Wer träumt nicht davon, ein eigenes Stück unberührte Natur zu besitzen? Die Sehnsucht nach Ruhe, Natur oder Hobby bringt Menschen dazu, in Österreich ein Waldgrundstück kaufen zu wollen. Doch wer ein Stückchen Wald kaufen möchte, stößt in der Praxis schnell auf bürokratische Hürden und Gesetze. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen auf, worauf Sie achten müssen, was bei der Eigennutzung erlaubt ist und wie der Traum vom Wohnen im grünen Wald verwirklicht werden kann.
Das Wichtigste im Überblick: Waldgrundstück kaufen in Österreich
Wer in Österreich als Privatperson ein Waldgrundstück kaufen möchte, unterliegt dem Grundverkehrsgesetz, welches lokalen Land- und Forstwirten oft ein Vorkaufsrecht einräumt.
Ein reines Waldgrundstück neu zu bebauen, ist durch strenge Raumordnungsgesetze nahezu unmöglich. Wer im Wald wohnen möchte, sollte eine bestehende Immobilie mit entsprechender Widmung erwerben.
Der Waldbesitz ist mit strengen gesetzlichen Pflichten verbunden, wie etwa der aktiven Bekämpfung des Borkenkäfers und der sofortigen Wiederaufforstung nach Sturmschäden.
Waldflächen gelten zunehmend als inflationsgeschützte Sachwertanlage, wobei der Wert in der Stabilität liegt, da der reine Holzertrag die Investitionskosten meist nicht deckt.
Wer darf in Österreich ein Waldgrundstück kaufen?
Prinzipiell darf jeder in Österreich ein Waldgrundstück kaufen, aber der Kauf unterliegt umfangreichen staatlichen Vorgaben und Genehmigungen. Wenn Sie als Privatperson einen Wald kaufen wollen, begegnen Sie unweigerlich dem Grundverkehrsgesetz des jeweiligen Bundeslandes. Diese Gesetze bestimmen, dass der Erwerb von land- und forstwirtschaftlichen Flächen genehmigungspflichtig ist, und sollen verhindern, dass knappe Agrar- und Forstflächen zu reinen Spekulationsobjekten verkommen.
Für einen Erwerb benötigen Sie die Zustimmung der örtlichen Grundverkehrskommission (teilweise auch als Grundverkehrsbehörde bezeichnet). Oft greift hier das sogenannte „Bauernprivileg“. D.h., wenn ein ortsansässiger Land- oder Forstwirt das Grundstück zu den gleichen Bedingungen kaufen möchte und es für seinen Betrieb benötigt, hat er in der Regel ein gesetzliches Vorkaufsrecht vor Ihnen als Privatperson.
Dennoch ist es möglich, als Privatperson ein Stück Wald zu kaufen. Tatsächlich befinden sich mehr als 80 Prozent des österreichischen Waldes in Privatbesitz. Rund 137.000 Eigentümer teilen sich 81 Prozent der Fläche. Darunter sind längst nicht mehr nur klassische Forstbetriebe. Es gibt immer mehr urbane Neu-Waldbesitzer ohne landwirtschaftlichen Hintergrund. Somit gilt: Wer sich im Vorfeld informiert und gut vorbereitet, kann durchaus ein Waldgrundstück kaufen.
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Wer ein Waldgrundstück in Österreich kaufen möchte, findet dafür die besten Voraussetzungen. In Österreich spielt der Wald ohnehin eine tragende Rolle. Laut Österreichischem Waldbericht macht der Wald in Österreich rund 48 Prozent der Staatsfläche aus. Das entspricht mehr als vier Millionen bewaldete Hektar, die Tendenz ist steigend.
Denn die Waldfläche wächst täglich um rund sechs Hektar. Das entspricht neun Fußballfeldern, die jeden Tag neu entstehen. Diese Fülle an Naturflächen macht den heimischen Wald zu einem faszinierenden, aber auch streng geschützten Lebensraum.
Preise & Preisentwicklung: Was kostet es, ein Waldstück zu erwerben?
Wer in die Natur investiert, sucht oft Sicherheit und Entspannung in unruhigen Zeiten. Doch wie viel Budget müssen Sie einplanen? Für den Erwerb eines Hektar Waldes kann man in Österreich als grobe Indikation mit zwischen 8.000 bis 50.000 Euro rechnen. Der genaue Preis ist abhängig von Lage, Bestandsqualität, Erschließung durch Forststraßen sowie forstwirtschaftlicher oder jagdlicher Nutzung.
In Summe haben sich die Preise für heimische Waldflächen in den letzten Jahren steil nach oben entwickelt, denn Waldflächen sind sehr begehrt. Dafür sorgt die begrenzte Anzahl an Flächen, die verkauft werden können, die Vorgaben des Grundverkehrsrechts sowie der Status von Waldflächen als inflationsresistente Anlageformen.
Forststraßen und Holzbestand beeinflussen den Wert eines Waldgrundstücks.
Hinweis: Der Bund, beispielsweise der Waldfonds Republik Österreich, und die Länder unterstützen Waldbesitzer durch Förderungen bei der Pflege und beim Umbau des Waldes. Besonders gefördert wird aktuell die Schaffung von „klimafitten“ Mischwäldern (z. B. der Umbau von reinen Fichten-Monokulturen in widerstandsfähige Laub-Mischwälder) sowie die Aufforstung nach Schadereignissen.
Waldflächen sind jedoch kaum als kurzfristige Renditeobjekte geeignet. Das österreichische Forstgesetz schreibt eine nachhaltige Bewirtschaftung sowie die sofortige Wiederaufforstung nach Sturmschäden zwingend vor. Da der Holzverkauf die laufenden Kosten oft nicht deckt, geht es beim Kauf in der Regel nicht um den schnellen Gewinn. Der eigentliche Wert liegt in der Sicherheit des Grundbesitzes und der seltenen Chance, überhaupt Wald erwerben zu können.
Worauf muss man achten, wenn man ein Waldgrundstück in Österreich kauft?
Wer in Österreich einen Wald kaufen möchte, muss vor allem das Grundverkehrsrecht beachten. In vielen österreichischen Bundesländern werden aktive Land- und Forstwirte beim Kauf von Wald- und Landwirtschaftsflächen gesetzlich bevorzugt. In praktischer Hinsicht sind die Erschließung und der Zustand des Bestands entscheidend. Ein Waldstück ohne gesicherte Zufahrt für schwere Forstmaschinen ist wirtschaftlich kaum nutzbar und deutlich weniger wert.
Käufer sollten zudem die Bestandszusammensetzung der Bäume prüfen, da klimaresistente Mischwälder heute als wesentlich wertstabiler gelten als reine Fichtenmonokulturen. Neben den Anschaffungskosten von rund 10 % Nebenkosten sollten zudem Rücklagen für die Instandhaltung der Wege, die Schädlingsbekämpfung und die Haftpflichtversicherung eingeplant werden.
Eigennutzung und Jagdrecht: Was im eigenen Wald wirklich erlaubt ist
Für viele Käufer steht die Eigennutzung eines eigenen Waldgrundstücks im Mittelpunkt. Als Waldbesitzer dürfen Sie dabei Holz für den Eigenbedarf, etwa zum Heizen, ernten. Sie müssen sich dabei jedoch an die Regeln der nachhaltigen Forstwirtschaft halten. Beispielsweise ist eine 0,5-Hektar-Grenze im österreichischen Forstgesetz (§ 85 Abs. 1 a und b) ausdrücklich als Schwelle für die Bewilligungspflicht von Kahlhieben und gleichzuhaltenden Fällungen geregelt. . Zudem besteht eine gesetzliche Pflicht zur Wiederaufforstung, wenn Sie Flächen roden.
Schwammerln, Beeren und Wandern
In Österreich verankert § 33 des Forstgesetzes die sogenannte Wegefreiheit. Das bedeutet, dass der Wald von jedem für Erholungszwecke frei betreten werden darf. Sie dürfen Ihr Waldgrundstück also nicht einfach einzäunen, um Wanderer auszusperren. Ausnahmen gibt es nur für vorübergehende forstliche Sperrgebiete (z. B. bei Baumfällarbeiten) oder sogenannte „Kulturzäune“, um junge Bäume vor Wildverbiss zu schützen.
Hinweis: Grundsätzlich darf jeder Spaziergänger in Ihrem Wald Pilze (z. B. Schwammerl) und Beeren für den Eigengebrauch sammeln. Bei Pilzen gilt laut Forstgesetz eine Höchstmenge von 2 Kilogramm pro Person und Tag. Eine gewerbliche Nutzung durch Dritte ist ohne Zustimmung des Waldeigentümers jedoch unzulässig.
Jagen als Privileg der Fläche
Ein weiteres Kaufmotiv ist das Jagdrecht. Zwar ist in Österreich das Jagdrecht untrennbar mit dem Grund verbunden, die Ausübung ist jedoch an strenge Flächengrößen geknüpft:
Die Eigenjagd: Erst ab einer zusammenhängenden Fläche von in der Regel 115 Hektar (in manchen Bundesländern sogar mehr) entsteht eine Eigenjagd. Erst dann dürfen Sie selbst jagen oder die Jagd verpachten.
Die Genossenschaftsjagd: Kaufen Sie ein kleineres Waldstück, wird dieses automatisch einer regionalen Genossenschaftsjagd zugeteilt. Sie dürfen dort nicht selbst jagen, erhalten aber als Grundeigentümer einen Anteil am Jagdpachtschilling.
Wohnen im Grünen ist meist nur mit Bestandsimmobilien realistisch.
Der Traum vom Wohnen: Haus im Wald bauen oder kaufen?
Wer in Österreich ein Haus im Wald kaufen möchte, hat oft das romantische Bild einer Hütte im Wald vor Augen. In der Realität ist es jedoch nahezu unmöglich, ein reines Waldgrundstück zu kaufen und darauf einfach ein Wohnhaus zu errichten. Die Raumordnung setzt hier klare Grenzen, denn Wald ist kein Bauland.
Der Weg, um ein Haus im Wald zu kaufen, führt daher fast ausschließlich über Bestandsimmobilien. Wer zudem ein Haus in Alleinlage kaufen will und so den Wohntraum nahe Wald oder Wiese Wirklichkeit werden lassen will, muss gezielt nach Liegenschaften Ausschau halten, auf denen bereits ein legales Gebäude steht.
Dieses muss entweder Bestandsschutz genießen oder eine entsprechende Widmung, wie etwa „Gebäude im Grünland“, aufweisen. Wohnimmobilien mit angrenzenden Wald- oder Wiesenflächen haben massiv an Attraktivität gewonnen und führen zu einem stark umkämpften Markt.
Tipp: Eine interessante Alternative kann es sein, einen bestehenden Bauernhof zu kaufen, mit dazugehörigem Waldanteil.
Regionale Besonderheiten: Wo möchten Sie investieren?
Die Geografie Österreichs schafft sehr unterschiedliche Marktbedingungen für Forstinvestitionen. Ein flacher, leicht zugänglicher Wirtschaftswald im Alpenvorland lässt sich wesentlich günstiger bewirtschaften als steile Bergwälder in den Alpen, wo das Holz oft nur mit hohem technischem Aufwand per Seilkran herausgeholt werden kann.
Beispielsweise gilt: Wer ein Waldgrundstück in Oberösterreich oder Niederösterreich kaufen möchte, findet meist Flächen vor, bei denen die klassische forstwirtschaftliche Nutzung im Mittelpunkt steht. Im Gegensatz dazu spielen beim Kauf von Waldflächen in Tirol häufig emotionale Faktoren sowie die Kombination aus Wohnen und Natur eine entscheidende Rolle.
Besonders in Westösterreich sind deutliche Preisaufschläge messbar, da Immobilien mit eigenem Waldanteil dort als exklusive Raritäten gelten und Spitzenpreise erzielen. In diesen Regionen haben sich Waldflächen längst zu einer eigenständigen Anlagekategorie entwickelt: Sie vereinen persönliche Leidenschaft mit einer wertstabilen Investition, deren Preis maßgeblich durch die Seltenheit des Angebots bestimmt wird.
Lohnt es sich in Österreich ein Waldgrundstück zu kaufen?
Ein Waldgrundstück zu kaufen, ist eine emotionale und nachhaltige Investition. Wer davon träumt, ein Haus im Wald zu kaufen, sollte nach (legalen) Bestandsobjekten suchen. Zudem übernehmen Waldbesitzer große Verantwortung für die Natur und unterliegen den strengen Pflichten des österreichischen Forstgesetzes. Der Kauf eines Waldgrundstücks kann ein Stück Lebensqualität bringen und ein generationenübergreifendes Naturerbe sein.
FAQs zum Kauf eines Waldgrundstücks in Österreich
Die Preise für Waldflächen in Österreich liegen im Durchschnitt zwischen 1,00 € und 5,00 € pro Quadratmeter. Während gut erschlossener Wirtschaftswald im Flachland meist 2,50 € bis 4,50 € kostet, ist steiler Bergwald oft schon ab 1,00 € erhältlich. In begehrten Lagen, nahe von Städten, können die Preise aufgrund des hohen Freizeitwerts auch deutlich über 5,00 € steigen.
Das Forstgesetz verbietet das Zelten im Wald grundsätzlich, es sei denn, der Waldeigentümer erlaubt es. Als Eigentümer dürfen Sie also in Ihrem eigenen Wald temporär zelten. Allerdings wirddas dauerhafte Aufstellen eines Wohnwagens oder Bauwagens zu Wohn- oder Freizeitzwecken von den Behörden als Bauwerk gewertet und ist im Wald illegal.
Der größte Waldbesitzer sind die Österreichischen Bundesforste, die als Unternehmen der Republik mehr als 500.000 Hektar Wald verwalten. Trotz weiterer großer Eigentümer wie kirchlichen Institutionen oder traditionsreichen Familien ist der österreichische Wald stark kleinteilig strukturiert. Der Großteil des Privatwaldes verteilt sich auf mehr als 140.000 Waldeigentümer, überwiegend mit Flächen unter 200 Hektar.
Als Waldbesitzer haben Sie eine Verkehrssicherungspflicht für Waldränder, die an öffentliche Straßen, Bahnlinien oder bebaute Grundstücke grenzen. Wenn hier ein morscher Baum umstürzt und einen Schaden verursacht, können Sie haftbar gemacht werden. Deshalb ist eine Waldhaftpflichtversicherung für Waldbesitzer zu empfehlen.
Das österreichische Forstgesetz verpflichtet Sie zumaktiven Forstschutz. Wenn Ihr Wald von Schädlingen, wie dem Borkenkäfer befallen wird oder Bäume durch einen Sturm umstürzen, müssen Sie das Schadholz schnellstmöglich entfernen lassen, um eine Ausbreitung auf benachbarte Wälder zu verhindern. Tun Sie dies nicht, kann die Behörde eine Zwangsräumung auf Ihre Kosten anordnen.
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Über den Autor: Lorenz Sigl, MA
Position: Leiter Infina Immobilien
Meine Immobilienkompetenz basiert auf einer fundierten Ausbildung zum Immobilientreuhänder (Makler, Verwalter, Bauträger) sowie als Bautechniker an der Bauakademie. Ergänzend absolvierte ich den ÖVI-Vorbereitungslehrgang für Sachverständige und spezialisierte mich als Bewertungsexperte für Immobilien in Banken. Ein Master in Facility- und Immobilienmanagement sowie ein Bachelor in Management und Recht vertiefen mein Wissen. Mit Erfahrung in der Immobilienvermittlung im Bankenbereich und als Leiter von INFINA Immobilien analysiere ich laufend den Markt, um maßgeschneiderte Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln.
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