Babyboomer und Erben-Generation
Diesen Einfluss haben sie auf den Immobilienmarkt
Der demografische Wandel hat in ganz unterschiedlichen Facetten Auswirkungen auf den österreichischen Immobilienmarkt. Welche Rolle spielen Babyboomer und wie beeinflussen Menschen, die Immobilien oder sonstiges Vermögen erben, den Gesamtmarkt?
Babyboomer: Veränderte Bedürfnisse im höheren Alter
In der Generation der Babyboomer kommen derzeit unterschiedliche Aspekte hervor. Die ältesten Mitglieder dieser Generation werden bereits 80 Jahre alt. Viele von ihnen haben zu einer Zeit, als noch günstigeres Bauen (in Relation zum Einkommen) möglich war, große Immobilien errichtet. Dieser Platzbedarf ist längst nicht mehr vorhanden, die Kinder sind seit vielen Jahren ausgezogen und gerade im höheren Alter wird die Flächenreduktion zum Thema.
Es gibt daher Babyboomer, die gezielt nach barrierefreien, kompakten Immobilien in praktischer Lage, mit guter Nahversorgung, suchen. So können sie auch im hohen Alter weiterhin aktiv bleiben. Wer im gewohnten Umfeld bleiben möchte, kann z.B. in nahegelegenen, größeren Ortschaften am Land nach einer barrierefreien Wohnung suchen. Für noch mehr Flexibilität und Freiheit bietet sich der Umzug in eine Stadt an, wo das kulturelle Angebot größer ist und öffentliche Verkehrsmittel auch im hohen Alter für gute Mobilität sorgen.
Speziell ältere, große Einfamilienhäuser im ländlichen Gebiet kommen daher öfter auf den Markt. Diese müssen jedoch meist von Grund auf saniert, oder zumindest modernisiert, werden. Für viele junge Menschen, die nach einem Haus suchen, stellt sich daher in diesem Fall oft die Frage, ob ein Neubau oder die Sanierung die bessere Wahl ist. Dies ist immer individuell zu prüfen, je nach persönlichen Umständen, Zustand der Immobilie und gewünschtem Kaufpreis.
Oftmals ist die Preisvorstellung bei solchen Hausverkäufen hoch. Mitglieder der Babyboomer-Generation müssen nicht dringend verkaufen und haben eine starke emotionale Bindung zu ihrem bisherigen Eigenheim. Gleichzeitig steht ihnen die Option offen, die Immobilie weiterzuvererben, falls sich kein Käufer findet und sie den Verkaufserlös nicht dringend benötigen.
Die Situation vieler Babyboomer ist somit klar:
- Geringerer Platzbedarf als bisher
- Barrierefreiheit wird relevanter
- Praktische Lage für maximale Selbstständigkeit im hohen Alter ist wichtig.
- Umzugsbereitschaft: Abwanderung aus kleinen Dörfern. Etwas größere Orte in der näheren Umgebung, aber mit besserer Infrastruktur, Kleinstädte oder sogar Großstädte kommen als neue Heimat in Frage.
- Große Häuser am Land kommen auf den Markt oder werden vererbt, haben jedoch häufig umfassenden Modernisierungsbedarf und werden oftmals zu relativ hohen Preisen angeboten.
Erbengeneration: Ihr vielfältiger Einfluss auf den Immobilienmarkt
Eine weitere Folge des demografischen Wandels ist es, dass viele Menschen Immobilien erben. Gerade Objekte, die derzeit vererbt werden, wurden oft relativ preiswert errichtet. Daher sind die Kredite aus der damaligen Zeit meist längst abbezahlt. Erben erhalten somit unbelastete Immobilien, die selbst genutzt, vermietet oder verkauft werden können.
Wie mit der vererbten Immobilie umgegangen wird, ist typischerweise stark vom persönlichen Bezug zum Objekt abhängig. Vor einer Eigennutzung müssten meistens Modernisierungsarbeiten durchgeführt werden. Viele Erben entscheiden sich daher für den Verkauf oder investieren das Nötigste und vermieten anschließend. Hinzu kommt, dass die Erben oft bereits selbst in ein Eigenheim investiert haben und daher keinen Eigenbedarf für das geerbte Objekt haben.
Die Folgen sind klar: Wer eine unbelastete Immobilie erbt, kann durch den Verkauf eine stattliche Summe lukrieren oder per Vermietung ein stabiles Nebeneinkommen schaffen. Die Generation X und Millennials gewinnen dadurch klar an finanzieller Unabhängigkeit.
Immobilienmarkt: Keine Verkaufswelle in Sicht
Die Bedürfnisse der älteren Generation verändern sich und Immobilien kommen dadurch auf den Markt. Doch die Babyboomer-Generation verkauft und vererbt ihre Immobilien stetig, nach und nach. Eine drastische Verkaufswelle, von der gelegentlich medial die Rede ist, ist nicht zu erwarten.
Der allgemeine Verkaufstrend dieser Generation ist real und auch geerbte Liegenschaften werden häufig verkauft. Durch die zeitliche Verteilung dieser Veräußerungen werden die Auswirkungen auf den Immobilienmarkt allerdings merklich abgeschwächt. Preislich sind, selbst im ländlichen Gebiet, keine markanten Implikationen absehbar.
Die gute Nachricht ist vor allem, dass durch diesen demografischen Wandel junge Menschen, die selbst keine Immobilien geerbt haben, die Chance bekommen, Objekte selbst in sehr gefragten Lagen zu kaufen. Es gibt Gegenden, in denen in den letzten Jahren kaum Verkäufe stattfanden, doch jetzt, wo die dortigen Objekte nach und nach vererbt werden, kommen Immobilien auf den Markt.
Objektiv betrachtet erleben wir somit eine sanfte, kontinuierliche Übertragung der Vermögenswerte auf die nachfolgenden Generationen – undramatisch und mit Potenzial für spannenden Kaufgelegen.
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