Eine Immobilie muss nicht immer mit einem Festpreis verkauft werden. Es stehen Ihnen unterschiedliche Verkaufsmethoden offen. Doch was ist die beste Wahl, ein Bieterverfahren oder Festpreis? Wir fassen zusammen, welche Argumente für die jeweiligen Optionen sprechen, damit Sie Ihre Immobilie erfolgreich zum Bestpreis verkaufen.
Das Wichtigste im Überblick: Bieterverfahren oder Festpreis?
Bei einem Bieterverfahren können Interessenten einander in mehreren Gebots-Runden zu höheren Angebotspreisen treiben. Manche sind von dieser Vorgehensweise jedoch abgeschreckt.
Bei einem Festpreis-Verfahren soll die Immobilie zum vorab definierten Preis (oder zumindest sehr nahe an diesem Preis) veräußert werden.
In beiden Szenarien ist es wichtig, den Wert der Immobilie vorab möglichst korrekt einzuschätzen. Dabei ist die Expertise eines erfahrenen Maklers besonders wertvoll. Andernfalls kann sich der Verkauf verzögern, zu einem niedrigeren Preis erfolgen oder gar gänzlich scheitern.
Richtige Verkaufsmethode: Bieterverfahren oder Festpreis?
Eine Immobilie kann auf unterschiedliche Art und Weise verkauft werden. Gängige Verkaufsmethoden sind:
Festpreis: Es wird ein konkreter Verkaufspreis definiert. Geringfügige Abweichungen sind möglich, wenn Interessenten leicht abweichende Kaufpreise anbieten.
Bieterverfahren: Bei einem Bieterverfahren wird ein Mindestgebot festgelegt. Interessenten sind aufgefordert, bis zu einem vorab definierten Zeitpunkt ein Gebot abzugeben. Der Verkäufer entscheidet schlussendlich selbst, an wen er verkauft. Der Zuschlag wird allerdings in der Regel an den Höchstbietenden gehen.
Zwangsversteigerung: Bei einer durch Schulden bedingten Versteigerung kommt es zu einem Termin vor Ort, bei dem die Versteigerung abgewickelt wird. Der Höchstbietende erhält den Zuschlag, der Verkäufer hat diesbezüglich keine Mitsprachemöglichkeit.
Verkauf mit Wohnrecht: Die Immobilie wird verkauft, dem bisherigen Eigentümer wird jedoch ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt. Als Ausgleich fällt der Kaufpreis entsprechend geringer aus.
Teilverkauf: Sie verkaufen Ihre Immobilie im Ausmaß von bis zu 50 % an einen Investor, bezahlen ein monatliches Entgelt (ähnlich einer Mietzahlung) und leben weiterhin in dem Haus. Sie müssen Instandhaltungskosten selbst tragen. Ein Rückkaufrecht kann, zu Gunsten Ihrer Erben, vorab vereinbart werden.
Sonderlösungen wie der Teilverkauf kommen in Österreich relativ selten zur Anwendung und Zwangsversteigerungen können nicht beeinflusst werden. Der Fokus dieses Beitrags liegt daher auf dem Vergleich von Festpreis-Verkäufen und Bieterverfahren. Denn als Eigentümer können Sie zwischen diesen Methoden frei entscheiden, um Ihre Immobilie zum Bestpreis zu verkaufen.
Bieterverfahren: Wettbewerb als Preistreiber
Bei einem Bieterverfahren wird ein Mindestverkaufspreis festgelegt. Es wird vorab klargestellt, dass die Immobilie nicht zwingend verkauft werden muss und der Zuschlag nicht an den Höchstbietenden ergehen muss. Der Verkäufer behält somit die Kontrolle darüber, ob und an wen verkauft wird – das Verfahren ist rechtlich nicht bindend. Trotzdem wird üblicherweise definiert, bis zu welchem Stichtag Angebote abgegeben werden können, damit das Bieterverfahren einen zeitlichen Rahmen hat und Interessenten, die nicht den Zuschlag erhalten, gegebenenfalls Angebote für andere Immobilien abgeben können.
Das große Argument, das für ein Bieterverfahren spricht, ist, dass die Beteiligten wissen, dass auch andere Personen mitbieten. Es entsteht somit ein gewisser Wettbewerb. Die Sorge, man könne weniger bieten als andere Interessenten, kann den Preis in die Höhe treiben.
Bei einem Bieterverfahren können Interessenten Gebote abgeben, der Verkäufer entscheidet jedoch selbst, an wen er verkaufen will. Der Zuschlag muss nicht an den Höchstbietenden gehen, wenn der Verkäufer z.B. ein anderes Angebot aus bestimmten Gründen (z.B. kein Finanzierungsvorbehalt) bevorzugt. Das Verfahren ist also unverbindlich, bis der Verkäufer ein verbindliches Kaufangebot ebenso verbindlich annimmt.
Bei einer Zwangsversteigerung besteht diese Mitsprachemöglichkeit nicht. Auch bei einer offiziellen, selbst initiierten, notariellen Auktion wird vorab definiert, dass der Höchstbietende den Zuschlag bekommt. Die Auktion wird notariell durchgeführt und sie ist rechtlich bindend.
Ablauf eines Bieterverfahrens
Ein Makler agiert als Schnittstelle für alle Beteiligten im Bieterverfahren.
Für ein Bieterverfahren ist die professionelle Begleitung durch einen erfahrenen Immobilienmakler besonders wichtig. Denn in einem ersten Schritt gilt es, den Marktwert des Objektes möglichst präzise einschätzen. Auf Basis dieses Betrags muss entschieden werden, welche Summe als Mindestgebot herangezogen wird. Verkäufer und Makler können zudem vorab besprechen, welcher Preis für den Verkäufer jedenfalls ausreichend wäre und wie lange das Bieterverfahren laufen soll.
Der Immobilienmakler kümmert sich anschließend darum, das Bieterverfahren korrekt zu beschreiben und aufzubereiten. Er erklärt Interessenten den Ablauf und auch die juristischen Hintergründe (kein zwingender Verkauf, keine Pflicht an den Höchstbietenden zu verkaufen, etc.). Hier ist professionelle Kommunikation essenziell, damit alle Beteiligten korrekt informiert sind.
Über den gesamten Verlauf des Bieterverfahrens agiert ein erfahrener Makler als Schnittstelle für alle Beteiligten. Denn gerade ein Bieterverfahren kann zwischenzeitlich Fragen und Unsicherheiten aufwerfen. Diese heikle Abwicklung überlassen Verkäufer daher am besten einem echten Immobilienprofi.
Hinweis: Kaufvertrag und grundbücherliche Abwicklung werden selbstverständlich, wie auch bei anderen Immobilienverkäufen, mit einem Rechtsanwalt und Notar abgehandelt.
Worauf es beim Bieterverfahren ankommt
In der Vorbereitungsphase muss der Wert der Immobilie gut eingeschätzt und das Mindestgebot sinnvoll gewählt werden. Anschließend spielen ein ansprechendes Exposé und die kompetente Erklärung des Ablaufs eine wichtige Rolle. Den Interessenten muss der Ablauf klar sein, damit Sie am Bieterverfahren teilnehmen.
Bedeutend ist der psychologische Aspekt eines Bieterverfahrens. Häufig erfolgt ein Bieterverfahren in mehreren Runden. Je nach Ausgestaltung des Bieterverfahrens können die Interessenten die Höhe der anderen Anbote sehen und erhalten die Chance, ihr Gebot zu erhöhen. Meist führt das zu Nachbesserungen der Angebote. Allerdings dürfen auch nicht zu viele Bieterrunden veranstaltet werden, da der Prozess ansonsten zu lange dauert und Interessenten zwischenzeitlich keine Gebote für andere Immobilien abgeben können.
Mit guter Organisation, einem straffen Ablauf und einer ansprechend präsentierten Immobilie lässt sich durch ein Bieterverfahren im Idealfall ein höherer Kaufpreis erzielen.
Festpreismodell: Sicherheit und Planbarkeit
Wenn Sie beispielsweise ein Haus verkaufen möchten und Sie eine eindeutige Kaufpreisvorstellung haben, können Sie die Immobilie mit einem Fixpreis vermarkten. Bereits im Inserat wird angegeben, dass es sich um einen Festpreis handelt. Die Botschaft an Interessenten ist damit klar: Dieser Preis wurde bewusst gewählt und die Verkäuferseite möchte nicht darüber verhandeln.
Wer sich meldet, bereit ist den Kaufpreis zu bezahlen und ein Anbot ohne Vorbehalte abgibt, wird wohl auch tatsächlich den Zuschlag erhalten. In der Praxis kommt es trotzdem vor, dass Interessenten ausloten, ob zumindest noch ein wenig Verhandlungsspielraum gegeben ist. Planen Sie daher auch bei einem Festpreis noch minimale Flexibilität ein. Oft ist bereits ein symbolisches Entgegenkommen ausreichend, damit das Gegenüber mit einem guten Gefühl das Kaufanbot abgeben kann.
Bevor Sie einen Festpreis definieren, lassen Sie sich unbedingt eingehend von einem erfahrenen Immobilienmakler beraten. Denn wenn der Preis für die Immobilie zu hoch gewählt ist und sich das Objekt nicht verkauft, wird die künftige Vermarktung – dann mit einem niedrigeren Kaufpreis – tendenziell eher schwieriger.
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Wenn Sie sich auf einen Festpreis für Ihre Immobilie einlassen möchten, ist die Preiseinschätzung entscheidend. Ein zu niedrig angesetzter Fixpreis kostet Sie bares Geld. Ein zu hoher Fixpreis hingegen kann Ihre Immobilie zum kaum verkaufbaren Objekt machen. Umso wichtiger ist eine professionelle, fundierte Immobilienbewertung.
Ein Immobilienmakler bezieht bei der Bewertung alle relevanten Aspekte mit ein. Ausstattungsmerkmale Ihrer Immobilie, die Lage und vor allem tatsächlich erzielte Kaufpreise vergleichbarer Objekte. Eine Immobilie verkaufen und schlussendlich den vorab definierten Festpreis erzielen ist nur möglich, wenn die Preisvorstellung realistisch ist. Holen Sie daher unbedingt vorab eine konkrete Werteinschätzung ein.
Suchfilter-Psychologie beim Immobilienkauf: Suchende nutzen Filter, um die Flut an Inseraten einzugrenzen und passende Objekte zu finden. Häufig werden dabei konkrete Preis-Limits definiert. Verkäufer setzen daher oft auf Preisangaben knapp unter üblichen Grenzen, beispielsweise 499.000 Euro. Die Eingrenzung vermittelt das Gefühl, die Datenflut besser beherrschen zu können und die Kontrolle über die Suche zu haben.
Vor- und Nachteile eines Festpreismodells
Auch bei einem Immobilienverkauf mit Festpreis gibt es naheliegende Vor- und Nachteile:
Vorteile
Nachteile
Interessenten wissen von Anfang an, dass kein oder nur minimaler Verhandlungsspielraum vorhanden ist.
Psychologischer Druck, dass andere Interessenten mehr bieten könnten, ist wesentlich geringer.
Kein komplexer Prozess: Interessenten kennen die Preisvorstellung und können einfach ein Kaufanbot abgeben.
Wird der Kaufpreis zu niedrig angesetzt, verkaufen Sie unnötigerweise unter dem Marktwert.
Interessenten verzichten nicht auf die Kontaktaufnahme wegen der Befürchtung, in einem Bieterverfahren sowieso chancenlos zu sein.
Ungewissheit, ob jemand bereit gewesen wäre mehr zu bieten als die geforderte Summe.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Immobilie ist für Interessenten von Anfang an eindeutig ersichtlich.
Der Verkauf erfolgt einfach, transparent und gegebenenfalls auch schneller als bei einem Bieterverfahren, wenn jemand bereit ist den Fixpreis zu bezahlen.
Egal ob Sie ein Haus veräußern oder eine Wohnung verkaufen möchten, die Vor- und Nachteile des Festpreismodells bestehen bei jeder Immobilie. Sie müssen individuell abschätzen, welches Format Ihnen für den Verkauf zusagt. Ein erfahrener Makler berät Sie zusätzlich hinsichtlich der Preisgestaltung und der Vermarktungsform.
Alternative Verkaufsmethoden
Wer sich die Frage stellt, ob ein Festpreismodell oder ein Bieterverfahren die richtige Herangehensweise für den Immobilienverkauf ist, sollte immer auch ein Auge auf gänzlich andere Optionen werfen. Denn je nach persönlicher Lebenssituation können auch noch weitere Formen des Immobilienverkaufs für Sie interessant sein.
Eine praktische Option ist beispielsweise der Teilverkauf Ihrer Immobilie. Dabei veräußern Sie einen Anteil (bis max. 50 %) der Immobilie, zahlen künftig ein monatliches Entgelt für die Nutzung und warten das Objekt weiterhin selbst. Für Ihre Erben kann ein Rückkaufsrecht eingeräumt werden. Für den verkauften Anteil erhalten Sie eine Einmalzahlung, über die Sie frei verfügen können. Voraussetzung für dieses Modell ist, dass die Immobilie unbelastet ist.
Sehr ähnlich ist ein gänzlicher Verkauf mit einem Wohnrecht. Dabei veräußern Sie Ihre Immobilie jedoch nicht anteilig, sondern vollständig. Ein Rückkaufsrecht ist dabei unüblich. Sie bewohnen das Objekt und es kann beliebig vereinbart werden, ob Miete zu bezahlen ist und wer die Erhaltung der Immobilie übernimmt.
Was ist sinnvoller? Bieterverfahren oder Festpreis im Vergleich
Eine pauschale Aussage, welche Vorgehensweise beim Immobilienverkauf vorteilhaft ist, lässt sich nicht treffen. Besprechen Sie Ihr Verkaufsvorhaben mit einem Makler und überdenken Sie, mit welcher Methode Sie sich selbst am besten fühlen. Außerdem gilt in allen Szenarien, dass eine realistische Erwartungshaltung und ein optimal gewählter Verkaufspreis bzw. Mindestgebotspreis entscheidend sind, damit Ihr Angebot auf ausreichend großes Interesse stößt und der Verkauf zügig abgeschlossen wird.
Bieterverfahren
Fixpreisverfahren
Angebote können einander hochschaukeln, sodass schlussendlich ein höherer Verkaufspreis möglich ist.
Transparenter, eindeutiger Preis reduziert den Aufwand für Kaufpreisverhandlungen.
Stärkerer „Wettbewerbsgedanke“- Interessenten erhöhen ihre Angebote eventuell immer wieder.
Eindeutiger Deal für alle Beteiligten, somit ist ein klares, von Beginn an gut bewertbares Preis-Leistungs-Verhältnis erkennbar.
Risiko mangelnder Teilnehmer, da das länger dauernde Verfahren mit dem Risiko des Wettbietens manche Interessenten abschrecken kann.
Manche Interessenten möchten zumindest einen kleinen Preisnachlass und brauchen einen solchen „gefühlten Verhandlungserfolg“, um sich mit der Kaufentscheidung wohlzufühlen.
Wenn Sie Ihre Immobilie mit einem Bieterverfahren in Österreich anbieten möchten, entsteht im Idealfall ein Wettbieten mehrerer Beteiligter. Allerdings nimmt der Ablauf Zeit in Anspruch. Manche Interessenten wünschen sich eine klare Aussage: Zu welchem Kaufpreis kann ich die Immobilie heute erwerben? Sie haben kein Interesse daran, immer wieder neu zu bieten, sondern möchten einfach einen Kaufabschluss erwirken.
Andererseits gibt es bei Fixpreisangeboten oftmals ebenfalls abweichende Gebote. Der Ablauf ist zwar klarer als bei einem Wettbieten, doch etwas niedrigere oder höhere Preise sind durchaus auch in diesem Szenario üblich. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile und für beide Vorgehensweisen gibt es Menschen, die sie bevorzugen. Daher ist es schlussendlich immer Ihre persönliche Entscheidung als Eigentümer, für welche Vermarktungsweise Sie sich entscheiden.
FAQs zur Frage: Bieterverfahren oder Festpreis?
Grundsätzlich können Sie Ihr Haus zu jedem beliebigen Preis anbieten. Um den Kaufpreis realistisch und sinnvoll zu wählen, ist eine externe Immobilienbewertung empfehlenswert, bevor Sie die Vermarktung Ihrer Immobilie starten.
Lassen Sie Ihre Immobilie von einem erfahrenen Immobilienmakler bewerten. Diese Werteinschätzung ist keine Garantie, aber ein starker Indikator dafür, welcher Verkehrswert in etwa gegeben ist.
Zahlreiche Faktoren rund um den Zustand, die Lage und Ausstattung der Immobilie beeinflussen den Preis. Welcher Preis für eine Immobilie realistisch ist, muss immer individuell bewertet werden.
Für einen erfolgreichen Verkauf muss das Verhältnis aus Lage, Zustand, Ausstattung und Kaufpreis stimmig sein. Grobe individuelle Nachteile des Objektes und ein unpassendes Preis-Leistungs-Verhältnis erschweren den Verkauf.
Ob ein Verkauf mit einem Festpreis oder ein Bieterverfahren die bessere Wahl ist, kommt auf Ihre persönliche Präferenz an. Lassen Sie sich am besten zu beiden Optionen individuell von einem erfahrenen Immobilienmakler beraten und wählen Sie anschließend die für Sie optimale Vorgehensweise.
Bildquellen: fizkes/ Adobe Stock, fizkes/ Adobe Stock, Rechtshinweise zu unseren Ratgebern finden Sie in unserer Verbraucherschutzinformation.
Über den Autor: Lorenz Sigl, MA
Position: Leiter Infina Immobilien
Meine Immobilienkompetenz basiert auf einer fundierten Ausbildung zum Immobilientreuhänder (Makler, Verwalter, Bauträger) sowie als Bautechniker an der Bauakademie. Ergänzend absolvierte ich den ÖVI-Vorbereitungslehrgang für Sachverständige und spezialisierte mich als Bewertungsexperte für Immobilien in Banken. Ein Master in Facility- und Immobilienmanagement sowie ein Bachelor in Management und Recht vertiefen mein Wissen. Mit Erfahrung in der Immobilienvermittlung im Bankenbereich und als Leiter von INFINA Immobilien analysiere ich laufend den Markt, um maßgeschneiderte Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln.
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