenmaßnahmen ausbleiben). Dieses Phänomen ist auch als sogenannte Deflationsspirale bekannt.


Gegenmaßnahmen: die Deflation bekämpfen

Um die beschriebenen negativen Folgen zu verhindern, sollten deflationäre Entwicklungen möglichst früh bekämpft werden. Allerdings: Es ist gar nicht so leicht, einer Deflation beizukommen. Folgende  wesentliche Maßnahmen gibt es:

  • Leitzins senken: Die Zentralbank kann den Leitzins senken und somit die Geldmenge vergrößern. Der Wert des Geldes sinkt und die Preise steigen.
  • Quantitative Lockerung: Dabei kauft die Zentralbank langfristige Anleihen auf (zum Beispiel Staatsanleihen), wodurch sich ebenfalls die Geldmenge erhöht. Dieses Mittel wird gern eingesetzt, wenn die Zinsen bereits sehr niedrig sind. So kündigte die EZB im Zuge der Corona-Krise beispiellose Anleihekäufe an, da die Zinsen schon vorher bei null lagen.
  • Erhöhung von staatlichen Ausgaben: Schließlich kann der Staat versuchen, die Gesamtnachfrage zu stimulieren. Zum Beispiel durch öffentliche Investitionen in Bildung und Infrastruktur oder durch Steuererleichterungen, sodass der private Konsum ansteigt.

Insgesamt haben alle Instrumente aber genauso ihre Schattenseiten. Zum Beispiel kann die Zentralbank den Zins nicht unendlich weit senken, bei null ist in der Regel Schluss. 

Außerdem kann es so weit kommen, dass selbst niedrige Zinsen nichts mehr bringen: nämlich dann, wenn die Leute bereits so verunsichert sind, dass sie trotz Nullzinsen das Geld lieber horten, als es auszugeben (die sogenannte „Liquiditätsfalle“). Staaten und Zentralbanken versuchen deshalb, eine Deflation vor vorne herein zu verhindern.


Investieren bei Deflation: Welche Strategie ist sinnvoll?

Während bei der Inflation ein Investment in Sachwerte wie Immobilien als vorteilhaft gilt, ist bei einer Deflation das Gegenteil der Fall: Der Wert von Sachvermögen sinkt – im Verhältnis zum Geld gesehen. Generell gesprochen sind bei Deflation die folgenden Strategien von Vorteil:

  • Unternehmensaktien werden weniger attraktiv, da die betreffenden Unternehmen weniger Profit erwirtschaften.
  • Immobilien und andere Sachwerte sind im Vergleich zu inflationären Phasen weniger rentabel.
  • Festverzinsliche Geldanlagen (zum Beispiel Tagesgeld oder Bundesanleihen) sind auf einmal deutlich lohnenswerter. 
  • Generell sind Zinspapiere von Vorteil, da die realen Zinsen durch die Deflation steigen.

Nicht ganz unumstritten ist die Rolle von Gold in der Deflation. Investoren tendieren meist dazu, Gold in deflationären Phasen zu verkaufen und auf Zinspapiere umzuschichten – daher fällt der Goldpreis in der Regel, wenn die Inflation nachlässt.


Preisverfall in der Geschichte: Wann gab es eine Deflation?

Allgemein gesprochen sind sinkende Preise ein eher seltenes Phänomen. Im vergangenen Jahrhundert gab es die folgenden drei nennenswerten Deflationsperioden:

  • Große Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren: Ausgehend vom Börsencrash im Jahr 1929 kam es weltweit zu einer wirtschaftlichen Depression. Die Folge waren einbrechende Löhne, extrem hohe Arbeitslosenzahlen und fallende Preise. Die Deflation wurde durch den Sparkurs von damaligen Regierungen noch zusätzlich angetrieben.
  • Deflation in Japan ab den 1990er-Jahren: Ende der 1980-Jahre entwickelte sich in Japan eine spekulative Aktien- und Immobilienblase, die in den frühen 90er-Jahren platzte. Daraufhin folgten ein wirtschaftlicher Abschwung und ein Preisverfall. Man versuchte mit Zinssenkungen und Staatsausgaben gegenzusteuern, jedoch kämpft das Land bis heute mit der Deflationsgefahr.
  • Argentinienkrise 1998-2002: Durch eine Währungs- und Schuldenkrise kam es in Argentinien um die Jahrtausendwende zu einem starken Rückgang bei Konsum und Investitionen. Dies löste eine deflationäre Phase aus, die bis 2002 andauerte.

Deflation – fallende Preise und Wirtschaftsabschwung

Wenn Waren und Dienstleistungen allgemein günstiger werden, dann läuten bei Ökonomen die Alarmglocken. Denn die fallenden Preise setzen eine Spirale des wirtschaftlichen Abschwungs in Gang. Daher peilen die meisten Zentralbanken eine leichte Inflation von rund 2 % an, um einen Sicherheitsabstand zur gefürchteten Deflation zu wahren. Staaten und Zentralbanken setzen Instrumente wie Zinssenkungen, Anleihekäufe oder staatliche Finanzspritzen ein, um deflationäre Entwicklungen frühzeitig zu verhindern.

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Über den Autor: Hagen Luckert
Position: Geschäftsführer

Meine gesamte berufliche Laufbahn habe ich im Kreditbereich verbracht. Zunächst im Sparkassen- sowie im Großbankensektor in Deutschland. Nach Leitung der Business-Unit Kreditstrategie- und Organisation in einem großen Beratungsunternehmen war ich als Geschäftsführer einer Kreditfabrik tätig. Im Anschluss daran wurde ich als Vorstand in einem Softwareunternehmen für künstliche Intelligenz im Bankenbereich berufen und habe 2019 in die Geschäftsführung von Infina gewechselt. Die ständige Recherche, strukturierte Aufbereitung sowie verständliche Veröffentlichung von allen Fragestellungen rund um das Kreditgeschäft gehören zu den wesentlichen Schwerpunktsetzungen meiner Funktion.

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