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Klimaaktiv-Gebäudestandard
Was bedeutet die Auszeichnung?

Lorenz Sigl Lorenz Sigl Leitung Infina Immobilien, Immobilientreuhänder 31. August 2026 4 Minuten Lesezeit
Klimaaktiv-Gebäudestandard

Immer öfter werden Neubauprojekte mit der Erfüllung der Klimaaktiv-Gebäudestandards beworben. Wir geben in diesem Beitrag einen Überblick, welche Kriterien es gibt, welche positiven Auswirkungen die Standards auf die Lebensqualität haben und warum diese Auszeichnungen besonders auch für Investoren interessant sind. 

Was ist der Klimaaktiv-Gebäudestandard? 

Grundsätzlich wird zwischen Gold, Silber und Bronze-Standard unterschieden. Bronze bedeutet dabei, dass die Muss-Kriterien erfüllt wurden. Dazu zählen beispielsweise die Nutzung ökologischer Baumaterialien und die Erreichung guter Effizienzwerte im Energieausweis. Für Silber und Gold muss eine Mindestpunkteanzahl (750 bzw. 900 von 1.000 möglichen Punkten) erreicht werden, wobei die Muss-Kriterien selbstverständlich ebenso abzudecken sind. 

Um ein Wohnbauprojekt zur Punktevergabe einzureichen, ist online ein Antrag abzugeben. Baumeister bzw. Architekt wissen normalerweise vorab bereits sehr genau, wie viele Punkte das Objekt erreichen wird. 

Für die Bewertung werden zahlreiche Einflussfaktoren beachtet. Diese reichen von den verwendeten Baumaterialien bis hin zu den Werten im Energieausweis. Die Immobilie wird anhand eines Kriterienkatalogs somit objektiv bewertet. Nach Abschluss der Prüfung wird für das Gebäude eine Urkunde ausgefertigt, die als Nachweis für die Erreichung eines bestimmten Standards dient. 

Beschleunigte Abschreibung bei Klimaaktiv-Immobilien

Die Abschreibung ist ein Wert aus der Finanzbuchhaltung, der jährlich errechnet wird und die Steuerbemessungsgrundlage reduziert. Bei Immobilien macht die Abschreibung („AfA“) normalerweise 1,5 Prozent der Herstellungskosten aus. Je höher die Abschreibung, desto geringer ist die Steuerlast auf den Ertrag aus der Vermietung. 

Die Bundesregierung hat zur Belebung der Bauwirtschaft und um einen Anreiz für möglichst ökologische Neubauten zu schaffen, eine sogenannte „erweiterte beschleunigte Abschreibung“ erlaubt. Diese betrifft Wohngebäude, die zwischen 31.12.2023 und 31.12.2026 fertiggestellt werden. Die Wohngebäude müssen zwingend mindestens den Gebäudestandard Bronze erfüllen. Dafür darf in den ersten drei Jahren die dreifache Abschreibung (4,5 % statt 1,5 %) berücksichtigt werden. Das führt zu einer deutlichen Reduktion der Steuerlast. 

Längerfristige Vorteile von Klimaaktiv-Gebäuden

Ob Sie selbst in einem ökologisch errichteten Gebäude wohnen oder eine Immobilie zur Vermietung kaufen, klar ist, dass die nachhaltige Gestaltung sowohl für Investoren als auch für Mieter relevante Vorteile mit sich bringt. 

Vorteile für Mieter

Die ökologische Bauweise führt vor allem auch zu geringeren laufenden Betriebskosten. Durch die Nutzung ökologischer Materialien verbessert sich die Raumluftqualität und gesunde Materialien sorgen für hohen Wohnkomfort. So bieten moderne, ökologische Immobilien selbstverständlich auch für Mieter erhebliche Vorteile. Immer mehr Menschen achten beim Thema Wohnen auf ökologische Aspekte – von grundlegenden Materialien, etwa beim Wandaufbau, bis hin zur möglichst gesunden Farbe.

Vorteile für Eigentümer

Vermieter dürfen daher darauf hoffen, dass es in nachhaltigen Wohngebäuden weniger Mieterwechsel und wenig Leerstand gibt, da die Immobilie hohe Lebensqualität bietet. Die beschleunigte Abschreibung ist ebenfalls ein zentraler Anreiz für Vermieter. 

Aus Käufersicht ist ein möglicher Nachteil, dass die Errichtung eines Bauwerks nach hohen ökologischen Standards etwas teurer sein kann. Bauträger lassen sich die Einhaltung besonders hoher Standards meist gut bezahlen. Käufer sollten daher jedenfalls darauf achten, inwieweit ein höherer Kaufpreis gerechtfertigt ist. Hat der Bauträger beispielsweise nur die kleinstmögliche PV-Anlage errichtet, um die Kriterien zu erfüllen, oder wurde eine möglichst große Anlage gebaut? Bei genauerem Hinsehen zeigt sich schnell, ob „nur“ die (ebenfalls guten!) Mindeststandards erfüllt wurden oder ob der Bauträger wirklich ein umfassendes, ökologisches Konzept realisiert hat.

Vorteilhaft ist, dass ein hoher ökologischer Gebäudestandard künftige Folgekosten reduzieren kann. Etwa, wenn aus Klimaschutzgründen gesetzliche Regelungen gegen veraltete Heizmethoden ergriffen werden oder wenn Gebäude bestimmte Mindeststandards hinsichtlich der Energieeffizienz erfüllen müssen. Wer heutzutage ein Objekt kauft, das womöglich schon mit der Klimaaktiv-Urkunde ausgezeichnet wurde, hat hinsichtlich solcher künftiger Änderungen wohl kaum Folgekosten zu befürchten. 

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Tipp: Sie möchten mehr darüber erfahren, welche Kriterien nachhaltige Gebäude erfüllen und welche Zertifizierungen es gibt? In unserem Ratgeber „Nachhaltiges Bauen: Definition, Kriterien und Zertifizierung“ erfahren Sie mehr über nachhaltige Bauweisen und die verschiedenen Gebäudestandards.

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